Dienstag, 9. Dezember 2025

Hades-Plan: Deutsche Dominante Republik

Der britische "Economist" war das erste international bekannte Blatt, das dem Hades-Plan eine Titelseite widmete.

Es sah zuletzt nicht mehr danach aus, als würde der große Plan noch umgesetzt werden können.  Anfangs wuchsen die Hoffnungen in den Himmel, dass die Vision Wirklichkeit wird, Deutschland zur "Hegemonialmacht" (Handelsblatt) auf dem alten Kontinent zu machen. So hatte es eine verschwiegene Politikerrunde an einem verregneten Septembertag des Jahres 1991 verabredet: Der Hades-Plan wurde für mehr als 20 Jahre zur Grundlage deutsche Außen- und Innenpolitik.

Geheimes Strategiepapier 

Öffentlich nie erwähnt, kam das Strategiepapier erst ans Licht, als ein Ex-Hauptmann des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR die geheimen Protokolle des Vorgangs "Euro-Falle" aus den streng abgeschirmten Räumen der Stasi-Unterlagenbehörde in Dresden schmuggelt, wo sie völlig vergessen in einem Aktenschrank verstaubt waren.

Der Leak machte Furore. Deutschlands Geschichte musste völlig neu geschrieben werden. Historiker betrachteten das Handeln von Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher und ihren Helfern Theo Waigel, Wolfgang Schäuble, Rudolf Seiters und Friedrich Bohl aus einem völlig neuen Blickwinkel. Die Aufgabe der D-Mark, das Aufgehen der mächtigsten Wirtschaftsmacht Europas in einem verwirrend kompliziert regierten Vielvölkerstaat - all das ergab plötzlich Sinn. 

Die alte Ordnung 


Was ein erfahrener Stratege wie Wolfgang Schäuble gemeint hatte, als er das "Regelungsmonopol des Nationalstaates" als die "alte Ordnung" bezeichnete, "die dem Völkerrecht noch zugrunde liegt, mit dem Begriff der Souveränität, die in Europa längst ad absurdum geführt worden ist", lag offen vor aller Augen. Der "Hades-Plan", so lehrten es zeitweise alle Universitäten, war das beste Beispiel für deutsche Machtpolitik durch die Hintertür. Ein Leiten durch Leiden, das zuerst zum Vertrag von Maastricht führte, dann zur Einführung des Euro, schließlich zur großen Schuldenkrise. Und über diese nur scheinbar zufällige Kette von Ereignissen ans Ziel: Der Eroberung Europas durch Deutschland, diesmal aber ohne Marschstiefelstampfen und gebellte Befehle.

Die Briten rochen den Braten zuerst. Das Empire, das sich ein geeinigtes Europa immer nur unter britischem Mandat hatte vorstellen können, schäumte. War es nicht Churchill gewesen, der mit seinem Satz 'We are with Europe, not of it' einen Kurs vorgab, der eine Unterordnung unter die Ziele des Hades-Planes schlicht ausschloss? Bei allem, was später an Begründungen vorgebracht wurde: Hier lag der Grund für den Brexit, mit dem sich der Kontinent von seiner größten Insel isolierte. Man sei nicht "bereit, die deutschen Stiefel zu lecken", hieß es im Abschiedsbrief von Colin Liddell, veröffentlicht in kleinen, aber feinen Takis Magazine, einem fröhlichen Kompendium konservativen Humors.

Italien hielt zur Achse

Auch Italien war beunruhigt, hielt aber zur Stange Achse. In halbgaren Protesten hieß es im "Il Giornale", einem Qualitätsblatt aus dem Statt von Silbio Berlusconi, Italien liege "nicht mehr in Europa, sondern im Vierten Reich". Doch Konsequenzen blieben aus, weil die Amerikaner applaudierten. "Jetzt habt ihr die Hauptstadt Europas nach Berlin verlegt" jubelte George Friedman, der Gründer und Vordenker des US-Think-Tanks Stratfor über die Deutschen als die "kontrollierende Kraft der Europäischen Union".

Klare Machtverhältnisse. Die EU als die DDR Angela Merkels, wie es der "Spiegel" zufrieden ausdrückte. Von "Europas Kanzlerin" schrieb die Süddeutsche Zeitung". Wer, wenn nicht Deutschland? fragte das Blatt und der ehemalige Nachrichtensender n-tv antwortete beherzt: "Deutschland als Vorbild – warum nicht!" Eine "German Übermacht" entdeckte der "Spiegel" in dem Land, das seine ausgestellte Verletzlichkeit und eine hypochondrisch erscheinende Sensibilität für Verletzung seiner hochentwickelten Moral geschickt nutzte, sich die anderen Staat gefügig zu machen. 

Der Sieg des "Quattro Reich" 

Das "Quattro Reich", das Italien mit "Heil Merkel" verhöhnte, blieb unbeirrt von Lob wie von Tadel. Lieber das ganze Europa ganz als das halbe Deutschland halb, hatte Helmut Kohl die geheime Runde im Kanzlerbungalow damals eingenordet. Und auch wenn es zeitweise so schien, als komme die Umsetzung des Plans nicht recht vom Fleck,  übernahm Deutschland doch immer mehr Bürgschaften für die übrigen EU-Mitgliedsstaaten. Es verlangte dafür nicht. Blieb selbst in vermeintlich bedrohlichen Situationen höflich und unterwürfig. Schlug nie mit der Faust auf den Tisch, sondern verließ sich auf seine absolute Macht als einzige Instanz in der Gemeinschaft, die den anderen Schuldern noch Zugang zu frischem Geld verschaffen kann.

Ein gemütlicher Herrscher. Ein Chef, der sich müht, den Eindruck zu erwecken, dass er sich kaum allein die Schuhe zubinden kann. Geschult am Vorbild des früheren EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker hat Deutschland seine Position zu einer ausgebaut, die es ihm erlaubt, nicht nur wieder die Musik zu bezahlen, sondern auch anzusagen, welches Lied gespielt wird. Frankreichs Präsident mag öffentlichkeitswirksamer auftreten. Polen mehr Ultimaten stellen und Georgia Meloni besser aussehen. Doch es sind die Merkels, Scholz' und Merz, die das Sagen haben, wie das stets hellwache "Handelsblatt" die Situation analysiert.

Die große Dominante 

"Deutschland wird zur dominanten Macht Europas", beschreibt das Wirtschaftsmagazin das Ergebnis eines Meisterstücks internationaler Finanzdiplomatie, mit dem der Retter Not schuf, indem er Verführbarkeiten ausnutzte, um am Ende mit der Geldwaffe Kreditknechtschaft zu erzwingen. Autor Moritz Koch knüpft an eine lange Tradition in einer Publikation an, die Deutschland bereits 2016 als "widerwilligen Hegemon" porträtiert hatte. "Dominant" kommt vom Lateinischen 
 "dominans"  und meint herrschen oder beherrschen. Die EU ist so gesehen Deutschland "Dominion", sein Herrschaftsbereich.

Fast ein Jahrzehnt später gilt es, einen Irrtum aufzuklären: "Alle reden von Deutschlands Schwäche, dabei erlebt das Land einen gewaltigen Machtzuwachs", schreibt Koch. Friedrich Merz etwa, der so oft so ungelenk wirkt und heute schon mehr Versprechen gebrochen hat als die meisten seiner längerdienenden Vorgänger, sei bereits zu erkennen als ein "Kanzler einer Führungsmacht im Aufbau". 

Führungsmacht im Aufbau 

Wer will, kann es sehen. Noch trauert Deutschland zwar vergangenen Erfolgen nach, es "fühlt sich schwach wie lange nicht". Doch auch wenn der Titel des Exportweltmeisters weg ist und der Ruf als Europas Wachstumsmotor ruiniert, hat doch der Stimmungsumschwung im Sommer und der von Bauturbo und verkürzten Abschreibungsfristen ausgelöste Boom nicht nur Zukunftsängste ausgelöst, sondern auch eine Klebekraft in der schwarz-roten Koalition entfaltet, die Politikphysiker mit "Alles oder Nichts" beschreiben.

Selbst wenn beide Partner sich nicht einig sind, einigen sie sich wie bei der Abstimmung über das Rentenpaket. Selbst wenn beide keine Idee haben, hilft der Hades-Plan, daraus keine existenzgefährdende Regierungskrise werden zu lassen. "Ausgerechnet in dieser Phase der Schwäche, der Selbstzweifel und Schuldzuweisungen erlebt das Land einen historischen Machtzuwachs", erläutert Moritz Koch. 

So funktioniert ein System, das angeblich hatte zeigen wollen, wie die Deutschen gute Europäer  werden und den Europäern stattdessen jetzt die Chance gibt, gute Deutsche zu sein. "Was die nächsten zehn Jahre politisch prägen wird, ist nicht der Niedergang Deutschlands", ist der Autor sicher, "sondern das genaue Gegenteil: der Aufstieg der Bundesrepublik zur dominanten Macht Europas."

Trump ist schuld


Wie immer ist Trump schuld. Er hat Europa die Amerikaner entfremdet. Die Chinesen hatte Brüssel vorher selbst schon weggebissen, Indien zeigte noch nie großes Interesse am alten Kontinent und der hat keins an Argentinien und Brasilien. So bleibt Europa nur noch eine Führungsmacht, zufällig die, bei der die meisten Euro- und EU-Staaten ohnehin in der Kreide stehen. Briten und Franzosen seien chronisch klamm, schreibt Koch. "Deutschland ist das einzige Land, das die finanziellen Mittel für eine signifikante Nachrüstung hat." Das aber ist nicht Trumps Wille. Sondern der der Väter des Hades-Planes.

So hat die Zeitenwende das Kräfteverhältnis auf dem Kontinent verschoben. Nur Deutschland, das jüngere Erfahrungen mit einem Kräftemessen mit den Russen hat als etwa Frankreich oder Polen, könne Europa künftig schützen. Nachdem Trumps illiberales Amerika dem europäischen Projekt den Kampf angesagt habe, muss der kranke Mann, als der sich Deutschland gern ausgibt, seine Krücken wegwerfen, seine Orthesen polieren und den Hades-Plan offen auf den Tisch legen: So geht's lang.>

Die elektrischen Reichsbürger: Glaubenskrieg mit Amerika

Strafe X, Ursula von der Leyen X, DSA Bußgeld Twitter, Europäische Tech-Souveränität, X Geldstrafe 120 Millionen, Zensursula
In Europa werden Jahr für Jahr Milliarden verforscht, doch der Abstand zu den High-Technationen will einfach nicht geringer werden.

Es war eine Kriegserklärung, nicht nur an die früheren Partner, Freunde und Bundesgenossen jenseits des Atlantik, sondern eine an die so lange zu beharrliche behauptete Vision der offenen Gesellschaft. Als die Europäischen Kommission sich entschloss, mit einer Demonstrativhandlung ohne historisches Beispiel eine Geldstrafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen den US-Konzern X zu verhängen, wussten die in die Entscheidung eingebundenen Kommissare um Ursula von der Leyen ganz genau, was sie auslösen würden.  

