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Montag, 1. Oktober 2018

Trump: Scheitern bis zum Sieg

Beim G7-Treffen las Angela Merkel dem US-Präsidenten die Leviten.
Donald Trump ist bekanntlich "wahnsinnig" (Der Spiegel), ein "irrer" (Frankfurter Rundschau), der sämtliche westlichen Werte mit Füßen tritt und jeden Moment mit seiner Ablösung wegen seiner Verbindungen nach Russland und zu teuren Prostituierten und den Enthüllungen von ehemaligen Insidern rechnen muss.

Besonders schlimm für die globale Gemeinschaft: Trump ist aus Verträgen ausgetreten, an die sich Deutschland nicht hält. Gleich zu Beginn seiner so verheerend wirkenden Amtszeit, die inzwischen länger andauert als die vieler seiner entschiedensten Gegner, wandte sich der US-Präsident in seinem Wahn auch gegen das amerikanische Freihandelsabkommen Nafta, obgleich es diesem aus deutscher Sicht allein allein an den in Europa üblichen supranationalen Regelungsfunktionen mangelt. Doch ohne Rücksicht auf Verluste nahm Trump "die Autoindustrie in den Würgegriff" (Süddeutsche), er startete die von ihm geplante "Abschottung" (Spiegel) und "attackierte Kanada und Mexiko" (DPA), um seine irrigen Vorstellungen über wirtschaftliche Gesamtzusammenhänge durchzusetzen.

Ein Alptraum, wie der angesehene Wirtschaftsweise Christian Stöcker in einer vielbeachteten Expertise herausarbeitete. Die Vorgänge rund um Nafta verdeutlichten damals, im Mai 2017, welch "umfassende Unkenntnis elementarer Fakten und Zusammenhänge" Trump besitzt. So groß, "dass die meisten anderen Menschen vor Scham im Boden versinken würden", wie der als Erfinder des „Leugnismus“ bekanntgewordene Kulturkritiker und studierte Psychologe befand.

Damit würde Trump nicht durchkommen, das war schnell klar. Zuerst einmal fiel die heimische Autoindustrie dem Mann in den Arm, den der Spiegel nun einen "Fantasten" nannte, der mit seinen "America-First-Wirtschaftsplan" - einem "Sammelsurium altbekannt-konservativer Ideen und neuer Wahlkampfparolen" (Spiegel) - "ökonomischen Selbstmord" (Spiegel) begehen werde.

Allerdings waren das alles nur "Muskelspiele" (Handelsblatt), nichts Ernstes, ruppige Worte, die der Präsident sprach, aber "keiner macht mit" (Süddeutsche). Das Händereiben in den deutschen Redaktionen hub wieder an. "Sein Protektionismus kommt gegen die Macht des Faktischen nicht an", freute sich die Süddeutsche. Trumps Ankündigung eines Handelskrieges sei "eine leere Drohung", seine "Verbalangriffe gegen Mexiko und Kanada heiße Luft", informierte n-tv und als dann auch noch die "Autolobby" gegen den Präsidenten "mobil" machte (n-tv), war endgültig klar, dass Trump scheitern musste. Es würde alles noch viel, viel schlimmer werden, berichteten Korrespondenten, die sich den Kampf gegen Trump zur Lebensaufgabe gemacht hatten.

Und nun ist es soweit.  Trump, "inkompetent bei allem, was zu seinem Job gehört", wie der Bestsellerautor David Frum beschreibt, hat eine Übereinkunft mit Mexiko und Kanada erreicht, die, so die "Zeit", der "Spiegel", die "Welt" und die "SZ" gleichlautend, zu "freieren Märkten, fairerem Handel und kräftigem Wirtschaftswachstum in unserer Region" führen wird.

Die "Trump'sche Haudrauf- und Sudel-Methode" (SZ), sie hat wiedereinmal erfolgreich versagt. Und die Reaktionen in Mediendeutschland fallen schmallippig aus, wie stets, wenn wenn ein Meinungskampf mit der Wirklichkeit verlorengegangen ist: So viele Kommentare bis hierher gegen Trumps Absicht wetterten, mit einem neuen Abkommen mit Kanada und Mexiko Gewerkschaftsforderungen wie die nach einem höheren Mindestlohn für Arbeiter umzusetzen, die Teile von Autos montieren, die für den US-Markt bestimmt sind, so wenig Meinungsfreude herrscht nun, wo Kanada allen deutschen Hoffnungen zum Trotz doch nicht "hart" (n-tv) geblieben ist.



Kommentare:

Sauer hat gesagt…

Trump kennt keine Grenzen und gebärdet sich immer imperialistischer. Auf der einen Seite will er die Grenzen zu Mexiko dichtmachen, auf der anderen Seite mischt er sich grenzüberschreitend frech in mexikanische Angelegenheiten ein. Was gehen ihn die Löhne mexikanischer Arbeiter an? Er sollte sich um die der ausgebeuteten US-Arbeiter sorgen, z. B. um die in Detroit, die mit Hungerlöhnen abgefunden werden und nicht einmal Geld haben, um menschenwürdig leben zu können. Ihnen wird von Trump zugemutet, in verkommenen und verlausten Häusern zu vegetieren, wie man auf Filmen und Photos leicht erkennen kann. Das Kapital dagegen, das seinen Reichtum aus dem Schweiß der Arbeiter saugt, lebt vergnügt und luxuriös außerhalb Detroit in gepflegten Gegenden. Denen könnte Trump mal ans Leder gehen und etwas von ihrem Reichtum auf die Armen umverteilen. Aber was macht dieser Schreckliche? Er schwächt die mexikanischen Unternehmer, indem er sie zwingt, den Stundenlohn für die Arbeiter zu erhöhen. Das ist purer Imperialismus und eine Anmaßung. Die mexikanischen Firmen werden ausgepreßt und gegenüber den US-Firmen benachteiligt. Dadurch verlieren sie an Wettbewerbsfähigkeit und fallen mit der Zeit als Konkurrenten aus. Das ist schurkisch gedacht und gehandelt!

Anonym hat gesagt…

"Er schwächt die mexikanischen Unternehmer, indem er sie zwingt, den Stundenlohn für die Arbeiter zu erhöhen."
Muahaha! Einfach schurkisch. Ich liebe Linke!

derherold hat gesagt…

ausgebeuteten US-Arbeiter sorgen, z. B. um die in Detroit *lol*

Ich hatte es vor kurzem erwähnt:
Detroit 1950 1,85 Mio. Einw., 84% Weiße, 16% Schwarze;
Detroit 1980 713.000 Einw., 11% Weiße, 83% Schwarze

Anonym hat gesagt…

Es erlustigt einen grimmig: Für die einen ist Trumpf des Satans Adoptivbruder (wie Kaiser Nero, Commander Bligh oder ER), für die anderen der Erlösus, der Moschiach, für die Jungs und Mädels von den "Ketzerbriefen" der reinkarnierte Julian Apostata.

Halbgott in Weiß