Google+ PPQ: Verbrechen für Millionen

Donnerstag, 7. Februar 2008

Verbrechen für Millionen

Gerade erst hat eine große Verbraucherschutz-Koalition aus Sozial- und Christdemokraten durch einen neuen Glücksspiel-Staatsvertrag erfolgreich verhindert, dass alle Deutschen durch Online-Wetten und private Lottospiele zu willenlosen Glücksspielzombies werden. Werbung für Wetten wurde verboten, Banken dürfen keine Geldüberweisungen mehr als Wettunternehmen weiterleiten, Fußballvereine keine Trikotwerbung mehr für Fußballwetten tragen. Sachsen-Anhalts bei der NVA ausgebildeter Innenminister Holger Hövelmann dringt sogar darauf, Teile des Internets abzuschalten, um seine Einwohner daran zu hindern, illegalen Wettangeboten auf den Leim zu gehen. Die nunmehr monopolistischen staatlichen Lotteriegesellschaften haben ebenfalls reagiert: Neuerdings bieten sie neben Wetten und Lotterien auch Reisen an, überdies müssen sie in ihrer großflächigen Werbung auf Seite 1 aller meistgelesenen Zeitungen mit ca. ein Mikromillimeter kleiner Zwergenschrift darauf hinweisen, dass "Glücksspiel süchtig macht".

Doch alles vergebens, alles umsonst. Denn auf einmal lässt die altehrwürdige ARD die gewissenlose Glücksspielmafia durch die Hintertür in alle deutschen Wohnzimmer, selbst in die, in denen arglose, schutzlose, hilflose Kinder sitzen: Beim Freundschaftsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich, die Heimat von etwa der Hälfte aller verbotenen Wettanbieter der Welt, war über die halbe Spielzeit die ganz und gar unübersehbare die Bandenwerbung für den teuflischen Glücksspielkonzern bwin.com zu sehen.

Ein Verbrechen, begangen vor den Augen von Millionen; denn bei der Übertragung aus Wien handelte es sich offenkundig um einen Verstoß gegen den neuen Staatsvertrag, nach dem Werbung für private Glücksspielanbieter in Deutschland ohne Ausnahme verboten ist. Auch Champions-League-Spiele etwa mit Beteiligung von Real Madrid oder dem AC Milan dürfen danach nicht mehr übertragen werden, und selbst Begegnungen des VfB Stuttgart unterliegen wegen dessen Sponsors Bwin im Inland einem Verbot öffentlicher Austragung - für dessen rigorose Durchsetzung sich unser kleines Verbraucherschutzblog jetzt mal bei der ARD stark machen wird.

Zum Glück für die deutschen Fußballfans zählt Bwin ja nicht zu den Hauptsponsoren der Euro 2008. Die Spiele von dort dürfen also vorerst weiter vollständig gezeigt werden. Natürlich nur bis Seehofer zum Boykott von "Praktiker" aufruft, weil die Käufer von Tiernahrung beim Rabatt benachteiligen.

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