Sonntag, 10. Januar 2021

Wintersport, weißer Sport: Kartoffeldeutsche Helden

Gern schmückt sich der Skisport mit schwarzen Springer, allerdings nur symbolisch.


S
chneeweiß der Boden, schneeweiß der Schanzentisch, schneeweiß die Loipe. Und schneeweiß sind auch die Aktivem die dort springen, um die Wette langlaufen, schießen oder sich steile Abfahrten hinunterstürzen. Wo immer in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Wintersport gezeigt wird, wetteifert nur eine ganz kleine privilegierte Gruppe miteinander: Weder sind blacke people zu sehen noch ist irgendein Hauch von Diversität auch nur zu erahnen. Sport, der eigentlich die ganze Gesellschaft betreffen sollte, wird von weißen Menschen betrieben. Und an den Fernsehgeräten daheim sitzen fast ausschließlich Angehörige der peer group - Fans von Skispringer und Biathlethen, von Abfahrtsläufern und Schlittenfahrer*innen und Schlittenfahrenden, die genauso aussehen wie sie selbst. 

Alternative für Deutschland unter den Sportarten

Das Urteil nach dem Augenschein täuscht nicht, das zeigt eine neue Studie der bekannten transkulturellen Diversitätstrainerin Elisabeth Schmeling. Die Arbeit mit dem Titel "Der schneeweiße Sport" enttarnt all die beliebten und gemeinhin für vollkommen harmlos gehaltenen Wintersportarten als "Alternative für Deutschland" (Schmehling) unter den Leibesübungen. Nirgendwohier finde sich, so die ausgewiesene Expertin für Rassismus- und Machtkritik sowie für kritische Weißseinsreflexion, ein Ansatzpunkt von Intersektionalität, Colorfarbigkeit oder geschlechtlicher Performativität. 

Ganz im Gegenteil. Wintersport ist weißer Sport. Bereits ein Blick auf die Mannschaftsaufstellung der sogenannten "deutschen Adler" verrät das Grundproblem: Das im Namen der gesamten Nation auftretende Truppe hat keinen einzigen Springer mit dunkler Hautfarbe oder auch nur südländischem Teint. Es handelt sich, mehr noch, um eine Mannschaft ohne jeglichen Migrationshintergrund. 100 Prozent kartoffeldeutsche Leistungsbereitschaft mit Namen wie Karl, Markus, Severin, Andreas, Pius, Constantin, David, Martin, Richard, Luca, Moritz und Kilian. 

Elisabeth Schmehling kommentiert das bitter mit einem "Alle Achtung! Das muss man 2020 in diesem Land erst einmal hinbekommen." Ganze breite gesellschaftliche Bereiche und politische Ebenen, der migrantische Hintergrund von Millionen Mitbürgern, all das sei in den von den öffentlich-rechtlichen Sender hoffierten Sportwettbewerben überhaupt nicht repräsentiert. Schmehlings Analyse der wichtigsten Wettbewerbe der vergangenen Jahre zeigt: 100 Prozent der startenden Sportler seien ausgewiesene Vertreter der Mehrheitsgesellschaft, Skispringende und Schlittenfahrende mit Zuwanderungsgeschichte finde man gar nicht.

Ein weißes Virus

Ein weißes Virus, das den gesamten Wintersport infiziert hat und nirgendwo auf Kritik stößt. Treten international doch einmal diverse Teams an wie seinerzeit das Bob-Team aus Jamaika, werden die Sportler als Exoten belächelt und bei der Medaillenvergabe konsequent außen vor gelassen. "Offenbar ist der Wintersport sozialdynamisch irgendwo vor drei Jahrzehnten stecken geblieben", kritisiert Elisabeth Schmehling. Im Umgang mit Brettern, Stöcken, Bobs und Schlitten verweise der alte weiße Mann, der die Verbandspolitiken überall bestimme, mit aller Macht auf die selig verklärte, deutsche Reihenhausvergangenheit der 50er und 60er Jahre.

Ein nationalistisches Lagerfeuer für Ewiggestrige, die sich an der Herumschießerei der Biathleten verlustiere und deutschen Adlern oder aber wenigstens anderen nordischen Heldenfiguren zujubeln wolle, urteilt die Schmeling, deren Arbeitsschwerpunkte in den Verschränkungen von Diaspora und Translokalität, bei der Anpassungskultur und dem Postkoloniales Erinnern vor dem Hintergrund von  Feminist Future Studies und Critical Race sowie Whiteness Studies liegt.  

Mangel an Buntheit

Die Buntheit, die im Fußball längst unerlässliches trade mark ist, weil hier Kicker aus aller Herren Länder dem großen Geld hinterherziehen, gelingt im Wintersport überhaupt nicht. Wenn Fußball eine Ausstrahlung wie Angela Merkel hat, weltoffen, fröhlich bunt und ethnisch durchmischt, dann wirkt Wintersport wie Björn Höcke, "ein konservatives Provinzvergnügen, in dem Menschen mit Migrationshintergrund keine Rolle spielen", wie die Taz kritisch zusammenfasst.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

der Reichsgleichstrombeauftragte hatte das o.g. Problem wenigstens schon mal bemerkt und den Vorschlag geäußert man möge doch hin und wieder einen Neger die Rampe herunterrutschen lassen .

Anonym hat gesagt…

wer denkt sich diese Pseudoprobleme eigentlich immer aus ?

muss man da auf Leeramt studiert haben ?

kann man diese roten Schwätzer nicht wegsperren oder wenigstens der Teufelsaustreibung zuführen ?

Anonym hat gesagt…

So Ähnlich ist es auch beim Schwimmen und noch schlimmer beim Kunstspringen.

Anonym hat gesagt…

gibt es keine KunstspringnegerInnen ?

Hase, Du bleibst hier ... hat gesagt…

Ich hatte das schon mal angeregt. Ein Handicap als Ausgleich für ein faires Miteinander im Sport. Als Bleichgesicht gibt es auf 100 Meter 20 Meter Vorsprung, beim Marathon gleich mal 10 km, sonst wird das kein echter Wettbewerb. Beim Schach allerdings fehlt auf einer Seite die weiße Dame. Oder der PoC kann beim Biathlon das Schießen einfach weglassen. One World, no Border, no Nation.

Anonym hat gesagt…

Sommer 2004 in Lillehammer, mit meinem Rudel sah ich allerdings Melanin-Arier, die man auch Tamilen nennt, beim Mattenhupf. Einer klatschte sich roh hin, ich beförchtete schon den Ruf, ob ein Artzet in der Nähe wäre - da rappelte sich das braune Äffchen gottlob wieder auf.
Halbgott in Weiß

Anonym hat gesagt…

Gut, dass es ppq gibt! Da wird noch der gesalzene Finger der Kritik in die ungewokte Wunde gebohrt.

Der lachende Mann hat gesagt…

Man sollte sich angewöhnen, Bildschirmfotos zu machen von dem unglaublichen Mist, der einem heutzutage vorgesetzt wird. "Leichenberge" stapelten sich irgendwo in Deutschland, keine Verarschung: Das hatte eines der Schmierblätter in GoogleNews als Überschrift, und es war nicht die Rede von Bergen-Belsen Anfang 1945 und auch nicht von den Rheinwiesenlagern wenig später, nein: an und mit Corona wurde da gestorben, so kraftvoll gestorben, daß Leichenberge entstanden. Aber als ich mich ein paar Stunden später aufraffte, es für eine Nachwelt zu sichern, die das ohne Beweise nicht glauben würde, hatte man es gelöscht.