Sonntag, 16. Februar 2020

Verletzte Eitelkeit: Nimmer gehts schlimmer

Ramelow Linke SED
Die Regierungsstraße in Erfurt ist im Moment eine Sackgasse.

Als Westdeutscher, der nicht in den Osten kam, um Karriere zu machen, sondern weil es dort niemanden gab, der Karriere machen wollte, obwohl Bedarf bestand, blickt der gebürtige Niedersachse Bodo Ramelow auf mehr als 20 Jahre Erfolg in einem fremden Land zurück. 20 Jahre, die schon viel früher begannen, als eine Unterschrift unter die "Erfurter Erklärung" zur für eine "Opposition, die den Wechsel mit allen Kräften will" den Gewerkschaftsfunktionär und Aufsichtsratsvorsitzenden einer Erfurter Wohnungsbaugenossenschaft plötzlich zum politischen Hoffnungsträger machte. Ramelow wurde zur Nummer 2 in der PDS, er eroberte einen Sitz im Landtag und löste schließlich seine Vorgängerin Gabi Zimmer als Parteichefin ab.

Die Fähigkeit, einzuordnen und in Relationen zu denken, stand dem heute 64-Jährigen dabei nie im Wege. Ramelow denkt von sich aus, nicht unbedingt an andere, er war nicht nur bereit, sich kurz vorm Rentenalter noch einmal ganze Legislaturperiode als Ministerpräsident aufzuladen, obwohl die Erfurter Erklärung doch einst eine neue und gerechte Verteilung der Arbeit gefordert hatte. Er ist auch in der Lage, persönliche Niederlagen als nationale Tragödien zu empfinden: "Ich habe schwere Zeiten in Thüringen erlebt", hat er eben erklärt, denn er habe "das Massaker am Gutenberg-Gymnasium erlebt". Damals starben 17 Menschen, Ramelow, auch wenn es sich so anhört, war keiner, der mit leichten Streifschusswunden oder einem glatten Durchschuss entkam, sondern nur irgendwie auch in derselben Stadt, das trifft einen Berufsemphaten dann schon.

Und wie erst das, was er jetzt im Landtag erlebte, diesen Eklat um seine Wahl, den er im Vorfeld durch demokratische Hinterzimmergespräche und eine schiedlich-friedlich gefundene Klo-Lösung abgewendet glaubte. "Sowas, was ich seit Mittwoch erlebe, was meine Familie erlebt, das haben wir noch nicht erlebt", bekannte Bodo Ramelow in einer heute schon historisch zu nennenden Einordnung der katastrophalen Vorgänge in seiner Wahlheimat.

Was sind auch 17 Tote gegen eine "unverzeihliche" (Merkel) Wahl? Was zählen Blut und nicht wieder gut zumachender Schmerz verglichen mit der Enttäuschung eines demokratischen Sozialisten, wenn eine demokratisch zustandegekommene Mehrheit ihm die Gefolgschaft versagt?

Als Politiker ist Ramelow berechtigt, das Leid, das ihm vom politischen Gegner zugefügt wurde, so schwer zu nehmen wie andere den Tod naher Menschen. Er muss das sogar tun, den im Meinungskampf zählt nicht Fingerspitzengefühl, sondern das Talent, Niederlagen als Munition für das jeweils nächste Gefecht zu nutzen. Die Besten in diesem Metier schaffen es, mit dieser Methode immer dort zu stehen, wo ihnen selbst vor zu sein scheint. Hochaufgereckt beklagen sie dann, dass alle anderen sich nicht an die Spielregeln hielten, die sie selbst allenfalls einhalten, wenn es ihnen gerade in die Agenda passt.

