Google+ PPQ: Fremde Federn: Im Eiswind der Globalisierung

Montag, 19. März 2012

Fremde Federn: Im Eiswind der Globalisierung

Zwischen Passau und Paderborn, zwischen Kiel und Konstanz grummelt es in der deutschen Seele. Sie fürchtet sich vor der sozialen Kälte, beklagt den Eiswind der Globalisierung, den sie gar nicht spürt, und jammert, wie verrottet der Kapitalismus sei. Dass es ihr eigentlich gut geht - vielleicht so gut wie noch nie -, wen kümmert's? Achtundvierzig Prozent der Deutschen sind heute der Ansicht, der Kapitalismus sei nicht mehr zeitgemäß, vermeldet das Institut für Demoskopie in Allensbach. Die Gier der Banken, die Boni ihrer Banker hätten die Finanzkrise ausgelöst, in deren Folgen der Kapitalismus seine Maske verlor und uns heute mit der Fratze der Ausbeutung in Schrecken versetzt, so die allgemeine Seelenlage.

Der Wirklichkeit hält das Grundgefühl nicht stand: Im Kern ist die Euro-Krise keine Banken-, sondern eine Staatsverschuldungskrise. Und der Kapitalismus samt Globalisierung hat die Menschheit nicht ärmer, sondern reicher gemacht (was nicht heißt, dass wir unsere Hände in den Schoß legen sollten). Lebten 1990 noch 43 Prozent der Weltbevölkerung von weniger als 1,25 Dollar am Tag, so sind es heute nur noch 22,4 Prozent. 2002 lag das Bruttoinlandsprodukt der Welt - nach wie vor der Hauptindikator für den Wohlstand eines Landes - bei 33 Billionen Dollar, acht Jahre später schon bei 63 Billionen. In Deutschland hat sich der Wohlstand ebenfalls vermehrt, in den neuen Bundesländern am deutlichsten. Dort hat sich das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdreifacht.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

1912 hatten Fabrikanten das Privileg, Arbeiterkinder totzufahren, weil Arbeiter sich kein Auto leisten konnten. Heute, dank Kapitalismus, können sie endlich Rache nehmen.

Karl_Murx hat gesagt…

"Der Wirklichkeit hält das Grundgefühl nicht stand: Im Kern ist die Euro-Krise keine Banken-, sondern eine Staatsverschuldungskrise."

Dieses Thema hatten wir doch schon des langen und breiten behandelt: Abgesehen von Sonderfällen wie Griechenland ist diese Euro-Krise keine Staatsverschuldungskrise, sondern eine Folge der massiven Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb der Euro-Zone, die sich dann notwendigerweise in einer massiven Überschuldung der Defizitländer im öffentlichen und im privaten (Unternehmen + Haushalte) auswirkt. Zur Staatsverschuldungskrise in einigen Ländern ist es dann real erst gekommen, als die Staat dann die privaten in öffentliche umwandelte, wie z.B. die Verstaatlichung von Unternehmen wie HRE oder über das Gelddrucken in den USA durch die FED, um das Kollabieren des aufgeblähten Finanzsektors bzw. das Abrutschen der Wirtschaft in die Depression zu verhindern. An solchen dieser Krise unterliegenden Ursachen kommt niemand vorbei, der gedenkt, das Übel an der Wurzel zu packen.

"Und der Kapitalismus samt Globalisierung hat die Menschheit nicht ärmer, sondern reicher gemacht (was nicht heißt, dass wir unsere Hände in den Schoß legen sollten). Lebten 1990 noch 43 Prozent der Weltbevölkerung von weniger als 1,25 Dollar am Tag, so sind es heute nur noch 22,4 Prozent ..."

Ich persönliche befürworte das marktwirtschaftliche Wirtschaftssystem und bin deswegen kein Anhänger der Planwirtschaft. Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die wir seit einigen Jahren erleben, demonstriert sehr anschaulich, daß diesem System Tendenzen inhärent sind, die es an die Grenzen seiner Belastbarkeit und zur Selbstzerstörung treiben, wenn der Staat diesen Entwicklungen nicht massiv entgegensteuert. Wenn ich z.B. für ein Mindestlohn und für andere Maßnahmen zur Verhinderung der Einkommensspreizung zwischen unteren und oberen Einkommenssegmenten plädieren, tue ich das nicht wegen meinem guten Herzen oder weil ich mein Herz für die Unterdrückten und Ausgebeuteten dieser Erde entdeckt habe, sondern weil ich die Funktionsfähigkeit des Systems als Ganzes erhalten möchte. Was habe ich davon, wenn ich durch staatlich induzierte Maßnahmen die Zuwächse der Realeinkommen im Land drossele und die Nachfrage des Binnenmarktes damit drossele, wenn ich das geschaffene Sozialprodukt nicht "räumen", sprich das Niveau von Konsum und damit verbundenen Investitionen nicht halten kann. Die hiesige Exportwirtschaft wird durch die so erzeugten komparativen Kostenvorteile sicher damit Erfolge erzielen können. Wenn ich damit aber zu den oben erwähnten Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse beitrage, ruiniere ich damit meine Handelspartner und erzeuge Kapitalströme wie Target2. Dann sind die Handelspartner am Ende überschuldet, und ich sitze auf einem Berg von wertlosen, weil uneinlösbaren Forderungen. Am Ende bin ich dann auch Verlierer, wenn auch erst in der 2. Runde.

ppq hat gesagt…

hallo karl, halte ich soweit für korrekt, was du schreibst. das problem ist nur, dass eben nicht alle gleichzeitig exportüberschüsse erwirtswchaften können - weshalb wir immer in dieselbe falle laufen müssen, nur eben entweder schnell oder langsamer.

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"hallo karl, halte ich soweit für korrekt, was du schreibst. das problem ist nur, dass eben nicht alle gleichzeitig exportüberschüsse erwirtswchaften können"

Genau das ist der Punkt.

"- weshalb wir immer in dieselbe falle laufen müssen, nur eben entweder schnell oder langsamer."

Eben gerade nicht. Muß unser Ziel nicht sein, solche auftretenden Ungleichgewichte zu vermeiden und auf ausgeglichene Handels- und Leistungsbilanzen achten? Und zwar nicht dergestalt, daß wir bei Überschüssen künstlich unsere Exporte drosseln, sondern die Importe steigern? Deutschland soll ja viel exportieren, weil das Jobs und Einnahmen schafft und die Industrie in Gang hält. Wenn aber dann durch Dinge wie von mir erwähnt anhaltende und massive Überschüsse entstehen, sollen die nicht in einer Spirale nach unten, sondern nach oben abgebaut werden, also gleicheitig dem Handelspartner Gelegenheit verschafft werden, sich seinen Konsum und seine Käufe bei uns durch mehr Einkommen und nicht durch Verschuldung leisten zu können. In den 60er Jahren, als Karl Schiller sein Gleichgewichtsgesetz durchbringen konnte ("Magisches Viereck") kannte man noch die Bedeutung von ausgeglichenen Leistungsbilanzen für die Wirtschaft.

ppq hat gesagt…

halte ich für unmöglich, denn das liefe auf eine weltplanwirtschaft hinaus. sowenig der fc bayern, führt er 7:0, den gegner bis auf drei tore rankommen lässt, nur damit das publikum mehr spannung bekommt, sowenig wird D (oder China oder Indonesien) durch gezielte ankäufe meintwegen griechischer oder spanischer waren für einen ausgleich der handelsbilanzungleichgewichte sorgen. und mal ehrlich: welche waren sollten das auch sein, die wir dort kaufen?

Teja hat gesagt…

Wir könnten ja den ganzen Exportschrott verschenken. Da spart man die Schuldenschnitte.

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"halte ich für unmöglich, denn das liefe auf eine weltplanwirtschaft hinaus."

Ist das von mir erwartete Standardargument, das in solchen Fällen selbst von Leuten kommt, mit denen ich sonst auf einer Wellenlänge liegt. Es ist ja auch nicht beabsichtigt, Firmen den Export zu verbieten oder ihnen das zu befehlen. Wenn man sich aber schon mal entschließt, mit anderen Staaten einen Währungsverbund einzugehen, und das haben wir in der Eurozone, dann muß man darauf achten, daß die wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb dieses gemeinsamen Währungsgebietes nicht zu groß werden. Sonst fliegt einem der Laden um die Ohren, wie wir gerade erleben.

Ich bin ein absoluter Gegner einer Wirtschaftsregierung oder eines Super-Staates namens Vereinigte Staaten von Europa, wie die EU-Kommission demnächst genannt zu werden wünscht und die mit demselben undemokratischen Mitteln der letzteren einen Einheitsbrei aus Europa machen will. Man kann aber mit fiskalischen Maßnahmen entstehenden oder sich abzeichnenden Ungleichgewichten entgegenwirken. Z.B. hätte eine Steuer- oder Abgabensenkung hierzulande im unteren bis mittleren Einkommensbereich, wo die Sparquote nicht so hoch ist, eine deutliche Auswirkung auf den Konsum, der notwendigerweise, schon auf Grund der europaweit verteilten Wertschöpfungskette, einen Anstieg der Importe bewirken würde. Bei Defizitländern, die zuviel einführen, würde eine Anhebung der Mehrwertsteuer diesem Effekt entgegenwirken. Auch andere steuerliche Maßnahmen, wie z.B. die gleichzeitige Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten in solchen Ländern, würden die Mittel vom Konsum hin zu Investitionen lenken. Die Möglichkeit hier wären vielfältig; entscheidend wäre der gemeinsame Wille der Euro-Mitgliedsländer, das zu tun. Es kann auch nicht das Ziel sein, punktgenau ausgeglichene Haushalte herzustellen. Aber den Trend dazu könnte man erreichen, wodurch man von diesen großen und zerstörerischen Leisungsbilanzungleichgewichten wegkäme.

"sowenig wird D (oder China oder Indonesien) durch gezielte ankäufe meintwegen griechischer oder spanischer waren für einen ausgleich der handelsbilanzungleichgewichte sorgen."

Mit China und Indonesien haben wir ja auch keinen Währungsverbund, wo solchen Handelsungleichgewichten früher oder später Währungskursänderungen folgen, die solchen Trends entgegenwirken. Mit Ländern wie Griechenland oder Spanien schon.

"und mal ehrlich: welche waren sollten das auch sein, die wir dort kaufen?"

Ich könnte dir durchaus einige Zweige der griechische Realwirtschaft nennen, die hier nachgefragt werden könnten, wenn das Land auch nicht eine solche starke industrielle Basis hat wie wir. Das wären die chemische und pharmazeutische Industrie, die Nahrungsmittelindustrie, die Werten (wo Griechenland sogar einen weltweit guten Stand hat). Dazu natürlich die Landwirtschaft, die einen rel. großen Anteil der Exportwirtschaft ausmacht. Man könnte hinzufügen Erdöl und demnächst Erdgas, wenn Griechenland demnächst im Verbund mit Israel anfangen wird, die vor kurzen entdeckten Erdgasvorkommen vor seiner Küste auszubeuten. Auch die Energiewirtschaft hätte dort einen großen Potential, was Sonne und Windkraft angeht.

