Google+ PPQ: Dummheit: Wie es sich anfühlt, wenn man immer der dümmste Mensch im Raum ist

Sonntag, 15. September 2019

Dummheit: Wie es sich anfühlt, wenn man immer der dümmste Mensch im Raum ist

“Ich dachte, ich wäre irgendwie abartig. Krank, oder sonderbar. Ich spürte, dass etwas mit mir nicht stimmte, aber ich wusste nicht, was es war.”

Andrea Samthof erzählt von ihrer Kindheit. Die heute Mitte 40-jährige ahnte schon früh, dass sie anders war als andere Kinder. Doch diese Andersartigkeit empfand sie nicht als etwas Positives. Als Kind will man nicht anders sein. Man möchte dazu gehören.

Erst als Erwachsene erfuhr Samthof nach einem IQ-Test, dass sie dumm ist. Endlich ergab alles einen Sinn. Das ständige Anecken, all die Missverständnisse – erst im Nachhinein konnte sie viele Konflikte aus ihrer Kindheit verstehen.

Dumm zu sein, ist nicht so schlimm, wie viele vielleicht denken. Stumpfheit, das allgegenwärtige Gefühl, dass man diesen Film noch nie gesehen und dieses Spiel noch nie gespielt hat, machen das Leben mit einem unterdurchschnittlich niedrigen IQ erträglich. Wie es sich anfühlen kann, wenn man meistens der dümmste Mensch im Raum ist, beschreibt Samthof in ihrem kürzlich erschienenen Buch “Dummerweise dumm” (Berts-Verlag). Sie möchte zwischen Minderbegabten und allen anderen Menschen vermitteln. Denn ein offener Austausch – davon ist Samthof überzeugt – würde allen helfen.

Erkennenen, wie dumm man ist


“Gerade bei Kindern ist es ganz wichtig, offen damit umzugehen und ihnen zu erklären, dass Intelligenz eine ganz neutrale Eigenschaft ist, die jemand hat oder eben nicht. Das ist nichts anderes, als groß oder klein zu sein, blonde oder dunkelbraune Haare zu haben. Niemand kann sich das aussuchen und niemand kann etwas dafür”, sagt sie.

In ihrer eigenen Kindheit sorgte ihre mangelnde Intelligenz ständig für Konflikte. Imhof war langsam, sie sprach spät, sie vergaß Dinge und merkte nicht einmal, dass sie sie schon einmal gewusst hatte. Ihre Eltern verstanden sie nicht. Für sie bedeutete Denken keine Arbeit. Für Imhof bedeutete es Qual und Schmerz.

Andrea Samthof erzählt über ihre Dummheit.

Ständig war sie den anderen Kindern hinterher. Erst mit 22 Monaten konnte sie laufen und sprechen. Während ihre Mitschüler in der Grundschule lesen lernten, guckte sie aus dem Fenster. Selbst kindgerechte “Was-ist-was”-Bücher, die es zu Hause gab, bestaunte sie nur, weil die Bilder schön bunt waren. Sie interessierte sich weder für Märchen noch Astronomie und Paläontologie, sie hörte keine Verdi-Opern und verspürte keinen Drang, ein Instrument zu lernen. Wenn sich alle anderen am Tisch unterhielten, wurde es Imhof oft zu langweilig, denn sie verstand nicht, wovon gesprochen wurde. Sie zog sich dann in ihre eigene Welt zurück, starrte die Wand an und dachte an gar nichts..

Ihre offensichtliche Dummheit wurde jedoch von den Eltern nicht erkannt. Dummheit gilt in Deutschland als letztes Tabu, das weder erforscht noch öffentlich diskutiert wird. Imhof blieb sich selbst überlassen, und sie erfuhr auch von Gleichaltrigen häufig Ablehnung. Manche Klassenkameraden reagierten – verständlicherweise – nicht immer wohlwollend auf Samthofs offensichtliche Unfähigkeit, Gesprächen zu folgen, logische Entscheidungen zu treffen und eigene Ansichten zu äußern.

"Auf die Ablehnung, die ich als Kind erfuhr, habe ich zunächst mit Provokationen reagiert”, erzählt Imhof. “Eine Zeitlang habe ich Mitschüler regelmäßig verprügelt. Das war sozial eher kontraproduktiv.” Diese Zeiten, in denen sie ihren inneren Instinkten folgte, waren die wohl glücklichsten ihres Lebens.

