Google+ PPQ: Frostfrei im Hühnerglück

Donnerstag, 21. Januar 2010

Frostfrei im Hühnerglück

Er kämpft gegen die ganze Welt, und das mit nichts als einem härenden Wollpullover und Essen, das er sich von anderen schenken lässt. Jürgen Wagner, als "Öff Öff" selbsternerannter Nachfolger Jesu Christi, allerdings derzeit noch ohne dessen Fähigkeit, über Wasser zu gehen, lacht sich kaputt über erfrorene Obdachlose, "Kälte-Busse" und andere stationäre oder ambulante Hilfs-Einrichtungen von Staat, Kirchen. Der Naturmensch, der seit Jahren in einem Hühnerstall in Sachsen lebt, braucht auch keine warmen Getränke, keine Wärmflaschen oder Hunde als Wärmespender, wie er in einer selbstverfassten Presseoffenbarung klarstellt.

Als "Aussteiger ohne Luxus, Staat und Geld" habe er sich auf "allereinfachste Weise ein völlig unabhängig überlebensfähiges Winterschlaf-Kuschel-Nest" geschaffen: Der Mini-Hühnerstall, den der Waldmensch als 'Villa Hühnerglück' bezeichnet, sei von außen mit Decken behängt worden, um ihn zu isolieren. Drinnen stehe eine umklappbare Matratze als Bett, dazu ein Arbeitstisch, zwei Schränke und Kistentürme, in denen Öff Öff seine im Wald gesammelte Rohkost verwahre, von der er den Winter über leben will. Dabei handele es sich "vor allem um Äpfel und Nüsse und ein paar getrocknete Kräuter".

Den Stall halte allein die Körperwärme frostfrei, unter den Bettdecken sei es sogar "kuschelig", schwärmt Öffi. Der Ofen im Raum besorge nur die Luft-Zirkulation im Stall. "Damit man nicht ersticken oder erstinken muss!", erklärt er ungefragt. Naturgeruch sei natürlich vorhanden, die Äpfel dufteten, das Schafsfell stinke. Öff Öff selbst, wissen Besucher bei der Abreise, sondert den herben Geruch eines langsam vermodernden Dschungelkämpfers ab.

Ein Odem, das schon hin und wieder "das eine oder andere Weibchen" (Öffi) in die "Bärenhöhle" (Öffi) locke. "Ich kann auch nichts dafür, daß Frauen zum Kuscheln kommen...", sagt der Jesus-Nachbau mit dem zugewucherten Gesicht eines verspäteten DDR-Bürgerrechtlers. Wie diese hat Öff Öff die Bedeutung von Werbung für den eigenen Status entdeckt. Aus seiner Höhle kommuniziert der "Schenker" "mit der großen weiten Welt durch mein Handy und Notebook", weil er annimmt, der "modernen Welt" durch sein Beispiel "ein sehr einfaches Naturleben" nahebringen zu können.

Allen müsse klar werden, dass man durch die "Versorgung aus der Natur, ein paar Geschenke und weggeworfene Sachen anderer Leute ohne Staat und Geld, ohne Gewalt und egoistische Konkurrenz leben" könne. Nachdenken will Öff Öff nun noch über die Frage, wer dann schenkt, wenn alle darauf bauen, etwas geschenkt zu bekommen.

Kommentare:

nwr hat gesagt…

Ist doch gut, wenn die Überflüsse der Überflußgesellschaft in kostenlose, biologische Müllschlucker geworfen werden können, anstatt in einer teuren Kompostierungsanlage Millionen von Bakterien zu beschäftigen.

Friederich hat gesagt…

Es gibt haarende Pullover und härene, ist ein härender Pullover eine Kreuzung aus beiden?

Anonym hat gesagt…

Die Bevölkerung könnte das umschichtig tun, das Beschenken, wie zu Weihnachten vielleicht.

ppq hat gesagt…

ja, mittelstück, missing link. aber keine kreuzung, sondern ein kreuzzug