Heute hier, morgen dort,  jede alte Lüge ist wie ein neues Showprogramm. Walter Steinmeier etwa wiederholte auch bei der Sicherheitskonferenz in München das Märchen, Russland habe "militärische Gewalt und die gewaltsame Verschiebung von Grenzen auf dem europäischen Kontinent wieder zum Mittel der Politik gemacht." Woher soll er es denn besser wissen? Als die Türkei 1974 Teile Zyperns besetzte und die europäischen Grenzen mit Gewalt neu zog, machte Steinmeier gerade sein Abitur. Und als Deutschland Anfang der 90er den Zerfall Jugoslawiens durch die Anerkennung der einseitig erklärten Unabhängigkeit von Slowenien und Kroatien befeuerte, saß er in der niedersächsischen Staatskanzlei, wo Nachrichten über die Balkankriege nicht diskutiert wurden hindrangen.

Nur nicht einordnen, denn Einordnung ist Relativierung und Relativierung dient selten dem eigenen Zweck. Ein Satz wie „die Welt ist heute eine andere als 2014“, den Steinmeier in München sprach, als habe er damit etwas ausgesagt, erfährt seine Aufladung im Nachhinein, durch Interpretationen, die der Bundespräsident im Stile Ramelows mitliefert, allerdings ohne dessen egozentrisch trötende Dumpfheit. Steinmeier, ein lauwarmer Mann des ewigen Ausgleichs, weltoffen, weißhaarig, einst zweiter Mann hinter Schröder, dessen Sprechweise er heute noch imitiert, kann Unschlüssigkeit als Besonnenheit und kaltes Blut als Nachdenklichkeit ausgeben, er hat den US-Präsidenten einst einen "Hassprediger" genannt, als er noch glaubte, er werde es nicht werden. Er würde heute wieder so verfahren, ausgenommen, er wüsste, dass er es doch wird. Denn der Mann im Weißen Haus hat ihm nie verziehen und ihm, was Steinmeier doch so wichtig wäre, nie Gelegenheit gegeben, ein paar schöne gemeinsame Fotos zu machen.

Man kann nicht vorsichtig genug sein. Steinmeier nennt Trump heute nicht mehr. Er spricht in Rätseln, wie etwa in dem, dass nicht etwa "an alle gedacht sei, wenn ein jeder an sich denkt". An wen denn dann? Und wieso denn nicht?, müsste die Presse nun fragen. Aber wo man im selben Graben liegt, schießt man in dieselbe Richtung: "Tatsächlich nimmt sich der Beginn jenes Jahres (2014) im Rückblick einigermaßen harmonisch aus verglichen mit dem, was bald folgen sollte", erläutert eine leitmediale Großredaktion im Brustton innerster Überzeugung, was der erste amtlich anerkannte Verfassungsbrecher im Bundespräsidentenamt mit seinen wolkigen Andeutungen und düsteren Warnungen wohl gemeint haben könnte. So dunkel nämlich ist die Welt geworden, aus der Sicht derer, deren kenntnisreiche Berichterstattung sie erleuchtet: "Russlands Annexion der Krim und sein Krieg in der Ostukraine, die Flüchtlingskrise von 2015/2016, die Wahl Donald Trumps, der Brexit."

Fürwahr fünf krasse Tiefpunkte der Menschheitsgeschichte.

Nur Ramelows Leiden fehlt.

Kommentare:

Hundstagelöhner hat gesagt…


Der kleine linke Pinscher Bodo hat ein Schoßhündchen namens Attila.

Das reicht dem stubenrein gezüchteten Kötervolkler, um ihn begeistert zum Leitwolf wählen.

Das war bei Adolf und seiner Schäferhündin Blondie doch ähnlich.

Lammfromm und sozialistisch frei nach dem Motto, wer auf den Hund gekommen ist, kann so schlecht nicht sein.

ppq hat gesagt…

hunde sind eine klimalast und bei rechts wie links gleichermaßen abzulehnen. jeder hund verstärkt den treibhauseffekt und raubt kindern die zukunft

Anonym hat gesagt…

Da holt wohl einer wieder einmal tief Luft für die nächste Troll-Kotzorgie.
Defendit ab initiis ...