Ein ehemaliger Verbündeter 

Der ehemalige Verbündete Amerika wäre brüskiert. Der amerikanische Präsident gäbe sich vermutlich schwer beleidigt. Die Riege seiner Minister, nach einer langen Phase der Radikalisierung inzwischen nicht mehr nur Neonazis und Faschisten, sondern beinharte Christen, wäre in Minuten aus dem Häuschen. Bestenfalls so sehr, dass sich die Hegseth, Vance und Rubio sofort in ihre rostigen Rüstungen werfen und zu einem neuen Kreuzzug gegen das alte Europa aufbrechen würden. 

Brüssel wäre damit schlagartig etliche drängende Sorgen los. Keine Diskussionen mehr um den drohenden Frieden an der Ostflanke. Kein öffentlich ausgetragener Streit zwischen Frankreich, Spanien und Deutschland um das große Kampfflugzeugprojekt FCAS, das die zusammenwachsenden europäischen Streitkräfte eigentlich schon 2040 mit einem modernen neuen Jäger samt "Combat Cloud und passender Sensorik" hatte versorgen sollen, nun aber schon vor dem für 2029 erwarteten russischen Angriff auseinanderbricht. Schluss mit den Debatten um russisches Auslandsvermögen und europäische Begehrlichkeiten. Schluss mit fruchtlosem Hoffen auf die große Wirtschaftswende.

Glaubenskrieg mit Amerika 

Stattdessen ein Glaubenskrieg mit den Vereinigten Staaten, ausgetragen als Armdrücken im Internet. Dort, das hatten in der Vergangenheit schon Vordenker wie Robert Habeck, Thierry Breton, Jessica Rosenthal und Martin Schirdewan angemahnt, haben sich US-Firmen aus bis heute nicht bekannten Gründen eine Vielzahl von Monopolstellungen erobert. Während Europa auf Sicherheit setzte und strenge Regulierungsmaßnahmen zur Innovationsförderung nutzte, ließen selbst befreunde US-Regierungen wie die von Barack Obama und Joe Biden in Übersee einen zügellosen Wildwuchs an Firmengründungen zu. 

Heute kauft ganz Europa bei Amazon ein, der Messenger der Wahl von Millionen heißt Whatsapp, die von Privatleuten, aber auch Behörden und Politiker bis hin zu Kommissionschefin Ursula von der Leyen am meisten genutzten sozialen Netzwerke heißen Facebook, X und Instagram. Allenfalls das chinesische Spionageportal TikTok bietet hier noch eine Alternative für die, die nicht weiterhin zum Reichtumsmehrung bei Donald Trumps Tech-Bros beitragen wollen.

National gesinnte Europa-Patrioten 

Alle zarten Bemühungen engagierter und national gesinnter Europa-Patrioten, dem erdrückenden Übergewicht der US-Firmen im Netz etwas entgegenzusetzen, endeten bisher mit peinlichen Pleiten. Robert Habecks Vorschlag, Google noch einmal zu erfinden, diesmal aber auf Deutsch, erachtete nicht einmal die für solche populistischen Parolen empfängliche Berliner Politikblase für erörterungswürdig. 

Die vom SPD-Nachwuchs und der Linkspartei vorgeschlagenen Enteignungen scheiterten an fehlenden  Umsetzungsmöglichkeiten. Der von sozialdemokratischen, grünen und linken Politikern ausgerufene Massenwechsel zu Portalen wie Bluesky und Mastodon an der Gefolgschaftstreue der Bürgerinnen und Bürger.

Von der Leyens Liebe zu X 

Nicht einmal Ursula von der Leyen verabschiedete sich von X, diesem weitgehend unkontrollierten Hassportal, das Ferda Ataman, die frühere Redenschreiberin Armin Laschets und heutige unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, schon im Herbst 2023 zum "Desinformations-Netzwerk" erklärt hatte. Die Not der Politik, wenigstens hier und da noch Menschen mit Botschaften zu erreichen, Zeichen zu setzen und - etwa nach bedauerlichen Einzelfällen - die unabänderliche Trauerroutine abzuspulen, zwingt zu einem Pakt mit dem Teufel. 

Nach den selbstgemachten europäische Datenschutzregeln dürfte Ursula von der Leyen seit Jahren schon keine Zeile mehr bei X schreiben. Doch die früher als "Zensursula" verspottete Christdemokratin muss die diesbezüglichen Entscheidungen der höchsten europäischen Gerichte ignorieren, will sie überhaupt noch wahrgenommen werden. 

Europa im Teufelskreis 

Ein Teufelskreis. Je mehr Follower offizielle europäische Stellen bei den US-Giganten sammen, desto größer wird die Menge der in die USA übermittelten personenbezogenen Daten von Europäern. Die dürfen dorthin nur gelangen, wenn garantiert ist, dass das in Europa durch die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) gewährleistete Schutzniveau gewahrt bleibt. Das ist bei einer Speicherung in den USA oder auf Servern einer US-Firma nicht der Fall, weil sämtliche US-Geheimdienste jederzeit Zugriff haben.

Der Komission hat das nie gefallen, wurde sie doch durch jeden einezelnen Post der Kommissionschefin blamiert. Doch mangels anderer Vertriebswege für die Amtsnachrichten blieb Brüssel wie Berlin darauf angewiesen, das verhasste Pferd des verabscheuten Milliardärs Elon Musk zu reiten. Der Aufbau neuer, staatlich kontrollierter europäischer Angebote kam einfach nicht in Gang. 

Gipfel der Peinlichkeit 

Gipfel der Peinlichkeit: Selbst die vom zersurfreudigen EU-Parlamentarier Axel Voss mitbegründete "Democratic Tech Alliance"eine Aktivistenrunde, die sich den Kampf gegen US-Konzerne im Netz auf die Fahnen geschrieben hat, ließ ihre Domain https://democratic.technology von einem US-Dienstleister registrieren. Dafür aber ignorieren die Kämpfer für ein souveränes digitales Europa die europäischen Datenschutzvorgaben: Ihre Seite hat weder ein Impressum noch wird ein Verantwortlicher benannt, es gibt keine Telefonnummer und keine Datenschutzerklärung. 

Damit muss Schluss sein, das hat die Brüsseler Kommission mit ihrer Geldstrafe für X klargemacht. Was aussieht wie ein selbstmörderischer Angriff auf "alle amerikanischen Technologieplattformen und das amerikanische Volk", wie es US-Außenminister Marco Rubio nannte, ist in Wirklichkeit der brachiale Versuch einer Entfesselung. Mit dem sichtlich vorgeschobenen Argument, X werde "wegen mangelnder Transparenz bei Werbung und Nutzerkonten" bestraft, versucht sich Brüssel an einem Befreiungsschlag.

Vorbild Rückbau der Gasnetze 

Vorbild ist der in Deutschland bereits gestartete Rückbau der Erdgasnetze. 511.000 Kilometer Röhren und Leitungen, die sich durchs gesamte Land ziehen, Millionen von Häusern versorgen und nebenher 360 TWh Energie speichern - etwa ein Zehntel des jährlichen Primärenergieverbrauchs in Deutschland - sollen in den kommenden 20 Jahren aus der Erde gerissen und evrschrottet werden. Wie dann weiterversorgt werden wird, ist bislang nicht ganz. Doch es herrscht großer Optimismus:  Kommt kein Erdgas mehr aus der Leitung, weil keine Leitung mehr da ist, werden sich die Menschen anders zu behelfen wissen, wenn es kalt wird

Das ist auch die Logik, der die EU-Kommission mit ihrem brüsken Vorgehen gegen den Onlinedienst X folgt. Die Begründung, X habe Nutzerkonzten "irreführend authentifiziert", weil Menschen hätten  glauben können, dass hinter den Konten mit den Häkchen echte, verifizierte Nutzer stehen, ist so vorgeschoben wie sie klingt. 

Freihändig festgelegte Strafe 

Die EU gibt das auch zu, indem sie erklärt, dass die Strafhöhe willkürlich festgesetzt worden sei. Als private Firma gibt X die Umsatzzahlen nicht bekannt, an denen sich die mögliche Strafzumessung laut Digital Service Act zu orientieren hat. Freihändig legte eine öffentlich nicht genannte EU-Instanz das Bußgeld deshalb auf 45 Millionen für die Häkchen,  40 Millionen für  einen "fehlenden Datenzugang für die Wissenschaft" und 35 Millionen für "fehlende Transparenz bei Werbung" fest.

Dass X zahlen wird, erwartet niemand. Brüssel wartet vielmehr auf die Weigerung der Firma, sich den Vorgaben der Kommission zu unterwerfen. Daraus ließe sich Honig saugen: Mit Hilfe von DNS-Sperren könnte X in der EU verboten werden. Störrische Weiternutzer liefen Gefahr, selbst belangt zu werden. damit wäre endlich ein Hebel gefunden, Bürgerinnen und Bürger nach russischem und chinesischem Vorbild auf streng kontrollierte und überwachte staatliche Portale umzuleiten.

Nicht nur Amerika ist kampflustig 

"Die Zeiten, in denen Amerikaner im Internet zensiert wurden, sind vorbei", hatte Marco Rubio nach der Kriegserklärung aus Brüssel kampfeslustig gepostet. Doch der 54-Jährige aus Florida wird sich eines Besseren belehren lassen müssen: Für den Traum der digitalen Reichsbürger um Axel Voss, Robert Habcek und Ursula von der Leyen ist die eingeleitete Trennung zwischen europäischem und amerikanischem Internet ein Gamechanger.

Jetzt gilt keine Ausrede mehr. Sind ie technisch überlegenen US-Portale erst unzugänglich, gibt es keine Zugriffsmöglichkeiten mehr auf Software von Microsoft, Smartphones von Apple und E-Autos von tesla, werden sich europäische Lösungen auch durchsetzen, wenn sie vielleicht noch unter einer Reihe von kleinen Kinderkrankheiten leiden. Die Allianz der Souveränisten hat den einzigen Weg gefunden, derhinausführt aus dem digitalen Gefängnis US-amerikanischen und chinesischen Übermacht bei Hochtechnologien. 

Fleißig verforschte Fördermilliarden 

Es hilft kein Wünschen gegen Microsoft, keine Beschwörungen des Bundeskanzlers, dass ja auch der deutsche Konzern SAP ein Riese sei und an vielen deutschen Universitäten fleißig Fördermilliarden verforscht würden. Erst eine feste Außengrenze für fremde Technologien verschafft dem verspäteten Kontinent die Atemluft, endlich Software aus regionalen Anbau zu nutzen und Plattformen aus der Nachbarschaft, auf die für die Meinungsfreiheit zuständigen Behörden Tag und Nacht ein Auge auf die Nutzer*innen haben. 

