Google+ PPQ: Totentanz der Toleranz: Der Hut hat Schuld

Samstag, 21. April 2018

Totentanz der Toleranz: Der Hut hat Schuld

Swenja Prantl ist nicht verwandt oder verschwägert. Sie schreibt Klartext
Ein antisemitischer Angriff auf unsere offene Flüchtlingspolitik erschüttert das Talkshow-Berlin. Plötzlich steht doch wieder die Frage im Raum, ob der Jude einen eigenen Staat verdient und warum er nicht endlich aufgibt. Der jüngste antisemitische Angriff auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung wird einhellig verurteilt. Zu Recht, denn wir dürfen den Rechtsradikalen keinen Raum lassen! Wo aber bleibt der Aufschrei, wenn Menschen wegen ihrer Jacken, ihrer T-Shirts, ihrer Frisur, ihres Dialektes oder ihrer Vorliebe für einen bestimmten Fußballverein attackiert werden?

Wie die deutsche Öffentlichkeit nun reagieren muss - und welche Rolle das "Juden-Gen" (Der Spiegel) dabei spielen sollte.

Kommentar von PPQ-Kolumnistin Swenja Prantl.


Es kommt in diesem Jahr, zu dieser Zeit, ziemlich viel zusammen, eigentlich wie immer. Letztes Jahr war es 30 Jahre KSZE und 30. Jahrestag der Doppelsendung von Helmut Kohls epochaler Neujahransprache, die gleich zweimal gesendet wurde. Diesmal sind es der 30. Jahrestag von Erich Honeckers Abrüstungsankündigung, die aufregendste Echo-Preis-Verleihung aller Zeiten, der 75. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto und der wiedererstarkende Rechtsradikalismus von Teilen der Gesellschaft, die noch nicht so lange hier leben, als dass sie es besser wissen müssten.

Elektrisierend, enervierend, je nach Gemüt. Da überrascht es nicht, dass der Gürtel-Angriff auf einen mit einer jüdischen Kippa kostümierten Araber in Berlin eine besonders große Resonanz, aber völlig falsche Diskussionen auslöste.

Fake News vom Antisemitismus


Denn bei allem, was an Fake News erträglich ist: Es war eben kein Angriff eines Rechtsextremen auf einen Juden! Sondern eine innerarabische Tat, ein Streit zwischen Zugereisten, ausgefochten diesmal zivilerweise nicht mit Messern, wie uns die AfD immer Glauben machen will. Sondern mit Worten und einem folgenlos durch die Luft geschlenkerten Gürtel. Ein Schauspiel, offensichtlich einzig zu dem Zweck inszeniert, die flüchtlingsfreundliche Politik der Bundesregierung zu diskreditieren.

Trotzdem wird die Tat landauf, landab rituell verurteilt. Die Bundeskanzlerin ist empört und verspricht totale Härte.  Thomas Oppermann von der SPD, für treue Dienste in der Edathy-Affäre abgefunden mit dem Posten des Bundestagsvizepräsidenten, ist auch empört und betont: „Das Judentum gehört zu Deutschland.“

Doch was bitte hat ein Streit zwischen zwei Nicht-Juden mit dem Judentum zu tun? Die Kippa ist schuld, keucht der als Antisemit aktenkundige Jakob Augstein und zeigt freudig auf die kleine Mütze, die er als große Provokation sieht. Der Jude ist schuld. Und wenn kein Jude zugegen ist, dann ist es sein Hut!

Leitartikler klagen, dass Deutschland sein Problem mit dem Antisemitismus seit 120 Jahren nicht in den Griff bekomme. Kaum geht der NPD das Geld aus, so dass endlich genug da ist für einen Beauftragten, der Antisemitismus zur Chefsache macht, schlagen die gesellschaftlichen Reflexe schon an, wenn gar nichts passiert ist, außer dass ein bürgerliches Viertel in Berlin sich als No-go-area für vermeintlich jüdische Bürger entpuppt. Deutschland schafft es so, sich zum eigentlichen Opfer der Gürtelgewalt zu stilisieren.

Empörte Einmischung

Solche Empfindlichkeit ist neu, denn wo sich Fußballfans, Araberclans oder kuttenlose Lederrocker prügeln, sind Staat, Politik und Medien für gewöhnlich weit weg von einer empörten Einmischung. Theoretisch darf in Deutschland natürlich niemand aufgrund seiner Religion diskriminiert, beleidigt oder gar tätlich angegriffen werden. Doch praktisch ist mancher Glaube geschützter als anderer: Das Kopftuch zählt hier mehr als der BVB-Schal, der Kippa-Träger erfährt wiederum größere Solidarität als die Kopftuchfrau.

Dabei wünschte man sich längst, dass der Einsatz gegen Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung die fanatischen Anhänger aller Irrglaubenslehren einschließt. Papst oder Mullah, hier geht es um ein Prinzip - das der freien, ungestörten Selbstdarstellung als jemand, der sich selbst vor allem über das definiert, was er an religiösem Humbug glaubt oder zu glauben scheint.

