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Sonntag, 16. September 2018

EUsperanto: Europa bekommt eine einheitliche Sprache

Streng abgeschottet im Westen Deutschlands: Die Villa Katas dient derzeit als Tagungsort für eine Arbeitsgruppe, die der EU eine einheitliche Sprache geben will.
Im Vierstädtedreieck Köln-Oberhausen-Leverkusen-Düsseldorf, wo kein Edge-Netz hinreicht und die Menschen es noch aus alten Bonner Zeiten gewohnt sind, dunkle Limousinen
herumfahren zu sehen, steht unbeachtet tief in einem lichten Wald eine herrschaftlich wirkende Villa. Das Haus, offiziell "Villa Katas" genannt, umgeben von einem hohen Zaun, der das umliegende Gelände weiträumig abschließt, diente schon zu Adenauers Zeiten als Ort sensibler Verhandlungsrunden. Der erste Kanzler gab hier die deutsche Einheit preis, handelte dafür aber die Westbindung für seine Heimatstadt Köln ein. Und auch nach dem Beschluss zur Durchführung des Hades-Planes fand sich die von Bundeskanzler Helmut Kohl ernannte handverlesene Arbeitsgruppe zum Umsetzung über Jahre hinweg jeden Mittwoch hier ein.

Handeln in einer großen Tradition


Eine große Tradition, der Angela Merkel und ihr französischer Kollege Emmanuel Macron zu folgen beschlossen, als sie Anfang des Jahres gemeinsam zur Auffassung kamen, das Europa eine Neugründung braucht, die mehr sein muss als ein weiterer Versuch, mit noch mehr Regulierung noch mehr Bürger europamüde zu machen. Sowohl in Paris als auch in Berlin waren von den beiden Regierungen beauftragte Forschergruppen zuvor zur Überzeugung gekommen, dass Europa gut gemeint, aber schlecht gemacht sei.

Als Kernproblem stelle sich immer mehr heraus, so die Wissenschaftler, an deren Spitze der Systementropologe Hans Achtelbuscher steht, dass Europa gemeinsame Außengrenzen, gemeinsame Werte und Gesetze und sogar ein weitgehend genutztes gemeinsames Geld habe, jedoch nicht über eine gemeinsame Sprache verfüge. Damit ermangele es dem europäischen demos ("Volk") an der Möglichkeit, sich auf der agora ("Marktplatz") der gemeinsamen Demokratie zu gemeinsamen Problemen zu äußern. Europa habe - im Gegensatz etwa zur USA oder Russland, aber auch Brasilien, Kanada, Japan und China , keine gemeinsam genutzten Medien und keine gemeinsame Öffentlichkeit. Das liege zuallererst an der fehlenden gemeinsamen Sprache.

Das Fehlen der gemeinsamen Sprache


Die Gründer der EU, allesamt keine großen Fremdsprachler, hatten diesen Punkt nie besprochen. Aus ihrer Sicht reichte ein gemeinsamer Rechtsrahmen, um die Völker nach und nach zu einer gemeinsamen Identität zu erziehen. Ein Irrtum, so Achtelbuscher. "Das österreichisch-ungarische Kaiserreich ist an dieser Vorstellung gescheitert", sagt er, "dort wuchsen mit den Jahren die Sehnsüchte, nie eine gemeinsamen, sondern die eigene Sprache zu sprechen." Überhaupt gebe es in der Weltgeschichte kein Beispiel eines Großreiches, das überlebt habe, obwohl keine einheitliche Verwaltungssprache für seine Bürger durchsetzte. Oft habe nicht einmal das gereicht, ohne das aber stünden die Chancen bei Null. "Das Problem haben wir Kanzlerin und Präsidenten klipp und klargelegt."

Und die Hinweise fielen auf fruchtbaren Boden. Mitte bereits Mitte Juli beauftragten Macron und Merkel führende Dipolmaten, Sprechwissenschaftler und Vertreter von Kultusministerien, die einen geordneten Übergang zu einer gemeinsamen EU-Altagssprache vorbereiten sollen. dabei ist seit dem Brexit klar: Das Englische, dem hinter den Kulissen über viele Jahre hinweg die besten Chancen eingeräumt  worden waren, eines Tages als Lingua franca einer dann auch in ihren 28 Öffentlichkeiten geeinten Union zu dienen, wird es nicht sein. Die Briten seien raus, heißt es dazu unisono in Paris und Berlin, da nur die Iren noch einen englischen Dialekt sprächen, sei es kaum durchsetzbar, die einzige in Europa gesprochene Weltsprache auch innerhalb der EU als Verkehrssprache durchzusetzen.

