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Donnerstag, 2. Mai 2013

Exhumierung des Ehrenkommissars


Über Jahrzehnte hatte er sich erfolgreich getarnt und als Fernsehliebling ausgegeben. Fünf Jahre nach dem Tod des früheren "Derrick"-Darstellers Horst Tappert aber ist das Doppelleben des gebürtigen Wuppertalers aufgeflogen: Tappert war mindestens zwei Jahre lang Mitarbeiter der "Waffen-SS", die unter dem Oberbefehl der Wehrmacht im II. Weltkrieg zahlreiche Kriegsverbrechen beging. Als Angehöriger der Division "Totenkopf" hatte Tappert lange Zeit im Lazarett zugebracht, nach dem Krieg schlüpfte er dann als Buchhalter am neu eröffneten Theater der Altmark in Stendal direkt an der Straße der Gewalt unter.

Von hier aus startete der Buchhaltersohn seine Krimikarriere, für die ihm 1980 schließlich durch das bayerische Landesinnenministerium der Titel "Ehrenkommissar" verliehen wurde. Eine Auszeichnung, die Tappert nun wieder verlieren soll - Bayern prüft wegen Tapperts SS-Mitgliedschaft eine posthume Aberkennung des Ehrentitels. Tappert ist derzeit der einzige ehemalige SS-Mann, der diese hohe Würde trägt, andere prominente Ex-SS-Leute sind nur Nationalpreisträger der DDR oder Nobelpreisträger.

Wegen der Singularität des Vorfalls soll der im Alter von 85 Jahren verstorbene Tappert, der derzeit noch auf einem Friedhof in Gräfelfing bei München liegt, exhumiert werden. Anschließend würden ihm in einem feierlichen Akt nicht nur die Ehrenkommissarswürde, sondern auch die 1993 verliehene Ehrenbürgerwürde Norwegens, der "Bambi", zwei Goldene Kameras, das Bundesverdienstkreuz am Bande, das Bundesverdienstkreuz I. Klasse, der "Telestar für das Lebenswerk", 1998 übergeben von Posträuber Bruce Reynolds, der "Platin-Romy" für das Lebenswerk, der Willy-Brandt-Preis und der Bayerische Fernsehpreis entnommen.

Tappert soll anschließend in aller Form, aber in ungeweihter Erde neu vergraben werden. "Hätte man damals über die mögliche SS-Vergangenheit von Horst Tappert Bescheid gewusst, hätten wir der Empfehlung zur Ernennung des Ehrenkommissars der bayerischen Polizei nicht zugestimmt", sagte ein spürbar auch menschlich enttäuschter Ministeriumssprecher der "Bild"-Zeitung. Ein Verkaufsverbot für alte "Derrick"-Filme sei jedoch aktuell nicht angedacht, hieß es in München. Hier werde die Entwicklung beobachtet. "Deutet sich an, dass Neonazis ,Derrick` wegen seiner zwielichtigen Vergangenheit für ihre Zwecke missbrauchen wollen, müsste neu überlegt werden", teilte das Bundesblogampelamt im mecklenburgischen Warin mit.

Karleduard zur Causa

Kommentare:

Teja hat gesagt…

Meinen Respekt hat der Tappert. Was die Jungs damals an der Ostfront dachten, kann von den Gehirngewaschenen sowieso niemand mehr nachvollziehen. Ansonsten schätzt K.E. die geifernde Meute in genau der richtigen Intention ein.

Im Übrigen versuchen die Amis den Geist der Waffen-SS ihren Offizieren in Westpoint einzuimpfen, indem dort Bilder von dem Verein rumhängen. Das ist auch so ein lustiger Treppenwitz.

FDominicus hat gesagt…

Ich bin von PPQ entäuscht. Sonst eine Legende an investigativem Journalismus und Tatsachenaufdeckung, kommt nun mit etwas so "lahmen" wie SS-Mitgliedschaft daher.

War es PPQ etwa nicht möglich eine Verbindung zwischen SS und NSU herzustellen?

