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Donnerstag, 3. November 2011

Schwundgeld für Europa

Die Inflationsrate im Euro-Raum liegt seit elf Monaten in Folge über den von der Europäischen Zentralbank angestrebten maximal zwei Prozent, zuletzt betrug sie sogar drei Prozent. Doch die Europäische Zentralbank hat einen neuen Präsidenten. Mario Draghi ist auf Preisniveaustabilität geeicht, ein Zustand, der zu Zeiten der Bundesbank noch Geldwertstabilität hieß. Die ist erreicht, wenn Geld sich über ein Jahr gesehen nicht um mehr als zwei Prozent entwertet - ein Zustand, der derzeit nicht einmal im Bereich einer auch nur utopischen Möglichkeit ist.

Heute hat Mario Draghi, zu deutsch Mario Drachen, seine erste Sitzung als Chef der EZB geleitet. Und die Zinsen prompt auf 1,25 Prozent gesenkt. Der Realzins liegt damit bei -1,75 Prozent. Wer Geld borgt, zahlt weniger zurück als er bekommen hat. Das billige Geld, das Ursache der derzeitigen Krise war, wird noch einmal billiger: Es ist jetzt nicht mehr nur völlig kostenlos, nein, wer Geld verborgt, muss etwas dafür zahlen, wer welches haben will, bekommt etwas dafür. Wer sein Geld verborgt, hat also - grob überschlagen - von 10.000 Euro in nicht einmal hundert Jahren noch genau null Euro übrig, ohne einen einzigen ausgeben zu müssen. Und wer 10.000 Euro leiht, zahlt, wenn er nur alt genug wird, nicht einen Pfennig zurück und ist dennoch schuldenfrei.

Ein Schelm, wer dabei denkt. Etwa, dass die, die derzeit große Schulden haben und dennoch immer weiter leihen müssen, Staaten sind. Und die, die ihre Guthaben anlegen müssen, deren Bürger.

Erfunden hat das Konzept des Schwundgeldes, das eigentlich ein bisschen anders gemeint war, der belgische Ökonom Silvio Gesell, ein beinharter Vegetarier und begeisterter Esperanto-Sprecher, der 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg an einer Lungenentzündung starb, ohne seine Ideen noch verwirklicht sehen zu können. Gesell wäre stolz auf das neue Europa, das die Geldpresse öffentlich auf dem Marktplatz anwirft.

Schwundgeld in Schweden
Heise fragt auch: Geldwertstabilität adé

Kommentare:

Friedrich hat gesagt…

Ich bin mal so frei und verlinke auf mich:
http://mises.org/Community/blogs/fdominicus/archive/2011/02/03/my-predictions.aspx

Ich glaube auf das kann ich unbesorgt verlinken. Diese ganzen Bürokratien sind gemeine Enteignungskonstrukte und die EZB ist der große Gelddrucker....

ppq hat gesagt…

aber gern. ich hoffe nicht, dass du weiter recht behälst. aber ich fürchte, es wird so sein

FDominicus hat gesagt…

Nun ca 1,25 Jahre später können wir ruhig darauf zurückkommen. So wie ich das sehe waren Deine (und auch Meine) Hoffnungen vergebens. Und vieles von dem was ich mir schon ausdachte wird "umgesetzt".

Bargeldverbot, Geld drucken (egal wohin man schaut), Inflation die man so nicht nennen darf und die die speziell benötigen Dinge gar nicht berücksichtigt. Die USA die für jeden ausgegebenen Dollar ca 25 ¢ neue Schulden machen müssen.

Die Enteignungen in Argentinien, Bolivien, Kolumbien. Die Kapitalverkehrskontrollen in Argentinien etc pp.

Leider alles am passieren...