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Samstag, 24. Oktober 2020

Soja-Selbstversorgung: Deutschland, ein Umweltmärchen

Es herrscht Entsetzen beim früheren Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" angesichts von Zahlen, die die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen herausgegeben hatte. Deutschlands Soja-Importe sinken - doch die weltweite Soja-Produktion steigt!  

Wie kann das sein, hatte doch Europas Kernland in seiner Rolle als moralischer Leuchtturm der Welt nicht grundlos beschlossen, auf Soja-Importe weitgehend zu verzichten. Vielmehr gilt der Anbau der Ölpflanze als "vor allem unter Umweltgesichtspunkten umstritten", weil der daraus gewonnenen Bio-Sprit zwar den guten Ruf genießt, die Reichweite von damit betriebenen Autos zu senken. Dafür aber "zum Beispiel in Brasilien im Amazonas-Gebiet Wälder gerodet werden". 

Der deutsche Traum vom Regenwald

 Dem hatte Deutschland mit dem Verzicht auf Importe ein Ende machen wollen. Doch die Idee hat nicht funktioniert: 2004 wurde weltweit auf 91,6 Millionen Hektar Soja angebaut, damals importierte Deutschland 3,9 Millionen Tonnen. Diese Menge sank bis 2005 auf 2,7 Millionen. Dennoch aber weitete sich die Soja-Anbaufläche bis 2018 um mehr als ein Drittel auf 124,9 Millionen Hektar aus. Das sind fast 500 Saarländer - und es ist ein harter Schlag für die, die erwartet hatten, dass Deutschlands leuchtendes Vorbild der Welt zeigen könne, wie sich regionaler, gesünder und klimaneutraler wirtschaften lässt. 

Der Sojabohne war eigentlich ursprünglich eine Schlüsselrolle beim umweltgerechten Umbau der Gesamtgesellschaft zugedacht gewesen: Die seit Jahrtausenden bekannte Nutzpflanze aus der Familie der Schmetterlingsblüter, ehedem vor allem als Futtermittellieferant geschätzt, wurde im Dritten Reich als Nahrungsmittelpflanze entdeckt. Die Nazis zielten darauf, mit Hilfe der Soja-Eiweiße die sogenannte „Eiweißlücke“ zu schließen und Deutschland von Lebensmittelimporten unabhängig zu machen. Eine Idee, die später verworfen wurde. 

Gemüsebrühe für das Weltklima

Soja galt mit der Einführung des Dünnbenzins E10, das erlaubt, weniger weit, dafür aber teurer zu fahren, als Schlüssel zum energetischen Umbau der Mobilität. Die Gemüsebrühe, um die herum eine ganze neue Bioethanolbranche entstand, wurde auf staatliches Geheiß hin Fahrzeugtreibstoffen beigemischt. Da Ethanol über etwa 32 Prozent weniger Energieinhalt verfügt, wurde entsprechend mehr Sprit verbraucht. Zu viel, um den Bedarf aus eigenem Anbau zu befriedigen. Ein im Rückblick geradezu rauschhaft erscheinendes Konzept. 

Um Ethanol beimischen zu können, damit das Weltklima gerettet werden kann, wurde Soja importiert. Um genügend Soja herzustellen, wurde der Regenwald gerodet. Um das Weltklima zu retten, musste quasi das Weltklima leiden. Und knapp zehn Jahre nach dem ersten Benzingipfel seit 1934 bleibt als Ergebnis festzuhalten. "Bisherige Maßnahmen im Verkehrssektor weitgehend wirkungslos", wie der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft errechnet hat. 

Eine stolze Bilanz, die im globalen Maßstab noch gar nicht ausreichend gewürdigt wird. Denn Deutschland verzichtet ja nicht nur für sich allein, sondern für die gesamte Menschheit, und nicht nur mit Hilfe eines hartnäckigen E10-Boykotts, sondern inzwischen auch durch die Vermeidung von Sojaprodukten, die noch vor kurzem auch von ehemals seriösen Medien als vegane Alternative für klimaschädliche tierische Produkte gefeiert worden waren. Heute heißt es, sie schadeten zwar nicht sehr. Aber doch. Nicht gut.

Schließung der Eiweißlücke

Gut ist, wer kein Soja isst, besser aber noch der, der den einheimischen Anbau vorantreibt, so, wie das in der 30er Jahren auf dem Weg zur Schließung der Eiweißlücke ohnehin geplant war. Derzeit bauen deutsche Bauern auf 33.000 Hektar Sojabohnen an. Weitere 1,4 Millionen Hektar bräuchte es, um den deutschen Bedarf aus heimischer Scholle zu decken und den Regenwald zu retten. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Anbaufläche bereits knapp verdoppelt. 

Bei einer solchen Wachstumsrate wäre Deutschland bereits in 50 Jahren Soja-Selbstversorger.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

So sieht es aus, wenn die Parteiklugscheißer glauben, es gäbe einfache Lösungen für komplexe Probleme, also das machen, wofür sie andere zu Verschwörungsmythologen erklären.

Anonym hat gesagt…

Leibeigenschaft könnte das Problem lösen - jede hochbegabte Friederike ( "meine neuen Schuhe sind da ! " ) bekommt einen persönlichen Trage - und Versorgungsassistenten geschenkt ( ex Knackis- politisch ) ; diese tragen dann die Zahllamposchuhe durch die Stadt und liefern zehohzweineutral aus

Anonym hat gesagt…

Einst las ich, dass Sojaeiweiss, lange und in ausreichender Menge genossen, den Brägen so verkleistert, wie eine Pulle Hochdrehender pro Tag über Monate(dosis facit venenum). Das würde zum Teil die Besengtheit der Grünen Khmer erklären.