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Samstag, 21. Juli 2012

Euro-Blues auf lautlos

Die Wohnungsnot als soziales Problem gelöst, der Euro gerettet, die Völkerfreundschaft durch feste, bindende Verträge in Ewigkeit gesichert und auch die Inflation ist kein Thema (Foto oben).

Fünf Jahre nachdem hier zum ersten Mal die bange Frage "Wo bleibt eigentlich der Weltuntergang?" gestellt wurde, steigt die Unsicherheit darüber, ob er überhaupt noch kommt. Fernsehsender wie Sophia TV beschäftigen sich inzwischen in einem 24-Stunden-Programm mit dem Ende der Welt. Immer mehr Regen, immer mehr Hitze, immer mehr Autos, immer mehr Fernsehsender. "Ist das nicht eine Reaktion des Organismus Erde auf die Eingriffe des Menschen", fragen sich die Experten der Gesprächsrunde "Gott aktuell".

Sicher ist, Gott meint es gut. Er droht, aber er handelt nicht. "Durch den Siegeszug der Marktwirtschaft werden weltweit die Reichen reicher und die Armen reicher", beschreibt die "Presse" aus Österreich zynisch die Auswirkungen der Malaise: "Vor allem in Schwellenländern haben nun Millionen einen Lebensstandard, der früher dem Westen vorbehalten war."

Der "Euro-Blues auf lautlos", das Ende abgesagt? Kaum noch jemand glaubt die wohlstandsschaffende Kraft des Kapitalismus, denn "noch nie zuvor ging es den Bewohnern dieses Planeten so gut wie heute" (Die Presse). Musste laut UNO im Jahr 1990 noch fast die Hälfte aller Menschen in den Entwicklungsländern von weniger als einem Euro pro Tag leben, so ist es heute nur noch ein Viertel. Auch absolut stehen die Chancen gut, dass diese Zahl bis 2015 auf 920 Millionen Menschen fällt – nur mehr die Hälfte des Wertes von 1990. Statt jedem fünften Bewohner der Entwicklungsländer gilt heute nur noch jeder siebente als unterernährt.

Schlimm, gerade verglichen mit den Tagen, als in der urkommunistischen Gesellschaft keine fünf Millionen Menschen die Erde bewohnten und mit Ach und Krach ihr Überleben fristeten. Die Zahl der Armen und Hungernden hat sich seitdem fast verzweihundertfacht, verursacht durch Industriaalisierung und Globalisierung. In China geht es dem durchschnittlichen Bürger der Volksrepublik heute zehnmal besser als vor 30 Jahren. Auch in Indien, Brasilien, Indonesien und in Afrika wurden viele Menschen wohlhabender. Dadurch leben sie auch länger: In China im Schnitt um 28 Jahre länger als 1955, in Südkorea um 26 Jahre und in Nigeria um sieben Jahre. In Botswana verdient heute ein Durchschnittsbürger mehr als der durchschnittliche Finne 1955. Selbst in Ostdeutschland können sich 25-jährige Automechaniker, Grundschullehrer und Hundekosmetikerinnen Autos leisten, die vor 25 Jahren kein VEB-Generaldirektor hätte bezahlen können.

Der saure Regen hat aufgehört, das Öl ist immer noch nicht alle, das Ozonloch findet kaum noch Platz in den Zeitungen und an die Grenzen des Wachstums der Weltwirtschaft sind offenbar keine feste, sondern eine mobile Schranke. Je weiter es geht, desto weiter kann es gehen.

Wo soll das hinführen? Was sind die Alternativen? Thomas Robert Malthus rechnete schon 1798 vor, dass der Menschheit zwangsläufig das Essen ausgehen müsse, weil sie sich so schnell vermehre. Damals lebten ungefähr eine Milliarde Menschen auf dem Planeten, heute sind es neun Milliarden. Oswald Spengler beschwor 1918 den „Untergang des Abendlandes“, aber auch das war vergeblich. "Wohlstand für alle", rief Konrad Adenauer.

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