Aber eine der Haupteinnahmequellen der griechischen Wirtschaft ist immer noch die Tourismusindustrie (14,9 Mio Übernachtungen wohl im letzten Jahr). Die hat durch die stattgefundenen Preissteigerungen der letzten Jahre allerdings gegenüber Konkurrenten wie der Türkei stark an Boden verloren, ohne die Möglichkeit zu haben, die Währung wie in der Vergangenheit abwerten zu können. Euro ist nun Euro. In Kombination mit den gedrosselten Realeinkommenszuwächsen in D hat das den Griechen erhebliche Einkommenseinbußen gebracht, sowohl von den Besucherzahlen als auch der durchschnittlich pro Nase dabei ausgegebenen Geldsumme. Man kann sagen, daß durch das Lohndumping der letzten Jahren jeder Deutsche im Schnitt zwei Wochen zu wenig in der Aegäis gefaulenzt und Geld ausgegeben hat.

Karl_Murx hat gesagt…

"Wir könnten ja den ganzen Exportschrott verschenken. Da spart man die Schuldenschnitte."

Haben wir doch schon. Die Exportüberschüsse der deutschen Industrie sind ja in großen Teilen hierzulande nicht konsumiert oder investiert worden, sondern wurden im Finanzsektor angelegt und per Banksystem als Kredit in die Defizitländer weitergereicht. So z.B. in den amerikanischen Subprimemarkt oder solchen Finanzinnovationen wie den Lehman-Zertifikaten. Deren Werthaltigkeit ist im Lauf der Finanz- und Wirtschaftskrise inzwischen verdampft. Absurder und größer kann Vermögensvernichtung nicht sein. Als Gegenleistung für das Realkapital in Form exportierter PKW und Maschinen haben wir die bedruckten Papierchen erhalten, die heute als toxischer Finanzmüll in den Bilanzen einheimischer Unternehmen (wahlweise Bad Banks wie der HRE) der Abschreibung harren oder schon abgeschrieben sind. Mit dem gleichen Effekt hätten wir die Kfz-Produktion der einheimischen Automobilindustrie vor Long Island ins Meer kippen können, Forderung an Neptun.

ppq hat gesagt…

du täuschst dich meines erachtens nach dahingehend, als du vernachlässigst, dass die ungleichgewichte die triebkräfte des ganzen systems sind. der versuch, die ungleichgewichte mit staatlichen massnahmen auszugleichen, läuft darauf hinaus, die triebkräfte zu neutralisieren. währungsverbund hin oder her, aus dem ungleichen entspringt der fortschritt, aus dem fortschritt der wohlstand. und das selbst dort, wo er gemessen am höchstmaß sehr viel niedriger ist.

derherold hat gesagt…

Lieber, @Karl_Murx, gibt es irgendein Thema, bei dem Sie sich auskennen ? Sie müssen irgendwann/-wo/-wie doch einmal berufstätig gewesen ein.

"So z.B. in den amerikanischen Subprimemarkt oder solchen Finanzinnovationen wie den Lehman-Zertifikaten.."

Als deutsche STAATSbanken in den USA "investierten", gab es keine relevanten HB-Überschüsse.

Wo ist der Zusammenhang zwischen deutschem HB-Überschuß und griech. Verschuldung ? Erklären Sie uns einfach die Wirkungskette HB-Überschuß gg. über UK, USA, China und der griech. Verschuldung.

... oder wie Griechenland jährlich mit rd. 1,5 Mrd. Euro zusätzlichem HB-Defizit gg.über D. ein Importwachstum von 20 Mrd. "finanziert" hat.

Wie kommt es, daß Skandinavien pro Kopf einen doppelt so hohen HB-Überschuß hat wie D. ? Haben die nicht Flaßbeck gelesen ?

ppq hat gesagt…

lehman-zertifikate sind so eine art code für "hab ich nicht verstanden"

das klingt immer so gut nach "die sind wegen dieser teufels-zertifikate pleitegegangen"

dabei war es eigentlich wie bei der depfa - langfristige finanzierungen mit kurzfristigen krediten. so lange das eine billiger ist als das andere, ist das ein prima geschäft - das sieht man ja gerade wieder in ganz europa, wo alle für 2 jahre bei der ezb aufnehmen, um italien für die nächsten 5 jahre zu finanzieren.

aber wenn das kurze geld teurer wird als das lange abwirft... dann wirft es auch den reiter dieser art finanzierung ab

das werden wir auch noch mal sehen, jede wette

Anonym hat gesagt…

Dass es ihr eigentlich gut geht - vielleicht so gut wie noch nie -, wen kümmert's?

Den Autor jedenfalls nicht.
"Reallohnverlust" der Rentner in den letzten Jahren: 9 %

Karl_Murx hat gesagt…

@derherold:
"Lieber, @Karl_Murx, gibt es irgendein Thema, bei dem Sie sich auskennen ? Sie müssen irgendwann/-wo/-wie doch einmal berufstätig gewesen ein."

In der Tat. Und gibt es irgendein Thema, wo man von Ihnen keine arrogant-flapsigen Antworten bekommt? Dieses Übermaß an überheblicher Besserwisserei geht mir echt auf den Zeiger. Wir haben ja alle nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Aber wer mir mit seinem Zeigefinger in meiner Nase herumbohrt, der sollte das wenigstens in einem angemessenen Ton tun, und vor allem mit entsprechenden Argumenten.

"Als deutsche STAATSbanken in den USA "investierten", gab es keine relevanten HB-Überschüsse."

Von welcher Zeit reden wir? Ich von der Zeit nach der Einführung der Agenda-Politik, wo die Überschüsse massiv anstiegen und um 2008 Werte von bis 8 % des BIP erreichten. Das nenne ich relevant.

"Wo ist der Zusammenhang zwischen deutschem HB-Überschuß und griech. Verschuldung ? Erklären Sie uns einfach die Wirkungskette HB-Überschuß gg. über UK, USA, China und der griech. Verschuldung."

Bei Ihrer überragenden ökonomischen Kompetenz sollte Ihnen doch Begriffe wie die terms of trade sowie die Folgen von HB-Ungleichgewichten bekannt sein. Deutschland hat mit seiner Lohndumpingpolitik systematisch die im Euroraum vereinbarten Zielinflationsraten unterlaufen; es hat unter seinen Verhältnissen gelebt. Griechenland hat das Gegenteil getan und hatte Preissteigerungsraten, die wesentlich über denen Deutschlands lagen. Wenn aber ein Land, was ohnehin schon immer eine laxe Finanz- und Verschuldungsmoral hatte, dessen Industrie- und Exportsektor nicht übermäßig ausgeprägt ist und das sich (unter Vorspiegelung falscher Tatsachen) in den gemeinsamen Euroverbund drängelt, können die Ergebnisse nicht anders als lang anhaltende und massive Defizite sein.

Auch wenn es etwas wehtut: Hier mal die Schrift von Flaßbeck, wo diese Mechanismen sehr anschaulich beschrieben sind. Ich kann nur wärmstens empfehlen, dessen Inhalt irgenwann zur Kenntnis zu nehmen, nachdem Sie ausgiebig in die Tischkante gebissen haben.
http://www.boeckler.de/wsimit_2005_12_flassbeck.pdf

Zum Thema der anderen Länder: Da wirken die gleichen ökonomischen Mechanismen, wenn es auch andere konkrete Bedingungen gibt. Die USA haben zwar auch große Defizite mit uns und mit Japan; das größte haben sie aber mit China. Da gibt es allerdings noch die verschiedenen Währungsräume, wobei China seinen staatlichen Einfluß auf den Renminbi nutzt und diesen in der Vergangenheit künstlich niedrig hielt, obwohl der Kurs des Renminbi hätte längst steigen müssen. UK ist ein Fall für eine weitestgehende Deindustrialisierung und die Konzentration auf den tertiären sprich den Finanzsektor; gäbe es den Standort London nicht, sähe es für das Land trübe aus.

"... oder wie Griechenland jährlich mit rd. 1,5 Mrd. Euro zusätzlichem HB-Defizit gg.über D. ein Importwachstum von 20 Mrd. "finanziert" hat."

Wir haben mit so gut wie allen europäischen Ländern Überschüsse, nicht nur mit Griechenland.

"Wie kommt es, daß Skandinavien pro Kopf einen doppelt so hohen HB-Überschuß hat wie D. ?"

Welche skandinavischen Länder sind gemeint? Sollte Norwegen dabei sein, möchte ich diskret an die Öl- und Erdgasvorkommen des Landes erinnern, die enorme Devisengewinne bringen. Wird übrigens immer Rußland vorgeworfen, daß es so gemein ist, von seinen natürlichen Ressourcen zu profitieren.

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"du täuschst dich meines erachtens nach dahingehend, als du vernachlässigst, dass die ungleichgewichte die triebkräfte des ganzen systems sind."

Das ist ein Mißverständnis. Diese Ungleichgewichte sind nicht die Triebkräfte des Systems, sondern dessen Folgen, wenn die Parameter so eingestellt sind wie von mir beschrieben. Die Triebkräfte zum Wirtschaften und zum Handeln, auch mit anderen Ländern, sind unverändert immer das Streben nach Gewinn und der Austausch von Gütern, die man entweder billiger bekommt oder nicht selbst produziert.

"der versuch, die ungleichgewichte mit staatlichen massnahmen auszugleichen, läuft darauf hinaus, die triebkräfte zu neutralisieren. währungsverbund hin oder her, aus dem ungleichen entspringt der fortschritt, aus dem fortschritt der wohlstand. und das selbst dort, wo er gemessen am höchstmaß sehr viel niedriger ist."

Ebenfalls ein Mißverständnis. Sicher sind die Volkswirtschaften sowohl innerhalb Europas als auch weltweit höchst unterschiedlich, wie auch deren Leistungsfähigkeit. Aber das war in der Vergangenheit schon immer so, speziell in der Zeit nach 1945, ohne daß es in Europa zu solch fundamentalen Krisen wie jüngst gekommen wäre, die bis zur drohenden oder tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit ganzer Staaten führen. Da gab es eben noch die unterschiedlichen Währungsräume, die bei solchen auftretenden Ungleichgewichten eine ausgleichende Wirkung hatten, bzw. da gab es bis 1973 das System von Bretton Woods, wo der US-Dollar als Leitwährung definiert wurde und wo alle anderen Währungen ein fixes Verhältnis dazu hatten. Die Mitgliedsländer verpflichteten sich, durch Devisenverkäufe und -ankäufe diese vereinbarten Wechselkurse im Rahmen einer geringen Schwankungsbreite stabil zu halten. Das brachte den Vorteil, daß die Währungskurse und damit die Kalkulationen der Unternehmen sicherer wurden und das Risiko von Unternehmen entsprechend senkten.