Wenig später kam es jedoch zu einem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben: “Als sich herausgestellt hat, dass ich einfach dumm bin, wurde selbst mir einiges klar.“ Hatte sie bis dahin geglaubt, ein böser Mensch zu sein, konnte ihre Familie ihr nun tröstend mitteilen, dass sie einfach nicht über die Intelligenz verfügt, die andere haben. Imhof begriff nicht, was „Intelligenz“ ist, doch sie musste nicht länger versuchen, sich zu verstellen und zu verleugnen. Stattdessen kündigte ihren Job als Kartoniererin und begann, ihr Leben zu genießen.


Normaler Tag im Leben


Auf die Frage, wie denn ein ganz normaler Tag in ihrem Leben aussieht, reagiert Imhof amüsiert. “Ganz normale Tage sind ganz normal”, sagt sie. Selbst wenn sie sich lange mit ein und derselben Sache beschäftigt, etwa mit dem Angucken von Bildern in einer Zeitschrift, wird ihr nie langweilig. “Meinem Umfeld zuliebe versuche ich trotzdem, das zu vermeiden. Denn die Leute werden unerträglich, wenn sie mitbekommen, dass ich stundenlang dieselben Bilder angucke.”



Es ist nicht so, dass Imhof nicht auch gern zwanzig Sprachen sprechen, 1000 Seiten am Tag lesen und einen Doktor in Islamwissenschaften haben würde, zusätzlich zu einem in Philosophie und vergleichender Religionswissenschaft. Sie weiß nur nicht, was das alles ist. Deshalb hat sie weder eine klassische Gesangsausbildung gemacht noch jemals mit Schwertkampf begonnen oder sich mit Astro- und Quantenphysik beschäftigt und zahlreiche historische Romane veröffentlicht. Dass ihr Verstand so langsam arbeitet und sie den meisten anderen Menschen dadurch nicht folgen kann, heiße aber nicht, dass sie nicht verstehe, was ihr fehle. „Mit war nur lange nicht bewusst, worin meine Andersartigkeit bestand.“ Wenn man nicht wisse, dass man dumm sei, sei das aber am Ende auch nichts anderes als es zu wissen und wegen der Dummheit nicht begreifen zu können. “Je weniger Intelligenz man verstecken muss, desto weniger fehlt sie einem.”

Sie spricht offen über ihre Dummheit


Mit Freunden und vertrauten Menschen spricht Imhof inzwischen ganz offen über ihre Dummheit. “Das bedeutet aber nicht, dass ich den ganzen Tag darüber rede ”, sagt Imhof und lacht. Sie könne sich ja ohne Weiteres über ganz alltägliche Dinge unterhalten, Geschirrspülen, Saubermachen, die Farbe ihres Pullovers. Solange sie auf regelmäßige Pausen achtet und regelmäßig ihre intellektuellen Reserven auflädt, etwa, indem sie „Bauer sucht Frau“, „Sing meinen Song“ oder .Bares für Rares“ anschaue.

“Es ist leichter, sich auch mal auf einem völlig ‘normalen Niveau’ zu unterhalten, wenn man sich zwischendurch die Möglichkeit herausnimmt, die anderen Bedürfnisse zu befriedigen”, erklärt sie. Als Ausgleich schläft Imhof viel, sie hört Hörbücher von berühmten Kinderbüchern oder tauscht sich mit Menschen aus, die ähnlich dumm sind wie sie. “So kann ich meine Akkus wieder aufladen”, erzählt sie. Inzwischen ist Imhof mit sich selbst im Reinen, hat ihr bisschen Verstand lieben gelernt und will es nie wieder verleugnen. Eines will sie jedoch nicht verraten: Wie hoch das Ergebnis ihres IQ-Tests ausgefallen ist. “Dann würde man mich bestimmt für dumm halten!”



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Intelligent ist der Mensch, der es versteht seine geistige Abnormalität dem Rest der Menschenherde (dem Teil mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand) so präsentieren, daß sie darin einen erstrebenswerten Zustand sieht und versucht, ihn zu imitieren. Niemand verbietet es Andrea Samthof, ebenfalls einen solchen Trick anzuwenden und ihr System des Denkens als Nonplusultra zu suggerieren… Ich wette, dann würde die Intelligenzija von heute ziemlich dumm aus der Wäsche schauen.

