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Sonntag, 6. November 2016

Erbärmliche Demagogen: Was deutsche Medien den Amerikanern jetzt raten

Spottbilder verraten alles. Hier Hillary Clinton, die mit spitzer Feder als nette Frau mit breiten Lächeln gezeigt wird. Und dort Donald Trump, ein spuckespritzender Bösewicht mit aufgerissenem Mund, von dem sich fernzuhalten ein Gebot der Vernunft ist.

Deutschland würde Clinton wählen, nur Seehofer-Sympathisanten eher Donald Trump, wie eine aktuelle Studie herausgefunden haben will. Alte weiße Männer, Bundeswehr, Bier, Handwerk, AfD, Pegida, Le Pen und die CSU - alles, was deutsche Journalisten schon aufgrund ihrer Parteipräferenz ablehnen, kommt bei Trump im Übermaß vor.

Und etwa die Hälfte Amerikaner folgt ihm. Oder, in deutscher Medienlesart: Fällt auf ihn herein. Ist das dann aber noch unser Amerika? Das Land, das wir aus Winnetou-Filmen, ARD-Reportagen und von Michael Moore so gut kennen? In dem wir New York beim Weihnachtsshopping unsicher machen? Oder in LA Promi gucken gehen? Wie konnte es geschehen, dass "Idioten" (SZ), "Leichtgläubige" (Stadtanzeiger) und "Ungebildete" (Welt) drohen, die Staaten zu erobern, die das aufgeklärte Deutschland zwar immer für relativ rückständig gehalten hat. Ohne dass es etwas wie ein aufgeklärtes Deutschland aber gar nicht geben würde.

"Kaputt" ist das Traumland, das sich die Süddeutsche Zeitung ausgedacht hat. "Zerrissen" nennt es der "Spiegel". Und "krank" die FAZ. Die Schutzmacht von Freiheit und Demokratie, nach Diagnosen aus Deutschland steht sie vor einem "kalten Bürgerkrieg", der demnächst sogar zu einem "Aufstand" (Welt) werden könnte. "Nur ein Kandidat ist des Präsidentenamtes in den USA würdig: Hillary Clinton", fällt Hubert Wetzel in der SZ ein höchstrichterliches Urteil. "Dass Trump dennoch so erfolgreich ist, lässt erahnen, dass nach dem Republikaner noch Schlimmeres kommen könnte."

Gibt es etwas "noch Schlimmeres" in einer funktionierenden Demokratie als einen erfolgreichen Kandidaten, der nicht der eigene ist? Muss hier nicht ein deutsches Veto-Recht gelten, das eine automatische Entmündigung aller Wähler vorsieht, die sich dem weisen Ratschlag aus den Redaktionen in Hamburg, Berlin und  Frankfurt verschließen und wählen, wen sie wollen?

Dass der Amerikaner nicht einsehen will, was Hubert Wetzel wünscht, ja, dass er vermutlich mehrheitlich nicht einmal liest, was Wetzel ihm rät, ist empörend. Es erinnert ein wenig daran, wie wenig deutsche Zeitungsleser in deutschen Angelegenheiten noch gewillt sind, auf Kommentatoren, Feuilletonisten und Kolumnisten zu hören.

Deren Zorn auf diesen Umstand setzt sich in der US-Wahlberichterstattung einfach nur fort. Mit noch geringerem Gehör, aber vervielfachtem Eifer trommelfeuert eine landesweite Phalanx aus Privatgelehrten in Sachen USA auf ein Publikum ein, das von denselben Propheten schon Ende September erfahren hatte, dass Clinton die eindeutige Siegerin sein wird.

"Erbärmlich" (FAZ) nennen sie die Amerikaner, ein "Gruselkabinett" Trumps Mannschaft. Ein "Demagoge", der mit "Gewalt" (n-tv) regieren wird und in einem "Protz-Penthause" wohnt.

Dass das Schrille, die Verbalinjurien, die Beschimpfungen und Herabwürdigungen nicht verfangen, erstaunt sie. Doch nicht nur die Zeitungen und die Schreiber sind deutsche, sondern eben auch ihre Maßstäbe. Clinton wird bei ihnen zu einer Mischung aus Angela Merkel und Sigmar Gabriel, eine Sozialdemokratin reinsten Wassers, die gegen Trump kämpft, eine Art Frauke Petry mit Stirnrolle. Die beiden Küstenregionen entsprächen dann dem geliebten deutschen Westen, durchgegenderte, aufgeklärte, demokratisch traditionsreiche Gegenden, in denen vernünftige Menschen leben, die vernünftig wählen gehen. Dazwischen der Bible Belt in Kommunistenrot, ein überdimensionales, menschenleeres Sachsen, störrisch, dumm und zurückgeblieben.

Dass das Bild nicht stimmen kann, weil die USA von heute schon wegen der Todesstrafe nicht einmal eine Mini-Chance hätten, in die EU aufgenommen zu werden, leuchtet ein. Nur ihnen nicht.

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