Die unterschiedlichen Entwicklungen der Nachkriegszeit wie auch die verschiedenen Preisentwicklungen, vor allem als die USA für den Vietnam-Krieg hohe staatliche Ausgaben hatten und damit die Inflation anheizten, was über den Umweg der festen Kurse auch in D für verstärkte Inflation sorgte sowie für erhebliche Leistungsbilanzüberschüsse, wurde dieses System dann Anfang der 70er aufgegeben. Danach ging man zum System der flexiblen Wechselkurse über, was zwar ein Ausgleichmechanismus gegen sich aufhäufende HB-Ungleichgewichte war, gleichzeitig aber auch die Berechenbarkeit von Investitionen verschlechterte.

Das Problem an der Euro-Zone, die so verschiedenartige Volkswirtschaften vereint, ist das Fehlen von Ausgleichsmechanismen, die an die Stelle der frei floatenden Wechselkurse treten. Deutschland hat allerdings auf Grund seines ökonomischen Gewichts (bis 20 % Anteil am Weltmarkt in einzelnen Branchen) die Potenz, den europäischen Handelspartnern die eigene Wirtschaftspolitik aufzudrücken. Wenn aber ein so wirtschaftlich leistungsfähiges Land Lohndumping betreibt, d.h., die vereinbarten Zielinflationsraten unterläuft, dann stellt sich die Frage, wie wesentlich schwächere Länder wie GR unter Beibehaltung der gemeinsamen Währung gegen eine solche Politik bestehen können. Schon stärkere Länder haben hier zu kämpfen; bei Ländern wie GR muß es dann irgendwann crashen, oder aber es wird von den anderen Ländern daueralimentiert.

ppq hat gesagt…

@karl: ich diskutiere ja gern sinnlos rum, aber ein satz wie "Diese Ungleichgewichte sind nicht die Triebkräfte des Systems, sondern dessen Folgen" macht es schwer. ungleichgewichte sind folgen des systems?

folge mir mal kurz: stell dir 20 leute vor. und jetzt stell dir vor, dass du 20 leuten je 20.000 euro gibst. und jetzt stell dir ein jahr vor. und jetzt, dass es vorüber ist. und nun, dass du die 20 leute wiedertriffst

was meinst du, wieviele haben noch 20.000 euro? wie viele haben mehr? wie viele weniger? wie viele nichts mehr?

und nun die spannende frage: ist das ergebnis abhängig vom herrschenden wirtschaftssystem?

Volker hat gesagt…

Kurt, ich war fast geneigt Flaßbeck anzuklicken - bis ich das boeckler sah.
Das ist jetzt sicher unwissenschaftlich und ungerecht und unsachlich und unallesmögliche, aber ich werde garantiert nie mehr was anfassen wo Böckler draufsteht.

Nicht jeder von Kommunisten geschriebene Satz ist falsch. Aber falsch ist garantiert die Richtung, die Konklusion. Der Trick ist der (wie von PPQ angedeutet), dass die zwar unaufhörlich von Entwicklung (und Synonymen davon) reden, tatsächlich aber am liebsten die Welt in Kunstharz gießen wollen. Da ist dann alles auf seinem Platz, keiner tut dem anderen was zu leide, alle sind gücklich.
Rauschen heute noch Wind und Ströme, Donner und Hagel ihren undurchschaubaren Weg, tappt das Glück unter die Menge und greift bald des Knaben lockige Unschuld, bald den kahlen schuldigen Scheitel – so wird alles enden in Friede, Freude, Eierkuchen, wenn wir die Sozialingenieure nur mal machen ließen.

Ich habe das alles mal geglaubt. Heute bin ich weg davon. Und wie das so ist, die Bekehrten sind die Fanatischsten.
Ich habe früher die Bücher von Friedrich Engels ganz gern gelesen. Es ist (das weiß ich heute) nicht das gelbe vom Ei. Aber immerhin hat er sich noch mit der Frage nach den Triebkräften (von ihm „Agenzien“ genannt) auseinandergesetzt. Davon hören wir von den zeitgenössischen Kommunisten nichts mehr. Die haben vergessen, dass wir irgendwo herkommen. Die können nicht sagen, warum die Menschen heute nicht mehr auf Bäumen leben. Und warum mal jemand mit dem Schiff auf´s weite Mehr nach Westen gefahren ist, in der wahnsinnigen Hoffnung irgendwann Land zu sehen.
Die Frage nach den Triebkräften wird heute nachgerade unterdrückt. Aber wenn diese Triebkräfte (z.B. die PPQ genannten) plattgemacht werden, dreht sich kein Rad mehr und kein Stein bleibt auf dem anderen.

Der Krieg ist der Vater der Dinge meinte der nicht auf den Kopf gefallene Heraklit. Das mit dem Krieg muss nicht unbedingt sind, aber der Kampf ums Dasein, wenigstens Wettbewerb hält den Laden am Laufen.

ppq hat gesagt…

volker, ich danke dir. ich fühle mich verstanden. und verstehe dich, weils mir so ähnlich geht/ging

derherold hat gesagt…

"...bis ich das boeckler sah..."

@Volker, nicht immer. Ich kann mich erinnern, das *boeckler* auch mal mäßigend reagierte, als dem DIW bei einer "Studie" wieder einmal die Sicherungen durchgebrannt sind.

"...nach der Einführung der Agenda-Politik..."

Die Entscheidungen, die Staatsbanken in den USA "investieren" zu lassen, sind 2001/02 getroffen worden (*Brüsseler Konkordanz*). Die bis 2005 vorgenommenen "Investitionen" haben weder etwas mit HartzIV, noch mit "Überschüssen" zu tun.

Skandinavien heißt: Swe, DK, Nor. Ähnlich sieht es in NL aus.
Norwegens (Pro-Kopf-)HB-Überschuß ist >2,5-mal, Schwedens zweimal groß wie in D.

"Wird übrigens immer Rußland vorgeworfen...

Exakt genau DAS müßte Ihrer Meinung nach Flaßbeck tun: Norwegen und Rußland sollen ihre Löhne so hoch anheben, bis sie keinerlei HB-Überschüsse mehr haben. :-)

derherold hat gesagt…

Original Flaßbeck: "weil die Löhne in Ostdeutschland ohne jeden Kontakt zur dortigen Produktivität
rasch an das Westniveau angeglichen
werden sollten.."

Kurios, oder ?
Während an der Irren-Nummer festgehalten wird, die DDR_nA hätte eine Sonderwirtschaftszone mit Löhnen wie in Weißrußland werden sollen, wird "überraschenderweise" in Sachen Gre/Portugal "Produktivität" vergessen und von HB-Überschüssen geredet.

Flaßbeck:
"Darüber hinaus
müssten sie aber erklären, wie es
kommt, dass das seit vielen Jahren zu beobachtende Zurückbleiben der Löhne zwar die deutsche Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt hat, Deutschland aber gleichzeitig
noch weiter vom Ziel der Vollbeschäftigung
entfernt hat."

Ja, Heiner, Deutschland ist also 2012 weiter von der Vollbeschäftigung entfernt als 2002 ?

Griechenland und Portugal haben sich Wohltaten erlaubt (Löhne, Renten, Fremdarbeiter), die nicht von der Produktivität gedeckt waren. Ermöglicht wurde dies durch Verschuldung: als die Blase platzte, kam es zu den erkennbaren Ergebnissen.

*ppq* hat völlig recht.
Die Staatsverschuldung gerade in den vorbezeichneten Ländern läßt das Vertrauen "aller Wirtschaftssubjekte" schmelzen, der Geld(zu)fluß stockt. Wenn die Löhne nicht angepaßt werden können (was sie nicht können !), kommt es zu hoher Arbeitslosigkeit ... wenn, wie in GRE die Politik dann noch "auf Zeit" spielt, werden die einheimischen WiSubj verunsichert und sie bunkern Kohle: Rückgang des BSP.

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"ich diskutiere ja gern sinnlos rum, aber ein satz wie "Diese Ungleichgewichte sind nicht die Triebkräfte des Systems, sondern dessen Folgen" macht es schwer. ungleichgewichte sind folgen des systems?"

ppq, wollen wir nicht erst mal die Kategorien klären, über die wir diskutieren? Ich rede von entstandenen HB-Ungleichgewichten, die den Euro auf eine Zerreißprobe stellen und bereits dazu beigetragen haben, schwächere Glieder dieses Euro-Raumes wie Griechenland wirtschaftlich auszuknocken. Ich habe mir den Mund fußlig geredet, um darzulegen, welchen Ursachen diesen Ungleichgewichten unterliegen und welche Folgen hinsichtlich der Verschuldung der Defizitländer sie haben bzw. welche negativen Auswirkungen auch auf die Überschußländer. Flaßbeck, der von mir aus links eingestellt sein mag, was ich nicht bin, betreibt hier eben keine Propaganda, sondern beschreibt die volkswirtschaftlichen Prozesse anschaulich.

Jetzt dein Satz:

"du täuschst dich meines erachtens nach dahingehend, als du vernachlässigst, dass die ungleichgewichte die triebkräfte des ganzen systems sind. der versuch, die ungleichgewichte mit staatlichen massnahmen auszugleichen, läuft darauf hinaus, die triebkräfte zu neutralisieren."

Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich interpretiere deinen Satz dergestalt, daß du fiskalische, also staatliche Maßnahmen ablehnst, um diesen entstandenen Ungleichgewichten, die du (wie ich der Meinung war) auch als schädlich erkennst, entgegenzuwirken. M.a.W., die PIIGS-Länder, die in den letzten Jahren, animiert durch die billigen Euro-Kredite, hohe Schulden angehäuft haben, müssen jetzt aus eigener Kraft ihre Wirtschaft effizient und konkurrenzfähig bekommen, um dann in der Exportwirtschaft mithalten und dann entsprechend mehr im Ausland, also auch bei uns, verkaufen zu können. Ergebnis des ganzen wären dann also geringere Handelsungleichgewichte.

Das war ja auch das Argument derjenigen, die auch wirtschaftlich schwache Länder mit einer laxen Steuermoral wie GR in den Euroverbund gelassen haben. Die vertraten die Meinung, daß das ausreichend Druck auf solche Länder ausüben würde, ihre Wirtschaft effizienter zu machen. Erlebt haben wir etwas anderes.

