Google+ PPQ: Endspiel um die Erde: Ein Ausstieg als Anfang

Donnerstag, 14. Februar 2019

Endspiel um die Erde: Ein Ausstieg als Anfang

Rückbau zu nachhaltigen Formen ist auch im Wohnungsbau das Gebot der Stunde.

Es ist warm, es ist kalt, es ist trocken oder nass, stürmisch, trügerisch windstill, es taut gefährlich oder friert bedrohlich zu. 2000 Jahre nach Christi` Geburt kann kein vernünftiger Zweifel mehr bestehen - Menschenwerk verändert die Erde und die Natur, sie schlägt auf ihre Art zurück. Jedes Kilogramm mehr CO2, jede Brise Feinstaub, jedes veränderte Gen und jede manipulierte Pflanzen DNA fällt ebenso auf ihre Verursacher zurück wie der Qualm aus den Essen, das Gift in den Flüssen, der Plastikmüll in den Meeren und die Strahlen, die aus den Handys dringen.

Der Ausstieg aus der Kohleenergie, mit dem sich Deutschland jetzt beherzt an die Spitze des weltweiten Trends zum Ausstieg aus umweltvernichtenden Technologien gestellt hat, wird das Problem nicht lösen. Der Kohleausstieg ist ein richtiger Schritt. Aber er allein kann auch im Zusammenspiel mit Energieausstieg, Rückbau der Mobilität nicht kompensieren, was in anderen Bereichen immer noch schiefläuft.

Ein Ausstieg als Anfang


Bemerkenswert schon, wie viele hochkarätige Treffen einer prominent besetzten Kommission es brauchte, um eine auf der Hand liegende, völlig alternativlose Entscheidung zu treffen: Deutschland muss, damit das Weltklima eine Zukunft hat, aus der Braunkohleverstromung aussteigen, das hatten Studien ergeben, Umweltschützer beschworen und selbst die Bundesregierung hatte nur noch aus Angst vor befürchteten Arbeitsplatzverlusten an der umweltvernichtenden Technologie der Dampfmaschinenära festgehalten.

Dann endlich war der Kampf gegen Kohlekraftwerke gewonnen, der Klimaschutz hatte einen Etappensieg errungen. Deutschland wird den noch genauer zu justierenden Plänen zufolge ab 2038 ein Viertel seiner CO2-Emissionen einsparen. Eine Zahl, die zeigt: Drei Viertel aller Emissionen werden danach immer noch ausgestoßen werden.

Schuld daran ist vor allem der Verkehr, der immer noch vom Nimbus der Mobilität als Errungenschaft der modernen Zivilisation zehrt. Ebenso mitverantwortlich ist der Glaube des Menschen daran, seine Wohnung beheizen zu müssen, einen Anspruch auf warmes Wasser aus der Wand zu haben und jederzeit über jede Menge an sorgfältig eingeschweißten und oft mehrfach hygienisch verpackten Lebensmitteln zu haben.

Über Jahrzehnte haben Werbung, Wirtschaft und Politik den Menschen eingeredet, es handele sich bei alldem um Errungenschaften, die unsere Gesellschaft erst lebenswert machen.

Ende des Individualverkehrs


Doch die Kehrseite der Medaille ist eben, dass für all das jeweils ein Stückchen natürlicher Umwelt sterben muss. Massentierhaltung und Plastikverpackungswahn, Individualverkehr und flächenverzehrender Freizeitsport, rücksichtsloses Freizeitverhalten und ein Leben zwischen Heizung und Klimaanlage fordern ihren Preis. Deutschland schaufelt wie kein anderes Land in Europa Braunkohle und buddelt damit am Grab des menschlichen Lebens.

Der Ausstieg aus der Kohle schafft nun zwar Planbarkeit für den kompletten Ausstieg aus fossiler Energie und damit auch für den Einstieg in ein klimafreundliches, flexibles System der Energieversorgung aus Sonne, Luft und Licht. Deutschland setzte sich schon mit dem Diesel-Plakettenmodell weltweit an die Spitze der Innovation. Bisher ist ein derartiges Modell noch nirgendwo erprobt worden. Hier käme, hieß es seinerzeit beim Umweltbundesamt, deutscher Erfindergeist zum Tragen. Der zu erreichende Fortschritt rechtfertigt den Einsatz der für die Anfertigung von 15 Millionen Plaketten notwendigen rund 50 Tonnen Papier und mache aus dem Verwaltungsaufwand zu deren Ausgabe zudem "ein gutes Geschäft für die Umwelt", wie ein Sprecher sagte.

