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Samstag, 15. Februar 2020

PPQ-Poetensprechstunde: Bodo bleibt!

Wie Donnerhall schallt es durchs Land: Bodo bleibt!

Mit einer großangelegten kleinen Serie namens "Es war nicht alles Brecht" erinnerte das Volkskunstboard PPQ schon in den Zeiten vor den Klimakriegen und der drohenden Machtübernahme durch eine damals noch nicht einmal gegründete Nazi-Partei an die großen poetischen Momente der deutschen Geschichte. Zwischen Poetenseminar und Protestsong wurden Kleinode des Kulturschaffens im Bauch der anderen deutschen Republik erstveröffentlicht, die 2002 in einer Pappkiste aus einem sogenannten "Pionierhaus" hatten geborgen werden können. Das Echo war imponierend leise, selbst um systemübergreifende Epen wie "Sie, leicht zurückgelehnt in seinem Arm sitzend, schaut auf zu ihm, hoch in den Himmel" drängten sich weder Verlage noch Filmproduzenten.

Dennoch ist es gelungen, in den kaum acht Jahren seitdem ein kulturelles Niveau zu erreichen, das es heute möglich macht, Kunst- und Kulturschaffende aus Deutschland als Eingreifkommando in Marsch zu setzen, um an politischen Kipp-Punkten im Sinne von Wecker, Wader und Süverkrüp bedeutungsvolle tagesaktuelle Kunstwerke zu schaffen, die den Feinden der Demokratie dort in den Arm fallen, wo sie meinen, leichtes Spiel zu haben.

Mit "Bodo bleibt", einer gereimten Hymne auf Bodo Ramelow, den Mann, der in Thüringen zwischen Frieden und Barbarei steht, steuert ein junger liberalökologischer Dichter aus Weimar, der aus Angst vor nazistischen Nachstellungen anonym bleiben will, jetzt ein Poem zur linken "Bodo bleibt"-Kampagne bei, das sich lind an Udo Lindenberg Klassiker "Bodo Ballermann" anlehnt, dabei aber schnell zu einer eigenen poetistischen Sprache findet, die den Rezipienten nicht nur auf der intellektuellen, sondern auch auf der emotionalen Ebene erreicht.


Bodo Ramelow regierte beim
Rambo-Zambo-Politverein
Er beherrschte den Platz wie hingegossen
Er war der Traum aller Parteigenossen.

Verlor er `ne Wahl
hatte er sie gewonnen
nur der Nazi Höcke
hat sie ihm weggenommen
oder wählten die einfach einen Liberalen
hat Bodo die Faschisten zurückgeschlagen

Nur er kann's richten
nur er kann uns retten
Zehntausend Leute brüll'n entleibt:
Bodo, der Bodo bleibt!

Die Kanzlerin greift ihn vergeblich an
Er warnt besorgt vor der Kriese
was würde werden ohne ihn
den einzigen politischen Riesen
Bodo ist sehr gut in diesem Spiel
bei ihm liegt der Rand in der Mitte
der Sozialismus ist sein Traum und Beruf
Bodo kennt die nötigen Schritte

Wenn dann die Ämter erst wieder seinen Namen rahmen
wie damals den vom Erich Honecker
ist er am Ziel und es bleibt nicht viel
zu meckern für andere Geschmäcker

Nur er kann's richten
nur er kann uns retten
Zehntausend Leute brüll'n entleibt:
Bodo, der Bodo bleibt!


Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Manchmal ist ja hier auch Mitmachboard.

Muß es nicht heißen?

"Bodo, unser Bodo bleibt!"
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Auch das Thälmannlied gibt jede Menge Nachdichtstoff her.

Thüringen, reck deine Glieder, linksgrün und beflaggt ist das Land! Breit in den Schultern steht wieder Bodo vor uns, wie er war.

Bodo und Bodo vor allen! Thüringens beliebtester Sohn. Bodo ist niemals gefallen, Stimme als auch Hohn der Nation, Bodo ist niemals gefallen, Stimme als auch Hohn der Nation.

Deutsch unsre Fluren und Auen! Bald strömt der Rhein wieder frei. Brechen den Höckes die Klauen, Bodo ist immer dabei.

ppq hat gesagt…

möglich, vom metrischen her. aber das "bodo" trägt das "unser" schon in sich, glaube ich. "unser bodo" ist ein weißer schimmel, deshalb wohl hat der poet das anders gelöst

Die Anmerkung hat gesagt…

Thüringen, reck deine Glieder, rotgrün beflaggt ist das Land!
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So heißt die korrekte Zeile des Bodolieds.

@ppq

>> "bodo" trägt das "unser" schon in sich

Ìst das nicht etwas viel an dichterischer Freiheit? Der ist pfäffisch, also gilt für ihn doch eher, liebe dich zunächst wie dich selbst. Die nächsten kommen dann später dran.

Ich will das jetzt nicht dem Fake News Erfinder der ARD melden, ob der das mal auf Plausibilität prüft, aber mit dem wirklichen Leben, so scheint mir, hat das nur bei ausreichend genügend großer Phantasie zu tun.

Ich gestehe. An der mangelt es mir im vorliegenden Fall.

Aber.

Es leuchtet mir ein. Von der Logik her. Ich steck nicht so tief in der Materie drin wie der Dichter. Es stimmt wohl so, irgendwie jedenfalls, wenn man der Thüringer Allgemeinen und den Thüringer Besonderheiten Glauben schenkt.

Hase, Du bleibst hier... hat gesagt…

Ich nehm mal ne kleine Anleihe bei Fontane.

„In den Kampf! Auf die Straße!“
„Ich halte drauf hin.“
Und das links-grüne Volk jubelt: „Halt aus! Hallo!“
Nur noch wenige Tage bis Ramelow.

Anonym hat gesagt…

Ich muß das Zitat von olle Dostojewskij einmal wieder hervorwühlen.
Etwa so, wir haben die alle im Auge, Sozialisten, Anarchisten, Kommunisten, Lachnummeristen - Witzfiguren, aber eine, eine Sorte wäre brandgefährlich: Sozialisten und gleichzeitig frumbe Christen.
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Vi skriver en bok. Först behöver vi titeln. (Walter Moers, Den Lilla Skitstöveln) --
Bra tilel: Brott och straff. Dåligt titel: Efterrus och halsbränna.