Aber das Kernproblem, worauf ich hinauswill: Wenn du staatliche Maßnahmen wie von mir vorgeschlagen ablehnst, dann müßtest du konsequenterweise gegen staatliche Maßnahmen wie die Agendapolitik sein. Oder sind das etwa keine markt- bzw. systemverzerrenden staatlichen Eingriffe, wenn man den Unternehmen gestattet, ganze Teile ihrer festen Belegschaft gegen Zeit- und Leiharbeiter auszutauschen, wenn man insgesamt einen riesigen prekären Niedriglohnsektor schafft mit Stundeneinkommen, die teilweise über Steuermittel auf Hartz-IV-Niveau aufgestockt werden müssen? Mit solchen staatlich initiierten Maßnahmen hat man einen enormen Druck auf die Entwicklung der Realeinkommen ausgeübt. Die Entwicklung der Produktivität, die ja ständig stattfindet, ist damit der Entwicklung der Realeinkommen enteilt, was ohne diese Agendamaßnahmen so nicht stattgefunden hätte. Gleichzeitig hat man damit die in Europa vereinbarte Zielinflationsrate unterlaufen und vor allem den exportierenden Unternehmen über die Entwicklung der Lohnstückkosten große Vorteile verschafft gegenüber den Unternehmern in den Ländern, wo es eine solche Agendapolitik nicht gegeben hat. Dort hat man freilich teilweise, wie in GR, über seine Verhältnisse gelebt und die Einkommen bzw. die Lohnstückkosten wesentlich stärker steigen lassen. Hier stellt sich die Frage, ob solche Länder politisch und strukturell jemals fähig und bereit sein werden, in einem Währungsverbund mit entwickelten Ländern existieren zu können.

Daß die Agendapolitik im Endeffekt eine Senkung des Wohlstandes hier in D gebracht hat, muß ich wohl nicht extra erklären. Mein Argumentation läuft aber darauf hinaus: Hätten wir hier in Deutschland eine Einkommensentwicklung wie vor der Agendapolitik gehabt, gäbe es in der Eurozone einige Probleme weniger.

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"lehman-zertifikate sind so eine art code für "hab ich nicht verstanden"

Was verstehst du denn unter leman-zertifikate?

Für mich sind es hochspekulative Konstruktionen der amerikanischen Finanzindustrie, wo Anleger mit hohen Zinsversprechen dazu verlockt wurden, ihr Geld dort zu investieren. Was sind die denn heute noch wert?

Gleichzeitig waren sie ein Vehikel, um Kapital aus den Überschußländern wie Deutschland in chronische Defizitländer wie den USA zu locken. Die Defizite kommen einerseits aus dem Staatshaushalt. Der ist bzw. war lange nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem war die Verschuldung im privaten Sektor wie den Haushalten und den Unternehmen. Der Konsum in den USA war jahrzehntelang chronisch zu hoch, gemessen an den Einkommen. Da es aber in den USA, wie in Großbritannien, schon sehr lange einen Prozeß der Abwanderung von Industriearbeitsplätzen gegeben hatte, blieb dann der Ausweg des "tertiären" Sektors, also der Finanzindustrie. Dort werden zwar auch einige Arbeitsplätze geschaffen. Aber letzten Endes werden im Finanzsektor keine realen Werte wie Waren und Dienstleistungen geschaffen, sondern es werden nur Finanztitel bzw. verschiedene Formen des Geldes umverteilt bzw. über den Aufbau von Kreditketten neu konstruiert. Diese Finanztitel verkörpern aber einen Anspruch auf Realgüter, die aber lediglich in der Sphäre der Realwirtschaft entstehen.

Um das Niveau des Konsums in den USA aufrechterhalten zu können, blieb also nur die Verschuldung übrig, und die hat im privaten Bereich exzessiv stattgefunden. Die kreative amerikanische Finanzindustrie hat dort, z.B. über die Erfindung des Subprime-Sektors, erheblich dazu beigetragen. Der Hypothekenmarkt sowie die laxe Moral bei der Vergabe von Krediten auch an kaum solvente Kunden diente dabei als Vehikel.

Das Ergebnis war also ein um ein Mehrfaches stärkeres Wachstum des Finanzsektors gegenüber der Realwirtschaft. Die so entstandenen Kreditkettenpyramiden, also gegenseitige Zahlungsversprechen, hinter denen nur andere Zahlungsversprechen standen, konnten kumulativ überhaupt nicht mehr eingelöst werden. Diese aufgehäuften Pyramiden mußten denn auch bei der ersten Schwäche des Immobilienmarktes, auf denen sie hauptsächlich beruhten, zusammenbrechen. So wie eine Runde in der Kneipe, wo der eine dem anderen immer noch einen mehr ausgibt, bis einer auf die Idee kommt zu sagen: "Zahlen bitte!"

Ganz ohne Makroökonomie kommen wir bei der Untersuchung dieser Prozesse nicht aus.

derherold hat gesagt…

"...staatliche Maßnahmen ablehnst, um diesen entstandenen Ungleichgewichten ..."

Die Ungleichgewichte bestehen darin, daß

- Griechenland sich mit einer Wirtschaftsleistung wie Rumänien Löhne wie in der Schweiz gezahlt hat - inkl. 200.000(?) Fremdarbeitern aus Albanien, Kosovo, Makedonien, die für den neuen wohlhabenden Griechen die einfachen Arbeiten erledigen sollten,
- GRE von 2002 bis 2008 jedes Jahr ein (Schulden-)Wirtschaftswunder hinlegte mit BIP-Wachstumsraten von 4-5%,
- Spanien unter Zapatero innerhalb von fünf Jahren VIER MILLIONEN Einwanderer in das Land geholt haben, die nach Platzen des Baubooms den Arbeitsmarkt zertrümmern und
- Deutschlands "verrohte Mittelschicht" (Jutta_v_D) zwar mehrere Millionen Einwanderer ins Land geholt hat, diese aber nicht durch "Teilen" versorgte, sondern durch Plündern der staatl. Investitionshaushalte und in Konkurrenz zu der einheimischen Unterschicht.

"...insgesamt einen riesigen prekären Niedriglohnsektor.."

Abgesehen davon, daß der so riesig nicht ist, muß man sich in Westdeutschland nicht beschweren: Man hat in den 80igern rauf/runter erklärt, daß Einwanderung einen gnadenlosen Konkurrenzdruck auf die armen Schweine ausüben wird ... insbesondere, weil die "Verrohten" gar nicht daran denken werden, den Neuankömmlingen gut bezahlte Arbeitsplätze (z.B. in den öffentl. Verwaltungen) freizuräumen.

Im übrigen haben "Niedriglöhne" mit "Wettbewerbsfähigkeit" wenig zu tun, da Löhne wie in der "Exportindustrie" paradiesische Verhältnisse für jedermann bedeuteten.

"Daß die Agendapolitik im Endeffekt eine Senkung des Wohlstandes hier in D gebracht hat..."
... ist falsch.


Mein Lieblingssatz von Flaßbeck
(Schweizer Tagesanzeiger vom 30.04.2010):
"Griechenland war das Land, will ich mal sagen, das am meisten in Maschinen und Ausrüstung investiert hat in den letzten zehn Jahren, mit Abstand am meisten in der gesamten Euro-Zone."

Überholen ohne einzuholen ! ... nur kann man das leider nicht an den Exporten erkennen. :(

ppq hat gesagt…

karl, ich zolle dir höchste anerkennung für dein bemühen, all das zu verstehen. aber es wäre hilfreich, wenn du dir vorher das wissen holen könntest, das es zum diskutieren dieser fragen braucht. deine "lehman-zertifikate" waren ein furz in der weltgeschichte, eine petitesse, die auch nicht davon wirkungsmächtiger wird, dass leute wie der dicke gabriel sie als erklärungsmonstranz bis heute vor sich hertragen.


"hochspekulative Konstruktionen der amerikanischen Finanzindustrie, wo Anleger mit hohen Zinsversprechen dazu verlockt wurden, ihr Geld dort zu investieren"?

frag mal den asmussen (findet du im blog). der hat die sachen als innovativ und unbedingt notwendig bezeichnet. wenn du mal kurz googelst, findest du auch raus, was zertifikate heute noch wert sind - da dezreit deutlich mehr als 500.000 verscheidene gehandelt werden, kommt es drauf an, welche du raussuchst ;-)

und lehman?
das gesamte volumen der an deutsche kunden verkauften zertifikate von denen (die von anderen banken in derselben form bis heute sehr erfolgreich gehandelt werden, weil die kunden eben gieirg sind und für höhere erträge auch höhere risiken eingehen) betrug nie mehr als höchstens 200 mio. der gesamte ausfall durch lehman lag weit unter 70 milliarden - gemessen an zahlen, mit denen wir heute hantieren, ein witz. zumal der überwiegende teil des betrages erst DURCH die insolvenz anfiel.
du ahnst, dass ich sonst dem herold recht gebe

"ein Vehikel, um Kapital aus den Überschußländern wie Deutschland in chronische Defizitländer wie den USA zu locken"? das glaubst du doch wohl selbst nicht. zur gleichen zeit sind die investitionen der amis in deutschland um ein mehrfaches vermehrt worden (die gute alte dollarangst) - davon konnte sich jeder anleger letzten august überzeugen, als die herren amerikaner über nacht beschlossen, nun mal angst vor dem euro zu haben und die kohle nach hause holten. der dax-chart der tage damals spricht bände.

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"karl, ich zolle dir höchste anerkennung für dein bemühen, all das zu verstehen."

Das ist sehr großzügig von dir, ppq.

"deine "lehman-zertifikate" waren ein furz in der weltgeschichte"

Zum Thema Lehman-Zertifikate sei abschließend gesagt, daß diese Finanzkonstruktion nur eine von vielen anderen ist. Sie wird nur gern als Beispiel für die Produkte des amerikanischen Finanzsektors genannt, die zur Zeit als toxischer, weil wertloser Finanzmüll in den Bilanzen deutscher wie europäischer Banken und Versicherungen schmoren und ihrer Abschreibung harren. Und zwar in nomineller Billionenhöhe. Was glaubst du, woher die schwarzen Löcher in den Bilanzen der Banken herkommen?

"frag mal den asmussen (findet du im blog). der hat die sachen als innovativ und unbedingt notwendig bezeichnet."

Etwa der SPD-Asmussen, der hinter der Öffnung und Modernisierung des deutschen Finanzmarktes, sprich also der Zulassung dieser Geldderivate und Finanzkonstruktionen steht? Und der Umstand, daß du das "innovativ und unbedingt notwendig (alternativlos) nennst: Das kann doch wohl nur ironisch gemeint sein?

"du ahnst, dass ich sonst dem herold recht gebe"

Ist nicht zu überlesen. Aber was sagst du zum Thema Auswirkungen HB-Bilanzungleichgewichte im Euro-Raum bzw. deren mögliche Beseitigung? Dieses Thema schneide ich nicht von ungefähr an, denn damit steht und fällt die Existenz des Euros. Entweder wir schaffen es, diese Ungleichgewichte zu vermindern, oder der Euro ist in der derzeitigen Form Geschichte. Ich bin kein Verteidiger des Euros. Aber ich möchte wissen, wie es weitergeht. Solche Kapitalströme wie Target2, wo die Forderungen der Bundesbank an die Notenbank von Ländern wie GR sich inzwischen auf nahezu 500 Mrd. Euro aufsaldiert haben, zeigen sehr deutlich, daß diese Fehlkonstruktion Euro inzwischen an den Rand der Belastbarkeit gekommen ist. Ich gehe davon aus, daß du nicht ewig Deutschland bzw. den deutschen Steuerzahler dieses System finanzieren lassen willst.

