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Mittwoch, 5. Dezember 2007

Von Migranten und Multiplikatoren

Übergriffe im Bus, Angriffe im Treppenhaus, geschlagene Türen und verletzte Punks, beschädigte Kinderwagen und zerkratzte Images: Die große Stunde der Opferbehörden wächst zu einem großen Jahrzehnt heran, das künftige Generationen von Historikern und Historikerinnen anhand eines Mount-Everest-Gebirges aus Pressemitteilungen der uns längst ans Herz gewachsenen "Akteure" werden erforschen können.

Auch heute melden sich die Mannen von "Miteinander" wieder zu Wort, wie immer beginnt der erste Satz mit "in der Debatte um", gemeint ist diesmal "eine Aufstockung der finanziellen Zuwendungen für den Lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Magdeburg" und gefordert wird diesbezüglich "die Verwendung zusätzlicher finanzieller Mittel für die Zielgruppe der Erwachsenen."

Thomas Weber, Koordinator bei der Koordinationsstelle, "verweist auf konzeptionelle Leerstellen im Bundesprogramm "Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie", die das so aussehen: "Trotz
gegenteiliger Ergebnisse von jüngsten Einstellungsuntersuchungen liegt der Fokus von ‚Vielfalt tut gut’ erneut vorrangig nur auf Kinder und Jugendliche als Zielgruppen." Jedoch seien es "gerade ältere Personen, die stärker als die Jugend zur Fremdenfeindlichkeit neigen."


Das Phänomen der Seniorenskinheads, bisher völlig unterbelichtet "in der Debatte um", wird ab jetzt für Wirbel sorgen. Nach Webers Ansicht ist es nur "folgerichtig, bei der Aufstockung des Lokalen Aktionsplanes durch die Stadt Magdeburg insbesondere Projekte für diesen Personenkreis umzusetzen."

Klarer Fall: "Die Ereignisse vom Wochenende in Magdeburg zeigen deutlich, dass zunehmend auch Erwachsene gewalttätig gegen Migranten vorgehen." So sei, sagt Weber, eine 20-jährige Irakerin am Samstagabend in einem Bus von einem 30-jährigen Deutschen ins Gesicht geschlagen worden, in der Nacht zum Dienstag habe ein 33-jähriger Mann mit der Faust gegen die Wohnungstür einer Nigerianerin geschlagen und dabei ausländerfeindliche Parolen gebrüllt. Noch steht allerdings nicht fest, ob die Frau die Rufe überhaupt hören konnte, weil sie eventuell gar nicht zu Hause war.

Wie auch immer, dagegen hilft nur, mehr Geld bereitzustellen für "präventive Maßnahmen mit der Zielgruppe Kinder und Jugendliche, Migranten sowie Multiplikatoren". In den kommenden drei Jahre erhält die Stadt insgesamt 300.000 Euro aus dem neuen Bundesprogramm "Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" zur Umsetzung eines Lokalen Aktionsplanes für Demokratie und Toleranz. "Das reicht nicht", weiß Thomas Weber, der die am Rande der Pleite wankende Stadt Magdeburg auffordert, das Programm aus eigenen Mitteln aufzustocken. Dass alle Vorgänger-Programme der letzten 15 Jahre offensichtlich so wirksam waren wie das Verbot von Diebstählen ficht den Experten nicht an: Daran sind nämlich nur "diskontinuierliche Förderprogramme" schuld.

1 Kommentar:

panzerbummi hat gesagt…

jeder "nazi"-übergriff ist eine abm für sonst überflüssige sozialpädagogen - wer hätte es für möglich gehalten?