Doch wenn es wirklich um den Schutz und das Selbstbestimmungsrecht aller Gläubigen geht, die auch Schutz und Selbstbestimmungsrecht aller Ungläubigen einschließen müssen, weil eine Ungleichbehandlung sonst sofort ein neues Gerechtigkeitsdefizit aufreißen würde, das die ohnehin tief gespaltene Gesellschaft zerreißen könnte, dann muss alles für alle gelten. Der Aufschrei, der den Kippaträger für einen medialen Moment wie ein Fanal  aufleuchten  lässt, muss auch alle anderen Prügel- und Mobbingopfer ehren, seien sie Anhänger der CDU, von Scientology, der evangelischen Restkirche oder einer Splittergruppe der fernöstlichen Orthodoxie.

Zweierlei Maas


Wer hier mit zweierlei Maas misst, beansprucht Partikularinteressen für sich. Das wiederum lässt sich auch als eine Form der Diskriminierung verstehen und spricht dem Anliegen Hohn, einsichtig, aber nicht einseitig zu sein.

Aber wo ist denn der Protest, wenn muslimische Frauen in Deutschland wegen ihres Kopftuches attackiert und beschimpft werden, noch dazu in Begleitung ihres Kindes? Hier stellt der "Tagesspiegel" Fragen, die jeden von uns an jedem Tag bewegen müssen. Denn es gibt Dutzende solcher Fälle. Wo ist der Aufschrei, wenn jugendliche Bäckerkunden erschossen werden? Wo bleibt unser Entsetzen, wenn Menschen, die noch gar nicht so lange hier leben, erneut zu Flüchtlingen werden, weil ihnen das Elementarste verweigert wird?

Gerade die Deutschen sind in der Pflicht, nicht nur wegen der Geschichte, sondern auch wegen ihrer unseligen gemeinsamen Vergangenheit. Im Jahr 2017 wurden, laut Bundesinnenministerium, 1495 politisch motivierte Straftaten mit antisemitischem Hintergrund verübt, 1069 mit islamfeindlichem Hintergrund und 127 mit christenfeindlichem Hintergrund.

Das sind natürlich alles Zahlen, weil sie von ratlosen Sachbearbeitern nach undurchsichtigen Vorgaben in kleine Töpfchen eingeordnet werden, aus denen sie nie wieder hinausfinden. So ist Gürtelangriff auf einen Kippaträger ein antisemitischer Anschlag, auch wenn der Kippaträger kein Jude ist, sondern vielleicht Moslem, was eine Einordnung als islamfeindliche Tat nötig machte. Dagegen ist ein Kindesmissbrauch in einem evangelischen Gotteshaus nicht christenfeindlich, obwohl ein Christ das Opfer ist.


Zu Unrecht im Fokus



Zu Unrecht in den Fokus geraten ist der Antisemitismus unter muslimisch-arabischen Einwanderern, denn er dient den Falschen nur dazu, die eigene Islamfeindlichkeit zu bemänteln, die eigentlich der Grund dafür ist, warum viele Muslime so antisemitisch sind. Denn wie ist die Situation denn zustandegekommen? Die willigen deutschen Hilfer Hitlers ermordeten die Juden. Die mussten ihren Staat deshalb fernab vom Schtetl dort gründen, wo, das hat die Hamburger Wochenzeitschrift "Die Zeit" erst jüngst nachgewiesen, eigentlich "arabisches Land" war.

Wo ein Volkskörper ist, kann aber kein anderer sein. Also spielten die Juden den Arabern so übel mit, dass die an kaum etwas anderes denken können, als den Judenstaat ins Meer zu fegen: Nur noch 1,2 Millionen Araber leben in Israel. Wie schön ist dagegen das Leben der Juden in arabischen Staaten. Die in Marokko lebenden 2.500 (von ehemals 250.000) Juden, die im Irak lebenden fünf von 140.000  und die 100 in Ägypten verbliebenen (von einst 80.000) belegen es.

Zeit, dass Deutschland seine Fehler einsieht und sich an die eigene Nase fasst: Unsere islamfeindlichen Vorurteile – stolz ausgestellt durch die fremdenfeindliche CSU mit dem Slogan „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ – macht es neuen und alten Nazis leicht, so zu tun, als stimme eine Mehrheit der Deutschen ihren radikalen Thesen zu. Dabei spielt der "Zustrom" (Merkel) überhaupt  keine Rolle, denn es ist wahr: Jeder fünfte Deutsche ist latent antisemitisch. Seit vielen Jahren hält sich dieser Wert recht konstant. Der Zuzug vieler neuer Bürger aus Ländern, die ähnlich wie Ostdeutschland keine Erfahrung mit dem Leben in einer Gesellschaft mit Andersgläubigen haben, hat daran nichts geändert.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Diese Svenja, so erfreulich sie anzusehen (übernormaler Schlüsselreiz) ist, dürfte noch von der knauserigsten Krankenkasse die Brustverkleinerung wegen chronischer Rückenschmerzen ohne viel Trara genehmigt bekommen.

Halbgott in Weiß

Volker hat gesagt…

"Diese Svenja, so erfreulich sie anzusehen (übernormaler Schlüsselreiz) ist, dürfte noch von der knauserigsten Krankenkasse die Brustverkleinerung wegen chronischer Rückenschmerzen ohne viel Trara genehmigt bekommen."

Die Ratgeberseite empfiehlt:
Wenn sie bei der Arbeit auf dem Rücken liegt, kann sie keine Rückenschmerzen kriegen.

Gernot hat gesagt…

"Wo ein Volkskörper ist, kann aber kein anderer sein."

Au Backe, Svenja, das klingt nach "Wörterbuch des Unmenschen". Man hätte wenigstens erwähnen müssen, dass Europa Platz hat.