Bereits die grüne Plakette habe gezeigt, dass sie gesellschaftliche Wirkung entfalte. Seit der Einführung vor elf Jahren seien mehr als 60 Millionen Plaketten verklebt worden. Die Feinstaubbelastung sei dadurch zwar um kein Mikrogramm gesunken, aber "das Thema ist medial unheimlich in den Fokus gerückt", so der Sprecher.

Um den Erfolg der Dieselverbotskampagne bis zum einem kompletten Dieselausstieg verstetigen, empfiehlt die Behörde, deren 780 Mitarbeiter überwiegend täglich und umweltfreundlich von Berlin ins Dessauer Hauptquartier einpendeln, Plaketten in verschiedenen Blautönen zu vergeben. Diesel, die nicht mehr betrieben werden dürfen und unmittelbar vor dem umweltfreundlichen Export Richtung Polen und Weißrussland stünden, so verlangt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger, müssten im Zuge einer "gestaffelten Lösung im Kampf gegen Dieselabgase in Städten" eigene Plaketten erhalten. Eine Kennzeichnung als "Green machine" (oben), wie sie emissionsfreie Elektroautos erhalten sollen, bliebe Dieselfahrzeugen zwar durchweg versagt. Doch auch gelbe, rote, violette oder blaue Plaketten an der Frontscheibe böten "ja einen  schönen Anblick".

Nur ein Anfang


Aber das kann nur ein Anfang sein. Die Emissionen im Verkehr müssen genauso engagiert auf Null gefahren werden wie in den Tagebauen. Bei Gebäuden, die immer noch viel zu viel Wärme an die Außenwelt verlieren, liegt die Sanierungsrate weit unter dem Soll. Hier muss zielgerichtet nachjustiert werden, hier braucht Deutschland rigorosere Umsetzungsvorschriften, die Eigentümern Dämmungsauflagen machen und im Verweigerungsfall eben enteignen.

Auch die Vorliebe der Deutschen für umweltschädliche Holzkohlegrill heizt das Weltklima mit etwa einer halben Milliarde Kilogramm CO2 pro Jahr an. Das entspricht nach Angaben des Fachportals Utopia.de einer im Auto zurückgelegten Strecke von etwa 35 Milliarden Kilometern oder aber elf Minuten Regelbetriebszeit indischer Braunkohlekraftwerke. Umgerechnet in Eisbären sind das 49, in Strandhütten auf den Fidschi-Inseln nach Angaben von Greenpeace 19. Für die Grünen, aber auch Teile des linken Flügels der CDU ein Ansatzpunkt, die festgefahrenen Bemühungen zur Rettung des globalen Klimas wieder flott zu machen.

Denn obwohl das Grillen als Klimasünde seit vielen Jahren bekannt ist, blieb es gesellschaftlich akzeptiert. Ungestört und ohne Sanktionen befürchten zu müssen, können bei Gartenfesten in Deutschland derzeit noch durch die kontrollierte Verbrennung von Rindfleisch Emissionen von 2,9 Kilogramm CO2-Äquivalent je 200 Gramm gegrilltem Fleisch erzeugt werden, wie der TÜV ein einer Untersuchung feststellte. Darunter leidet das Weltklima, wobei ärmere Nationen stärken betroffen sind.

Gemeinnutz geht immer noch vor Eigennutz und wer nicht mitzieht, der stellt sich außerhalb unserer Gemeinschaft, die den Klimakampf nicht aus irgendwelchen nebensächlichen Gründen, sondern um ihre Zukunft führt.

Der Kohleausstieg wird nicht reichen, die deutschen Klimaziele bis 2030 zu erreichen, bei Weitem nicht. Und er kann schon gar nicht kompensieren, dass andere Staaten gar nicht daran zu denken scheinen, dem deutschen Beispiel zu folgen. Zu glauben, mit der Energiewende und den dadurch explodierenden Strompreisen habe Deutschland erst einmal seinen Teil für das Klima getan, war eine Illusion, die mehrere Regierungen gerne nährten. Denselben Fehler mit dem Kohleausstieg zu wiederholen, wäre katastrophal.

Eigentlich sollten die jährlichen Treibhausgas-Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 bis 95 Prozent sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste sich das Tempo der jährlichen Reduktion jedoch in den kommenden Jahrzehnten mehr als verdoppeln oder sogar verdreifachen. Seit 1990 gelang bis hierher zwar eine Verringerung des Ausstoßes um knapp 28 Prozent - zwei Drittel des Rückgangs aber wurden in den ersten zehn Jahren erreicht, als die DDR-Großbetriebe abgeschaltet wurden. In den letzten acht Jahren seit 2009 hingegen gelang überhaupt keine Reduzierung mehr.