Das Modell der "Selbstverwalter", die sich als diesem Staat nicht zugehörig fühlen und oft im Zuge eines privaten Rituals ihren Austritt aus der der Bundesrepublik erklären, indem sie sich etwa zu Reichskanzlern von Gartengrundstücken ernennen, wird hier in die Welt des Digitalen übertragen. Statt über die technologsiche Übermacht der ausländischen Konzerne zu wimmern und zu klagen, wird denen der Marktzugang genommen. 

Abgeschirmtes Elektro-Europa 

Wie Barbarossa aus seiner Gruft entsteht streng abgeschirmten Elektro-Europa dann fast zwangsläufig ein eigenes Biotop aus Ersatzpflanzen. Unbehelligt von der sie bisher gnadenlos erdrückenden Kunkurrenz werden sie wachsen und blühen können - getreu der Forderung von Friedrich Merz, der gesagt hatte "Wir müssen raus aus der Abhängigkeit von US-Techfirmen".

Mit der Abstrafung von X ist der erste Schritt zur Abkopplung von Apple, Google und Microsoft getan. Europa kann die Dominanz der amerikanischen Technologiefirmen brechen, wenn es gelingt, Schluss zu machen mit der "Nebenrolle, die Firmen aus Europa spielen" (Friedrich Merz). Digitale Souveränität ist kein Hexenwerk, das haben Staaten wie die Türkei, der Iran und China vielfach bewiesen.

Vor Wochen schon sah der deutsche Bundeskanzler Europa auf einem "schwierigen, aber machbaren Weg hin zur digitalen Souveränität", für die er "alles zu tun" bereit war. Die Vergrämung von X ist so gesehen auch ein Testfall: Wie schnell lassen scih digitale Grenzen hochziehen? Wie können sie gesichert werden? Und  wie hoch muss der Verfolgunsgdruck sein, um Abweichler und Feinde der gemeinsamen meinungssichernden europäischen Lösungen abzuschrecken?

Montag, 8. Dezember 2025

Aufschrei in Bronze: Kunst gegen den harten Kurs

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Mit der Aktionsstatue "Dem unbekannten Schutzsuchenden" hat der sächsische Bildhauer Jan Laurenz Dippelberg mitten in Berlin ein deutliches Zeichen gesetzt.

Ein Blumen- und Kranzmeer ist es nicht, das den Boden vor der CDU-Bundesparteizentrale bedeckt. Ein paar Sträuße nur liegen da, vom Frost gezeichnet und angegraut. Doch viele Passanten bleibe an diesem milden Klimawintertag vor dem Konrad-Adenauer-Palast stehen. Sie verharren still, einige stellen Kerzen nieder. Zu Füßen einer überlebensgroßen Bronzestatue liegen Kuscheltiere und persönliche Notizen, Grußbotschaften zumeist. "Wir schaffen das", hat ein Kind geschrieben. "Friedrich Merz - denke nach!" eine erwachsene Frau mit eleganter Handschrift.

In der Nacht zum ersten Advent 

Das Mahnmal "Für den unbekannten Flüchtenden", das der sächsische Bronzebildhauer Jan Laurenz Dippelberg der Kanzlerpartei in der Nacht zum ersten Advent vor die Nase gestellt hat, erregt Aufsehen. Dippelberg hat es eigener Aussage nach zum Gedenken an die Zeit geschaffen, in der es unmöglich war, Deutschlands Grenzen zu kontrollieren. Mit Merz, sagt der Künstler, sei eine Generation Politiker zur Macht gelangt, die die Grundwahrheit ignoriere. "Sie brüsten sich damit, einen harten Kurs gegen alle zu fahren, die sich von uns Schutz und Hilfe erhoffen."

Für Jan Laurenz Dippelberg, der im Sommer mit der Initiative eines Robert Habeck gewidmeten "Robertinum" im erzgebirgischen Bad Walterberg bundesweit Aufsehen erregt hatte, wollte ein deutliches Zeichen gegen diesen galoppierenden Werteverfall setzen, wie er den neuen harten Kurs des Kanzlers nennt. Für ihn, der aus der früheren Bürgerbewegung der ehemaligen Ex-DDR kommt, sei die Zurückweisung Asylsuchender ein Zivilisationsbruch. "Gerade weil die gesamte EU mit nahezu allen unseren Partnern auf diesem Geisterkurs fährt, ist es doch an uns, den richtigen Weg weiterzugehen."

Landestracht in Bronze 

Die Idee, einen Schutzsuchenden in seiner Landestracht in Bronze zu gießen, kam dem studierten Bildhauer und Kupferstecher bei einem Spaziergang durch das Berliner Regierungsviertel.  Am Spreeufer gegenüber dem Bundeskanzleramt, mit direktem Blick auf die dort laufenden Erweiterungsbauarbeiten, sei ihm eingefallen, wie er hier noch vor sieben Jahren gemeinsam mit  Künstlerkollegen vom Zentrum für Politische Schönheit einen echten Seenotrettungseinsatz simuliert hatte. "Unsere Kunstaktion "Escape Europe" erregte damals großes Aufsehen", erinnert er sich.

Direkt zu Füßen des hochaufragenden Kanzleramtes und in Rufweite des Parlaments hatten Political Beauty und Dippelberg mit einigen weiteren Freunden aus der Kunstschaffendenszene auf die unhaltbaren Zustände an den offenen Grenzen aufmerksam gemacht. Geschützt nur von dünnen Rettungswesten und ausgerüstet mit dem Mut der Verzweiflung über die rechtsextremistisch geprägte Lage paddelten 47 Künstlerinnen und Künstler über die Spree. Ein aufrüttelndes Sinnbild für die gefährliche Fahrt über das Tyrrhenische Meer, gejagt von den Schnellbooten der in Warschau residierenden EU-Grenzschutzagentur Frontex. 

Eingeschlafene Willkommenskultur 

Zum Entsetzen von Jan Laurenz Dippelberg aber schlief die Willkommenskultur in der Zeit danach eilig ein. "Statt Geld in die Anwerbung weiterer Fachkräfte und deren Integration zu stecken, investiert die EU-Kommission lieber in ein neues Frontex-Hauptquartier", kritisiert er. Der Bau sei für die künftige Erweiterung der Agentur auf bis zu 30.000 Mitarbeiter projektiert. "Dabei würden die 250 Millionen Euro, die die EU dafür bereitgestellt hat, vollkommen ausreichen, um die Kosten für die nach Deutschland geflüchteten Menschen für beinahe drei Tage zu decken."

Dippelberg wäre früher beinahe einmal selbst CDU-Mitglied geworden. Doch ehe es dazu kam, trat er von seiner Absicht zurück. "Helmut Kohl hatte den von mir hochverehrten Heiner Geißler kalt aus dem Weg geräumt", sagt er. Das sei zwar bereits geschehen, bevor er als DDR-Flüchtling am 3. Oktober 1990 Bundesbürger wurde. "Doch als ist es erfuhr, stand meine Entscheidung, dass ich einer solchen Partei nicht angehören möchte." 

Parlamente ohne Brandmauer 

Dass die SPD, der er zeitweise auch habe beitreten wollen, damals im Bundestag damals in Sachen Einheit gemeinsame Sache mit der Union gemacht habe, trug ein Übriges zu seinem Entschluss bei, auch kein Sozialdemokrat zu werden. "Wer konnte schon sicher sein, dass in vier oder acht Jahren dieses Land noch ein demokratisches Land sein würde?", beschreibt er seine Überlegungen zu einer Zeit, in der Nazihorden auf den Straßen marschierten, Skinheads den Kulturkampf gewonnen zu haben schienen und rechtsextreme Parteien wie die Republikaner und die DVU sich brüsteten, in Parlamenten ohne Brandmauer akzeptiert zu werden.

Die meisten Opfer jener Jahre seien heute vergessen. "Fragen Sie die Menschen", klagt er. Außer dem berühmten Antonio Amadeu, an den die gleichnamige Meinungsfreiheitsstiftung erinnere, habe kaum ein Schicksal wirklich Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen. Durch das Wissen darum habe er sich radikalisiert, gibt Dippelberg freimütig zu. "Die CDU ist eine Partei der geistigen Brandstiftung", warnte er in seiner kurzen Eröffnungsansprache zur Einweihung  seines Kunstwerkes, das er selbst ein "Aktionsmonument" nennt. "Merz setzt auf dieselbe populistische Masche, die schon der späte Olaf Scholz benutzen wollte, um sich Liebkind zu machen bei denen, für die nur ein remigrierter Flüchtling ein guter Flüchtling ist." 

Spontaner Applaus für den Kunstschaffenden 

Gebannt lauschten die über US-amerikanische und chinesische Sozialnetzwerke wie X, Whatsapp und TikTok informierten Menschen den Worten des Einzelkämpfers und Überzeugungstäters, der seinen Stil schon als Kind an den Klassikern des sozialistischen Realismus geschult hatte. Seinen offenen Worten, dass die offene Gesellschaft unter Feuer der Anti-Aufklärer, die "Feuer an Unseredemokratie legen wollen", wurde spontan applaudiert. "Jubel brach aus, als ich sagte, dass wieder jemand versucht, zu definieren, welcher Mensch ein Mensch ist."

Für Jan Laurenz Dippelberg ist die Antwort auf diese Frage klar. "Jeder ist ein Mensch, und jeder ist ein Jemand, und niemand ist ein Niemand!", formuliert er deutlich. Angesichts der Flüchtlingspolitik, die CDU, CSU und SPD unter Missachtung der gemeinsamen europäischen Regeln und der völkerrechtlichen Vereinbarungen zwischen  den Schengen-Staaten betreiben, sei es höchste Zeit, zu handeln.  Dippelberg spricht sich klar für ein Verbotsverfahren für alle drei Parteien aus. Belege für die Verfassungsfeindlichkeit der Regierungspolitik gebe es genug. "Denken Sie nur an das Urteil zum Klimafonds", sagt er, "oder an die vielen gescheiterten Versuche der Volksparteien, das Wahlrecht passgenau auf den eigenen Vorteil zuzuschneiden."

Risiko Verbotsverfahren 

Dippelberg, der sich von Besuchern gern mit seinem Kunstwerk fotografieren lässt, schwankt zwischen Zuversicht, wie sie der Vizekanzler zuletzt forderte, und reiner Verzweiflung. "Was muss eigentlich noch geschehen? Was muss noch gesagt werden? Wie viel muss noch gehetzt werden?", fragt er. Natürlich sei ein Verbotsverfahren gegen ehemalige Volksparteien, die derzeit auch noch die Bundesregierung stellen, ein Risiko. Aber die "Rot-Front"-Rufe, die bei SPD-Parteitagen zu hören seien, "müssen uns doch ebenso aufrütteln  wie die Kampfansage an die Sozialpartnerschaft, mit der Frau Bas kürzlich so unangenehm aufgefallen ist".

