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Samstag, 1. Mai 2010

Es war doch nicht alles gut

Nach Andrea Ypsilanti und Hannelore Kraft erteilt jetzt die dritte bekannte Sozialdemokratin einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei eine harte Absage. Sarah Wagenknecht, kürzlich noch scharfzüngige Streiterin für die Vergesellschaftung des bundesdeutschen Wolkenkuckucksheimes, rechnet in der taz harsch mit der DDR ab. "Wenn es wenigstens ein politisches Klima gegeben hätte, in dem man offen über die Probleme diskutiert hätte", beklagt sich die einstige Kindergartenverweigerin, die im Sommer 1989 versucht hatte, das bessere Deutschland durch einen Eintritt in die SED zu retten. Im Osten sei den Leuten erzählt worden, dass sie alles haben. "Da fühlten sie sich einfach verarscht, und damit hatten sie ja auch recht."

Wagenknecht, beim Untergang der DDR mit zwei Jahren deprimierenden Diktaturerfahrung als Erwachsene ausgestattet, hatte die Berliner Mauer nach deren Fall immer wieder kundig als "notwendiges Übel" gerechtfertigt und die DDR als „besseren Staat als die BRD“ verteidigt, obwohl die sie gezwungen hatte, während des obligatorischen Zivilverteidigungslagers am Ende der Schulzeit in den Hungerstreik zu treten. 20 Jahre Hummeressen im ausbeuterischen Westen später hat sie ihre Ansichten begradigt: "Ich ging damals davon aus, dass es keine Alternative zur Mauer gab. Heute meine ich, es hätte eine geben müssen."

Ihre durchweg positiven Aussagen zum Leben in der DDR führt die ehemalige Führerin der Kommunistischen Plattform inzwischen auf verspäteten frühkindlichen Trotz zurück. Sie habe die DDR allerdings nie rosarot gesehen. "Und anders als andere habe ich das auch schon zu DDR-Zeiten gesagt. Gerade weil ich wollte, dass sie sich verändert und nicht untergeht."

Es war doch nicht alles gut, damals im Osten. Aber Anfang der Neunziger habe es aus ihrer Sicht so ausgesehen, "als hätten wir uns auf hundert Jahre Kapitalismus einzurichten. Die DDR war tot, warum also noch Schlechtes über sie reden?", fragt Wagenknecht. Heute verstehe sie "den Kapitalismus viel besser als früher" und sei weiter überzeugt, "dass Kapitalismus Kriege produziert, Armut und soziale Kontraste".

Das habe es im Sozialismus nicht gegeben. Hier waren, von einer kleinen, privilegierten Schicht abgesehen, alle arm, die notwendigen Kriege führten die Sowjetunion und das revolutionäre Kuba. Leider sei das ökonomische System überzentralisiert gewesen, das politische habe über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden, das Volk keinen Einfluss auf das Volkseigentum gehabt. "Es gab einen dauernden Mangel, und da meine ich jetzt nicht Bananen. Aber man musste manchmal Kopfstände machen, um irgendwelche Ersatzteile zu kriegen." Der "Kapitalismus im Koma", dem sie in ihrem gleichnamigen Buch vor sieben Jahre eine "sozialistische Diagnose" gestellt hatte, schneidet da besser ab. Jetzt müsse nur noch verstaatlicht werden, was größer sei als klein und mittel, etwa "Banken, Infrastruktur und strukturbestimmende Großunternehmen", dann sei auch das kapitalistische Eigentum überwunden. Das Beispiel der deutschen Landesbanken, die während der Finanzkrise mit wilden Spekulationen etwa zehnmal soviel Geld verloren wie die privaten Geldinstitute, zeige eindrucksvoll, dass "privates Eigentum mit Demokratie unvereinbar" sei. "Wenn die Wirtschaft die Politik diktiert, gibt es nur noch eine Politik für die oberen Zehntausend", findet Wagenknecht, regierten aber Politiker wie der damalige Finanzminister und KfW-Verwaltungsratsvorsitzende Peer Steinbrück direkt in Wirtschaftsunternehmen hinein, sei am Ende sicher, dass alle zahlen müssen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Naja, das Zeitung und Flaschen sammeln war auch nicht schlecht. Vor allem, wenn man in der Altstoffannahme im Papier stöbern konnte, während die Pfennige abgezählt wurden.