Dummpster hat gesagt…

Keine Sorge, Andrea, dank der genialen Schwarmintelligenz deiner Mitmenschen wirst du im neuen grenzenlos weltoffenen Schlaumeierpool nahe dem herbei gejubelten Schwachsinns-IQ von 70 nicht mehr so alleine bzw. einsam sein mit deiner Dummheit.

Fürs multikulturell bereichernde Fickificki mit einem bunten Hereinspaziert-Akademiker, um uns vor Degeneration durch isolierte Inzucht zu bewahren, wird's doch wohl dicke reichen ... oder? Hübsch genug bist du ja.

"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf
kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein." (Jiddu Krishnamurti)

Masseklasse hat gesagt…

Heute bei Acta Diurna gefunden:

Anfrage an Radio Erewan: Kann ein Mensch mit einem IQ von 110 einem Menschen mit einem IQ von 150 überlegen sein?
Antwort: Im Prinzip ja, es müssen nur genügend Leute mit einem 110er IQ im Publikum sitzen.

Anonym hat gesagt…

Hohe Intelligenz besagt und garantiert erst mal gar nichts. Viele Superintelligente verplempern ihre Begabung mit irgendwelchen Zaubertricks. Oder wie die Amerikanerin Marylin vos Savant, mit einem abartig hohen IQ von über 200: natürlich gehörten Texte über Quantenphysik zu ihrer Bettlektüre, ihr Leben hat sie jedoch als Briefkastentante für eine Zeitung zugebracht. Mir scheint, daß es Frau Samthof ähnlich ergeht. Um etwas Bleibendes zu Kreieren ghören andere Faktoren. Ich bin sicher, daß unter denen, die wir historisch als "Genies" verehren auch etliche sind, die "nur" überdurchschnittlich, aber nicht hochintelligent waren.

Masseklasse hat gesagt…

@Anonym

Seltsam, dass diese Dame mit dem wohl höchsten je gemessenen IQ den Namen "Savant" trägt.

Das ist nämlich der Begriff für eine sehr enge Inselhochbegabung, während z.B. für den Normalo leichte Alltagsaufgaben wie Essen kochen und Wäsche waschen von solchen Leuten oft nicht zu meistern sind.

Ich sah da mal eine Doku mit einem einerseits komplett pflegebedürftigen Schwachmaten, der jedoch nach einmaligem Hören komplexeste Klavierstücke nachspielen konnte, und einen, der es nach einem halbstündigen Heliflug über New York schaffte, die gesamte Stadt einschl. jedes Fensterdetails wandgroß perspektivisch präzise zu zeichnen.

Oft haben solche Leute autistische Züge (Asberger-Syndrom) wie der berühmte Sheldon Cooper aus der "Big Bang Theory", dem zwischenmenschliches oft ein großes Rätsel ist. Dafür kann der seine Quantenphysik vorwärts und rückwärts brillant auswendig.

Es heißt außerdem, dass Genie und Wahnsinn sehr nah verwandt sind. Nicht wenige "Überduchschnittliche" landeten und endeten in der Irrenanstalt oder begingen im Wahn Selbstmord. Mehr zu können als der Durchschnitt, ist also nicht immer nur ein Segen.

Die Anmerkung hat gesagt…

@anonym

>> Ich bin sicher, daß unter denen, die wir historisch als "Genies" verehren ...

Ich weiß ja nicht wer wir ist, ich für meine Person auskunfstberechtigt verehre Goethe, Beethoven und Marx, wenn es um Historie geht. Alles davor und danach ist im Grunde zum weinen.

Anonym hat gesagt…

@ Anmerkung: Den Trierer Dienstmädchen-Schänder? Ich bin von niederem Adel, Furchenadel und Arbeiteraristokratie, aber so etwas befremdet mich doch ein wenig.

Anonym hat gesagt…

Hab selten sowas Dummes gelesen.