Wer so Front mache gegen das Erfolgsmodell soziale Marktwirtschaft, müsse mit dem wehrhaften Rechtsstaat rechnen, denkt er. "Das Grundgesetz sieht die Möglichkeit ausdrücklich vor, Parteien zu verbieten, die den Rechtsstaat und die Demokratie abschaffen wollen." Dass es auch Kritik an seiner Kunstaktion gebe, habe ihn nicht überrascht. 

Die üblichen Abwehrreflexe 

"Die üblichen Abwehrreflexe", nennt er die auch persönlich gefärbten Angriffe auf seine Person. "Man hat mich einen unverbesserlichen Habeck-Fan genannt und einen ostdeutschen Quertreiber, der die Migrationsprobleme missbrauche, um als Künstler bekannter zu werden", sagt er. "Aber ich frage mich: Worin besteht der Missbrauch?" Es gehe ihm darum, den Finger in eine demokratische Wunde zu legen und zu sagen: Bis hierher und nicht weiter!" 

Natürlich ärgerten sich die Damen und Herren im Adenauer-Haus, dass ihr Rechtsdrall nicht unwidersprochen bleibe. "Aber wenn die demokratische Mitte es schon nicht schafft, gemeinsam auf die Straße zu gehen und ein deutliches Stoppzeichen zu setzen, dann ist man eben als Einzelner gefordert, die Öffentlichkeit aufzurütteln." Dippelberg appelliert mit seinem Aktionsmonument an alle, sich für die Demokratie einzusetzen. "Die Abschottung, das Blinken nach rechts, alles, was wir heute beklagen, liegt auch in unserer Verantwortung", sagt er. Bisher sei zu wenig unternommen worden. 

Schutzschild gegen Russland: Abschreckung durch Armut

Deindustrialisierung als Abschreckung, Morgenthau-Plan für Russland, Putin abschrecken durch Armut, Deutschland abrüsten statt aufrüsten, Rentenkassen leer als Verteidigung, Abschreckung durch Verfall, satirische Verteidigungsstrategie
Deutschland komplett zu Deindustrialisieren und die Rentenkassen nicht zu reparieren, wäre die sicherste Gewähr, dass Putin von seinen Angriffsplänen ablässt.

Es war wohl knapp, denkbar knapp. Als die Russen und die Amerikaner in Moskau zusammensaßen, um über einen Frieden in der Ukraine zu beraten, klapperten in Brüssel die alten Knochen. Beim Nato-Treffen waren die Demokraten diesmal unter sich.  

Die Vereinigten Staaten ließen sich am Katzentisch durch einen subalternen Stellvertreter von Verteidigungsminister Peter Hegseth vertreten. Das hätte schiefgehen können. Im schlimmsten Fall, so tuschelte es am Tisch, erfahren wir morgen aus der Zeitung, wie es ausgegangen ist. "Und was wir zahlen müssen", soll ein Diplomat aus der Reihe an der Wand gesagt haben.

Eine fröhliche Natur ist betrübt 

Selbst der ewige Optimist Mark Rutte, ungedient, aber wegen seiner grundfröhlichen Natur nach langem Suchen zum Nachfolger des ewigen Nato-Chefs Jens Stoltenberg befördert, sei wegen der demonstrativen Ausbootung durch die Amerikaner  "ernüchtert". Und auf der Suche nach neuen Geldquellen, die die EU-Staaten brauchen, um wie versprochen Waffen in den USA zu kaufen, geht es auch  nicht voran. 

Gut, dass wenigstens eintrat, was Elmar Theveßen,  US-Korrespondent des ZDF, schon vorab als frohe Botschaft verkündet hatte. Auch Trump werde lange brauchen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. "Die gute Nachricht ist, es wird nicht am ersten Tag schon der Frieden ausbrechen" beschwichtigte der Amerika-Experte die Furcht vieler europäischer Staatenlenker vor einer erneuten jähen Wendung. Er behielt recht. 

Das Treffen von Trumps Sondergesandten Steve Witkoff mit Putin ging gerade noch mal gut aus. Der Frieden ist für die Ukraine noch weiter entfernt als die Zurückeroberung von Pokrowsk.

Wappnen für den Fall

Und so bleibt den europäischen Verbündeten Zeit, sich weiter zu wappnen für den Fall, dass das schlimmste eintritt: Ein als "Frieden" verbrämter kalter Krieg, diese Information hat der deutsche Verteidigungsminister Boris Palmer selbst verbreitet, 2029 mit einem Angriff der Russen auf breiter Front enden wird. Putins Truppen, die derzeit so tun, als hätten sie Mühe auf den 600 Kilometern der Donbas-Front Richtung Westen voranzukommen, werden dann auf der ganzen 3.000 Kilometer langen Westfront antreten.

Guter Rat ist teuer, denn in den Zeitrahmen, in dem deutsch-französische Rüstungsprojekte vorankommen, passt das nicht. Auch das Bundeswehrbeschaffungswesen, obschon von Pistorius "durch ein neues Gesetz und Maßnahmen zur Beschleunigung von Prozessen bereits maßgeblich reformiert", rechnet in ganz anderen Dimensionen. 

Auch nach dem, was Pistorius als "Quantensprung" für die  Beschaffung von Großgeräten wie Panzern, Schiffen und Flugzeugen nennt, wird die nächste P-8A Poseidon für die Bundesmarine erst im fünften Jahr nach der Bestellung Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" in Nordholz eintreffen.

Höchste Zeit für Plan B 

Es sei höchste Zeit für Plan B, Zeit für  eine alternative Verteidigungsstrategie, sagt der Friedensforscher Herbert Haase, der am Rande des Nato-Gipfels in Brüssel zu einer Pressekonferenz ins Hauptquartier des transatlantischen Bündnisses geladen hatte. Es gehe darum, ein klares Signal nach Moskau zu senden, sagt der Wissenschaftler. Haase leitet in Grimma, mitten im ländlichen, abgehängten Sachsen, den Verteidigungs-Think-Tank Climate Watch (CWI). Hier wird über den Tag hinaus gedacht, auch mal quer zu den allgemeinen Erwartungen.

Russland setze seinen brutalen Krieg gegen die Ukraine fort und greife die Bevölkerung und die kritische Infrastruktur an, gerade jetzt vor dem Winter, betont der Institutsleiter. Es bestehe aber noch kein Grund, wegen des drohenden Friedens in Hektik auszubrechen. "Ich sehe keinen ernsthaften Willen auf russischer Seite, auf einen Verhandlungsmodus einzugehen." Man müsse als Europa aber nachdenken, "wie wir uns jenseits des begonnenen Ausbaus Europas zum stählernen Stachelschwein wirksam schützen."

Zurück zu Morgenthau 

Haase hat gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden am CWI eine Strategie ausgearbeitet, die Wladimir Putin wirksam davon abhalten könnte, Polen zu überrennen und Deutschland anzugreifen. Die Idee orientiert sich am legendären Morgenthau-Plan. Dieser 1944 vorgelegte Vorschlag des damaligen US-Finanzministers Henry Morgenthau Jr. sah vor, Deutschland in einen Agrarstaat zu verwandeln. 

Sämtliche Industriebetriebe sollten demontiert werden. Durch Teilung, Demontage, Stilllegung und Entindustrialisierung sowie der Internationalisierung bestimmter Regionen sei das aggressive Land, das zwei Weltkriege begonnen hatte, am sichersten davon abzubringen, die Welt erneut mit Unheil zu überziehen.

Diesmal allerdings soll nicht Deutschland davon abgehalten werden, gestützt auf seine kriegstüchtigen Streitkräfte in andere Staaten einzumarschieren, sondern Russland. Das Reich des neuen Zaren gilt seit Putins berüchtigter Brandrede im Bundestag, in der er von Berlin als "einer Stadt mit einem so komplizierten Schicksal" sprach, als größte Gefahr für die globale Grundordnung. In 100 Jahren, so hatte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erst kürzlich vorgerechnet, hat niemals ein Land Russland angegriffen, Russland dagegen marschierte bereits 19 Mal ohne jeden Grund in andere Staaten ein. 

Unterjochen und erobern 

Russland, so hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eben erst gewarnt, sei darauf aus, "die Landkarten ständig neu zu zeichnen". Die Eroberungsfeldzüge der Russen sind eine Kette ohne Ende, sie führten russische Soldaten nach Georgien, Syrien, Armenien und Tschetschenien. Dort unterjochte die grausame Soldateska im Auftrag der Staats- und Parteiführung sogar einen integralen Bestandteil des eigenen Staatsgebiets.

 "Die Kreml-Herrscher waren dabei stets auf der Suche nach Bodenschätzen, gut ausgebildeten Arbeitskräften für ihre Gulags und modernen Industrieanlagen, wie sie Russland nicht hat", erklärt Herbert Haase die Motivation, die aus dem Russen an sich einen von Haus aus aggressiven Charakter macht. Diesem durch die vielen Jahrzehnte unter despotischen Herrschern wie Alexander dem Großen, Katharina der Großen, Lenin, Stalin und Putin auch untertanisch geprägten Wesen lasse sich der Drang zu Eroberungen militärisch kaum aberziehen. 

Der Westen kann sich nur Armut leisten 

"Dazu bräuchte es eine Militärmaschine, die nach unseren Berechnungen mit über 3,4 Millionen aktiven Soldaten mehr als doppelt so viele wie Russland mit etwa 1,3 Millionen haben müsste."  Um eine solche erdrückende Übermacht aufzubauen, müssten die Nato-Staaten jedoch bereit sein, etwa zehnmal mehr für ihre Streitkräfte auszugeben wie Russland. 

Europas Weg zu mehr Sicherheit, insbesondere der deutsche, müsse vor diesem Hintergrund ein anderer sein. "Wo Reichtum den Russen lockt, kann er der Versuchung, ihn sich zu nehmen, aufgrund seiner eher einfachen Natur kaum widerstehen", haben die Wissenschaftler aus Sachsen mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz aus dem Verlauf der Geschichte herausgelesen. Sicher sei nur, wer sich entsprechend sicher aufstelle.

Abschreckung durch Rückbau 

"Wenn wir Richtung Osten schauen, können wir das klar erkennen", sagt Haase. So sei Russland zwar 1921 in die Mongolei einmarschiert und sowjetische Truppen hätten unter dem Deckmantel, gegen den konterrevolutionären General Baron Ungern kämpfen zu müssen, das gesamte Land besetzt. "Aber das Interesse erlahmte schnell, als sich herausstellte, wie wenig dort zu holen war."

Für Herbert Haase und seine Kolleg*innen ist das der Weg zu mehr Sicherheit, den Deutschland einschlagen muss. "Ein Aufbau wirklich abschreckender Militärpotenziale in kürzester Zeit ist unmöglich, der Rückbau der deutschen Industriekapazitäten hingegen hat ja bereits begonnen und da er sich zunehmend beschleunigt, sehen wir gute Chancen, bis zum beabsichtigten Angriff Putins in vier Jahren so weit zu sein, dass niemand mehr ein Interesse daran haben kann, Deutschland zu besetzen." 