In den zwei Jahren bis 2020, das ein sogenanntes "Zwischenziel" definiert, wäre Deutschland verpflichtet, seine Emissionen um 18 Prozent zu senken. In den zwölf Jahren bis 2030 sollte daraus dann eigentlich planmäßig sogar eine Verringerung um 38 Prozent verglichen mit dem Jahr 2016 werden. Gemessen am Jahr 1990 entspräche das einer Reduzierung um 55 Prozent, wobei in den ersten 26 Jahren 20 Prozent, in den letzten zwölf Jahren aber 35 Prozent der Minderung erreicht worden wären.

Ölausstieg und Aus für Freizeitsport


Die Konsequenz ist einfach. Nach der Debatte über die Kohle braucht das Land nun eine über das Öl: über Kraft- und Heizstoffe. Parallel dazu muss über die Notwendigkeit und die Grenzen von Mobilität gesprochen werden, darüber, wie viele Jacken, Hosen und Pullover ein Mensch wirklich braucht, welche falschen Ansprüche an die Qualität und Menge von Lebensmitteln jahrelang genährt wurden - nicht zuletzt durch Hitlers Krieg. Und die Frage, ob Freizeitsport nötig ist und wenn ja, ob er wirklich riesige flächenversiegelnde Plätze und Hallen braucht, muss genauso gestellt werden wie die, welch vernichtenden Einfluss Unterhaltungsindustrieangebote wie Fußball, Formel 1 oder Olympia auf unsere Umwelt haben.

Das wird eine komplizierte Diskussion, weil sie fast jeden ganz direkt betrifft und ewig geglaubte Gewissheiten unserer Gesellschaft auf den Prüfstand gestellt werden. Schon deshalb wird es hier noch mehr um sozialen Ausgleich gehen, um Pendler, um Familien.

Es braucht Anreize für Alternativen, wie es sie bei der Energiewende auch versprochen worden waren, ehe dann doch die Stromkunden die Gesamtrechnung bezahlt haben. Und es braucht eine Debatte über die Chancen, die klimafreundliche Innovation als letzter Ausweg einem Land bieten kann, das schon Schlimmeres erlebt hat. Kann die deutsche Wirtschaft zielgerichtet zurückgebaut werden? Welche Produkte lassen sich noch herstellen, ohne Strom, ohne Netzwerke zu weltweiten Verteilung?

Endspiel um die Erde


Auch hier geht es erst einmal um den Einstieg ins Endspiel um die Erde. Noch ist nicht einmal klar, wie effizient Energieeffizienz sein muss, um mit einem Energieeinsatz null effektiv Waren, Güter und Dienstleistungen herzustellen und zu vermarkten. Bisher wehrt sich die Bundesregierung mit Händen und Füßen gegen diese Debatte, die nur konsequent wäre, legte man die Maßstäbe der Braunkohlendiskussion an.

Doch wenn es ihr ernst ist mit Klimaschutz und Klimazielen, wird sie nicht mehr darum herumkommen, sie zu führen, denn immer lauter verlangen gerade die Jüngsten danach, einst eine Welt übergeben zu bekommen, die nicht von Feinstaub verpestet, von Hunger und Armut geplagt und von CO2 erstickt ist.

Kommentare:

wolfgang fubel hat gesagt…

Es giebt kein "Endspiel" um die Erde, sondern ein Endspiel um die Menschheit!
Wenn Wir Uns wegvergiftet haben, wird in ein Paar Hunderttausend Jahren nichts mehr daran erinnern das Wir jemals hier wahren! Die Erde wird Uns längst vergessen haben!

ppq hat gesagt…

ich habe vorhin mit der erde gesprochen. sie weiß im moment nicht, sagt sie, dass wir hier sind. also keine angst, kann sie nicht vergessen, geht ja nicht mit sachen, die man nicht weiß

Anonym hat gesagt…

daran erinnern das Wir jemals hier wahren! Die Erde wird Uns ...

Kein weiterer Kommentar als: Schamlos, so etwas.

Matadisléxicos

Der lachende Mann hat gesagt…

Schamlos, Sie sagen es. Aber man kann auch in anderen Disziplinen brillieren:

https://www.youtube.com/watch?v=-RrEQ8Ovw-Q