Donnerstag, 19. März 2026

EU-Projekt Musadam: Europas Nautilus-Moment

Es soll Europas Nautilus-Moment werden: Der von der EU geplante Kanalbau führt um die Straße von Hormus herum.

Über Jahrzehnte haben die Mullahs im Iran sich darauf vorbereitet, eines Tages von außen für ihre aggressive Politik nach innen und nach außen zur Verantwortung gezogen zu werden. Während alle Welt gebannt auf die Fortschritte des Atomprogramms der Teheraner Führung schaute, planten die Revolutionsgarden an einer ganz anderen Art von Massenvernichtungswaffe: Die Sperrung der Straße von Hormus, diesem Nadelöhr des Welthandels, an dem nicht zuletzt auch deutsche Benzin- und Gaspreise hängen.

Die Engstelle bei Two Sea View
Verwirrt, überfordert und verängstigt schaut die deutsche Politik auf die angespannte Lage. Offiziell hält sich Europas Führungsnation aus der Hormus-Krise heraus. Selbst Agriffe des Iran auf den Nato-Verbündeten Türkei und den EU-Partener Zypern moderierten Kanzler und Außenminister als "Irrtum". Selbst die Attacken auf Katar, ein Blutprinzenreich, mit dem Deutschlands eben erst seine Freundschaft erneuert hatte, sorgten nur für Besorgnis, weil sie drohen, die Füllung der Erdgasspeicher für den kommenden Winter zu erschweren.

Zögerlich udn knieweich, so wird Berlin wahrgenommen, seit der Iran den Hafen des vollkommen unbeteiligten Emirats Fujairah bombardierte, die Ölverladung im drittgrößten Lagerzentrum der Welt unterbrach und die letzte wichtige Umgehungsstraße um die blockierte Straße von Hormus schloss. Zehn Tage später lehnte Deutschland jede Beteiligung an den von den USA geführten Eskortoperationen ab. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, dass Deutschland nicht Teil dieses Krieges sei und notwendige  Defensivoperationen direkt an der Tankstellenfront führen werde.

Immer auf Krisenhöhe 

Ganz anders aber reagiert Brüssel. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist bekannt dafür, dass sie keine Krise ungenutzt vorübergehen lässt. Als die Klimaerwärmung großes Thema war, erfand sie den "Green Deal", der das Klima schonen und zugleich Wachstumsmotor für die Union werden sollte. In der Corona-Pandemie versuchte sie, Europas Gesundheitssysteme gleichzuschalten. Und seit in der Urkaine Krieg herrscht, hat sie sich zur militanten Vorreiterin einer hochgerüsteten EU entwickelt.

Nie spielt diese derzeit mächtigste Frau der welt kleines Karo aus. Immer geht es den kompletten Umbau von Gesellschaft, Energieversorgung, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft zur Ertüchtigung des neuen Menschen. Wochen der Bedrohung, wie sie Israel und die USA mit ihren Angriffen auf den Iran und die in der EU bis Ende Januar nicht einmal als terroristische Organisation eingestuften Revolutionsgarden ausgelöst haben, sind Zeiten, in denen die 67-Jährige aus dem alten niedersächsischen Politadel der Albrechts zu Hochform aufläuft. 

Pläne zum Schutz der Weltwirtschaft 

Kaum überraschend, hat die die EU-Chefin nicht lange gezögert, um ihre Pläne zum Schutz der Weltwirtschaft vor künftigen Erpressungsversuchen durch den Iran zu schützen und zugleich neuer Wachstumsmotor für die Union werden. Es wird - natürlich - wieder in Jahrhundertprojekt, das bei einigen Mitgliedsstaaten und Partnern aber auf massive Skepsis stößt. 

Quellen aus Brüssel zufolge wird die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in nächsten Rede zur "Lage der Union" dennoch  mit wegweisenden Worten ein neues maritimes Jahrhundertprojekt vorgestellt: Der "Blaue Deal", an dem Visonäre, Verwaltungstechniker und Ingeieure seit zwei Wochen arbeiten, sei mit Kennedys Vision der Apollo-Mondlandung in den 60er-Jahren vergleichbar, heißt es auf den Fluren des Berlaymont-Palastes unter der Hand. Nur größer.

EU als globaler Garant 

Es geht um kritische Infrastruktur und es geht um ein Vorhaben, mit dem die EU zum globalen Garanten sicherer Seewege werden will. Die bis 2035 geplanten Investitionen von mehr als einer Billion Euro würden zudem den Wachstumsmotor der EU wieder anwerfen, so hoffen sie in der Kommission. Die stand zuletzt immer wieder in der Kritik, weil hochfliegende frühere Pläne durchweg als teure Pleiten geendet hatten. Von der "Lissabon-Strategie" über den "Green Deal" bis zum "Wiederaufbauprogramm" hatten sich alle ehrgeizigen Absichtserklärungen als heiße Luft herausgestellt. 

