Google+ PPQ: Kuscheln in der Kunstimitatsitzgruppe

Samstag, 10. Oktober 2009

Kuscheln in der Kunstimitatsitzgruppe

Ein muffiger Geruch liegt über der Medien-Kunst, die das Festival "Move" in einem ehemaligen Möbelkaufhaus in Halle präsentiert. Die Wände hier schwitzen jahrelange Vernachlässigung aus, der Putz ist bröcklig, das Dach hat ein Loch, selbst die von einem untergegangenen Gesetzgeber vorgeschriebene "Brandschutzecke" ist nur noch zu erahnen. Wo seinerzeit junge sozialistische Familien ihre ersten Anbauwände erstanden, hängen jetzt Flachbildschirme, wo sich einst gemütliche Lederimitatsitzgruppen aus dem VEB Einrichtungsmöbel präsentierten, schwingen nun zwei weitamplitudige Schaukeln, die jeder Kunstsinnige benutzen darf.

Sie sind das bei weitem Bewegendste an dem 130.000 Euro-Spektakel, das hauptsächlich von staatlicher Lotto-Gesellschaft, die ja immer ran muss, Mitteldeutsche Medienförderung und der landeseigenen Investitions- und Marketinggesellschaft finanziert wird. In der nach 15 Jahren Leerstand von Regenwasser, Frost und Fäule zerfressenen Gemäuer in der Innenstadt flackern ansonsten Videoinstallationen, die anmuten wie beim Ausprobieren der neuen Digitalkamera entstanden: Junge Menschen werfen Wäsche in eine Pfütze, ältere Menschen sagen hundertmal "Ahh", andere zimmern eine Pappwand in den Wald oder treten in einem virtuellen Käfig immerzu gegen die Wände.

Das also ist Medienkunst. Leere Hallen, Ur-Krostitzer Bier, selbstverständlich veganes Buffett, allerdings schon komplett abgegessen. Und das alles unter dem weltmarktfähigen Titel "Move - New European Media Art", denn die Hersteller der Clips, deren Länge stets sekundengenau ausgewiesen wird, stammen aus Spanien, Polen, China, Deutschland und Großbritannien.

Unten im Keller, den die städtische Beschäftigungsgesellschaft wie das ganze riesige Haus eigens für die bis Ende Oktober dauernde Veranstaltung vom Schutt eines ganzen Jahrzehnts beräumt hat, läuft ein Boxkampf zwischen einem Mann mit Federstola und einem Zwerg im weißen Hemd. Das Werk heißt "Fake Action Truth" und endet mit einem fünfminütigen bewegungslosen Kuss der Boxer. Die Musik ist nicht übel, die Botschaft rätselhaft. Mehr Kopfschütteln war nie unter dieser tiefhängenden Decke. Ob das im Eingangsbereich an eine Säule gefettstiftete Graffito "Dummheit muss so schön sein" Teil der Installation ist, muss noch geklärt werden.

Kommentare:

Stuff hat gesagt…

Als Videoantwort das meistgespielte YouTube-Video
http://www.raketa.at/images/525b94c407c961f6b6da55558fd84da4.GIF
Stuff

ppq hat gesagt…

sorry, am anfang verarbeitet der immer noch, jetzt gehts aber

Stuff hat gesagt…

Klarologo, bei so vielen Zugriffen ;-)
Stuff

derherold hat gesagt…

Früher war alles besser:
Theatrale und Rosa Wagenknecht. Mythen der Modernisierer.

... und ein Hauch von Unterdrückung und Widerstand waberte durch das Haus als der Cheffe erklärte: "Eigentlich wollten wir in das nt aber der Peter hatte Angst um die Zustimmung der CDU zu Fördermitteln". ;-)

ppq hat gesagt…

hat mit den zugriffen nix zu tun. yt macht aus den mov-filmen flvs, das dauert ein paar minuten

Stuff hat gesagt…

Das ist kein flvs. das sit ein GIF...
;-)) Stuff

ppq hat gesagt…

hä? die vidoes bei youtube sind alle im flash-format

ppq hat gesagt…

eos natürlich