"das glaubst du doch wohl selbst nicht. zur gleichen zeit sind die investitionen der amis in deutschland um ein mehrfaches vermehrt worden (die gute alte dollarangst) - davon konnte sich jeder anleger letzten august überzeugen, als die herren amerikaner über nacht beschlossen, nun mal angst vor dem euro zu haben und die kohle nach hause holten. der dax-chart der tage damals spricht bände."

Eine Reaktion auf die ausgebrochene Krise. Aber willst du bestreiten, daß die USA seit vielen Jahren Kapitalimporteur sind und ohne den Zustrom von ca. 1 Mrd. US-$ täglich zahlungsunfähig wären? Bis Mitte der 60er Jahre waren sie noch Kapitalexporteur.

Karl_Murx hat gesagt…

@derherold:
"- Griechenland sich mit einer Wirtschaftsleistung wie Rumänien Löhne wie in der Schweiz gezahlt hat"

Das hatte ich so geschrieben, daß die PIIGS-Länder, insbesondere GR, im Gegensatz zu Deutschland über ihren Verhältnisse gelebt haben. Aber wenn sich wirtschaftliche Schwachmaten so etwas leisten, dann muß das in Überschuldung und finanziellen Crash enden, wenn wirtschaftlich wesentlich leistungstärkere Länder
wie Deutschland zusätzlich noch unter ihren Verhältnisse leben.

"- Spanien unter Zapatero innerhalb von fünf Jahren VIER MILLIONEN Einwanderer in das Land geholt haben, die nach Platzen des Baubooms den Arbeitsmarkt zertrümmern"

Auch hier ein Beispiel, wie die nach der Einführung des Euros plötzlich billig gewordenen Kredite nicht in die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft, sondern in den Konsum gesteckt wurden. Allerdings taugt Spanien nun gerade nicht als Beleg für die Behauptung, die gegenwärtige Krise resultiere aus der Staatsverschuldung. Vor Ausbruch der Finanzkrise war Spanien, was die staatliche Verschuldung angeht, gegenüber Deutschland geradezu ein Musterschüler, ebenso wie Irland. Es ist der private Sektor, konkret die inzwischen faulen Immobilienkredite, die das Hauptproblem Spaniens ausmachen. Ein Teil dieser Verschuldung ist inzwischen zwar staatlich geworden, weil die Wirtschaft sonst ganz gecrasht wäre. Aber der Brocken private Verschuldung ist Spaniens gefährlichstes und dringendstes Problem.

"- Deutschlands "verrohte Mittelschicht" (Jutta_v_D) zwar mehrere Millionen Einwanderer ins Land geholt hat, diese aber nicht durch "Teilen" versorgte, sondern durch Plündern der staatl. Investitionshaushalte und in Konkurrenz zu der einheimischen Unterschicht."

In der Tat leistet sich Deutschland inzwischen neben einem wachsendem einheimischen auch ein Millionenheer des auswärtigen Präkariats, das in großen Teilen von Sozialtransfers lebt und große Mittel absaugt, die wir für Investitionen bräuchten. Aber in Teilen wird dieses ausländische Präkariat dazu benutzt, um in Konkurrenz zum einheimischen geringqualifizierten Segment des Arbeitsmarktes Druck auf die Entwicklung der Einkommen auszuüben.
"Abgesehen davon, daß der so riesig nicht ist"

Da widerspreche ich dir entschieden. Man spricht nicht umsonst von der Generation Praktika. Selbst im höherqualifizierten Bereich und für akademisch qualifizierte Leute, etwa für Ingenieure, setzen die Unternehmen heute massiv aus Zeit- und Leiharbeit; von den unteren Einkommensbereich will ich gar nicht reden. Ist dir bekannt, daß im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder, wo der A 380 entwickelt und gebaut wurde, ca. 40 % aller Mitarbeiter keine tariflichen Airbus-Angestellten, sondern für Fremdfirmen, also in Zeit- und Leiharbeit tätig waren?

"Im übrigen haben "Niedriglöhne" mit "Wettbewerbsfähigkeit" wenig zu tun, da Löhne wie in der "Exportindustrie" paradiesische Verhältnisse für jedermann bedeuteten."

Eher ein Argument gegen das stattgefundene Lohndumping. Das wurde doch begründet mit der Behauptung, die Deutschen, insbesondere in den großen Unternehmen, würden zuviel verdienen, so daß die Produkte auf den Auslandsmärkten nicht mehr konkurrenzfähig wären. Wenn aber die Löhne in der Exportwirtschaft immer noch "paradiesisch" sind (ich hatte geschrieben, daß auch dort massiv auf Zeit- und Leiharbeit gesetzt wird): Wie kommt es, daß sich diese Industrie trotz der chinesischen oder weltweiten Konkurrenz solche Löhne leisten kann und trotzdem solche hohen Export erreicht? Das stützt meine These, daß die deutsche Exportwirtschaft immer konkurrenzfähig war.

"Daß die Agendapolitik im Endeffekt eine Senkung des Wohlstandes hier in D gebracht hat..."
... ist falsch."

Willst du die Stagnation bzw. sogar rückläufige Realeinkommen ernsthaft als einen Wohlstandszuwachs bezeichnen?

ppq hat gesagt…

karl verzeih bitte, wenn das dumm klingt, aber ich fürchte, wir kommen da nicht zusammen. du verlangst ja nichts anderes, als dass deutschland bzw. deutsche politiker für die poltiker anderer länder mitdenken, also fehler in deren poltik durch eine veränadrete eigene ausgleichen.

das ist unmöglich.

aus meiner warte regiert auch im politischen bereich immer der eigennutz ("triebkraft"). zu verlangen, dass irgendwer sein handeln so ausrichtet, dass er seine vorteile nicht voll nutzt, ist mir noch nicht begegnet. zwar reden die alle davon, ihr handeln ist aber fortwährend vom gegenteil bestimmt.

aus meiner sicht sind also schon die voraussetzumngen, nach denen du nach lösungen suchst, rein theoretische. was soll ich also noch sagen? am ende ändert sich doch nichts durch gemeinsame währungen oder nicht gemeinsame währungen, außer vielleicht die zeitspanne, in der auf der schuldeklinge geritten werden kann.

was am ende zählt, ist das produktionsvermögen zu konkurrenzfähigen preisen - denk dir einfach mal ein europa (eine welt) ohne geld - meinst du, wenn wir den reinen warenaustausch praktizieren würden, wäre griechenland in irgendeiner weise besser dran?

vielleicht ginge es ihnen heute nicht so gut, wie es ihnen geht. dafür müssten sie aber auch nicht damit rechnen, so viel wohlstand zu verlieren, wie sie zu verlieren drohen.

was den hierzulande betrifft, rate ich ein paar filme von anfang der 90er jahre anzuschauen. wohlstand ist ja nicht nur geld, er ist ja lebensqualität. zu behaupten, dass die in deutschland seit 1990 (mal willkürlich als termin genommen) nicht gestiegen sei, grenzt schon an wirklichkeitsverweigerung.

derherold hat gesagt…

"daß auch dort massiv.."
*Massiv* ist ein Codewort, das übersetzt heißt: ich weiß zwar nicht die richtigen Zahlen aber ganz doll viel.

1. "Man spricht nicht umsonst von der Generation Praktika.

Wer ist "man" ? Die gleichen, die Zuwanderung von "Talenten" in den Hundertausenden fordern ?

Selbst mit schlechtem FH-Ing-Abschluß gilt ein Anfangsgehalt von 3.000 Euro als *Ausbeutung*.

Wer allerdings zu den Architektur-, Germanistik- oder Soziologiestudenten gehört, weiß seit den 90igern, bei IMM-Studium seit 2002, daß die Abschlußzahlen doppelt bis dreifach über jeglich realistischer Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt liegt.

Wer dennoch "die Mittel der Werktätigen benutzt, um seinen bourgeoisen Neigungen nachzugehen", muß damit rechnen Praktika bei Werbeagenturen, Filmproduktionen oder NGO´s zu schieben oder sich ganz schnöde nach einem Job als Bürokaufmann/-frau umzusehen. I told you so !

"etwa für Ingenieure, setzen die Unternehmen heute massiv aus Zeit- und Leiharbeit... Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder, wo der A 380 entwickelt und gebaut wurde, ca. 40 % aller Mitarbeiter ..."

Nur heißen die Leiharbeitsfirmen für Ingenieure Ferchau, Yacht Teccon oder Brunel, zahlen ordentliche Gehälter und sind beliebte Arbeitgeber für Ing-Absolventen, die noch nicht in ein Großunternehmen wollen oder nicht den Mega-Master hingelegt haben.

BMW&Co. nehmen Personaldienstleister, weil sie nicht das Risiko eingehen wollen, bei Konjunktureinbrüchen die ganze Firma vor die Wand zu fahren.

Wenn dieses Phänomne so kritisiert wird, sollte man doch eigentlich einmal die IG Metall fragen, ob sie jetzt unter die Ausbeuter gegangen sind.

Ich wiederhole es gern: bis etwa 2002 gab es keine hohen HB-Überschüsse, wir hatten "6 Mio." Arbeitslose und weder Norwegen, noch Schweden oder gar NL denken daran, durch polit. Eingriffe die Wettbewerbsfähigkeit/HB-Überschüsse auf griech. Niveau zu bringen.

"Aber was sagst du zum Thema Auswirkungen HB-Bilanzungleichgewichte im Euro-Raum bzw. deren mögliche Beseitigung?"

Das passiert automatisch. Die Krugman-Hetze gg. BELL wurde bereits vor mehr als einem halben Jahr eingestellt, da Bulgarien, Estland, Litauen, Lettland ihre HB-Defizite in den Griff bekommen und Wachstumsraten von 4, 5% hingelegt haben.

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"also fehler in deren poltik durch eine veränadrete eigene ausgleichen."

Für die Fehler anderer nicht, wie für die Korruption o. laxe Steuermoral. Aber für die eigene Lohndrückerpolitik schon.

"aus meiner warte regiert auch im politischen bereich immer der eigennutz ("triebkraft")."

Ich als abhängiger Arbeitnehmer habe sehr wohl meinen Vorteil im Auge, wenn ich gegen die Stagnierung der Realeinkommen und diesen großen prekären Arbeitsbereich bin. Und glaubst du nicht, daß ich den Vorteil der Deutschen im Auge habe, wenn ich dafür plädiere, das Einkommensniveau in Deutschland auf das Niveau anzuheben, was sich diese Wirtschaft auf Grund ihrer Effizienz leisten könnte, sich aber nicht leistet? Vor allem dann, wenn diese Politik allen, nicht nur uns, objektiv schadet?

