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Mittwoch, 5. Dezember 2007

Kalter Krieg, warmer Friede

Daten von über 4.500 Kriegen weltweit in dem halben Jahrtausend zwischen 1400 und 1900 sammelten amerikanische, britische und chinesische Sozialwissenschaftler und stellten sie neben klimahistorische Daten. Das Ergebnis: Kälteperioden gingen in der Geschichte mit besonders vielen Kriegen, Hunger und Bevölkerungsrückgang einher, denn die Zahl der Kriege pro Jahr war in kalten Epochen fast doppelt so hoch wie etwa im relativ milden 18. Jahrhundert.

Europa und Asien erlebten vor allem im 17. Jahrhundert lange und ausgeprägte Kälteperioden mit besonders desaströsen Konflikten (30-jähriger Krieg!) und Hungersnöten. Die untersuchte Zeitspanne, zumindest vom 15. bis 19. Jahrhundert, wird heute oft „kleine Eiszeit“ genannt. Peter Brecke vom Georgia Institute of Technology und Kollegen in Hongkong und England zeigen, dass langfristige Schwankungen der Durchschnittstemperatur um weniger als ein Grad Celsius schon Nahrungsknappheiten erzeugen können. Immer wenn der Preis für Getreide ein bestimmtes Niveau erreicht hatte, brachen vermehrt Kriege aus.

In der Vergangenheit waren wärmere Perioden „gute“ Zeiten, weil die Ernten gut waren, wie der Saarbrücker Historiker Wolfgang Behringer in seiner „Kulturgeschichte des Klimas“ nachweist. Der Band beleuchtet die sozialen, politischen und kulturellen Folgen von Klimaveränderungen in den vergangenen 20 000 Jahren und vermutet in den Temperaturausschlägen nch unten, etwa in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, den Grund für die großen Krisen in Mitteleuropa. Selbst die Hexenverfolgungen mit ihrer Sündenbock-Funktion sieht der Autor als Reaktion auf die Kältekrisen. Dauerhaft heizten aber auch Hexenverbrennungen das Klima nicht ausreichend an, so dass der Mensch auf die sich verändernden Umweltbedingungen mit einer veränderten Lebensweise reagieren musste.

Inwieweit Teufelsaustreibungen dennoch ein wirksames Mittel gegen die jetzt von IPPC entdeckte Erwärmung des Erdklimas sein können, wird sich erweisen müssen. Vorerst allerdings kann festgehalten werden, dass Wärme im Zweifel eher Frieden bringt.

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