Haase empfiehlt dazu auch ein möglichst langes Offenhalten der Rentenfrage und eine weitere Erhöhung von Staatsschulden zu Finanzierung laufender Ausgaben. "So verführerisch jede junge Industrienation mit hoher Produktivität und hohen Exportüberschüssen auf expansive Charaktere wie Putin wirken, als so abschreckend empfinden sie Staaten mit einer überalterten Bevölkerung, die sich finanziell nicht mehr selbst aushalten kann." 

Den Eroberer nicht anlocken 

Selbst eine sehr schwache, desorganisierte Armee, in der heute schon jeder 15. Soldat im Beschaffungswesen beschäftigt ist und nicht einmal sechsmal so viele in der fronttauglichen Truppenteilen, reize einen Eroberer dann, das betreffende Land einzunehmen. "Konsequent gemacht, ist Armut die größte Gewähr für Sicherheit, die es überhaupt gibt", fasst Herbert Haase zusammen. Neben der möglichst komplett zurückgebauten Industrie seien auch leeren Sozialkassen ein "echter Trumpf, mit dem sich wuchern lässt", sagt er. 

Die rechtliche Situation ist eindeutig. "Nach Völkerrecht ist eine Besatzungsmacht verpflichtet, eine humane Behandlung der örtlichen Bevölkerung und die Erfüllung ihrer Bedürfnisse sicherzustellen, darunter zählen auch die Unterhaltung öffentlicher Dienstleistungen und der kritischen Infrastruktur, der Betrieb von Bildungseinrichtungen und der Betrieb medizinischer Dienste", fasst Herbert Haase zusammen. All das seien Aufgaben, an denen der deutsche Staat seit vielen Jahren zusehends scheitere. 

Der Verfallsprozess als Schutzschild 

Doch wenn Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Ergebnisse dieses Verfallsprozesses "peinlich" bezeichne, verkenne er die abschreckende Funktion, die eine überalterte Infrastruktur mit großen Schäden, eine auf ewiggestrige Verbrennertechnologien ausgerichtete Industrie, Fachkräftemangel und ein beständig wachsendes Milliardenloch in den Versorgungskassen auf russische Expansionsgelüste habe. 

"Selbst ein Putin wird sich diesen Klotz nicht ans Bein hängen wollen", sagt Herbert Haase. Ausdrücklich warnt er deshalb davor, die Gelder aus dem milliardenschweren Sondervermögen für Investitionsprogramme zu nutzen, wie es die große Koalition in Berlin zumindest für einen kleinen Teil der Billionenschulden plant. "Deutschland auf Vordermann zu bringen, das wäre so, als ob wir eine Einladung nach Moskau senden."

Sonntag, 7. Dezember 2025

Echo der Erinnerung: Vom Tapetenkutte

Die EU-Kommissionspräsidentin ist angetreten, die europäische Interpretation von "Freiheit" weltweit mit allen Mitteln durchzusetzen.   

Vom Tapetenkutte 

 

Legen Sie das Stirnrunzeln an

Die Kuriere bitten

um Aufmerksamkeit und

gespielten Gleichmut

 

In Moskau tapezieren sie

nicht nur, Genosse Hager 

 

Lars Leibrecht, Erfurt, DDR, August 1987

Angriffe auf EUropa: Einmischung in innere Angelegenheiten

EU Strafe, Digital Services Act Bußgeld, X 120 Millionen Strafe, EU gegen Elon Musk, DSA Verfahren Twitter X, Bestrafung
Ursula von der Leyen hat den Vereinigten Staaten mit ihrer Entscheidung, X abzustrafen, den Fehdehandschuh hingeworfen. geht alles glatt, gelingt es der Kommission damit, die transatlantsichen Beziehungen dermaßen in Brand zu setzen, dass die Sorgen der USA um den bedenklichen Zustand der EU kein Thema mehr sind.

Kein Zurückziehen, kein Einknicken. EUropa bleibt im Kampf mit der Regierung in Washington unbeugsam. Mit der Verhängung einer empfindlichen Strafe gegen Elon Musks Internetportal X hat die EU-Kommission deutlich gemacht, dass sie nicht bereit ist, im Streit um die von der US-Firma nach eigenem Dafürhalten festgelegten Regeln zur Authentifizierung von Nutzerkonten klein beizugeben.  

Vergebliches Ultimatum 

Zwei Jahre nach dem ersten Ultimatum an den US-Milliardär, umgehen din Brüssel zu erscheinen, um vor einer EU-Wahrheitskommission Rechenschaft über die geduldete Verbreitung von sogenannten "illegalen Inhalte und Desinformationen" abzulegen, kommt es zum Showdown: Gestützt auf das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act - DSA), das Anbieter digitaler Dienste verpflichtet, gegen Hass und Hetze im Netz vorzugehen, erließ die EU als Gericht auf Klage der EU als Staatsanwalt ein Bußgeld in Höhe von 120 Millionen Euro gegen die Kurznachrichtenplattform. 

Die Strafe ist die erste, mit der die EU-Kommission versucht, dem weltweit einzigartigen Digital Service Act weltweite Geltung zu verschaffen. Ein Unternehmen, vor dem die Kommissare lange zurückschreckten. Nach der Auswechslung des französischen Meinungsfreiheitsbeauftragten Thierry Breton, sich den Kampf gegen Musk zur persönlichen Hauptaufgabe gemacht hatte, schien es lange, als scheue sich Europa, offen gegen den lange eng mit dem US-Präsidenten Donald Trump befreundeten Tesla-Gründer vorzugehen. 

"Bedrohung von innen" 

Erst war es die Ankündigung von Trumps Vize JD Vance, Europa die Zuwendung zu entziehen, wenn die EU nicht gegen "die Bedrohung von innen" durch die Einschränkung der Meinungsfreiheit vorgehe und den "Rückzug Europas von einigen seiner grundlegendsten Werte" beende, die die Kommission zu einer nie näher terminierten Verlängerung ihrer Ermittlungen gegen X bewegte. Später scheute Brüssel das Risiko, nach dem erfolgreichen Aushandeln eines Zolldeals mit den USA eine neue Front zu eröffnen.

Doch die Langmut EUropas ist nun aufgebraucht. Kaum waren die ersten Nachrichten über die neue Sicherheitsstrategie der US-Regierung in den Messengerkanälen der Brüsseler Spitze aufgeploppt, ging die Kommission all in. Getreu dem Versprechen von Ursula von der Leyen, "ein starkes Signal für Menschen, Unternehmen und Länder weltweit" auszusenden, dass die "neuen Regeln die Nutzer im Internet schützen, die Meinungsfreiheit gewährleisten und Chancen für Unternehmen bieten" wirft  Brüssel der Schutzmacht in Übersee den Fehdehandschuh hin. 

Fehdehandschuh für Washington 

X als die Plattform, auf der Fake News  am entschiedensten widersprochen wird, eignet sich am besten, selbstbewusst den offenen Konflikt mit den USA zu suchen. Die Stellung, aus der die 27 Mitgliedsstaaten nach Monaten des Duckmäusertums zum Angriff übergehen, könnte nicht besser sein. Vor wenigen Wochen erst hatten führende EU-Digitalpolitiker sich zur mächtigen "Democratic Tech Alliance"  zusammengeschlossen, um schon in den kommenden Jahren ein europäisches Google, ein EU-X und ein demokratisches Facebook zu erfinden. 

Auch beim 5. Digitalgipfel in Berlin saßen mächtige europäische Internetkonzerne und Entscheider aus der Politik zusammen, über die besten Wege zu beraten, wie das derzeit noch mit nur 30 Digitalbeamten besetzte bundeseigene "Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung" (ZenD) allumfassende Alternativen zu den US-Diensten entwickeln kann.

Brüssels neues Selbstbewusstsein 

Das hat nicht nur in Brüssel neues Selbstbewusstsein geschaffen. Auch Berlin reagierte auf die in der amerikanischen "Anti-Europa-Doktrin" (Die Zeit) enthaltenen Vorwürfe, ohne das Knie zu beugen.  In der letzten Zeit häuften sich die "Aktivitäten und Versuche gegnerischer Kräfte zur unmittelbaren Einmischung in innere Angelegenheiten" der EU, hieß es. Unverkennbar sei, dass Behörden, Einrichtungen und Institutionen der USA "in massiver Form Bürger der Gemeinschaft inspirieren", "Widerstand gegen aktuellen Kurs Europas" (Tagesschau) zu leisten. 

Damit ziele Washington auf die Organisierung politischer Untergrundtätigkeit zur Aufweichung, Zersetzung und Destabilisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse und letztlich auf die Beseitigung Unsererdemokratie. Europa aber sei mächtig genug, sich diese Art politischer Wühlarbeit an seinen Fundamenten nicht bieten lassen zu müssen. 

Wer behauptet, Europa leide nicht nur unter niedrigen Verteidigungsausgaben und wirtschaftlicher Stagnation, "sondern unter einem kulturellen und demografischen Niedergang samt EU‑Überregulierung, Migrationspolitik, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, politischer Repression, sinkenden Geburtenraten und Verlust nationaler Identität", der spicht Ungeheuerliches an. Wer fürchtet, Europa könne schon in 20 Jahren unkenntlich sein und "möglicherweise nicht mehr fähig, ein starker Verbündeter zu bleiben", der mische sich in Dinge ein, die ihn nichts angehen.

"Subversive Angriffe" 

Es handele sich eindeutig um "subversive Angriffe auf die verfassungsmäßigen Grundlagen" eines ganzen Kontinent, heißt es in Brüssel, wo die derzeitige EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas noch "gute Miene zum bösen Spiel"  (Der Spiegel) macht und den neuerlichen "Schock für Europa" wegzulächeln versucht. Die Vereinigten Staaten dürften aus EU-Sicht dennoch weiterhin "unser größter Verbündeter" bleiben, erklärte Kallas bei einem Auftritt in Katar.

Mit dem Emirat verbindet die Gemeinschaft eine enge Partnerschaft, die auch zwischenzeitliche Irritationen durch einen großen Bestechungsskandal in Straburg schadlos überstanden hat. Seit der damalige Klimawirtschaftsminister Robert Habeck den Finanziers der Terrorganisation Hamas in Doha im März 2022 seine Aufwartung und vor Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani einen Hofknicks machte, sind beide Staaten auch wirtschaftlich eng verbündet.