Gesetzt den Fall, die entstandene Nachfragelücke zwischen der Entwicklung von Realeinkommen und der Entwicklung der Produktivität, die inzwischen auf 20 % geschätzt wird, könnte geschlossen werden, vor allem im unteren bis mittleren Einkommensbereich. Das würde für einen kräftigen Nachfrageschub im Inland und damit zur Stärkung des Binnenmarktes sorgen, was seinerseits einen Anreiz zu Investitionen im Inland führt. Das bedeutet zweierlei: Erstens die Verringerung der Abhängigkeit vom Exportgeschäft und ein höherer Anteil des Binnenmarktes am BIP. Zweitens ein großer Nachfrageschub im Ausland, was nicht nur deren Wirtschaft, sondern auch der deutschen zugute kommt, denn deren Konsumenten und Unternehmen hätten dann mehr Einkommen, um verstärkt unseren Kram nachzufragen. Über die europaweit verstreuten Wertschöpfungsketten deutscher Unternehmen käme sowohl die steigende Inlands- wie Auslandsnachfrage hiesigen Unternehmen zugute. Genau dieses enorme Potential wird durch die Politik der Bundesregierung blockiert. Gerade das immer wieder vorgebrachte Argument der "Globalisierung", also der internationalen Arbeitsteilung, das für die Lohnzurückhaltung herhalten muß, soll in diesem Zusammenhang auf einmal nicht gelten?

"am ende ändert sich doch nichts durch gemeinsame währungen oder nicht gemeinsame währungen, außer vielleicht die zeitspanne, in der auf der schuldeklinge geritten werden kann."

Ich kann dir nur wiederholen, daß dieses Schuldenproblem der europäischen Handelspartner nur z.T. hausgemacht ist und zu einem wesentlichen Teil in der Niedriglohnpolitik Deutschlands liegen. Diesen realen Zusammenhang leugnest du hartnäckig.

Die Einführung des Euro hat die Außerkraftsetzung von Regulationsmechanismen der Währungskurse bedeutet. Sollte es sich herausstellen, daß es für uns besser ist, verschiedene Länder nicht in diesem Eurobereich zu haben bzw. der Euro an sich für uns von Nachteil ist, dann würde ich diese gemeinsame Währung nicht beibehalten.

"vielleicht ginge es ihnen heute nicht so gut, wie es ihnen geht. dafür müssten sie aber auch nicht damit rechnen, so viel wohlstand zu verlieren, wie sie zu verlieren drohen."

Die Griechen haben zunächst vom Euro profitiert und erhebliche Wohlstandsgewinne gehabt. Das Einkommensniveau Griechenlands ist heute, gemessen an dessen Nicht-EU-Nachbarländern, weitaus höher. Durch die Unterlassung, die griechische Wirtschaft entsprechend effizienter zu gestalten, um sich diese Einkommenszuwächse (in Euro) und die entsprechende Kaufkraft tatsächlich leisten zu können, kamen sie in die heutige Bredouille. Eine Zeitlang haben sie von fremden Volkswirtschaften gelebt, die ihnen diesen höheren Standard finanzieren. Das stößt nun an seine Grenzen. So weit tatsächlich eine Verschulden des Landes, was aber ohne Euro so nie hätte stattfinden können.

"zu behaupten, dass die in deutschland seit 1990 (mal willkürlich als termin genommen) nicht gestiegen sei, grenzt schon an wirklichkeitsverweigerung."

Seit zehn Jahren steigt der Wohlstand nicht mehr. Die Zahlen hinsichtlich der Realeinkommen sind eindeutig, ebenso der wachsende Anteil der prekären Arbeitsplätze. Nennst du das zunehmende Lebensqualität?

Kurt hat gesagt…

Bevor jetzt noch jemand "Aber Derrivate! Derrivate!" ruft wollte ich zum Thema Zeitarbeit, als das einzige, wo ich euch in dieser Diskussion folgen kann, beisteuern, daß es seinen Grund haben muß, warum es sowas in der BRD gibt. Und der Grund sind sicher die DGB-Gewerkschaften und die mit ihr assoziierten politischen Parteien. Das deutsche Zeitarbeitsfänomehn gäbe es nicht, würde der DGB bereit sein, vom Kündigungsschutz abzurücken. Aber diese heilige Kuh durfte nie angetastet werden. Und die Arbeitgeber haben dann schnell erkannt, daß die Zeitarbeiter noch besser sind als eine Abschaffung des Kündigungsschutzes. Es nutzt also allen. Sogar als Wahl-, Tarif- und Klassenkampfthema ist Zeitarbeit prima. Aber das soll nicht bekannt werden.

Deswegen gibt es verschiedene Vernebelungsstrategien, die nach Bildungsgrad des Empfängers aufgebaut sind. Eine ist das plumpe Kapitalismusverdammen a la Gabriel. Wirkt bei Leuten mit normalem Bildungsgrad, die den goldenen Westen noch erlebt haben, sofern sie keine erklärten Linke/Grüne sind. Für diese gibt es als Erweiterung den Befund des Neoliberalismus-weltweit.
Leute mit Abitur werden mit wirtschaftswissenschaftlichen Halbwahrheiten gefüttert. Das ist nicht schwer, angesichts der Komplexität der Volkswirtschaftslehre. Und Hochschulabsolventen, die von ihren intellektuellen Fähigkeiten überzeugt sind, lassen sich mit Positionspapieren von ThinkTanks abfüllen. Angeblich aus erster Hand und völlig objektiv.

Statt den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren, werden die Verkalkungen durch Erstarrung dem Kapitalismus angelastet. Ausgerechnet dem dynamischsten Wirtschaftssystem, wo gibt. Und keinem will es auffallen. Das nenne ich spätrömische Dekadenz.
Hoffentlich erlebe ich es nicht mehr, wenn sich der Wohlstandsabstieg unseres Landes in freien Fall verwandelt. Es ist für mich sicher, daß es dazu kommt, wenn die Paternalisten und Etatisten so weitermachen.

Karl_Murx hat gesagt…

@derherold:
"*Massiv* ist ein Codewort, das übersetzt heißt: ich weiß zwar nicht die richtigen Zahlen aber ganz doll viel."

Ich bin in der Branche tätig und weiß, wie viele prekär Beschäftigte dort unterwegs sind.
"Wer ist "man" ?"

Ich bin man.

"Die gleichen, die Zuwanderung von "Talenten" in den Hundertausenden fordern ?"

Das bin nicht ich. Im Gegenteil bin ich dezidiert gegen das Forcieren der Einwanderung dieser "Fachkräfte", da das Ziel ledig ist, die Einkommen zu drücken. Die richtige Fachleute kommen ohnehin nicht hierher, da für sie eine genügende Auswahl gut dotierter Stellen im Ausland existiert, also in Ländern, die ihre Fachkräfte nicht präkariseren und dieses Lohndumping nicht praktizieren. Die deutschen Wirtschaftsverbände und in derem Schlepptau die Politik wollen hier vor allem wieder im niedrigqualifizierten Bereich, wie z.B. den Pflegekräften, die Einkommensentwicklung drücken, und dem gilt es entgegenzutreten.

"Selbst mit schlechtem FH-Ing-Abschluß gilt ein Anfangsgehalt von 3.000 Euro als *Ausbeutung*."

Komisch, daß man inzwischen selbst in Warschau für Fachkräfte soviel und mehr zahlt. In Ländern wie der Schweiz, Norwegen oder Dänemarkt zahlt man für Einsteiger wesentlich mehr, und komme mir niemand mit den höheren Preisen dort. Wir sind schon lange nicht mehr so reich wie früher.

"Nur heißen die Leiharbeitsfirmen für Ingenieure Ferchau, Yacht Teccon oder Brunel, zahlen ordentliche Gehälter und sind beliebte Arbeitgeber für Ing-Absolventen, die noch nicht in ein Großunternehmen wollen oder nicht den Mega-Master hingelegt haben."

Ein beliebtes Mittel von Firmen, Einkommenszuwächse zu verhindern, indem Zeitarbeiter und Festangestellt gegeneinander ausgespielt werden. Dabei im Endeffekt nicht einmal sonderlich billiger für die Firmen, da die Zeitarbeitsfirmen auch ihren Schnitt machen. Kommt nur eben beim Arbeitnehmer nur ein Teil davon an.

"BMW&Co. nehmen Personaldienstleister, weil sie nicht das Risiko eingehen wollen, bei Konjunktureinbrüchen die ganze Firma vor die Wand zu fahren."

Der Anteil der Festangestellten sinkt so immer weiter. Effekt wie oben. Ursprünglich war die Zeitarbeit mal da, um Bedarfsspitzen abzudecken. Ist heutzutage aber ausgeartet zu einem Mittel, um die Angestellten schön bescheiden zu halten. In Wahrheit müßte den Zeitarbeitern der volle Tarif der Unternehmen plus ein Zuschlag gezahlt werden als Prämie und Ausgleich für höhere Flexibilität und höheres Risiko. Frankreich verfährt so.

"Wenn dieses Phänomne so kritisiert wird, sollte man doch eigentlich einmal die IG Metall fragen, ob sie jetzt unter die Ausbeuter gegangen sind."

Die haben sich auf dieses üble Spiel eingelassen, zu Lasten derer, die nicht festangestellt, also draußen sind.

"Ich wiederhole es gern: bis etwa 2002 gab es keine hohen HB-Überschüsse"

Also vor der rot-grünen Agenda2010.

"wir hatten "6 Mio." Arbeitslose"

Rot-grün hat damals mitten in die Krise hinein gespart, also die Staatsausgaben gesenkt. Der Effekt war entsprechend.

"und weder Norwegen, noch Schweden oder gar NL denken daran, durch polit. Eingriffe die Wettbewerbsfähigkeit/HB-Überschüsse auf griech. Niveau zu bringen."

Bei dem hohen Einkommensniveau in den beiden ersteren Ländern auch unnötig. Es ist auch ein Unterschied, ob kleine Volkswirtschaften, die überdies über große natürliche Ressourcen verfügen wie Norwegen, z.T. auch Holland, solche Überschüsse haben. Bei einem 400-Pfund-Gorilla wie D sieht das schon anders aus.

"da Bulgarien, Estland, Litauen, Lettland ihre HB-Defizite in den Griff bekommen und Wachstumsraten von 4, 5% hingelegt haben."

Die atemberaubenden Rückgänge des BIP in den baltischen Ländern (Bulgarien habe ich keine Zahlen) zeigen den Preis dieses Austerity-Programms. Haben auch zu rasanten Anstiegen der Arbeitslosenzahlen geführt mit allen sozialen Folgen.