Wie gesagt ich bin enttäuscht ;-)

derherold hat gesagt…

"... andere prominente Ex-SS-Leute sind nur ... "

Oberbürgermeister von Dortmund oder gefeierter Kultusminister.

Le Penseur hat gesagt…

@PPQ:

Tappert soll anschließend in aller Form, aber in ungeweihter Erde neu vergraben werden.

Nein, wie die Erfahrungen mit Rudolf Heß zeigten, hilft da nur: verbrennen und in einer unbekannten Meeresgegend in den Ozean kippen ...

Difficile est satiram non scribere ...

M. Manie hat gesagt…

Krimi hoch drei und über alles in der Welt! Bitte mehr Leichen - und nicht bloß die alte von Tappert. Da müssen doch noch viel mehr Leichen im Keller modern, bei so viel SS und allerlei Nazi? Wäre sonst 'ne herbe Enttäuschung...

Orwell hat gesagt…

Wenn der Nazi-SS-Tappert jetzt exhumiert wird, und irgendwo auf See verklappt, kann der grasse SS-Günther ja jetzt seine für seine Beerdigung angesparten Teile des Noblen Preises verjuchteln und verjubeln. Sicher wird er doch auch gleichbehandelt?

Tappert indes kann aus seiner Grübe noch (!) herausgrinsen, denn zumindest bleibt ihm ein Prozess erspart, den 50 pöhhhse Alt-Nazis jetzt wohl durchstehen werden müssen.

Ob es da schon Verlosungen von Eintrittskarten ins Rentergericht gab?


Wird ein Rentnergerichtshof errichtet werden müssen, behinderten- und Opagerecht? - Ach nein, die Menschenwürde gilt nicht für Nazis, rechte, Neon-Azis, Neobazis, Neo-Nazis, rechtsradikale, Rechtsaktivisten, rechtsextreme und Rechtextremisten. Und für Leute die im Verdacht stehen mal rechte oder sonstig volksschädliches aussätziges Kroppzeug gekannt zu haben.

Anonym hat gesagt…

Ja ja der die Nazi-Gräueln müssen schön köchelnd in der Presse wachgehalten werden. Nur nicht einschlafen liebes Deutsche Volk. Was verliehen ist ist verliehen, und kann dero wegen auch nicht aberkannt werden. Zumal der Ehrenträger ja schon das Zeitliche gesegnet hat. Aber das können diese Dumpfbacken halt so nicht sagen, aber Trauer heuchelen. ja ja lustig ist die heutige Zeit

ppq. so hat gesagt…

@FDominicus: ich denke schon, dass die verbindung auf der hand liegt. ich sage nur "derrick"

FDominicus hat gesagt…

@PPQ
"@FDominicus: ich denke schon, dass die verbindung auf der hand liegt. ich sage nur "derrick""

Ich wußte, daß ich mich auf PPQ verlassen kann ;-)

Zuverlässig und investigativ, bisher ist sicher noch kein Systemjournalist darauf gekommen ;-)

eulenfurz hat gesagt…

Zitat:
"Tappert indes kann aus seiner Grübe noch (!) herausgrinsen, denn zumindest bleibt ihm ein Prozess erspart"

Das Grinsen wird ihm schon vergehen, wenn man an ihm eine Leichensynode zelebriert.

Anonym hat gesagt…

Zumindest sollte dieser Tappert aus den Derrick - Filmen herausretuschiert werden.

Anonym hat gesagt…

Ja ja richtig, vieles erscheint nunmehro in einem ganz neuen, gespenstischem Licht. –
Sein manischer Drang in all den Episoden als Derrick die „Schuldigen“ zu überführen. – Nichts weiter als der vergebliche, immer wieder neuaufgelegte Versuch, sich von der eigenen, ewigen, untilgbare Schuld reinzuwaschen.
Die schweren Tränensäcke - Sichtbare Indikatoren der akkumulierten Fascho-Missetaten.
Der wässrige Blick - posthume spirituelle Projektionen der Tränenflüsse all der geschändeten Opfer auf den noch lebenden Missetäter.
Das Toupet – Symbolische Tarnkappe, lebenslanges Verstecken vor der grässlichen Wahrheit.