Katar als guter Partner 

Über seine Flüssiggasanlage Golden Pass im US-Bundesstaat Texas liefert Katar Deutschland dringend benötigtes Flüssggas, das hilft, den Energieausstieg weiter erfolgreich voranzutreiben. Im Gegenzug haben deutsche Politiker und Medien ihre Kritik an der Menschenrechtslage in dem kleinen Emirat vollkommen eingestellt. Auch die aktuelle Bundesregierung lobt die katarischen Blutprinzen für ihre "engagierte Außenpolitik in vielen regionalpolitischen Fragen"

Als Israel führende Hamas-Funktionäre in Doha angriff, stellte sich Deutschland solidarisch an die Seite der Terroristen und ihrer Unterstützer. Das Vorgehen gegen die Hamas-Spitze "gefährdet auch unser aller Bemühungen zur Freilassung der Geiseln", floskelte Bundesaußenminister Johann Wadephul und nannte den "Schlag inakzeptabel."

Keine Nachsicht für die USA 

Die Vereinigten Staaten dürfen weder auf so viel Verständnis noch auf solche Nachsicht hoffen. Aus europäischer Sicht rutscht die frühere Schutzmacht des alten Europa seit dem Einzug von Donald Trump mehr und mehr in eine regellose Meinungsanarchie ab. Die "Leitplanken" (RND), die jede anständige Meinungsfreiheit braucht, waren auf Anweisung aus Washington zuerst bei X ignoriert worden. Alle Dämme brachen jedoch, als Facebook-Chef Mark Zuckerberg öffentlich erklärte, auch seine Firma wolle die "freie Meinungsäußerung wiederherstellen", in die während der Amtszeit von Präsident Joe Biden von Amts wegen eingeschränkt worden sei.

Facebook beendete die Praxis der Kommantaraufseher, die als "Moderation" bezeichnete Unterdrückung sogenannter gefährlicher Meinungen wird allerdings in Europa derzeit noch weiter fortgesetzt. Das Vorgehen der EU gegen X, das sich dieser Praxis vom ersten Tag nach der Übernahme durch Elon Musk verweigert hat, soll zeigen, dass Brüssel beißen kann. Doch es zeigt vor allem, wie zentral der Kampf um die Meinungsfreiheit in der Auseinandersetzung um den Weg des gesamten Westens in die Zukunft nicht nur aus dem Blickwinkel der US-Regierung ist. 

Zwei Züge auf Kollissionskurs 

Hier rasen zwei Züge voller Passagiere mit grundverschiedener Weltsicht aufeinander zu. Während die Verantwortlichen in den USA darauf verweisen, dass Kontinentaleuropa seit Jahrzehnten an Wirtschaftskraft verliere, seiner Migrationsprobleme nicht Herr werde, die Meinungsfreiheit immer weiter einschränke und so schwer unter sinkenden Geburtenraten leide, dass schon in 100 Jahren nur noch knapp zehn Millionen Menschen in Deutschland leben werden, steht die EU auf dem Standpunkt, dass ihre Erfolge beim Wiederaufbau nicht infrage gestellt werden dürfen. 

Der in der Sicherheitsdoktrin als Gefährung genannte drohende "Verlust nationaler Identität", der aus Sicht der USA zu einer "zivilisatorischen Auslöschung" führen werde, wird nicht argumentativ bestritten. Sondern als feindseliger Akt gebrandmarkt. Deutschland brauche keine externen Ratschläge zu Fragen der freien Meinungsäußerung oder "der Organisation unserer freiheitlichen Gesellschaften", hat Johann Wadephul Richtung Washington bestellen lassen. Er werde die neue US-Sicherheitsstrategie nun "intensiv auswerten".

Furcht gegen Furcht 

Damit sind die Frontlinien beschrieben. Die USA fürchten um die Stabilität ihrer wichtigsten Verbündeten. Die Europäer fürchten, dass zu den vielen Krisen, für die die Mitgliedsstaaten und die als multinationale Überregierung agierende EU-Kommission seit Jahren keine Lösung finden, noch ein auf offener Bühne ausgertagener Konflikt kommt, den Europa nicht gewinnen kann. Zwar hat der frühere Zentralbankchef Mario Draghi die von Washingtons beklagte Zerbrechlichkeit Europas in seinem Draghi-Bericht vor zwei Jahren mit deutlich drastischeren Worten als strategischen Risikofaktor für die EU beschrieben. 

Doch mit dem üblichen Wortgeklingel über anstehende große Reformen, Förderprogramme und neue bürokratische Initiativen wie den "Kompass für Wettbewerbsfähigkeit gelang es Kommission und Mitgliedsstaaten, alle Konsequenzen aus der übermittelten schlechten Botschaft auf die lange Bank zu schieben.

Übergriffige Einmischung 

Die Beschwerden über die übergiffige Einmischung der Amerikaner in die inneren Angelegenheiten der EU dockt zielgerichtet am lateten Anti-Amerikanismus vieler Europäer an - dem letzten Gemeinschaftsgefühl, das Europa neben dem Antisemitismus noch pflegt. Das Angebot der USA, die Verbündete bei der Erhaltung von Europas Freiheit und Sicherheit weiter zu unterstützen, wenn diese sich bereit erklären,  die westliche Identität Europas wiederherstellen und zu erhalten, soll, so spekulieren die Kommissare in Brüssel, nicht von oben abgelehnt werden müssen.

Sondern von unten. Gut verkauft, werde vielen Menschen die Offerte des "Hasspredigers" (Steinmeier) Trump so vergiftet vorkommen, dass sie sich lieber von der EU sagen lassen, was sie sagen dürfen, als  von den Amerikanern,  dass die uneingeschränkte Meinungsfreiheit in den drei knappen zeilen des Artikel 11 der "Charta der Grundrechte der Europäischen Union" festgelegt ist. Und in den Fußnoten mit nur 17 weiteren Zeilen einhegt wird.


Samstag, 6. Dezember 2025

Zitate zur Zeit: Wie die Messerverbotszonen wirken

Soll bald um den Hinweis auf verbotene Revolver, Pistolen, Gewehre und Geschütze ergänzt werden: Schild an einer Berliner Messerverbotszonen.


Dass Kriminelle in Berlin ihre Streitigkeiten vermehrt mit Schusswaffen austragen, überschreitet eine rote Linie und ist nicht hinnehmbar.

Die sozialdemokratische Berliner Innensenatorin Iris Spranger will künftig mit Schusswaffenverbotszonen konsequent auch gegen illegalen Pistolen, Revolver und Gewehre vorgehen.

Top Ten: Das sind die schönsten Terrorsperren auf deutschen Sicherheitsmärkten

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Tannenbaum, Glühweinduft und Sicherheit: Deutschlands Wintermärkte überzeugen die Prüfer*innen in diesem Jahr mit einer bunten Vielfalt an Sperrelementen.

Glühweinduft mischt sich mit dem Summen von Drohnen. Bewaffnete Streifen marschieren unauffällig durch die dicht gedrängte Menge. Am Waffelstand findet gerade eine Personenkontrolle statt. Der Marktmeister tippt nebenan auf seinem Tablet, um den versenkbaren Poller für den beladenen Glühweintanker freizugeben – der biometrische Check der Fahrzeugpapiere ist bereits erledigt, die Kennzeichenüberprüfung ist geglückt, die Ladefläche kontrolliert.

Vorfälle ausgeschlossen 

Zwölf Jahre nach dem Vorfall vom Berliner Breitscheidplatz hat sich die Pollernation Deutschland noch einmal verwandelt. Aus den achtlos gehandhabten Sicherheitsauflagen sind nach dem Vorfall von Magdeburg im vergangenen Jahr straff geführte Prozesse geworden. Die großen Christkindl-, Weihnachts- und Wintermärkte wurden durch kollektive Anstrengungen von Veranstaltern, Kommunen und überregionalen Behörden zu Hochsicherheitszonen geworden. Anziehungspunkte für Millionen, die sich in der stillen Zeit wieder einmal richtig sicher fühlen wollen. 

Festlich geschmückt sind die Buden mit Angeboten des aussterbenden Handwerks, mit veganen Lebkuchen und tüv-geprüften Lichterketten von Temu. Doch die neuen Stars sind die kreativ umgestalteten Terrorbremsen, die nicht nur schützen, sondern auch Selfie-Magneten sind. Mal als Rentierschlitten verkleidet, mal mit LED-Weihnachtsmännern umhüllt, stehen die sogenannten Vorfallsbremsen auf Plätzen großer Städte oder in idyllischen Altstädten – jede Kommune verziert sie anders, jede steckt viel Liebe hinein. 

Liebevolle Sicherheit 

In der einen Stadt haben die Stadtväter sie in große Geschenkbeutel verpackt. In der anderen sind sie rot-weiß-grün bemalt, ein Solidaritätszeichen für Palästina. In der Nachbargemeinde, SPD-regiert, ist alles rot, der Farbe der Arbeiterklasse. Manche der in liebevoller Erinnerung an die Erfinderin "Merkelpoller" genannten Beton- und Stahlbarrieren sind schon zur festen, gemütlichen Tradition geworden. Deutschlandweit werden in diesem Jahr zwischen zwei und vier Milliarden in die Sicherheitsmärkte investiert - gut angelegtes Geld, denn wer das zahlen muss. Der Steuerzahler jedenfalls nicht, denn der Bund hat gut gewirtschaftet. 

Es sind festliche Tage, schon vor dem eigentlichen Fest. Alle kommen zusammen in den festungsartigen Innenstädten, Musik läuft, wo die Kommune noch Geld für die Bezahlung der explodierten Gemakosten gefunden hat. Dank Klimawandel können die Gasheizpilze vielerorts noch ausgeschaltet bleiben. 

Der große deutsche Weihnachtstest 

PPQ hat die Runde gemacht, die neuesten Sicherheitskonzepte gecheckt und die kreativsten Terrorsperren auf deutschen Weihnachtsmärkten 2025 herausgepickt – von Betonklötzen mit Stollen-Form bis zu Traktoren mit Lichtershow, die die latente Terrorgefahr trotz insgesamt zurückgehender Bedrohungslage in weihnachtlichen Charme verwandeln.

Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald Goslar

Die Terrorsperren auf dem Weihnachtsmarkt der Weltkulturerbestadt Goslar verzaubern Besuchende mit ihrer mittelalterlichen Tarnung: Wuchtige Betonelemente, dezent mit Moos und LED-Fackeln überzogen, verschmelzen nahtlos mit dem Weihnachtswald am Rande der Fachwerk-Altstadt. Fast wie Relikte einer mittelalterlichen Festung lädt die Heimatstadt des früheren SPD-Chefs und Außenministers Sigmar Gabriel zum Verweilen, zum Erinnern an das Magdeburg-Trauma und zum Blick auf die blockierten Zufahrten.  Bei Nacht verwandeln sich Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald Goslar in ein Lichterlabyrinth, das Besucher zu Selfies mit historischem Flair einlädt: Spätere Generationen werden die Verwandlung der Weihnachts- in Sicherheitsmärkte in vielen Familienfotoalben nachvollziehen können.