Karl_Murx hat gesagt…

@Kurt:
"Das deutsche Zeitarbeitsfänomehn gäbe es nicht, würde der DGB bereit sein, vom Kündigungsschutz abzurücken."

Ich wäre ja dabei, den Kündigungsschutz zu lockern. Voraussetzung wäre dann aber, damit auzuhören, das Einkommensniveau zu drosseln. Wenn Firmen ihre Mitarbeiter leichter loswerden können, um sie dann zu niedrigeren Tarifen einstellen zu könnne, bzw. wenn sie ganz legal ihre Belegschaften durch Zeit- und Leiharbeiter austauschen können, wäre das fehl am Platz. Das gilt insbesondere für die Einkommen im unteren bis mittleren Bereich. Ein entsprechendes Mindesteinkommen sollte dann festgelegt werden.

Übrigens ist der Kündigungsschutz gesetzlich heute schon lange nicht mehr so starr wie früher. Die früher strikten Bestimmung sind peu a peu aufgeweicht und verwässert worden.

Dänemark hat seinen Kündigungsschutz vor einigen Jahren gelockert; es gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Man kann sich aber dort (freiwillig) mit einem Abgabesatz von 8 % gegen Arbeitslosigkeit versichern und hat dann 2 Jahre den Anspruch auf 90 % des letzten Gehaltes. Umgekehrt muß man dann aber auch einen Job nehmen, der einem angeboten wird.

Dänemark ist kein Mitglied der Euro-Zone und hat einen durchschnittlichen Lebensstandard, der den in D inzwischen weit abgehängt hat, inklusive einem Mindesteinkommen von 1700 Euro.

"Und Hochschulabsolventen, die von ihren intellektuellen Fähigkeiten überzeugt sind, lassen sich mit Positionspapieren von ThinkTanks abfüllen. Angeblich aus erster Hand und völlig objektiv."

Das klappt andersherum aber genauso, wie man sieht.

"Hoffentlich erlebe ich es nicht mehr, wenn sich der Wohlstandsabstieg unseres Landes in freien Fall verwandelt."

Was Deutschland betrifft, so erlebst du es gerade. Und zwar mit dieser selbstauferlegten Lohnzurückhaltungsstrategie. Allerdings auf der anderen Seite mit einem wachsenden Präkariat in- wie ausländischer Herkunft, das vor allem von Sozialtransfers lebt.

"Es ist für mich sicher, daß es dazu kommt, wenn die Paternalisten und Etatisten so weitermachen."

Es muß mal eine Zeit gegeben haben, so in den 60er und 70ern der Bundesrepublik alt, wo es starke Gewerkschaften, hohe Einkommenszuwächse und viele Festangestellte gab und die allermeisten damit sehr gut leben konnten.

derherold hat gesagt…

Rot-grün hat damals mitten in die Krise hinein gespart, also die Staatsausgaben gesenkt. ...so in den 60er und 70ern der Bundesrepublik alt, wo es starke Gewerkschaften, hohe Einkommenszuwächse...

Schauen Sie sich doch wenigstens irgendwann EINMAL die tatsächlichen Zahlen an. :-)
Da ist gar nicht "gespart" geworden, geschweige denn hinein. Wachstum des Staatsausgaben im ersten Bundeshaushalt der Regierung Schröder/Lafontaine: 5,8%.

Auch 2000 bis 2003 gab es Steigerungen der Staatsausgaben, sodaß 2003 die Staatsausgabenquote rekordverdächige 48,5% des BIP erreichte. ... "so in den 60igern" (s.o.) lag sie 38%, im Schnitt der 80iger bei 45%. Also da, wo sie heute ist.

Dänemark ist kein Mitglied der Euro-Zone und hat einen durchschnittlichen Lebensstandard, der den in D inzwischen weit abgehängt hat ...

Da spricht der Experte. Kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf:
Dänemark 37.742$. Deutschland 37.936$.

"inzwischen weit". Sie stellen die Verhältnisse auf den Kopf. DK lag seit 1918 -erst recht ab 1945 und ganz besonders im Vgl. zur DDR- WEIT vor Deutschland.

D. hat (TROTZ MERSEBURG !)mit Dänemark in den letzten 5 Jahren Pi*Daumen gleichgezogen, d.h. in dem Zeitraum, wo bei Ihnen Not/Elend auftraten.

P.S. Da Sie ein Skandinavien-Freund sind, werden Sie uns sicherlich erklären können, warum die Jugendarbeits- losigkeit in Schweden rd. viermal größer ist als in D. ... und Finnland sieht da nicht viel besser aus.

derherold hat gesagt…

Die atemberaubenden Rückgänge des BIP in den baltischen Ländern (Bulgarien habe ich keine Zahlen) zeigen den Preis dieses Austerity-Programms.

Unfug. Das BIP ist 2007/08 künstlich durch den Schuldenboom nach oben getrieben worden. Der Rückgang war zwangsläufig und kann auch nicht auf staatl. "Austerity-Programme" zurückgeführt werden, weil diese erst mit Zeitverzögerung greifen.

Unterschied BIP Lettland 2006 und 2011 ?
Plus 20%. Das ist eine Wachstumsrate von >3%. Hätte das die DDR in den 80igern erreicht, gäbe es sie heute noch.

Der "Anstieg der Arbeitslosigkeit" ist darauf zurückzuführen, daß die Löhne eben nicht sinken (können).

Unterschied Durchschnittslohn Lettland 2006 und 2011 ? Plus 40%. Fabulöse Wachstumsrate der Durchschnittlöhne von >7% jährlich.

derherold hat gesagt…

"Ich bin in der Branche tätig und weiß, wie viele prekär Beschäftigte dort unterwegs sind."

Na, dann können Sie doch Fakten vorlegen. Verfremden Sie Ihre Erkenntnisse zur Not aber erklären Sie uns doch welche Studienabschlüsse welcher Hochschulen wo bei welchen Firmen "Praktika" ausführen.

Wir sind gespannt !

"Komisch, daß man inzwischen selbst in Warschau für Fachkräfte soviel und mehr zahlt."

In Warschau und Mielec und Chorzow zahlt man allen Studienabgängern als Berufsanfängern mehr als 3.000 Euro mtl. ?

Ich kann Sie gerne aufklären:
Noch bis Ende der 90iger galten "Fünftausend" als akzeptales Einstiegsgehalt für Uni(?)-Absolventen.

Noch Jahre nach der Jahrtausendwende hätten man keine Probleme gehabt, Tausende von niedergelassenen Rechtsanwälte - also keine Berufsanfänger- zu finden, die für 3.000 Euro p.m. sofort bei Ihnen unterschrieben hätten.

Ab Mitte der 80iger waren die guten Arbeitsverhältnisse für Studienabgänger vorbei: Massenbetrieb, geburtenstarke Jahrgänge und der Verzicht auf das "Schmieren" der "revolutionären Jugend".

Volker hat gesagt…

Liebe Kollegen, das war aber lehrreich.
Dafür vielen Dank an alle hier.

Und den Herold würde ich gern als Leiter der Wirtschaftsredaktion der FAZ oder WELT sehen.
Geht das?

ppq hat gesagt…

karl, der reihe nach

"Durch die Unterlassung, die griechische Wirtschaft entsprechend effizienter zu gestalten, um sich diese Einkommenszuwächse (in Euro) und die entsprechende Kaufkraft tatsächlich leisten zu können, kamen sie in die heutige Bredouille."

wie gesagt: sie mussten nicht. ihr vorteil lag in der kostenlosen mitnahme der vorteile. warum also hätten sie sollen?

"Gesetzt den Fall, die entstandene Nachfragelücke zwischen der Entwicklung von Realeinkommen und der Entwicklung der Produktivität, die inzwischen auf 20 % geschätzt wird, könnte geschlossen werden, vor allem im unteren bis mittleren Einkommensbereich... usw.

worauf willst du hinaus? wenn ich es richtig verstehe, alle lhne roundabout 20 % rauf. das führt, meinst du, zu höherer binnennachfrage, mehr importen usw. usf.

dabei vergisst du aber eben völlig, dass wir hier in einem gesättigten markt unterwegs sind. und es zudem mit einer alternden gesellschaft zu tun haben. das beispiel apple zeigt, dass faszinierende produkte sich verkaufen, auch wenn die ganze gesellschaft jammert, dass sie kein geld hat (was so natürlich nicht stimmt - sie hat nur keine lust, sie für kram auszugeben, den sie sowieso schon dreimal hat)

wenn du also meinst, höhere löhne führten zu mehr privaten ausgaben, halte ich das einfach für irrig. ausgaben, das exerziert ja sogar der staat vor, richten sich nie nach verfügbaren einnahmen, sondern nach der annahme ihrer notwendigkeit/nach der kraft (oder sehnsucht), mit der sie gewünscht werden.

bitte bedenke, dass das alles keine mechanik ist!

letztlich gefällt mir an deiner argumentation auch einfach nicht, dass du versuchst, mit den bremsen zu lenken, also deutsche politik für die politik anderer länder denken lassen willst. das geht einfach nicht. die können ja nicht mal den eigenen laden auf sicht lenken.

ppq hat gesagt…

eine eränzung vielleicht noch, die bisher durch die eurozentrische ausrichtung der diskussion zu kurz kam.

die situation, in der wir steckten und über deren folgen wir lamentieren, war doch folgende: zunehmende internationale konkurrenz bei der industrieproduktion, me too überall, china kann, die phillipinnen können, autos, maschinen, handys, forschung, produktion, ingenieurtechnik.

die frage war doch, was tut man da? 1. man dreht an den eigenen schrauben - passt die lohnentwicklung der veränderten situation an, automatisiert stärker, geht von der produktion von maschinen auf die produktion von maschinen zur produktion von maschinen, lagert aus, kauft teile zu usw. und man bastelt am arbeitsmarkt

man versucht, kurz gesagt, konkurrenzfähiger zu werden, um die eigenen vorteile möglichst lange halten zu können.

außerdem vergrößert man seinen binnenmarkt, klar, das war die europasache, eu. euro usw.

die griechen etwa hatten gar nicht unsere startvorteile. haben aber auch alle anderen möglichen maßnahmen unterlassen, an ihrer konkurrenzfähigkeit zu schrauben.

mussten sie auch nicht, denn sie bekamen die vorteile erstmal kostenlos. anstrengungsloser wohlstand, hurra.

was wir jetzt haben, ist das dicke ende, allerdings eben nicht für alle. letztlich läuft es ja bloß wieder darauf hinaus, dass die deutsche position gestärkt wird.

insofern war der hades-plan nicht mal so ein großer quatsch

Teja hat gesagt…

Nichts gegen Merseburg, da bin ich geboren. Kennt ihr noch JFK von Radio Sputnik?

Karl_Murx hat gesagt…

@ppq:
"wie gesagt: sie mussten nicht. ihr vorteil lag in der kostenlosen mitnahme der vorteile. warum also hätten sie sollen?"

