Google+ PPQ: Aufschrei in aller Stille

Mittwoch, 14. November 2012

Aufschrei in aller Stille

Eine Eigenkapitalquote von 53 Prozent im letzten Jahr, fast 16 Millionen Euro Gewinn und 7,7, Millionen Euro an kassierten Dividenden – und doch weigern sich SPD-Chef Sigmar Gabriel und sein Kanzlerkandidat Peer Steinbrück scheinbar, das Richtige zu tun. Dabei hat US-Präsident Barack Obama doch vorgemacht, wie man Wahlen gewinnt! Als der große Autohersteller General Motors vor der Pleite stand, ein Industrie-Dinosaurier ohne Existenzberechtigung, fiel Obama dem rüden Republikaner Mitt Romney in den Arm, der es am liebsten gesehen hätte, wenn die Traditionsfirma in die Pleite geschlittert wäre.

Die Wähler straften Romney dafür, die deutschen Zeitungen und Zeitschriften lobten das, Obama siegte. Die SPD aber, gestartet einst als „Arbeiterpartei“ (Willy Brandt), hat nichts daraus gelernt. Statt dass Gabriel in der Stunde der Not kernige Korrektoren besucht, im Druckhaus Hände schüttelt (Foto oben) und die Zeitungsträger der unverbrüchlichen Solidarität der deutschen Sozialdemokratie bis zum Einlenken der Märkte versichert wie damals bei Nokia, ist es ganz still in der Baracke. Eiskalt lassen die neoliberalen Manager der parteieigenen Medienholding DDVG in diesen Stunden die „Frankfurter Rundschau“ fallen, die am 1. August 1945 auf Veranlassung der amerikanischen Besatzungsmacht gegründet worden war, um den freiheitlich-parlamentarischen Gedanken zu verbreiten.

Als wäre das nicht ein Zukunftsgeschäft ohnegleichen in Zeiten, in denen die Leser aus ihrer FR jeden Tag von der seit Ende des 2. Weltkrieges beständig zunehmenden Gefahr des Rechtsextremismus, von grassierendem Klimawandel und gewissenlosem Spekulantentum erfahren müssen, dreht die SPD dem Blatt den Hahn zu. Zuvor hatte das Willy-Brandt-Haus trotz sprudelnder Gewinne aus dem Mediengeschäft insgesamt bereits fast 1000 Stellen weggespart. Gehen musste auch Chefredakteur Wolfgang Storz, der SPD-Schatzmeisterin Wettig-Danielmeiers Bitte abgelehnt hatte, doch künftig negativer über die Linkspartei zu berichten.

Statt nun vor die Kameras zu treten und die üblichen steuergeldfinanzierte Rettungsversuche der Politik zu fordern, schweigt der rote Medienzar auch zur Tatsache, dass FR-Mitarbeiter und Großkonzerne wie die DDVG ganz unterschiedlich behandelt würden.

Nicht einmal über Twitter machte Gabriel diesmal den FDP-Vorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler für das Ende des Unternehmens mitverantwortlich. Schweigen auch beim großen Vortragsreisenden Peer Steinbrück und Verdi-Chef Frank Bsirske, der diesmaöl nicht von der größten Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik sprach, sondern gar nicht. Fakt aber ist, dieser Bsirske-Satz stimmt doch immer: „Die Verantwortung liegt letztlich bei der Politik, aber die Politik hat Namen und die heißen Rösler und Brüderle“.

Kommentare:

eulenfurz hat gesagt…

Um Gottes Willen, keine Frankfurter Rundschau mehr in meinem Briefkasten?

Woher soll ich denn jetzt die * Meinung beziehen, mit der ich mir jeden Morgen meinen Kaffee aufgegossen habe?

*überflüssige

Anonym hat gesagt…

Wenn alle schreiben, wie das NEUE DEUTSCHLAND, also dieselbe Meinung anbieten, warum dann noch FR kaufen? Die sollten mal von Harry Potter und dem KLitterer lernen. :)

Anonym hat gesagt…

Ob eine der Propagandatröten, die ihr linksökofeministische Suada in die Landschaft posaunt, weniger wird, dürfte die sprichwörtliche "Deutsche Eiche" kaum kümmern. - Ohnehin unterscheiden sich die Sprachrohre unserer die absolute Diskurshoheit innehabenden "Eliten" nur in Nuancen.


