Mittwoch, 2. Dezember 2020

Lichtblick für Dunkeldeutschland: Ein Spiegel-Wessi beim MDR

Eines der vielleicht provokantesten Titelbilder der Ära Brinkbäumer: Ein Comic-Schulz mit einer Merkel-Puppe.

Noch tobt der Streit um die Weiterexistenz des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, der 738 verschiedenen Radiosender in öffentlicher Hand und der Prachtbauten, die sich die Gemeinsinnsender in der zurückliegenden Jahrzehnten in die besten Lagen ihrer Hauptstädte gestellt haben. Kommt die Solidarität der Zuschauer? Oder setzen sich die Faschisten in AfD und CDU durch und lehnen eine minimale Anpassung der Sendereinnahmen an die Inflationsrate - geplant waren magere fünf Prozent - ab? Und überlassen die deutschen Krimi-, Talkshow-, Fußball- und Hitlerdokuschauer den mit Werbung zugemüllten Privatsendern?

Taxi nach Leipzig

Wie es auch kommt und wann auch immer, der Mitteldeutsche Rundfunk plant in jedem Fall schon für die Zeit danach. Mit den Besten: Klaus Brinkbäumer, vor zwei Jahren als Chef des früheren Nachrichtenmagazins "Spiegel" und seines Jugendablegers DT64 "Bento" gescheitert, soll Programmdirektor in Leipzig werden. Damit wäre der bekennende Frontkämpfer gegen Trump - Brinkbäumer gründete vor Jahren eigens für den Krieg gegen den US-Präsidenten den innovativen Internetdienst "Trump Daily" - unter anderem für die "Hauptredaktion Information" des zentralen Informationsversorgers von fast neun Millionen Ostdeutschen zuständig. 

Natürlich ist die Freude in Dresden, Leipzig, Magdeburg und Erfurt, aber auch in Bautzen, Freital und Naumburg riesig. Endlich jemand aus Münster, endlich jemand, der sich beim "Spiegel" schon um die  Sachse des Bösen aus widerspenstigen Ossis und angebräunten Sachsen verdient gemacht hat. Unter Brinkbäumer griff der Nazi in Sachsen nach der Macht, das Magazin enthüllte die "wirre Welt der Wohlstandsbürger" (Zitat) von Dresden und auf einem besonders kontroversen Titelbild (oben) wurde per Comiczeichnung gezeigt, wie Axel Schulz eine Puppe köpft, die aussieht wie ein altes Foto von Angela Merkel. So einer hat die Fähigkeit, dem Osten ein Licht aufgehen zu lassen, die AfD zu besiegen wie er ja auch schon Trump besiegt hat und ein erzieherisch wertvolles volkspädagogisches Programm zu gestalten, das die Werte der Pressefreiheit neu definiert.

Mittweida und Sebnitz jubeln

Sowas kommt an in Freital, darauf stehen sie in Mittweida, das will der GEZ-Verweigerer in der ehemaligen Kunstblumenstadt Sebnitz sehen. Klaus Brinkbäumer, zuletzt damit beschäftigt, Florida in den von Trump verursachen Klimawandelfluten untergehen zu sehen und die Amerikaner aus ihrem "Wahn" (Brinkbäumer) aufzuwecken, tritt an, "Renommee und publizistische Kraft" (MDR) in den Osten zu bringen, wo publizistisch bis heute Volksmusik angesagt ist.

Mit seiner jahrelangen Talkshow-Erfahrung wird Brinkbäumer den ostdeutschen Regionalsender als Programmchef auf ein ganz anderes Niveau heben. Schon den "Spiegel" hatte der 53-Jährige in seiner kurzen Regierungszeit  in eine Liga mit den Weltblättern 'New York Times' und 'Washington Post' gebracht und die Auflage um rund 120.000 Exemplare gesenkt. Unter dem von Hans Leyendecker in die Geheimnisse des Sensationsjournalismus eingeführten Experten für spektakuläre Enthüllungsgeschichten gelangen dem Spiegel-Superreporter Claas Relotius seine schönsten, traurigsten und preiswürdigsten Erfindungen, darunter der Klassiker "Angela Merkel erschien ihnen im Traum" über imaginäre syrische Flüchtlingskinder.

Endlich wieder ein fester Job

Klaus Brinkbäumer ließ es nach seinem Abschied ruhiger angehen. Der böse Trump blieb sein Herzensthema, doch nebenher widmete er sich  mehr und mehr Gesundheitstexten, der Esoterik und dem Älterwerden.  Typisch für ihn, dass er auf die große Frage aller MDR-Zuschauer - "Wie werde ich hundert?" - eine Antwort fand: „Täglich eine Handvoll Nüsse!“ Das dürfte dann auch den Ausschlag für den Zuschlag als Programmchef gegeben haben, wo Klaus Brinkbäumer - zuletzt bei der "Zeit" als freier Autor mehr oder weniger prekär beschäftigt - wieder einen festen Job, ein großes Büro und regelmäßige Arbeitszeiten haben wird.

Die Abstimmung über die Postenvergabe scheint nur noch Formsache, dann kann der „Brückenbauer“ und „frühere Volleyball-Profi“ mit dem „breiten Interessenspektrum über die Literatur bis zum klassischen Klavierkonzert und Bruce Springsteen" anfangen, Licht nach Dunkeldeutschland zu bringen. Tina Hassel, eine Tagesschau-Frau, die sich dieser Aufgabe bereits seit Jahren widmet, jubelt jedenfalls schon: "Glückwunsch! Willkommen in der ARD Familie. Freue mich auf die Zusammenarbeit!"


Kommentare:

Hase, Du bleibst hier... hat gesagt…

Hoffentlich noch Buschzulage obendrauf. Soll sich ja lohnen. Tradition in Mitteldeutschland ist es, noch zu Lebzeiten an der Straße der Besten zu hängen. Hochformat

Anonym hat gesagt…

Ein alter, weißer Mann? Warum keine Frau oder was total Diverses??
Offensichtlich sitzen im Naziosten noch allerlei Phobiker an den Hebeln.

Carl Gustaf hat gesagt…

Lieber PPQ,

vielen Dank für den Hinweis auf die anstehende Personalie beim MDR. Im Normalfall interessiere ich mich für solche Sachen nicht, da Leute in solchen Positionen ohnehin beliebig austauschbar sind.
Ich hätte mich wohl nur gewundert, warum Bernd das Brot auf einmal wie Reschke, Restle und Co. quasselt.

Anonym hat gesagt…

Hmm, der Mitteldeutsche Rundfunk ist für Ostdeutsche zuständig? Wenn das mal kein Fall von Kolonialismus ist...
Danke, Carl Gustaf, dass Sie Bernd das Brot, das Maskottchen des vom MDR verantworteten "Kinder"kanals ansprechen. Bernd wird in einer immer mal wieder ausgestrahlten Szene einer veritablen Lärmfolter unterzogen. Was will KIKA seinen jungen Zuschauern damit sagen?