Google+ PPQ: „Klimahysterie“: Warum wir mehr „Unworte des Jahres“ brauchen

Freitag, 17. Januar 2020

„Klimahysterie“: Warum wir mehr „Unworte des Jahres“ brauchen

Das Magazin "Der Spiegel" erfand den Begriff "Klimahysterie".
„Klimahysterie“ ist das Unwort des Jahres 2019, Platz zwei in der von einer Mini-Jury nach geheimgehaltenen Regeln festgelegten Unwortliste belegte diesmal der Begriff „Umvolkung“, Platz 3 ging an den Begriff „Ethikmauer“. Kaum war das Wort verkündet, brach ein Streit los: Was bringt es, Worte mit einem Tabu zu belegen? Was sagt es, wenn Menschen sich weigern, solche Sprachvorgaben einzuhalten? Braucht nicht vielmehr härtere Gesetze, die den Gebrauch von Unworten unter Strafe stellen?

Eine Sprachwissenschaftlerin, drei ihrer männlichen Kollegen, ein Journalist und ein Ehrengast, dessen Name in jedem Jahr neu erraten werden muss: Das ist die engagierte Einsatzeinheit der Sprachpolizei, die in regelmäßig zusammenkommt, um das „Unwort des Jahres“ zu küren. Eine Wahl,die sich die Beteiligten selbst ausgedacht haben - als negatives Gegenstück zum "Wort des Jahres", das schon seit Jahrzehnten medial für großes Aufsehen sorgt. „Klimahysterie“, das Wort, das in diesem Jahr mit einem Verbot belegt wurde, war von Unmenschen verwendet worden, um den massiven Aufschwung zu bekämpfen, den das Umweltthema durch Greta Thunberg und "Fridays for Future" erfahren hat.

Von PPQ-Kolumnistin Svenja Prantl


Es ist nicht mehr wie damals, im Jahr 2007, als das Magazin "Der Spiegel" sich über eine vermeintliche Klimahysterie glaubte lustig machen zu müssen. Mit einem viel höheren Maß an Sensibilität ausgestattet, ist die Jury der Aktion „Unwort des Jahres“ heute in der Lage, die Hintergründe der Verwendung bestimmter Begriffe zu entdecken und deren Macher und Verwender schließlich öffentlich das üble Handwerk zu legen. "Schließlich, so steht es in unseren Grundsätzen, lenken wir den Blick auf Wörter und Formulierungen, „die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“, stellt Jury-Mitglied Stephan Hebel klar. Der greise Autor der Frankfurter Rundschau, bekanntgeworden durch seinen Ukas, dass "wer Freiheit leben will, über ihre Grenzen reden" muss, sieht es als gegeben an, dass "Klimahysterie" „einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminiert“ oder als Wort überhaupt „verschleiernd oder gar irreführend" ist.

Damit werde der Bewegung um Greta Thunberg ein irrationaler, ja womöglich krankhafter Umgang mit dem Thema unterstellt, sagt Hebel in Richtung des "Spiegel", der mit seiner Propaganda vom "Warme Zeiten sind gute Zeiten, kalte Zeiten sind schlechte Zeiten" schon vor Jahren einer ungesunden Erhitzung das Wort geredet hatte.. Wer für Menschen wie Greta Thunberg, die fest an den baldigen Weltuntergang glauben, von Milliarden Toten und der Unbewohnbarkeit der Erde schon in wenigen Jahren reden, ein Wort nutze, das der Duden als Begriff für „nervöse Aufgeregtheit, Erregtheit, Erregung, Überspanntheit“ empfiehlt, bezeichne quasi Klimaschützerinnen und –schützer als „überspannt“ und irrational.

„Klimahysterie“ definiert Sprache


Ein Vorgang, der nicht hingenommen werden kann. Wer die Sprache definiert, die in der öffentlichen Devbatte verwendet werden darf, der bestimmt, über was gesprochen werden kann. Damit das verantwortlich geschieht, braucht es Vorgaben, die die Freiheit, zu sprechen, "wie der Schnabel gewachsen ist" so eng einhegen, dass Personen des öffentlichen Lebens wie der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)oder der Chef des Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, beim Thema Klima nicht mehr gedankenlos eine andere Meinung äußern können, indem sie "Fridays for Future" verächtlich machen und Andersglaubenden wie den Aktivisten von "Extinction Rebellion" das Recht absprechen, den Klimawandel als das "Rohr" zu bezeichnen, "durch das Gas in die Gaskammer fließt", die der Mechanismus ist, "durch den eine Generation eine andere tötet.“

Wenige Wochen vor Ablauf einer 13 Jahre-Frist, die Klimaforscher der Welt im Jahre 2007 noch gegeben hatten, zeigt die Wahl des 29. „Unworts des Jahres“, dass dem Missbrauch von Sprache auch in den letzten Momenten der alten Klimawelt kein Raum gegeben werden darf. Was fehlt, ist allerdings oft die Bereitschaft der Öffentlichkeit, die mit der ganzen Macht einer moralischen Vorschrift verhängten Verbote zu beachten.

