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Samstag, 9. Oktober 2010

Einen Schritt rückwärts, zwei nach vorn

Über Jahre hat er funktioniert, seinen Job gemacht wie kein zweiter, er hat sich vom kleinen Landratsbeamten hochgedient in die Spitze des sachsen-anhaltinischen Innenministeriums und des Landesverbandes der SPD, ein Sozialdemokrat reinsten Wassers, der ohne ideologische Scheuklappen in die Klassenkämpfe unserer Zeit ging, um selbst vorwärtszukommen auf dem Weg zu seinem großen Ziel, eines Tages Ministerpräsident des westlichsten aller östlichen Bundesländer zu werden. Nun aber hat Rüdiger Erben, ein derzeit 42-jähriger Bergbautechnologe aus Bad Salzungen, beschlossen, dass es besser ist, noch eine Ehrenrunde zu drehen.

Der noch amtierende Innenstaatssekretär, dem es Anfang des Jahres gelungen war, den Vergleich von Diktaturen aller Art auf dem Gebiet seines Bundeslandes zu verbieten, hat angekündigt, seinen Posten als Innenstaatssekretär aufgeben zu wollen. Der inzwischen aus Weißenfels, dem Standort seiner ehemaligen NVA-Einheit, stammende frühere Ordnungsamtsleiter und Landrat begründete seine Entscheidung mit "persönlichen Nackenschlägen". Seitdem er Mitarbeitern des Innenministeriums die Teilnahme an einer Veranstaltung untersagt habe, bei der versucht werden sollte, Nazidiktatur und DDR-Regime auf ihre jeweiligen Vor- und Nachteile zu untersuchen, sei er "massiv angegriffen" worden. Die Menschen im Lande hätten sich nicht wie erwartet dankbar darüber gezeigt, dass er als ausgebildeter Verwaltungsexperte seine Vision einer Gesellschaft mit allen Freiheiten eines Gefängnisgartens eins zu eins umzusetzen begann. Vielmehr erntete Erben Kritik - eine Nahrung, die ihm nie geschmeckt hat. Ebenso verheerend war das Echo, als die Enttarnung einer Lüge des für ein Ministeramt im nächsten Bullerjahn-Kabinett vorgesehenen Parteiaufsteiger in einem Landtags-Untersuchungsausschuß auch durch fraktionsübergreifende Absprachen und panische SMS-Nachrichten nicht mehr verhindert werden konnte.

Eine noch nicht ganz große, aber vielversprechende Karriere endet so vor der Zeit. Rüdiger Erben, körperlich ein Zwerg von einem Mann, ideologisch aber ein Hühne, hatte stets das Wohl aller im Auge, wenn er sich um das eigene bemühte. Vom ersten Tag im Ministerium an erkannte er die völkerverbindende Kraft des "Kampfes gegen rechts" und der friedensstiftenden Wirkung von Verboten. "Spiele mit Tötungssimulation”, ließ er die verblüffte Welt etwa zum Thema "Paintball" wissen, seien in seinem Bundesland “definitiv verboten”. Ein Irrtum, wie die Spielzeugabteilung jedes Magdeburger Kaufhauses ihn hätte wissen lassen können, in der Pistolen und Flitzebogen, Wasserstrahlgewehre und Ballerspiele für den Computer zur Tötungssimulation nach Herzenslust einladen.

Rüdiger Erben, die kleine graue Hoffnung der sachsen-anhaltischen Sozialdemokratie, war aber schon weitergeeilt. Jetzt kämpfe er wacker gegen einen rechten Schornsteinfeger, gegen seinen Minister Holger Hövelmann und für eine möglichst gute Ausgangsposition im Kampf um die Plätze am nächsten rot-roten Kabinettstisch in Magdeburg. Vergebens. Nun hat Paintball seinen großen Gegner überlebt, Rüdiger Erben zieht sich aus der Landespolitik zurück, um Bürgermeister im Flecken Teuchern zu werden.

Spätestens in fünf Jahren ist er dann allerdings mit Sicherheit wieder da. Ein Hoffnungsträger, in den Mühen der kommunalen Ebene gereift, während sich die parteiinternen Konkurrenten in der Marschkolonne des linken Ministerpräsidenten Wulf Gallert verkämpft und verschlissen haben. Obama kam aus Illinois, Rüdiger Erben wird aus Teuchern kommen. Und bereit sein, bereit für die ganz großen Aufgaben.

Zur wissenschaftlichen Vergleichsanalyse Deutschland vs. DDR: Stiftung Diktaturentest: Finde die sieben Unterschiede

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