Dortmunder Weihnachtsmarkt

Seit 1996 thront am Hansaplatz der Rekord-Weihnachtsbaum mit 45 Metern, doch 2025 glänzt der Markt dazu nicht nur mit 48.000 klimafreundlichen LEDs, sondern mit fröhlich-festlich gestalteten Spezialzement-Bremsen: In Rot-Weiß - in Erinnerung an die vielen polnischen Mitbürger, die vor vielen Jahrzehnten ins Ruhrgebiet geströmt waren, blockieren sie die Zufahrten. Augenzwinkernd hat die Stadt sogar einen eigenen Poller-Wettbewerb für die beste Glühwein-Inspiration ausgerufen. Der einmonatige Aufbau kostet die Stadt zwar eine sechsstellige Summe, doch allein um die Sicherheitsmaßnahmen zu bestaunen, pilgern Gäste aus nah und fern herbei. Hintergedanke bei vielen ist es auch, um zu zeigen: Die unbeschwerte Feier bleibt unser Revier.

Dresdner Striezelmarkt

Der älteste Sicherheitsmarkt Deutschlands, seit 1434 bereits betrieben. Dresden galt unter Weihnachtsfreunden lange als gefährliches Pflaster. Über Jahre hinweg bedrohten Pegida-Marschierer hier friedliche Glühweintrinker, es wurden geschlossene Grenzen und Remigration gefordert, um Sachsens Ruf endgültig zu zerstören. Doch der Freistaat hat überlebt. Auch 2025 finden Besuchende  am Altmarkt wieder den vielleicht hellsten, sicher aber sichersten Sicherheitsmarkt von ganz Dunkeldeutschland. Erstmals wird der Festbereich von verschärften Lkw-Bremsen aufsehenerregend abgesichert. Von lokalen Künstlern als übergroße Rosinenstollen geformt, mit Marzipan-Motiven und LED-Glasur, zaubern sie der flach im Land liegenden Angriffsfläche ein Paradies für Glühwein-Trinker. Erweitert um KI-Überwachung und internationale Polizeikooperation, locken sie 2,5 Millionen Besucher in eine Mischung aus Tradition und Tarnung.

Weihnachtsmarkt am Kölner Dom

Auf der Domplatte, Schauplatz der längst aufgearbeiteten Silvester-Vorfälle, erstrahlt 2025 der Markt mit rheinischem Schwung. Über 500 Pavillons für Punsch und Plätzchen, abgeschirmt von locker gestellten Betonbausteinen, die als Dom-Miniaturen und Kölner Kathedralen-Gardisten gestaltet worden sind. Flankiert von strengeren Messerverboten sorgen zivile Streifen, verkleidet als Wichtelmänner, für hundertprozentigen Schutz. Die Barrieren, loben Gäste, verschwinden hinter Leckereien und Kunst fast unsichtbar – eine Referenz an eine fröhliche Sicherheitsstimmung, die alle mitnimmt.

Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt

Klein, aber fein und supersicher. In Esslingen lebt die stille Zeit wie in alten Zeiten, als die Veranstalter des traditionsreichen Sicherheitsmarktes noch davon ausgingen, dass Angreifer ihr hübsches Städten auf einer Landkarte nicht finden können. 2025 hat man sich umentschieden. Die bedrohliche Außenwelt wird akzeptierend angenommen, aber ausgesperrt. Hinter Mischmaterial-Bombensperren aus Holz und Stahl, verziert mit Fackel-Imitaten und Herzchen-LEDs, bieten Händler in mittelalterlichen Rüstungen Handwerkskunst und heiße Zuber-Bäder an. Ein Drahtverhau rund um die Waschzuber soll Angreifer abschrecken, eigens aus Norwegen importierte Rentier-Netze verhindern das Vordringen von Messertätern auf den Veranstaltungsplatz. Kreativ, kostensparend und gemütlich. Inklusive Notfall-App für Besuchende.

Nürnberger Christkindlesmarkt

Der größte und berühmteste der deutschen Sicherheitsmärkte, betrieben schon zu einer Zeit, als der spätere Prophet Mohammed noch selbst mit der Trommel um den Weihnachtsbaum rannte. Nürnberg hält trotz besserer Sicherheitslage durch die neuerdings geschlossenen Grenzen daran fest, seinen Markt mitten in der Altstadt durchzuführen. 2025 schützt wird das Festgelände, gelegen beinahe in Rufweite von Hitlers früheren Reichsparteitagsgrundstück, mit handbemalten Betonelementen aus regionalem Sand und lokalen Bindemitteln geschützt. Ökologisch und ikonisch. Bereits im dritten Jahr wählen die Nürnberger das schönste "Lego-Kunstwerk" unter den Pollern, die als Christkind-Throne oder Lebkuchen-Mauern bezeichnet werden. Drohnenpatrouillen und Taschenkontrollen sind ein Muss, Sicherheitsbeamte, meist als Wichtel und Feen verkleidet, posieren gern für ein Selfie vor der mannshohen Mauer, die Vorfallfahrer zuverlässig draußen hält.

 

Christkindlmarkt auf der Fraueninsel

Auf der idyllischen Insel im Chiemsee, nur per Schiff erreichbar, fehlen 2025 die üblichen Bollarden – stattdessen patrouillieren Bundesmarine-Schnellboote auf dem Wasser, die als Weihnachts-Elfen lackiert worden sind. Die unüberwindlichen Wasser-Barrieren, beleuchtet mit Schwimm-LEDs, und Drohnen vom Festland smachen den Markt auf der Fraueninsel zu Deutschlands wahrscheinlich sicherstem Sicherheitsmarkt. Hier gibt es Isolation pur für alle, die sich ihre Art zu leben von niemandem nehmen lassen wollen. Ein Markt, der in Gemütlichkeit schwimmt, auch weil Besucher nach der Überfahrt in den kleinen Booten von als Seesoldaten verkleideten Helfen des Weihnachtsmannes durchsucht werden. bemerkenswert: Zwischen Kunsthandwerk und Fischbrötchen gibt es nicht einen einzigen Poller.

Weihnachtsmarkt Berlin

Wo 2016 alles begann, nah der Gedächtniskirche, funkeln 2025 Drahtverhaue und bunte Betonquader im Glanz. Ein deutliches Zeichen, dass Deutschland sich dem Terror nicht beugt und sich eingerichtet hat auf Lebensverhältnisse, die sich genau so drastisch geändert haben, wie es die aus dem Grünen herzen Deutschlands stammende Bundestagsabgeordnete Kathrin Göring-Eckhart einst vorhergesaht hat. Berlin und Weihnachten, das sind zwei Begriffe, die organsisch zusammengehören. Aufgerüstet mit versenkbaren Nagelbrettern und Gesichtserkennungs-Drohnen, die beim Überflug über die Köpfe der Besucher*innen wie Sterne funkeln, ist der Berliner Weihnachtsmarkt womöglich einer sichersten weltweit. Die hundertjährige Tradition mischt den kalten Beton des Bauhausstils mit roten Hütten und Currywurst-Duft. Heimelig piepen Metalldetektoren, vor den besonders sicheren Rucksack-Verbotszonen stehen Schilder, die in die dahinterliegende Hygge-Zone einladen. Nicht nur Messer, sondern auch alle Sorgen vor der Zukunft müssen draußen blieben.

Weihnachtsmarkt Erfurt

Der Heimatmarkt der hier unten in den tiefen Wäldern besonders starken Grünen, die die Thüringische Hauptstadt weiterhin als eine ihre Hochburger führen, umgeben von einem düsteren Meer aus Blau. Vor dem imposanten Dom glänzt auch in diesem Jahr ein Ensemble aus einbetonierten Bremsen als Weihnachtskrippen: Handgeschnitzte Figuren von SEK-Männern in Krippen-Szenen, umgeben von  eine zwölf Meter hohen Erzgebirgische Laubhaubitze, die von einem traditionellen Lichterbaum noch überragt wird. Der Wesensart des Thüringer entgegenkommend, wird hier nicht nur auf passiven Schutz gesetzt. An Karussells drehen sich Mitfahrpanzer, Schießstände locken Kids, selbst über eine Mitarbeit bei Heimatschutz oder Bundeswehr nachzudenken. Selbstverständlich bietet auch das oft als rückständige abgestempelte Städtchen im tiefen Süden des Ostens inzwischen Messerverbote und Kameras, die das geschehen KI-gestützt beobachten und fortlaufend analysieren. 

Internationaler Weihnachtsmarkt Essen

Bunt wie nie: 2025 schützen über 250 Stahlbeton-Abwehrstellungen, von regionalen Künster*innen gestaltet als globale Pavillons mit Falafel-Lichtern und Poffertjes-Motiven, den Verkauf aus 21 Ländern. Es gibt wirklich wenig zu fürchten, aber viel zu Essen. Exotische Käfer-Snacks und traditionelles afrikanisches Weihnachtshandwerk blühen hinter den Barrieren, die mit internationaler Kooperation und Hunde-Patrouillen ein Bollwerk bilden – günstiger als Neuzugänge, da Essens City-Team kreativ recycelt, für eine Weltparty, die Angreifer mit Vielfalt verwirrt. 

Zeitlose Eleganz : Warum das perfekte Outfit erst mit einer Taschenuhr vollendet ist

In einer Welt, in der modische Accessoires oft von kurzlebigen Trends geprägt sind, erlebt die Taschenuhr eine bemerkenswerte Renaissance. Sie steht nicht nur für handwerkliche Tradition und nostalgischen Charme, sondern auch für eine subtile, gepflegte Art der Selbstpräsentation. Immer mehr Menschen entdecken, dass ihr Outfit an Tiefe und Ausdruckskraft gewinnt, wenn sie es mit Bedacht auswählen – und dass eine Taschenuhr dabei ein außergewöhnliches Detail sein kann, das Eleganz und Persönlichkeit zugleich vermittelt. 

Der ästhetische Mehrwert – Warum ein Accessoire den Stil definiert

Ein hervorragend abgestimmtes Outfit lebt von feinen Details, die dem Erscheinungsbild Charakter und Harmonie verleihen. Wer eine Taschenuhr trägt, setzt damit ein bewusstes, ästhetisch anspruchsvolles Statement. Das elegante Zusammenspiel zwischen Stoffen, Farben, Schnitten und dem metallischen Glanz des Zeitmessers schafft eine visuelle Balance, die sofort ins Auge fällt. Darüber hinaus ermöglicht die Taschenuhr eine subtile Individualisierung des Stils: Ob minimalistisch, vintage-inspiriert oder luxuriös – sie lässt sich in nahezu jedes Outfit integrieren und wertet dieses durch ihre klassische Ausstrahlung auf.

Ein Symbol für Persönlichkeit – Mode als Ausdruck innerer Werte

Die Entscheidung, eine Taschenuhr in das eigene Erscheinungsbild einzubinden, geht über reinen ästhetischen Genuss hinaus. Sie verrät etwas über die Haltung des Trägers. Eine Taschenuhr steht für Hingabe an Qualität, Liebe zum Detail und einen gewissen Respekt gegenüber sorgfältiger Handwerkskunst. Wer sie trägt, zeigt, dass Mode nicht nur zweckmäßig, sondern Ausdruck einer bewussten Lebenseinstellung ist. Diese Form der Selbstinszenierung bleibt subtil und dennoch kraftvoll – ein Hinweis darauf, dass Eleganz nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten.