Das soll diesmal anders laufen. Mit dem "Blue Deal" geht die EU-Kommission ein Vorhaben an, das durch die damaligen britischen Kolonialherren bereits im 19. Jahrhundert geprüft worden war. Der Musandam-Kanal ist ein kleiner chirurgischer Felseinschnitt nahe der früheren britischen Telegrafenstation auf "Telegraph Island". Plaziert an der schmalsten Landbrücke in den Fjorden des Nord-Oman, die den Golf von Persien vom Arabischen Meer trennt, soll die neue Seeverbindung Schiffen ermöglichen, die Straße von Hormus künftig zu umgehen. EU-Präsidentin Ursula von der Leyen nennt es "Europas Nautilus-Moment".

Ein kleiner Schnitt, ein großer Sprung 

Es ist ein kleiner Schnitt ins Felsmassiv des Hajar-Gebirges zwischen den Fjorden Khor Gharim und Khor Al Sham. Aber ein großer Sprung zu einem kompletten Umbau der globalen Energie- und Handelsströme. Nur 250 Meter lang muss der Durchstich am Two Sea Views werden, und Öl- wie Gastanker aus Kuweit, Katar, Bahrain und den Emiraten könnten die Straße von Hormus im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen. Geschützt von den hohen Felsen, hätten Torpedos, Drohnen, Seeminen und Schnellboote des Teheraner Regimes keine Chance mehr, den Welthandel lahmzulegen.

Für Ursula von der Leyen ist das Vorhaben in der Fjordlandschaft im Norden des Oman mit ihren steilen Felswänden und tiefen Buchten, oft  "Norwegen des Mittleren Ostens" genannt, eine Chance, den angeschlagenen Ruf der EU aufzupolieren. Derzeit gilt die größte Staatengemeinschaft der Weltgeschichte als kaum mehr ernstzunehmender Partner. Die EU habe sich selbst in die Fesseln einer erstickenden Bürokratie gelegt. Sie sei kein Vorbild mehr, sondern abschreckendes Beispiel dafür, wohin Übermut und durch leistungslosen Wohlstand genährte Arroganz führen, heißt es häufig.

Tatkraft unter Wasser 

Mit ihrem "Blue Deal" will die EU-Kommission Tatkraft beweisen. Ziel sei die  maritime Unabhängigkeit bis 2050, so Ursula von der Leyen über den neuen Milliardenfonds, der vom Strukturwandel betroffene Regionen und Häfen unterstützen werde.

Kern des Vorhabens aber sind 250 Meter Landbrücke, die es in sich haben. Die technischen Herausforderungen für den Durchstich von Khor Gharim zu Khor Al Shamvon seien gewaltig, räumte von der Leyen ein - doch genau das mache das Projekt zum neuerlichen Apollo-Moment. Überwunden oderbesser gesagt beseitigt werden muss ein 600 Meter hoher Kalksteinkamm des Hajar-Gebirges.

Bis auf eine geforderte Wassertiefe von 25 Metern müssen Europas Ingenierue und Bauarbeiter den berg abtragen, um Platz für die Passage von Supertankern zu machen.  Die notwendigen Terrassen-Sprengungen aber sollen umweltschonend durchgeführt werden. Die anfallenden Milliarden Tonnen Abraum würden zu neuen künstlichen Inseln und Häfen aufgeschüttet.

Nur Europa kann das 

"Nur ein vereintes Europa mit seiner Ingenieurskunst, seiner Finanzkraft und seinem Willen kann diese Herausforderungen meistern", ist sich Ursula von der Leyen sicher. Aus dem Weltall betrachtet, wirkt der zur Lösung der Hormus-Krise nötige 250-Meter-Durchstich unproblematisch. Aber wie so oft bei gigantischen Infrastrukturprojekten steckt der Teufel im Detail - in diesem Fall im Fels. Auch wenn die Landbrücke auf der Karte schmal aussieht, ist sie alles andere als flach. Die Gipfel des Musandam-Gebirge ragen fast senkrecht aus dem Meer auf. Auch am Two Seas View reichen sie bis auf fast 600 Meter Höhe hinauf.

Sogenannte Großlochsprengungen oder Strossensprengungen wären die einzig denbare Möglichkeit, sich durch den massiven Kalkstein des Hajar-Gebirges zu arbeiten. Dabei würden sich die Bautrupps der EU von oben nach unten in Terrassen bis auf Meeresspiegelniveau nach unten sprengen. Präzision wäre unumgänglich: Da die Felswände des künftigen Musandam-Kanals fast senkrecht stehen müssten, um die Kanallänge kurz zu halten, dürfte kein Stück Stein zu viel herabfallen.