Der Dumme, die auch, leidet unter der Dummheit: der anderen!
Je dümmer, desto mehr fühlt sich der Dumme von Dummheit umzingelt. Rings um ihn herum nur Idioten, die unverständliches Zeug reden, unerfüllbare Dinge verlangen und ständig selbst an der Verrichtung alltäglicher Kleinigkeiten herummäkeln.
Sachliche Argumente, die einen Dummen belehren sollen, prallen von ihm ab, s.o.

Wofür Dunning und Kruger - welche die Veröffentlichung ihrer Arbeit seither zutiefst bereuen und sich auch nicht mehr mit relevanten Themen an die Öffentlichkeit wagten - noch eine mehrseitige Studie vorlegen mussten, veröffentlichte der interdisziplinäre Neurowissenschaftler D. G. Bohlen die so einprägsame wie kurze, wenn auch unvollständige, da teilweise unausgesprochene Formel: "Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist." - implizierend, dass dies unmöglich ist.

Will man vom Dummen verstanden bzw. soll er mental erreicht werden, muss das daher so schlicht wie möglich formuliert sein ("Gegen xy!"). Da der Dumme sich nicht mit Empirie beschäftigt, geschweige denn diese anwenden kann, überzeugen ihn schlicht gehaltene Mengenbehauptungen ("Wir sind mehr!"). Während anspruchslose Literatur Sätze konsequent und leicht erfassbar auf maximal 13 Wörter begrenzt, sollte der Dumme keinesfalls mit mehr als 3 Wörtern auf einmal herausgefordert werden.

Da sich der Dumme leichter nonverbal artikuliert als verbal, kann man ihn mit Bewegung ansprechen. Rhythmische Bewegung, welche sich stimulierend auf das Gleichgewichtsorgan auswirkt (Babyschaukeln, Jaktation, Schunkeln, ...), ist von Vorteil.

Die Anleitung zur Bewegung sollte allerdings nicht übermäßig komplex gestaltet sein ("Wer nicht hüpft, der ist ein/ für xy!" - 7 bzw. 6 Wörter und eine Kommatrennung!). Es kann hierbei aber auf den gruppendynamischen Mitmacheffekt gebaut werden. Um beim "Hüpfen"-Beispiel zu bleiben: Es sollte ein Animateur vorhüpfen und eine gewisse Zahl von Animateuren in der Zielgruppe mithüpfen. Dann versteht sogar der Dumme, die auch, was zu tun ist. Zusätzliche Stimulation ist von Vorteil, insbesondere rhythmusbetonte Unterhaltungsmusik. Die gewachsenen Erfahrungen (von Marschmusik, unterbrochen durch staccatohafte Redebeiträge über Rap bis hin zu staccatohafter Gesangsdarbietung, unterbrochen von staccatohaftem Redeschwall) zeigen allerdings, dass Inhalte jenseits der ersten drei Worte jeweils zu Beginn und zum Schluss nicht verstanden oder gar gehört werden. Dies wurde sogar bei der Möglichkeit häufig wiederholter Darbietung (z.B. mittels Videosequenzen einer solchen Darbietung) beobachtet. Der Dumme versteht den Inhalt nicht, versucht aber mit dem Sänger/ Sprecher zu kommunizieren. In der Vergangenheit wurde dies mittels üblicher Segenswünsche praktiziert, welche sich im Laufe der Zeit zu "Heil" verkürzten und mitterweile zu "Heh" abgeschliffen wurden. Während in der jüngeren Vergangenheit zusätzlich die unbewaffnete rechte Hand vorgezeigt wurde, hat sich diese Geste über das Erheben beider unbewaffneter Hände, hin zu deren rhythmischer Zusammenführung als bevorzugte nonverbale Ausdrucksweise etabliert. Dass diese Reaktionen eng mit rhythmischer Stimulation verknüpft sind, zeigt sich bei ungenügender Stimulation am ausbleibenden Kommunikationsversuch des Dummen, der seine unbewaffneten Hände entweder durch Verschränken der Arme bzw. mittels gehaltener Eier, Tomaten etc. versteckt.

Anonym hat gesagt…

Bernd ist extrem dumm aber glücklich

Carl Gustaf hat gesagt…

Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, beim *** ist es andersrum.

Oder wie mein Grossvater immer sagte: Keine Kartoffeln ernten können, aber mit dem Arsch Lappaloma pfeiffen wollen.