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Samstag, 28. April 2018

HFC: Das letzte Derby als chinesische Wasserfolter

Beim HFC stehen die Zeichen auf Abschied. Und niemand weint.
Rico Schmitt sitzt auf der Bank. Der HFC-Trainer, der sonst immer durch die Coachingzone tigert, kaut Kaugummi und textet seinen Co-Trainer Mario Kämpfe zu. Es ist vorbei, erledigt, überstanden. 70 Minuten im Derby gegen den 1. FC Magdeburg sind gespielt, es steht diesmal 0:2, nicht wie zuletzt im Pokal nur 0:1. Aber besser gespielt hat die Mannschaft des in drei Woche aus halle scheidenden Sachsen, beinahe wäre es fast möglich gewesen, gegen die von den Aufstiegsfeiern müden Magdeburger doch mal mehr zu holen als ein tröstendes Schulterklopfen.

Aber dann ist es wieder, wie es immer ist, seit Schmitt den HFC coacht. Zwar zeigen die Rot-Weißen gegen den frischgebackenen Aufsteiger aus der Landeshauptstadt mehr Einsatzwillen als im Landespokal. Es gibt für die knapp über 6000 Zuschauer sogar eine spielerische Überlegenheit zu besichtigen, die sich in einigen vielversprechenden Offensivaktionen entlädt. Aber ob Lindenhahn, Gjasula, Manu oder Fetsch, die Chancen sind da, aber irgendein Magdeburger Bein ist immer zwischen Abschluss und Torerfolg.

Das letzte Derby für vermutlich sehr lange Zeit krankt an den Gebrechen, die den HFC seit der Zeit vor dem Abschied von Sven Köhler begleiten. Wie nach einem Muster gestrickt, das zumindest die halleschen Zuschauer auf den Tribünen kennen, geschieht auch heute wieder dasselbe: Der von Toni Lindenhahn angetriebene HFC spielt, engagiert sogar, mit sichtlichem Willen, wenigstens heute ein versöhnliches Ergebnis zu liefern. Der FCM dagegen tut nicht viel, schießt aber dennoch das erste Tor. 31. Minute, Türpitz verlädt Schilk, Pass nach innen, Tom Müller macht die Beine breit, Lohkemper schiebt aus Nahdistanz ein.

Ein Nackenschlag, der inzwischen zur HFC-Routine gehört. In 19 von 35 Saisonbegegnungen geriet der HFC bis hierhin in Rückstand, Lohkämpers Führungstor für Magdeburg macht die 20 voll und bedeutet rein statistisch gesehen schon nach einer halben Stunde, dass alle Messen gelesen sind, denn einen Rückstand zu drehen, gelang Schmitts Elf bis hierher äußerst selten.

Aber sie mühen sich. Im Mittelfeld hat der HFC ein Übergewicht, in Strafraumnähe sogar mehr Ballberührungen als Magdeburgs Verteidigung. Allein auch heute hilft es nicht, weil Lindenhahns gute Ecken nie einen eigenen Mann erreichen, Landgrafs platzierter Freistoß von rechts zu wenig Geschwindigkeit hat, Fetsch vorbeiköpft und Gjasula einmal mehr zeigt, dass er auch kein Stürmer ist.

Hängende Schultern auf dem Rasen, wegwerfende Gesten auf den Rängen. Magdeburg tut eigentlich nichts, macht aber kurz vor der Halbzeit beinahe noch das zweite Tor, als Türpitz einen Freistoß auf Müllers Kasten zieht, den der HFC-Keeper gerade noch am Einschlag hindern kann.

Wäre das Wetter nicht so schön, es wäre ein fürchterlicher Nachmittag. Trotz aller Bekundungen der Magdeburger, das sportlich bedeutungslose Spiel in Halle ernst nehmen zu müssen, weil man unbedingt noch Drittliga-Meister werden wolle, wirkt der Auftritt der Blauweißen zu keinem Zeitpunkt, als würden sie sich ein Bein ausreißen. Sie spielen ihr Spiel, mehr routiniert als leidenschaftlich. Und sie setzen die Waffen ein, die sie haben: Fünf Minuten nach der Halbzeit lassen sie den HFC kommen, Manu und Fetsch sind auch zweimal recht nahe dran an der Möglichkeit, den Ausgleich zu machen. Dann ist es Costly, der in einer Wiederholung der Szene vom 0:1 flankt und am langen Pfosten Lohkemper findet, der ohne jede Mühe zum zweiten Mal trifft.

Wie all das geschehen kann, nicht einmal, sondern immer wieder, eine Qual, vergleichbar der chinesischen Wasserfolter, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Seit zwei Jahren trainieren diese Männer zusammen, seit zwei Jahren schleift ihnen ihr Coach in wissenschaftlich geplanten Trainingseinheiten Routinen ein, die das Zusammenspiel automatisieren sollen. Bei den Magdeburgern, deren Trainingsplan derselbe Sportwissenschaftler ersonnen hat, ist zu sehen, wohin das führen kann. Beim HFC auch.

Ohne Luft auf den Reifen und ohne Lust auf eine wenigstens teilweise Rehabilitation taumelt Rico Schmitts auseinanderfallende Elf in die Zielgerade ihrer gemeinsamen Zeit. Zweimal noch müssen sie sich und den verbliebenen Fans das antun. Zweimal noch lange Gesichter zum müden Spiel und anschließend Kommentare, die nach Überdruss klingen.

Wer nach Schmitts überraschender Erfolgsserie zwischen Anfang März und Anfang April zweifelte, ob der Mann im roten Poloshirt nicht vielleicht doch noch eine Chance verdient hätte, sollte es jetzt besser wissen.



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