Aus wirtschaftlicher und politischer Vernunft, die sich aber offenbar nicht durchgesetzt hat.

"worauf willst du hinaus? wenn ich es richtig verstehe, alle lhne roundabout 20 % rauf. das führt, meinst du, zu höherer binnennachfrage, mehr importen usw. usf."

Ja natürlich. Siehst du keinen Zusammenhang zwischen größeren laufenden Einkommen und der Konsumneigung? Wobei ich aber speziell die unteren mit bis mittleren Einkommen im Blick habe, die in der Vergangenheit, ich wiederhole es noch einmal, Realeinkommensverluste hinnehmen mußte. Diese Einkommensschichten legen eben nicht wie die oberen Einkommenssegmente einen Großteil ihres Salärs auf die hohe Kante, weil der Anteil des Konsumausgabe höher ist. Es liefe auch nicht darauf hinaus, schlagartig die Löhne und Gehälter um 20 % zu erhöhen (was viele Unternehmen gar nicht könnten), sondern darauf, in den nächsten Jahren höhere Zuwachsraten bei den Einkommen zu haben als die Raten der Zuwächse bei der Produktivität.

"dabei vergisst du aber eben völlig, dass wir hier in einem gesättigten markt unterwegs sind. und es zudem mit einer alternden gesellschaft zu tun haben. das beispiel apple zeigt, dass faszinierende produkte sich verkaufen, auch wenn die ganze gesellschaft jammert, dass sie kein geld hat (was so natürlich nicht stimmt - sie hat nur keine lust, sie für kram auszugeben, den sie sowieso schon dreimal hat)"

Ach ja? Das Durchschnittsalter des privaten Kfz-Bestandes in Deutschland ist das höchste nach 1945 gemessene. Viele, vor allem Geringverdienende und Selbständige, können sich keinen oder kaum Urlaub leisten. Für viele in D sieht es ganz und gar nicht nach einem "gesättigten Markt" aus.

"wenn du also meinst, höhere löhne führten zu mehr privaten ausgaben, halte ich das einfach für irrig."

Die feststellbaren und meßbaren Zusammenhäng zwischen laufenden Einkommen und privaten Ausgaben halten sich aber nicht an deine Meinung.

"ausgaben, das exerziert ja sogar der staat vor, richten sich nie nach verfügbaren einnahmen, sondern nach der annahme ihrer notwendigkeit/nach der kraft (oder sehnsucht), mit der sie gewünscht werden."

Ist kritikwürdig, aber ein anderes Paar Schuhe. Abgesehen davon: Selbst die Ausgaben des Staates, die "verschwendet", also Fehlausgaben sind, führen zunächst, in der laufenden Periode, zu einer Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität, d.h., es wird Geld ausgegeben, es werden Leute beschäftigt bzw. Löhne und Gehälter gezahlt, wovon Beiträge abgezweigt werden usw. Daß man diese Geld sinnvoller hätte ausgeben können, steht auf einem anderen Blatt.

"bitte bedenke, dass das alles keine mechanik ist!"

Offenbar stehst du über allen volkswirtschaftlichen Erkenntnissen.

"letztlich gefällt mir an deiner argumentation auch einfach nicht, dass du versuchst, mit den bremsen zu lenken, also deutsche politik für die politik anderer länder denken lassen willst. das geht einfach nicht. die können ja nicht mal den eigenen laden auf sicht lenken."

Liest du eigentlich meine Beiträge, in denen ich dir auf genau diese Fragen geantwortet habe? Da steht die Antwort darauf drin.

Eine Frage, ppq: Hast du BWL studiert, oder VWL? Ich werde das Gefühl nicht los, daß du, wie auch Meister derherold, versuchst, volkswirtschaftliche, also makroökonomische Zusammenhänge durch die betriebswirtschaftliche Brille zu betrachten. Wenn du aber immer an der Mikroökonomie klebst, verstelltst du dir selbst die Sicht auf die unterliegenden makroökonomischen Zusammenhänge. Dieses Problem teilst du aber mit vielen auch offiziellen Vertretern der Mainstreamökonomie.

Karl_Murx hat gesagt…

@derherold:
"Schauen Sie sich doch wenigstens irgendwann EINMAL die tatsächlichen Zahlen an. :-)
Da ist gar nicht "gespart" geworden, geschweige denn hinein. Wachstum des Staatsausgaben im ersten Bundeshaushalt der Regierung Schröder/Lafontaine: 5,8%.

Auch 2000 bis 2003 gab es Steigerungen der Staatsausgaben, sodaß 2003 die Staatsausgabenquote rekordverdächige 48,5% des BIP erreichte. ... "so in den 60igern" (s.o.) lag sie 38%, im Schnitt der 80iger bei 45%. Also da, wo sie heute ist."

Hatten wir nicht schon beim letzten Mal durchdekliniert, daß die vorgenommenen Kürzungen von rot-grün inklusive der verunglückten Eichelschen Steuerreform (die Lafontaine-Zeit war ja nur ein Intermezzo) zu Einnahmeausfällen führten, die dann durch um so höhere Neuverschuldung ausgeglichen werden mußten?

"Da spricht der Experte. Kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf:
Dänemark 37.742$. Deutschland 37.936$."

Interessante Zahlen. Wie steht es mit der Spreizung der Einkommen, also der Schere zwischen oberen und unteren Einkommen? Wie steht es mit der Vermögensverteilung? Und als Hinweis, damit ich hier nicht kommunistisch-sozialistischer Tendenzen verdächtigt werden, die es nicht gibt: Bei dieser Vermögens- und Einkommensschere gibt es einen Zusammenhang zum privaten Konsum , gemessen am BIP, bzw. dessen Zuwachsraten.

"D. hat (TROTZ MERSEBURG !)mit Dänemark in den letzten 5 Jahren Pi*Daumen gleichgezogen, d.h. in dem Zeitraum, wo bei Ihnen Not/Elend auftraten."

Beim BIP? Oder bei den durchschnittlichen Einkommen? Wer viel herstellt und viel exportiert, aber trotzdem nicht mehr konsumiert, steigert auch sein BIP.

"P.S. Da Sie ein Skandinavien-Freund sind, werden Sie uns sicherlich erklären können, warum die Jugendarbeits- losigkeit in Schweden rd. viermal größer ist als in D. ... und Finnland sieht da nicht viel besser aus."

Kann ich Ihnen im Moment konkret nicht sagen, da ich im Unterschied zu Ihnen nicht alles ökonomische Wissen und alle Weisheit in mir vereine. Werde ich aber recherchieren, wenn ich Zeit habe.

P.S. Hatten Sie nicht mal gesagt, Sie hätte fast eine Stelle als Assistent an einer Uni bekommen oder so ähnlich? Da führen Sie ökonomischen Debatten ja sicher nicht zum ersten Mal. Ist da dieser herablassend-gönnerhafte Ton untereinander üblich bzw., daß man sich gegenseitig der Unkenntnis beschuldigt? Manchmal nicht zum Aushalten bei Ihnen.

ppq hat gesagt…

karl, es stimmt einfach nicht, was du sagst! schau dir diese datenreihe aus dem statistischen bundesamt an private konsumausgaben (preisbereinigt)

deinen angaben zufolge gab es reallohnverluste, die, deine angaben, auf den privaten konsum durchschlkugen/schlagen - ja aber, bitte, woher kommen denn dann die 10 % steigerung der privaten konsumausgaben?

und welches maß an jährlicher steigerung hättest du denn da gern? 3%? 5%? 7? oder doch lieber 11? man muss doch da mal auf dem teppich bleiben.


was deine angaben zum überalterten kfz-park betrifft, habe ich keine lust, das auch noch zu prüfen. allein der augenschein sagt mir, dass das nicht stimmen kann. und die erinnerung an die großverschrottung der kanzlerin ist jung genug, dass ich weiß, dass mit der aktion wahrscheinlich soviel jahre aus dem markt genommen wurden wie noch nie zuvor in der geschichte

Volker hat gesagt…

Karl, die Diskussion begann spontan ohne klaren Ausgangspunkt. Und lief weiter ohne Agenda. Nach Feierabend haut man mal in die Tasten ohne großartig Korrektur zu lesen. Hinterher sieht man dann, uuups, das war wohl nicht alles stubenrein.
Aber ich glaube nicht, dass Dir hier ernsthaft jemand auf die Füße treten will.

Zu den alten Autos.
Ich habe schon mehrfach gelesen, dass das Durchschnittsalter der deutschen Autos immer höher wird. Glauben wir das einfach mal.
Was sagt uns das?
Es sagt uns, dass die Autos statistisch immer älter werden.
Man muss nämlich auch bedenken, dass immer mehr Autos in Deutschland herumfahren. Deshalb wäre zu untersuchen, wie viele neue Autos in D jedes Jahr gekauft werden.
Hat jemand die Zahlen parat?

ppq hat gesagt…

Am 1. Januar 2010 waren in Deutschland 50,2 Millionen Kraftfahrzeuge und 5,9 Millionen Kfz-Anhänger zugelassen. Der Pkw-Bestand erhöhte sich im vergangenen Jahr um 1,0 Prozent auf 41,7 Millionen Fahrzeuge. Das in den letzten Jahren auf 8,2 Jahre angestiegene Durchschnittsalter ging im Jahr der Umweltprämie auf 8,1 Jahre zurück.

Deutsche Marken prägen weiterhin das Straßenbild trotz leichtem Rückgang auf 65,7 Prozent. VW tritt mit 8,8 Millionen Pkw am häufigsten in Erscheinung (+0,5 %). Bei Opel (-3,9 %) und Ford (-2,7 %) verringerten sich die Fahrzeugbestände. Vom legendären „Trabant“ gibt es noch 35.000 Exemplare (-6,1 %). Mit 2,2 Millionen Einheiten führt Renault/Dacia (+0,7 %) die ausländische Rangliste in Deutschland an. Die auffälligsten Steigerungsraten waren bei Skoda (+18,0 %) und Hyundai (+17,0 %) zu beobachten.

Kompakt- und Kleinwagen sind am stärksten verbreitet. Die Zahl der Cabriolets stieg im vergangenen Jahr um +4,5 Prozent auf 1,7 Millionen an. 2,2 Millionen Pkw sind mit Allradantrieb ausgestattet (+9,3 %).

Umweltfreundliche Technologien schreiten weiter voran. Die Emissionsklasse Euro 4 und besser wird von 45,3 Prozent aller Pkw eingehalten. Alternative Antriebe liegen leicht über Vorjahresniveau (1,1 %). Der Otto-Motor dominiert weiterhin mit einem Anteil von 73 Prozent. 90,2 Prozent der Pkw werden privat genutzt.

derherold hat gesagt…

Nichts gegen Merseburg, da bin ich geboren. Kennt ihr noch JFK von Radio Sputnik?

Ich habe immer nur RadioSAW gehört.

Käffchen ?