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Mittwoch, 24. September 2014

Was die CIA 2004 vom Kalifat wusste

Es war der Dezember 2004, als der National Intelligence Council der CIA ein Papier mit dem Titel "Mapping the global Future" vorlegte, das vorausgesagt, dass im Jahr 2020 ein neues Kalifat auf der Weltbühne erscheinen würde. Der Bericht wurde dem US-Präsidenten vorgestellt, den Mitgliedern des Kongresses, den Kabinettsmitgliedenr und den wichtigsten beteiligten Beamten der Administration. Danach wurde er sogar veröffentlicht.

Das fiktive Szenario blieb allerdings folgenlos. Schlimmer noch: Aus den Vorhersagen einer möglichen Zukunft wurden Schlussfolgerungen gezogen, die das Gegenteil dessen bewirkten, was notwendig gewesen wäre. „Heute steht der islamischen Ummah an der Schwelle zu einem monumentalen Wandel, dort, wo die Staaten des Warschauer Pakts vor rund 18 Jahren standen“, sagten die Autoren voraus. Der Eiserne Vorhang sei seinerzeit gefallen, weil die Menschen den Glauben an den Kommunismus verloren hätten und ihre Hoffnungen auf den Kapitalismus richteten. Die muslimische Gemeinschaft aber habe nun sowohl Kommunismus als Kapitalismus aufgegeben und warte auf die Entstehung eines Kalifats. Alle Hoffnungen in der arabischen Welt gülten nicht der Demokratie, sondern dem Zusammenbruch der herrschenden Regime, die dann vom Kalifat absorbiert werden sollten.

Zukunftsmusik, die niemand hören wollte. Der Bericht behauptete etwa, dass die Stärke des neuen Kalifats darin liegen werde, dass eine globale islamische Bewegung das Kalifat an die Macht tragen werde. Die Überzeugung der muslimischen Massen für eine Rückkehr zum islamischen Weg des Lebens durch die Wiederherstellung des Kalifats sei der wichtigste Faktor bei der Bestimmung, ob ein Kalifat wird Erfolg haben werde oder scheitern müsse. „Das ist wichtiger als Technologie und Ressourcen, die beide schnell gewonnen werden, so lange das Kalifat ist in der Lage, sich zu verteidigen“, heißt es. Alle Fortschritte eines islamischen Staates im historischen Sinne stützen sich ausschließlich auf die islamische Ideologie.

Erstaunlich, wie sich die Bilder zehn Jahre nach Erstellung der Studie mit den Realitäten und den Plänen der Islamisten decken, obwohl eine globale Bewegung nicht in Sicht ist: Das Gespenst des Islamischen Staates ist wie das Echo der Warnungen vor dem kalifat. Die Pläne der einen wirken wie eine Übertragung aus der Analyse der anderen.

Die Veränderungen des Terrorismus, die die CIA voraussah, sind jedoch andere als die, die heute zu besichtigensind. Statt kompliziertem Bio-Terror oder Anschlägen mit gestohlenen Atombomben halten die Gruppen den alten handwerklichen Methoden der Selbstmordanschläge, Auto-Korso-Raids und Kalaschnikow-Attacken die Treue. Richtig hingegen ist die Voraussage, dass die Entstehung des Kalifats wird dazu führt, dass die Regime in den muslimischen Ländern eins nach dem anderen zusammenbrechen - den Domino-Effekt, der in umgekehrter Reihefolge eintrat. Erst stützte der Westen die Bewegungen gegen die Autokraten, die in Nordafrika mit harter Hand herrschten. Dann brachen die Regime zusammen. Und danach bauten Islamisten ihre Macht aus.

Die Bindung an den Westen und seine Werte des Individualismus führte hier, so sagte ein Kritiker damals schon voraus, „zur groben Unterschätzung des Eindringens islamischer Gedanken und Gefühle in die muslimischen Ländern und zur Ignoranz der Idee einer Wiederherstellung des Kalifats gegenüber“. Dabei schien 2005 schon klar, dass der eigentlich Konflikt zwischen der Erhaltung der weltlichen Ordnung und der Machtübernahme des politischen Islam tobte. Die Regime in der muslimischen Welt galten als Hüter westlicher Interessen, sie wurden von Muslimen verabscheut und der einzige Grund, warum sie überlebten, war die hartnäckige Unterstützung westlicher Regierungen.

Als die ausblieb, taten Muslime allerdings nicht das, was die Autoren der Studie einen imaginären Enkel von Bin Laden beschreiben lassen: Sie brechen nicht auf zu den Ufern des neuen Kalifats, sie wählen nicht die Antithese zur westlichen Modernisierungsideologie. Stattdessen sehen wir eine Massenmigration von Muslimen in den Westen, eine Flucht aus der muslimischen Welt, die jedoch nicht einhergeht mit einer Liebe zu westlichen Werten. Im Gegenteil: Die Fluchtburgen vor Mord und Verfolgung, vor Armut und Rückständigkeit ziehen Hass auf sich, Verachtung und eine verstärkte Hinwendung zum Glauben.

Dass der Westen darauf mit Bemühungen reagiert, seine muslimischen Bevölkerung dazu zu überzeugen, westliche Werte zu übernehmen, während er gleichzeitig vorgibt, muslimische Eigenheiten als gleichwertig zu respektieren, spricht Bände für die westliche Ratlosigkeit angesichts einer Entwicklung, die logisch aus westlicher Sicht nicht mehr zu begreifen ist. Von unten folgt dem ein Festlegung von der Muslimen als Fundamentalisten, die die westliche Lebensart im Grunde im Innersten ablehnen. Von oben wird das beantwortet mit einer Erklärung, wonach eine Ablehnung der westlichen Zivilisation keine Ablehnung ist, wenn sie nicht militant vorgetragen wird.

Muslime, die wie der Terrorfürst Bin Laden gern westliche Güter wie DVDs, Satelliten-TV oder Smartphon benutzen, gelten als gemäßigt, obwohl auch sie westliche Konzepte wie Freiheit, Demokratie und Individualismus häufig ablehnen. Das eine aber ist langfristig nicht ohne das andere zu haben, denn Freiheit, Demokratie und Individualismus sind Grundlage von Entwicklung, Fortschritt und Wachstum. Ein Kalifat als Möglichkeit, mit dem Westen zu konkurrieren, ist dagegen Glaubenssache. Und daran glauben können zumindest Teile der muslimischen Welt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man sollte die Terroristen in verschiedenen Kategorien einteilen:

A) Gemässigte
B) Sehr gemässigte
C) Radikale
D) Sehr radikale
E) Potentielle (Wir alle)

Anonym hat gesagt…

Nö. Der Bolschewismus ist eingegangen w o r d e n , weil diejenigen, die das Sagen haben, zur Schlußfolgerung gelangt sind, daß eitel Sklaverei die servi publicani nicht nur mürrisch, sondern auch faul macht. Das Vorgaukeln von angeblicher Freiheit und "Vom Tellerwäscher zum Millionär" und von "Jeder ist seines Glückes Schmied" ist halt effektiver.
Zu welchen Zwecken in Kuba und Nordkorea das Spielchen weiterbetrieben wird, kann man nur mutmaßen.