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Dienstag, 7. September 2010

Wir sind nicht mehr lange hier

Und es geht noch schneller. Im dritten Jahr hintereinander haben die Menschen in Sachsen-Anhalt ihren Regierenden gezeigt, für wie ungesund sie die von der Landesregierung ausgegebenen Parole "Wir stehen früher auf" halten. Wie das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt eingestehen musste, sind die Todesraten im selbsternannten Frühaufsteherland seit Beginn der entsprechenden Werbekampagne gestiegen. Die hatte das Land Sachsen-Anhalt vor fünf Jahren mit einem Kostenaufwand von anfangs 2,5 Millionen Euro initiiert, um das westlichste der östlichen Bundesländer für Investoren und Touristen attraktiver zu machen - ein Investition, die sich gelohnt hat: Den entsprechenden Imagefilm (oben), der mit Bauhaus-Urbanisten Omar Akbar und Q-Cells-Mitbegründer Anton Milner zwei Sachsen-Anhalt-Aktivisten zeigt, die das Land vor Längerem verlassen haben, sahen in den Jahren seitdem allein auf dem offiziellen Youtube-Kanal der Landesregierung bis heute schon mehr als 300 Menschen.

Nach den Ergebnissen der Todesursachenstatistik des Jahres 2009 bezahlten in den zurückliegenden zwölf Monaten insgesamt 14690 Männer und 15790 Frauen im westlichsten der östlichen Bundesländer den Versuch der SPD/CDU-Kabinetts, Sachsen Anhalt mit irgendeinem Superlativ zu schmücken, mit dem Leben. Das waren 575 Personen oder umgerechnet 1,9 Prozent mehr als im Jahr 2008. Schon damals hatten die Zahlen weit über denen im Jahr 2006 gelegen, als das Frühaufstehen noch nicht Pflicht geworden war. Das Kabinett hatte seinerzeit sofort einen neuen Imagefilm mit den letzten noch verbliebenen Unter-30-Jährigen drehen lassen. Titel damals "Wir sind nicht mehr lange hier". Geholfen hat es wenig. Der Krankenstand im Land ist weiter bundesweit am höchsten. Inzwischen stieg die Zahl der Verstorbenen in Sachsen-Anhalt das dritte Jahr in Folge, das durchschnittliche Lebensalter, das Frühaufsteher erreichen, lag bei nun 71,5 Jahre für Männer und 79,9 Jahre für Frauen - zusammen sind das 75,8 Jahre. Das liegt tief unter dem Bundesdurchschnitt von 76,9 Jahren, den Menschen erreichen, die länger schlafen dürfen.

Kommentare:

Geier hat gesagt…

Ist ja klar. Kann nicht gutgehen. Hätte man nur mal in die Bibel sehen müssen:
Wenn Jahwe das Haus nicht baut, vergeblich arbeiten daran die Bauleute; wenn Jahwe die Stadt nicht bewacht, vergeblich wacht der Wächter. Vergeblich ist es für euch, daß ihr früh aufstehet, spät aufbleibet, das Brot der Mühsal esset; also gibt er seinem Geliebten im Schlaf. (Ps. 127, 1f)

ppq hat gesagt…

hervorragend! infolge meiner erziehung durch margot honecker sind mir automatische assoziationen in diese richtung ja verbaut. umso schöner, wenn jemand anders sie beisteuert. der böhmer müsste das eigentlich gekannt haben. aber der steht nach meiner wahrnehmung ja auch nur auf, um dann im stehen weiterzuschlafen.

Böhmer, Klaus hat gesagt…

Dass kann ich so nicht bestätigen.

ppq hat gesagt…

wolfgang, warum nennst du dich klaus?

Schwarzmaler hat gesagt…

"Mir graut vor dem, was vor morgens um Neun auf den Straßen ist. Das taugt nichts, und daraus wird auch nichts mehr." Karl-Dall. Bei der Werbekampagne weiß ich gleich, wo ich nie arbeiten und leben werde.

nwr hat gesagt…

Nicht nur die Todesraten im selbsternannten Frühaufsteherland sind seit Beginn der entsprechenden Werbekampagne gestiegen, im Land der Frühaufsteher sind auch - nach dem Vatikanstaat - die Gegenden mit den weltweit geringsten Geburtenraten.

Bei dem elenden frühaufgestehe kein Wunder...

Anonym hat gesagt…

Christentum abschaffen

harrytisch2009 hat gesagt…

Möglicherweise wird auch das Bluthilde-Blog, bedingt durch eine in die Geburtsstadt des Genossen Thälmann weisende Veränderung in den gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen des Gründers, zum Ende des Jahres sein Hauptquartier für Agitation und Propaganda nach Schwerin verlegen - immerhin in die bislang einzige Landeshauptstadt mit einer Oberbürgermeisterin aus der Partei der Arbeiterklasse.

Das bisherige Domizil in Bernburg würde dann allerdings als FDGB-Ferienheim aufrecht erhalten werden.