Vorbild China 

Technisch ist das alles zu lösen, glauben sie in Brüssel. Deutsche Planer, die Erfahrung dänischer, österreichischer und deutscher, aber auch norwegischer Tunnelbauer, dazu die Finanzkriaft von 27 Staaten. China habe geologische Probleme beim Pinglu-Kanal einfach mit massiven Investitionen und technischer Gewalt weggebügelt, sagen sie in Brüssel hochachtungsvoll. 

Dieser erste große Kanalbau in China seit Jahrhunderten stehe kurz vor der Vollendung, er werde das Flusssystem des Jangtse und des Perlenflusses direkt mit dem Golf von Tonkin im Südchinesisches Meer verbinden und Schiffen aus Südwestchina einen 500 Kilometer langen Umweg über Guangzhou oder Hongkong ersparen.

Die EU-Pläne sind deutliche ehrgeiziger 

Das Vorbild in Asien hat den Vorteil, dass die chinesischen Planer bestehende Flussläufe nutzen können, die nur verbreitert, vertieft und durch künstliche Abschnitte verbunden werden müssen. Doch die EU-Kommission sieht den Musandam-Kanal ähnlich: Die schiffbaren Fjorde reichten bis fast aneinander. Nur der extrem kurze, aber vertikal herausfordernde Durchstich fehle. 

Dass er kein einfacher Kanalbau wäre wie in Ägypten oder Panama, sondern ein gigantischer Canyon-Schnitt oder alternativ ein extrem breiter Schiffstunnel, schreckt die Kommission nicht ab. "China baut horizontale Kanäle durch flaches Land - wir Europäer setzen auf vertikale Sichelschnitte", sagen sie selbstbewusst.

Die für das gigantische Unternehmen - verglichbar etwa mit dem in Russland gebauten Weißmeerkanal - zusätzlich erforderlichen jährlichen Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Euro würden nicht nur dazu führen, dass der Welthandel bis 2050 unabhängig von der Straße von Hormus wird. "Sie werden Europa auch zum weltweiter Champion für maritime Infrastruktur, Bergbau und grüne Schifffahrtstechnologie machen." 

Vielleicht wird es auch ein Schiffstunnel 

Einige Fragen sind noch zu lösen. So haben der Persische Golf und der Golf von Oman leicht unterschiedliche Gezeitenzyklen, so dass Umweltexperten fürchten, im neuen Kanal könnten enorme Strömungsgeschwindigkeiten entstehen. Auch setzen sich besonders norwegische Bergbaulobbyisten dafür ein, keinen Kanal sondern einen modernen Schiffstunnel zu bauen. Anstatt den ganzen Berg abzutragen, werde für eine solche Durchfahrt nach dem  Vorbild des Stad Skipstunnel  deutlich weniger Gestein bewegt werden müssen, da der "Deckel" des Berges stehen bleibe. 

Auch das Gegenargument aber wiegt schwer: Für einen modernen Öltanker, der bis zu 70 Meter breit und 70 Meter hoch ist, müsste der Tunnel gewaltige Ausmaße haben. Unklar ist auch, wie das Hajan-Massiv auf die Vibrationen durch die massive Sprengungen reagiert. Das Gebiet ist bereits durch tektonische Spannungen belastet; große Erschütterungen könnten unvorhersehbare Erdrutsche in den angrenzenden Fjorden auslösen. 

Gegen Bedenkenträger und Einwände 

Fakt ist, dass der Blue Deal umgesetzt werden wird, gerade weil er auf so viele Bedenken und Einwände trifft. Nicht einmal die geostrategische warnung aus den USA, dass ein Kanal komplett auf omanischem Staatsgebiet das strategische Gleichgewicht verändern werde, vermag die Kommission zu stoppen. nach den verpassten Chancen, bei der Raumfahrt, bei der Gentechnik, im Internetund bei der KI mitzuslielen, sieht die EU ihre letzte Chance im massiver Ausbau der für ihre einzigartige Unterwasserwelt und eine große Delfinpopulationen bekannten omanischen Fjorde für den Schwerlastverkehr. 

Konkrete Vorlagen für den Musandan-Kanal sollen 2027 und 2028 folgen. Derzeit beraten die EU-Staaten hinter verschlosssenen Türen mit dem EU-Parlament und den Partner im Oman. "Wir haben noch nicht alle Antworten. Wir sind sehr ehrgeizig, aber wir werden auch sehr sorgsam alle Auswirkungen und die nächsten Schritte prüfen", verspricht von der Leyen. 