Gesetzliche Durchsetzung


So wird "alternativlos", das Unwort von 2010, bis heute weiterverwendet, auch "Lügenpresse", die Wahl der Unwort-Jury von 2014, erfreut sich jenseits der rechten Kante des bürgerlich-konservativen Lagers weiterhin großer Beliebtheit. "Volksverräter", das Unwort von 2016, hat es sogar erst seit seiner Wahl in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.

Aus Sicht der Jury zeigt das, das der Versuch, die berühmten „Grenzen des Sagbaren“ zu verschieben, durch die alljährliche Wahl des Unwortes befördert wird. Wann immer rechte Kampfbegriffe wie "Anti-Abschiebe-Industrie", "Gutmensch" oder "Döner-Morde" (Der Spiegel) von der Sprachpolizei auf den Index gesetzt werden, wirkt das wie ein Signal für manche Menschen, die mit allgemeinverbindlichen Sprachregeln und -Grenzen nicht einverstanden sind, sie eigens deshalb für ihr öffentliches Sprechen zu verwenden.

Hier muss der Staat eingreifen, denn das bürgerschaftliche Engagement von Sprachwächtern wie Stephan Hebel kann nur empfehlenden Charakter haben. Verbote müssen den gemeinsamen Vorsatz stärken, mit Unworten Diskriminierung, Verschleierung, Demokratie-Verachtung und das Infragestellen der Menschenwürde für bestimmte Gruppen verbal zu befördern, bis die Erziehungsbemühungen in der Sprachbildung greifen und Menschen selbst automatisch vor dem Sprechen darüber nachdenken, wie sie den allgemeinverbindlichen gemeinsamen Regeln des öffentlichen Sprachgebrauchs folgen können, ohne die berühmten „Grenzen des Sagbaren“ zu verletzen.

Verbale Welt als besserer Ort


Dass die Jury in diesem Jahr auch das Wort „Umvolkung“ auf die Unwort-Liste gesetzt hat, darf in diesem Sinne durchaus als Signal verstanden werden: Es geht nicht um ein einziges Wort, dessen "Ausmerzung" (Franz Müntefering) aus dem allgemeinen Sprachgebrauch die verbale Welt zu einem besseren Ort machen würde. Ganze Listen rechter Unwörter müssen dazu noch beseitigt werden, es gilt, den Kampf um eine zivilisierte öffentliche Sprache der Freiheit, des Friedens und des Fortschritts so unerbittlich und beharrlich zu führen, dass der demokratische Diskurs ein sauberer, sprachlich hygienischer sein kann. "Unworte des Monats", "Unworte der Woche", Geldstrafen für falschen Sprachgebrauch und Nachschulungen für wiederholte Sprachverstöße - vieles ist hier denkbar. Man muss nur wollen!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

AbgehtesmitRiesenschritten 17. Januar 2020 at 15:37

Ich nehme mal an das die AfD die Einheitsparteien vorführen will um zu zeigen das diese wenig demokratisch sind. Ich halte das aber für sinnlos. Gerade die CDU besteht doch nur noch aus Mitläufer. Leute die vor wenigen Jahren .......
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ßorry für OT: So schrieb in meiner Jugend das letzte Viertel der Klasse in der Mittelstufe, die immer knapp am Sitzenbleiben vorbeigeschrummt waren. Und das sind nun die Erwachten. Konrad Duden ist Tod.

Aber heißen Dank für die Titelseite vom Speichel von 2007. Daraus läßt sich etwas machen. Ohne viel Hoffnung zwar.

Die Anmerkung hat gesagt…

Bei dem Riesenschritt bekommt man ja nicht mal mit dem Versagergewehr G36 alle fehlenden Kommas reingeballert, obwohl es erst nach einem am Stück rausgefeuerten Magazin um die Ecke schießen kann.

ppq hat gesagt…

Konny Tuten hätte seinen spaß dran

Anonym hat gesagt…

mit dem Versagergewehr G36 ---

Ich schätze Dich wohl, aber bei der Sache mit dem G38 handelt es sich um die - übliche - Schmutzkonkurrenz unserer Freunde, Verbündeteteten uns selbstlosen Befreier vom bösen Adolf.