Obo

Cordt hat gesagt…

Ich denke, daß die SPD mit all den kräftigen Arbeiterfäusten und Intellektuellenstirnen, die jetzt durch diese Krise des Kapitalismus auf der Straße stehen, eine revolutionäre Situation fördern helfen will, die wenigstens zum Sturz der Regierung führen soll.

Frieder Springer hat gesagt…

Um es in der Sprache der populären FR-Kolumnististin Mely Kiyak auszudrücken: Da war wohl die FR am Ende nur noch eine lispelnde, stotternde, zuckende Zeitungskarikatur. Und was haben Alfred Neven Dumont und Sigmar Gabriel, die Eigentümer, für diese Zeitung gekämpft.

Aber mal im Ernst: Langsam macht man sich Sorgen um die Qualitätsmedien. Vorgestern die Nachricht, dass Gruner und Jahr seine Finanztitel (FTD, Capital. Impulse, Börse Online) wohl bald einstampft. Davor die Week die News, das Newsweek ab Januar nicht mehr als Printausgabe erscheint. Der alte Guardian, das Sturmgeschütz der Desinformation in UK ( und demzufolge Partner von J. Walser-Augsteins Freitag und der BBC) zieht wohl auch bald die Druckfahnen ein. Die NYT verliert auf jeden Dollar, den sie Online dazu gewinnt sieben Dollar im Pringeschäft.
Ich verstehe es nicht. Beispiel FTD: Was für ein Mut. Praktisch das weltweit einmalige Projekt einer Finanztageszeitung in der kaum jemand in der Redaktion den Hauch einer Ahnung von Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft oder Sprache oder den Interessen der Zielgruppe hat. (Kaderschmiede: Friedrich Ebert-Stiftung und Journalistenschulen – es gibt nichts sichereres um herrliche, formbare, junge, begeisterte Menschen zu bekommen). Diejenigen die Ahnung hatten, beließen es bei der Ahnung.
Was heißt das alles für die abendländische Kultur? Völlige inhaltliche und sprachliche Inkompetenz, stramme (Partei-)Hauptstromtreue – all das wird vom Leser und Anzeigenkundendepp nicht mehr mit Phantastilliarden für die Tycoon-Familien Mohn und Jahr honoriert? Allein die Prognosen zum Euro in der FTD in den letzten 10 Jahren. Alles komplett falsch, grotesk, dilettantisch. Wenn das als „Mission Statement“ (Fachsprache Unternehmensverfassungslyrikabteilungen) und Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert – was dann?
Jetzt muss ich auch noch erfahren, dass die Brigitte schrumpft.
Ich bin besorgt. Hilft vielleicht eine Haushaltsabgabe für Zeitungskarikaturen wie im Fall GEZ für TV-Karikaturen?

Anonym hat gesagt…

Haben die genannten Zeitungs-Todeskandidaten sich irgendwie abfällig über die Religion des Friedens ausgelassen ? - Wenn ja, ist es dannn wohl eine Strafe Allahs, so wie final verbleichen.

Obo

Volker hat gesagt…

Zur Sache habe ich nicht mehr zu sagen als die anderen. Aber ich möchte mich hier Frieder anschließen. Die FTD ist ein Phänomen.
Die anderen Revolverblätter reklamieren keine spezielle Sparte. Die FTD tut so als wäre sie ein Fachblatt für Finanzen und Wirtschaft.
Ich habe keine Ahnung wovon oder von wem die leben. Wer Finanzinformationen sucht fasst dieses Drecksblatt nicht mal mit der Kneifzange an. Wer Agit-Prop sucht liest taz, SZ, ZEIT & Gen. - aber niemals die FTD.

Deshalb die Frage in die Runde:
Weiß jemand, wer die FTD finanziert?

Benjamin hat gesagt…

Was will denn die SPD auch mit GM?