Eine wichtige Rolle im Blauen Deal spiele von der Leyen zufolge ein "Just-Transition"-Fonds für einen sozial gerechten maritimen Wandel: "Wir haben das Ziel, neben den reinen Baukosten auch 100 Milliarden Euro an Investitionen für die am stärksten gefährdeten Sektoren und Regionen zu mobilisieren", sagte sie. 

Fahrplan zur Rettung der Menschheit 

Mit dem zusätzlichen Mitteln sollen tiefgreifende Transformationsprozesse überall und in allen Wirtschaftsbereichen angestoßen werden - von der Minenabwehr über den Kanalbau bis hin zu neuen grünen Häfen. Der "Blaue Deal" sei ein "Fahrplan zur Rettung der Menschheit", der 50 konkrete Aktionen bis 2050 bereithalte. 

"Unser Ziel ist, unseren Handel mit den Weltmeeren zu versöhnen und dafür zu sorgen, dass es für unsere Menschen und die gesamte Weltwirtschaft wieder funktioniert." Neben der Absicherung von fast einem Fünftel der globalen Ölversorgung gehe es gleichermaßen darum, neue Jobs in Europa und im Partnerland Oman zu schaffen. 

Das alte Abhängigkeitsmodell, das auf der verwundbaren Straße von Hormus und iranischer Willkür gründe, habe sich überlebt, weiß die erfahrene Politikerin. Gefragt sei nun eine Strategie "für einen Handel, der mehr zurückgibt als er wegnimmt". Entscheidend sei, dass beim Wandel niemand im Stich und niemand im Unklaren gelassen werde – weder die europäischen Steuerzahler noch die Fischer und Delfinpopulationen in den Fjorden von Musandam, die von der EU als "Norwegen Arabiens" bezeichnet werden. 

EU-Marine wird Bauarbeiten absichern 

Während der Bauphase sei der Einsatz europäischer Minenabwehrsschiffe zur Absicherung gegen iranische Angriffe nicht ausgeschlossen. Polen könne mit seinen modernen Kormoran-II-Booten ins Baugebiet fahren, Frankreich mit der Tripartite-Klasse und Deutschland mit der Frankenthal-Klasse.  Der Forderung des US-Präsidenten Donald Trump, dass die NATO-Verbündeten Minensuchboote für die direkte Sicherung der Hormus-Straße stellen müssten, komme Europa damit aber nicht nach. "Das wird unabhängig geschehen", betonen sie in Brüssel. Anlaufen werde die Sicherungsmission, wenn der Friede in der Region wiederhergestellt sei. 

Noch vorher will die Kommission Nägel mit Köpfen machen. Von der Leyen hat angekündigt, noch vor dem Ende der Krise ein Maritimes Sicherheitsgesetz vorzulegen. Darin soll das Ziel der vollständigen Unabhängigkeit der EU von der Straße von Hormus bis 2050 gesetzlich verankert werden. Weitere Details ihres Europäischen Blauen Deals würden nach Ende der Beratungen im Trialog bekanntgeben, sagte die CDU-Politikerin.

Ob die Bagger 2028 wirklich rollen und erste Explosionen das Hajan-Gebirge fit machen für eine Zukunft als globale Haupthandelsroute, wird die Geschichte zeigen. Fest steht jedoch schon, dass Blue Deal ist mehr als ein Kanal. Er ist der Beweis, dass Europa in Zeiten von geopolitischer Erpressung nicht nur zuschaut, sondern handelt. Um zu zeige, dass nur ein geeintes Europa die größten Herausforderungen der Menschheit meistern kann. 


5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Feuchte Träume

Anonym hat gesagt…

Man muss doch nur Ursula als Galionsfigur vorne an den Bug schnallen und richtig Anlauf nehmen. Der Frisurpanzer wird die Felsen mühelos durchschlagen.

Anonym hat gesagt…

Ich bin für Tunnel, weil: Teurer.

Anonym hat gesagt…

...abschreckendes Beispiel dafür, wohin Übermut und durch leistungslosen Wohlstand genährte Arroganz führen ...
Na, na! Ungewollte Fehlentwicklung, unfähige Politiker? Ich bitte!

(Es wird dabei nicht geleugnet, äh, bestritten, dass etliche von denen, nicht nur die Weibsen, tatsächlich sehr einfach strukturiert sind. Das ist aber die Folge zielgerichteter "Politik", nicht die Ursache.)

Anonym hat gesagt…

Einen angemessenen Ausdruck für die ganze Herrlichkeit Europas sucht man in dem mickrigen Plan aber vergebens. Kleinigkeiten können Sie von mir aber nicht erwarten, hatte schon Bernini zum Papst gesagt, und Geld spielt ja sowieso keine Rolle. Einfach mal bei Albert Speer und Partner anfragen, die kennen sich mit Größe aus.