Eine Sprache muss es sein


Doch eine Sprache muss es sein, das ist Experten wie Politikern klar. Wird es das Deutsche? Das Französische? Spanisch? Italenisch? Oder einigt man sich auf einen Außenseiter - Dänisch etwa oder Polnisch?

Die Karten liegen auf dem Tisch, allerdings noch nicht offen. Hinter den Kulissen hat nach der Merkel-Macron-Initiative ein emsiges Verhandeln begonnen. Die rechtsnationalistische linke italienische Regierung paktiert offenbar mit Spanien, um einen deutschen Sieg zu verhindern. Lachender Dritter soll aber nach Ansicht der Südeuropäer auch nicht Frankreich sein, dessen Präsident im kleinen Kreis Französisch als einzig mögliche Wahl bezeichnet haben soll. Doch kann Angela Merkel mit Blick auf die deutsche Geschichte, die auch die Geschichte französischer Fremdherrschaft ist, hier zustimmen? Oder gösse sie damit nicht neues Öl ins fremdenfeindliche Feuer der neuen Nazis?

Die Frontlinien ziehen sich quer durch die EU. Inzwischen sind sich die führenden Köpfe der Union auch mit Blick auf Sprachkonflikte weltweit sicher, dass es ohne gemeinsame Sprache nicht weitergehen wird mit der EU. Doch zugleich ist den Verantwortlichen klar, dass es eine Einigung auf eine künftig gemeinsam zu sprechende Sprache nicht geben kann. Im kleinen Kreis hat Angela Merkel angesichts dieser Konfliktlage schon mehrfach "europäische Lösungen" gefordert, auch SPD-Chefin Andrea Nahles und Außenminister Heiko Maas wären im Zweifel bereit, für eine europäische Lösung das Deutsche preiszugeben. Doch da ist immer noch die CSU und die Angst vor der AfD, die sich in einem offenen Kampf um die künftige Gemeinschaftssprache der EU-Bürger zweifellos mit neuen Ressentiments, mit neuem Hass auf alles Fremde und mit Hetze gegen unverständliche Idiome aufmunitionieren würde, um die sprachlich Angehängten für ihre Zwecke zu manipulieren.

Der Ausgang ist offen. In der Villa Katas wird Insidern zufolge derzeit an einem Plan für einen "EUsperanto" genannten Gemeinschaftsdialekt gearbeitet, über den bislang nicht mehr bekannt ist, als dass seine innere Struktur exakt den Ausgleichsmechanismen folgen soll, die die EU in ihren politischen Entscheidungen über Jahrzehnte so stark gemacht haben wie kaum eine andere weltweite Staatengemeinschaft mit gemeinsamem Überbau.

...wird fortgesetzt


Kommentare:

Quatschkopp hat gesagt…

Diese "Erfinder" einer neuen gesamteuropäischen Kunstsprache, denn Esperanto hat sich ja seit Jahrzehnten nicht durchsetzen können, diese Unsinnsschöpfer abstrakter Idioms sollten lieben etwas Vernünftiges arbeiten wie z.B. zugenmüllte Straßen kehren.

Leider aber grassiert der Expertenwahn wie eine Nutztierseuche im Homo-Herdenvieh, und so wird damit vermutlich die nächsten Dekaden emsig herumgedoktort, bis die Sache nach immensen Kosten irgendwann einschläft wie vergangene Labor-Laber-Versuche.

Bei absurden Schnapsideen jenseits der Realität ist der sich wichtig dünkende Bessermensch nämlich immer gern Frontkämpfer, während er bei wirklich akuten Themen wie millionenfache Einwanderung von ungebildeten aggressiven Wilden mit archaischen Religionsbräuchen gerne den passiven Dulder spielt.

Sollte dieser bizarre Willkommenstrend weitergehen, wird hier sowieso bald arabisch, die Sprache des Koran, zur offiziellen Sprache. Darüber jedoch redet keiner unserer emsigen Plappermaulhelden, denn das könnte ja ganz phöse rechts und rassistisch wirken.

Gernot hat gesagt…

"wären im Zweifel bereit, für eine europäische Lösung das Deutsche preiszugeben"

Beim Autofahren höre ich ab und zu Wahrheitsmedien, Radio eben. Anhand des engleutschen Kauderwelschs der Moderatoren und Ansager dachte ich eigentlich, das wäre schon längst geschehen.

Ich höre news, songs, tracks, features, podcasts, cool, downloaden (schönes Verb, man bilde mal den Konjunktiv II) und alles ist ein highlight. Kürzlich kam sogar das längst veraltete "up to date" wieder aus der Mottenkiste. "Originalton BRD-Funk und -Fernsehen."

Anonym hat gesagt…

So etwas wie "Esperanto" kann sich aber auch nur ein Nasiger aushecken.
Er sieht en büschen aus wie Lenin auf Koks.
D.a.a.T.