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Mittwoch, 2. April 2008

Mücke als Medienelefant

Gruseln im Gestrüpp. Hereingeblasen vom Klimawandel, hat, so vermeldet unsere Lieblingsagentur dpa gewohnt alarmiert, die "Asiatische Tigermücke" den "Sprung über die Alpen geschafft". Dieses Tier könne "gefährliche Krankheiten" übertragen, was endlich mal wieder verdeutlicht, wie schlimm das mit dem Klimawandel alles werden kann.

Wenn es nicht schon geworden ist: Die Asiatische Tigermücke wurde in Belgien bereits im Jahre 2000 zum ersten Mal nachgewiesen, 2001 in Montenegro, 2003 im Kanton Tessin in der südlichen Schweiz und in Griechenland, 2004 in Spanien und in Kroatien, 2005 in den Niederlanden und in Slowenien und 2006 in Bosnien und Herzegowina und 2007 in Baden-Württemberg.

Woher die dpa-Mückenspezialisten wissen, dass die Tigermücke nicht aus Belgien und nicht im Ferienflieger aus Spanien, sondern "über die Alpen" gekommen ist, bleibt unbekannt. Auch die Zeitverzögerung von acht Jahren seit dem ersten Auftauchen des Mücken-Monsters bis zum ersten Auftauchen in den Medien wird nicht weiter erklärt, sondern einfach nicht erwähnt.

Sicher ist, die Tigermücke ist angekommen. Um nun neben "Dirofilaria immitis", einen Fadenwurm, der die Herzwurmerkrankung des Hundes verursacht, richtig schön Angst zu verbreiten.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wieso man annimmt, dass sie über die Alpen kamen? Weil sie sich in Belgien nicht etabliert haben und Ferienflieger nicht auf Autobahnraststätten landen. Aber dort halten eben PKW und LKW, die aus Italien kommen. Und dort hat man die Mücke auch gefunden. Übrigens, in den Medien tauchte diese Art schon häufiger auf. Kurzum: zumindest in diesem Falle ist die DPA schon ganz richtig informiert. Anscheinend recherchieren die ja vielleicht doch mehr, als nur in der Wikipedia nachzuschlagen und dann einen schnodderigen Kommentar zu schreiben.

politplatschquatsch hat gesagt…

oder auch nicht. im juli letzten jahres jedenfalls tauchte das gespenst schonmal auf: Mit gebrauchten Autoreifen eingeschleppt
Das wohlig warme Klima hat gleich mehrere Mücken-Neuzugänge angelockt. Beispiel Tigermücke. Der Weg von Aedes albopictus über Japan und die USA bis in unsere Breiten ist skurril: Für ihre Reise benutzt sie gebrauchte Autoreifen welt.de

auch die Anopheles-Mücke wurde damals schon durch die schlagzeilen gescheucht - letztes jahr im august kehrte mit ihr (Focus) "die Malaria nach Deutschland zurück"

politplatschquatsch hat gesagt…

achso: damals hatte sie nicht den "sprung über die alpen" geschafft, irgendwie. oder?

Anonym hat gesagt…

Es ist nicht bekannt, dass in Deutschland jemals Tigermücken mit Gebrauchtreifen angekommen sind - die Funde bei Rastatt sind die ersten für die Bunderepublik.

Malariamücken hat es schon immer in Deutschland gegeben, Malaria gab es hier lange Zeit ebenfalls und wurde erst durch das Trockenlegen von Feuchtgebieten, Insektizide, bessere Krankenversorgung und Medikamente ausgerottet. Insofern ist es tatsächlich unwahrscheinlich, dass sich Malaria wieder in Deutschland etablieren wird, Klimawandel hin oder her.

Bei anderen Krankheiten sieht das u.U. anders aus - höhere Temperaturen ermöglichen es nicht nur, dass sich z.B. Tigermücken besser etablieren können, sondern auch, dass sich Krankheitserreger schneller in den Mücken entwickeln können, wenn diese sich infiziert haben. So sind schnellere Übertragungszyklen möglich. Und gegen viele von Mücken übertragene Viruskrankheiten gibt es eben keine Prophylaxe, Impfstoffe oder spezifische Medikamente.

Der Wikipediaartikel zur asiatische Tigermücke ist übrigens gar nicht übel.