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Samstag, 27. Dezember 2008

Rechte Straftaten: Weniger ist mehr

Weit zuverlässiger als noch der vollgedopteste Hundertmetersprinter schaffen Deutschlands gesichtstätowierte Rechtsradikale beständig neue Rekorde. Eben erst wieder ruft das vonn Wolfgang "Stasi 2.0" Schäuble zum Besten aller Deutschen geführte Innenministerium den alljährlichen "neuen Höchststand" (BMdI) bei der "Zahl rechtsextremistischer Straftaten" aus. Im Jahr 2008 habe das Innenministerium "bereits bis Ende Oktober 11.928 Delikte mit rechtsextremem Hintergrund" registriert - etwa 1.200 pro Monat. Nach Zählung der mathematisch beschlagenen Analyseabteilung immerhin "ein Anstieg um fast 30 Prozent". Auch die Zahl der Gewalttaten, Ehrensache, sei "um 15 Prozent auf 639" gestiegen.

Das ist erstaunlich, hatte es doch schon bis Juni
mehr als 100 Gewalttaten pro Monat gegeben. Seitdem also keine mehr? Werden Deutschland Nazis friedlich? Ist das die neueste Dimension rechtsradikaler Gewalt?

Die endgültige Auswertung der Daten für das Gesamtjahr, die von den Landeskriminalämtern gemeldet werden, steht noch aus. Wichtig wäre es aus unserer Sicht aber, auch bei der endgültigen Verkündigung neuer Rekorde auf eine Erklärung des Begriffs "rechte Straftat" völlig zu verzichten. Bislang konnte immer vermieden werden, deutlich zu machen, ob es sich dabei um erfolgte Anzeigen, eröffnete Ermittlungsverfahren oder verurteilte Täter handelt, ob später anderweitig geklärte Fälle wie der verabscheuungswürdige "Hakenkreuz-Übergriff" von Mittweida dauerhaft in der Statistik bleiben oder nach Verurteilung des Opfers als Täterin aus der Statistik entfernt werden.

Auch sollte keinesfalls jemand ins Archiv geschickt werden, und nach den Rekordzahlen aus der jüngsten Vergangenheit zu suchen: Dort fände man unter Umständen irritierende Angaben von Uwe-Karten Heye, dem Erfinder der sagenumwobenen "No-Go-Areas" ins Ostdeutschland, der schon vor zwei Jahren 18.000 rechte Straftaten zu zählen geschafft hatte. Und die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion für 2007, in der von "mehr als 17.500 rechten Straftaten" für das Jahr 2007 die Rede ist.

17.500? Das schaffen selbst die Nazis nicht mehr. Erst recht wird der Wert von 2001, als das Innenministerium das sensible Nachrichtenmagazin Der Spiegel beinahe 20.000 rechte Straftaten melden lassen konnte, wohl wieder deutlich verfehlt. Sind die Monate seit Oktober etwa im Durchschnitt geblieben, fiele 2008 um fast 20 Prozent mehr als deutlich ab. Aber weniger ist mehr. Jetzt melden dpa erstmal "deutlich mehr rechte Straftaten". Später werden rund 14.400 Naziübergriffe dann schon einen neuen Rekord darstellen müssen. Aber klappen wird es. Zum Glück wird ja niemand bei den großen Enthüllungsmedien nachzählen, wie das die Berliner Butze dankenswerterweise tut.

Kommentare:

Gundermann hat gesagt…

mein gott, ist dieses land und seine politisch-medial führende kaste nur bekloppt. da war ja die stasi-ddr geschickter ... un der menthol-schaffner aus der mitropa einst ja geradezu raffiniert.

Gundermann hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
berlinerbutze hat gesagt…

Die Zahlenspiele sind durchaus amüsant...ein paar Zahlen und Prozente der letzen Jahre zu dem Thema:

http://berlinerbutze.wordpress.com/2008/12/27/zahl-rechtsradikaler-straftaten/

gruß bb