Die praktische Raffinesse – Ein Accessoire mit funktionaler Stärke

Neben ihrer ästhetischen und symbolischen Bedeutung zeichnet sich die Taschenuhr durch einen hohen praktischen Wert aus. Anders als moderne Armbanduhren oder digitale Geräte wird sie nicht permanent am Handgelenk getragen und wirkt daher weniger aufdringlich. Sie kann elegant aus der Westentasche gezogen werden, was nicht nur ein charmantes Ritual darstellt, sondern auch die Kleidung schont. Zudem sind Taschenuhren langlebig, reparierbar und oft wahre Erbstücke. Ihre Funktionalität tritt nicht in Konkurrenz zur modernen Technik, sondern ergänzt sie stilvoll – ein zeitloser Begleiter, der Form und Nutzen miteinander verbindet.

Schlussfolgerung – Ein Accessoire, das Stil, Tradition und Funktion vereint

Ein Outfit mit einer Taschenuhr abzustimmen bedeutet, Mode als Ganzes zu denken: als Zusammenspiel aus Ausdruck, Eleganz, Persönlichkeit und praktischer Wertigkeit. Dieses besondere Accessoire bringt Tiefe in das Erscheinungsbild, verleiht ihm historische Anmut und hebt die Individualität des Trägers hervor. Wer Wert auf einen stilvollen, bewussten Auftritt legt, findet in der Taschenuhr ein unvergleichliches Element, das moderne Garderoben auf subtile Weise bereichert.

Freitag, 5. Dezember 2025

Herbst der Reförmchen: Der größte Trick der Politik

Bodo Ramelow, Regenbogenpferd, leere Hand füttern, Symbolpolitik Deutschland, Friedrich Merz, Rot-Schwarz Koalition, 5 Milliarden Entlastung, Steuer
Der frühere Linken-Landesvater Bodo Ramelow zeigt den größten Trick der Politik: Er gibt einem imaginären Regenbogenpferd mit einer leeren Hand unsichtbares Futter.

Er ist abgewählt und aussortiert worden und nur ein Jahr nach seinem Auszug aus der Staatskanzlei in Erfurt muss sich der frühere Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow als Handlungsreisender durchschlagen. Kreuz und quer reist er durch die Republik, im Gepäck ein Bändchen mit selbstgemachten Gebeten an Unseredemokratie.

Der gebürtige Osterholz-Scharmbecker war lange das schönste Gesicht des Westens in der ostdeutschen Regionalpartei Die Linke. Ramelow nahm die Farbe des Ostens sogar so gut an, dass ihn der Deutsche Bundestag, in dem er auch mit fast 70 noch sitzt, inzwischen zu einem "erfahrenen Politiker aus Thüringen" erklärt hat.  

Fütterung aus der hohlen Hand 

Obschon heute meist als Wanderprediger für mehr Gerechtigkeit, weniger Armut und mehr Bürgernähe unterwegs, steht Ramelow sinnbildlich für ein Land in sehnsuchtsvoller Erwartung auf den Herbst der Reförmchen, den der Kanzler der scharf mit der Linkspartei konkurrierenden Unionsparteien versprochen hat. 

Ein aktuelles Foto zeigt den ehemaligen Thüringer Landesvater bei der Ausführung seines größten Tricks: Ramelow füttert ein imaginäres Regenbogenpferd aus der Hand. Die aber ist leer. Die Szene, vom Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages selbst verbreitet, illustriert die deutsche Gegenwart besser als jeder analytische Roman einer ARD-Moderatorin und jedes öffentlich-rechtliche Drama über die Notwendigkeit schärferer Maßnahmen gegen Dämmverweigerer und E-Auto-Leugner.

Eine selbstbewusste Geste 

Ramelow, obschon kein Regierungspolitiker mehr, lebt vor, wie Herrschaft funktioniert. Er hat nichts mehr zu geben, tut es aber mit selbstbewusster Geste. Darin gleicht der Mann am Ende seiner langen Karriere, die er überwiegend im Biotop aus Gewerkschaften und Linksparteien verbrachte, den Frauen und Männern der rot-schwarzen Regierungskoalition, denen seine Kleinstpartei von den Oppositionsbänken aus immer wieder zu lebensrettenden Mehrheiten verhilft. 

Gerade erst war es die Linke, die der jungen Gruppe in der Union und ihrem Widerstand gegen das Rentenrettungspaket das Genick brach. Zuvor schon hatte Ramelows Partei sich die Zustimmung zur Schaffung weiterer Schuldenhaushalte in Billionenhöhe mit Zugeständnissen abkaufen lassen. 

Aus einer kategorischen Abehnung der Extraschulden für Infrastruktur und Verteidigung, mit denen der "politische Hasardeur Merz" (Sören Pellmann) sich als "Erlöser von Ängsten und Qualen" gerierte, wurde im Bundesrat ein mittlerweile als Linken-Votum bekanntes Manöver: Die von der Partei mitregierten Bundesländer stimmten  dem Plan zu, "mit einer gigantischen Aufrüstungsverschuldung die Probleme von morgen" zu schaffen, wie der Linken-Abgeordnete Sören Pellmann kurz zuvor noch im Bundestag angeprangert hatte.

Grüne fliegen erste Klasse 

Sagen und Tun, sie sind im neuen Bundestag nicht weniger verschiedene Dinge als sie im alten Bundestag waren. Dass die grüne Partei, abgeführt von einer Riege schon nach dem Augenschein asketischer Leiter, gegen die Senkung der hohen deutschen Luftverkehrssteuern waren, die immer mehr Touristen dazu trieb, von Straßburg, Prag oder Amsterdam aus in den Urlaub zu starten, versteht sich von selbst. Auf dem Weg in die Klimaneutralität ist der Verzicht der von der Partei favorisierte Pfad, das Steuern durch Steuern soll die Menschen zur freiwilligen Einsicht lenken, nur wer nicht hören will, dem soll notfalls auch mit strengen Verboten geholfen werden. 

Jeder, der sich der Einsicht in die Notwendigkeit verweigert, muss fühlen, dass er schief liegt. Helfen soll dabei eine hohe Sondersteuer auf Privat- und First-Class-Flüge, von denen die Parteispitze annimmt, dass sie bei denen, die Holzklasse fliegen, sehr gut ankommen würde. Zahlen soll eine ganz kleine Clique von Privatjetbesitzer und "Männern in Maßanzügen" (Bärbel Bas), die sich in First- und Business-Class-Sitzen räkeln.  Klassenkampf über den Wolken, mit Neid als Antrieb zurück zum Status der Volkspartei, so hat es der letzte Grünen-Parteitag mit einem Leitantrag des Bundesvorstands zur Klima- und Sozialpolitik beschlossen. 

Ausreichend Symbolpolitik 

Abgeordnet*innen hingegen haben die schlimmsten Jahre hinter. Vier Jahre nach dem Beschluss des Ältestenrates im Bundestag, dass die Parlamentarier, wenn sie schon fliegen müssen, aus Kostengründen in der Touristenklasse beim gemeinen Volk sitzen sollen, haben sich die Vertreter der Parteien jetzt geeinigt, dass es genug ist mit solcher Symbolpolitik. Bei längeren Flügen ins Ausland würden "oft auch Dokumente mit Vertraulichkeitsgrad studiert werden", bei kürzeren sei die Einsparung geringer als erwartet. Auch die Grünen stimmten zu, die Bestimmung aufzuheben, nach der aus Kostengründen für Flüge unter vier Stunden immer Economyclass-Tickets gebucht werden müssen. 

Die Freiheit über den Wolken, sie ist wieder grenzenlos für die, die nicht selbst zahlen müssen. Allen anderen aber präsentiert die SPD-geführte Bundesregierung noch vor Weihnachten Geschenke, die in den angeschlossenen Rundfunkstationen und der parteieigenen Presse als "steuerliche Entlastungen!" mit einem Volumen von "fünf Milliarden Euro" gefeiert werden. Der "Herbst der Reformen", Fortsetzung des Sommers des Stimmungsumschwungs, kommt als Herbst der Reförmchen so richtig in Fahrt.

Gnade für ausgewählte Gruppen 

Denn "Fernpendler, Gewerkschaftsmitglieder und Gastwirte" (FAZ) profitieren von den mutigen Einschnitten, die der Bundestag mit dem jüngsten Steueränderungsgesetz beschlossen hat. Das enthält eine "ganze Reihe von Maßnahmen", analysiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung, "die alles in allem die Steuerzahler im nächsten Jahr um fünf Milliarden Euro entlasten" werden. Wenn der Bundesrat zustimmt.

Fünf Milliarden, das sind pro Kopf der Bevölkerung knappe 60 Euro. Angesichts eines Steueraufkommens, das sich von den 947,7 Milliarden Euro des Jahres 2024 in laufenden Jahr wohl nur um 33 Milliarden Euro auf etwa 980 Milliarden Euro erhöhen wird, wirkt die Geste der rot-schwarzen Koalition nur umso generöser. Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Finanzminister Lars Klingbeil wollen noch vor dem Beginn der stillen Tage zeigen, dass sie ganz im Gegensatz zu dem Eindruck, den ihre Wackelkoalition vermittelt, noch lange nicht am Ende sind. 

Der Trend in den Umfragen, in denen SPD, CDU und CSU gemeinsam nur noch elf Prozentpunkte vor der inzwischen stärksten deutschen Partei AfD liegen, soll gedreht werden. Koste es, was es wolle. 

Ein leerer Hafersack  

Ramelows leere Fütterhand ist bei Merz und Klingbeil ein leerer Hafersack, der mit großem Aplomb geschwenkt wird. Auf einmal sind die fünf Milliarden, die vor sechs Monaten nicht aufzutreiben waren, um die Stromsteuer für alle zu senken, leicht verfügbar. Auf einmal gestattet es die prekäre Lage der Koalition, die eben noch überlebenswichtige Gasspeicherumlage abzuschaffen, die Netzentgelte für Strom aus der leeren Steuerkasse zu bezuschussen und in Deutschland rekordhohe Stromsteuer zumindest für die paar noch produzierenden Unternehmen vorübergehend zu subventionieren.

"Dauerhaft niedrig halten" nennt die Bundesregierung selbst diese "Entlastungen für alle" (Bundespresseamt), die nur einer ausgewählten kleinen Gruppe der Bevölkerung zugutekommen. Neid aber ist nicht angebracht. Auch der, der schließlich wirklich profitiert, wird schon in Kürze wieder abkassiert:  Die Abgabenquote für Steuern und Sozialabgaben steigt am 1. Januar auf  41,5 Prozent der Brutto-Löhne und -Gehälter. Das ist der höchste Wert seit Bestehen der Bundesrepublik.