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Donnerstag, 30. April 2020

Nachrichtenagentur DPA: Heldenfabrik und Stimmungsaufheller

Alles Schlechte wegfiltern und die Menschen im Lande mit ausgesucht guten Nachrichten aufmuntern: Der Nachrichtengroßhändler DPA weiß, was die Stunde geschlagen hat
Sterben, Tod und Traurigkeit, die Seuche, pandemisch, die Virologen aufgeregt, die Politik auf der Suche nach der exponentiellen Kurve bei der Steigerung der Zuspruchswerte. "Corona-Zeiten" sind Zeiten des Meinungskampfes, aber auch Zeiten alltäglichen Heldentums überall dort, wo Menschen ganz normal ihre Arbeit tun. Nicht alles läuft ganz super, denn gab es anfangs Zweifel, ob die Bundesregierung weiß, was sie tun soll, und es nur einfach nicht tut, mehren sich jetzt die Hinweise, dass sie das nie zugeben wird.

Nur  gute Nachrichten



Wenigstens aber stehen Gemeinsinnfunk und private Medienhäuser wie ein Mann hinter der Macht, die es sich inmitten einer Bewährungsprobe noch nie zu kritisieren schickte. Regierungshandeln wird nicht kritisch hinterfragt, sondern begeistert gefeiert, gezeigt wird nicht wie  schwer die Schäden sind, die das zu späte und unentschlossene Vorgehen von Bund und Ländern angerichtet hat. Sondern lieber, wie sich der kleine Mann auf der Straße, die Krankenschwester, der Kranfahrer und der DHL-Fahrer unverdrossen gegen die Krise stemmen. Indem sie, die noch Arbeit haben und zur Arbeit gehen dürfen, das auch tun.

Medien als Heldenfabrik, die sich vor allem um die Wehrertüchtigung der Massen im "Kampf gegen Corona" (DPA) verdient machen wollen. Ganz vor dabei ist wie stets die nach dem Ausscheiden nahezu aller Konkurrenten in Deutschland dominierende Nachrichtenagentur DPA, eine "Wahrheitsfabrik" (PPQ), zu deren Kunden nahezu sämtliche Medien im Lande gehören. 97 Prozent der Deutschen beziehen 94,4 Prozent ihrer Nachrichten von DPA, zumeist ohne es zu wissen und ohne sich über News zu wundern, die erstaunlich konkret sind wie "täglich fotografieren oder filmen sich etwa 2300 Jugendliche in Deutschland beim Liebesspiel" oder "viele Ehec-Tote werden nie wieder gesund".

Richtig ist, das immer richtig ist, was die Zentralredaktion in Berlin völlig richtig meldet - weil zu Wirklichkeit wird, was mit ausreichendem Nachdruck von ausreichend vielen Medien nachgedruckt wird. Wortgleich und ungeprüft übernehmen die ideologisch unterschiedlichsten Blätter die von namenlosen Schreibern zusammengeknibberten DPA-"News": Schlagartig will denn Schäuble in 487 Zeitungen und Zeitschriften lieber sterben als nicht mehr einkaufen können, gerät Ursula von der Leyen legr auf 634 Internetportalen zugleich dieselben drei Sätze aus ihrem "Corona-Plan" vor und Angela Merkel ist überall auf einen Schlag "beliebt wie nie".

Großhandel mit #goodnews


Corona-Zeiten sind nun eine Gelegenheit für die Wahrheitsfabrik, die sich im Besitz  der deutschen Medien, also ihrer eigenen Kunden befindet, mit einem neuen Dienst an den Start zu gehen, der den Volkswillen weiter zu stählen verspricht. #gutenews nennt DPA das vielversprechende Angebot, das dem Bedürfnis gerecht werden will, dass es "gerade in einer Krise einen großen Bedarf an Nachrichten, die Freude machen, die einen zum Lächeln oder einfach auf andere Gedanken bringen" (DPA) gibt.

Weil diese Geschichten und Bilder aber eben in diesen dunklen Zeiten so schwer zu finden sind, dass die meisten Zeitungen ohne ihre Geschichten von mutigen Verkäuferinnen, tapferen Busfahrern und insolventen Kneipern, die nicht aufgeben, kaum noch halb so dick wären, bietet DPA quasi staatsamtliche Unterstützung. Mit #gutenews kennzeichne die dpa-Redaktion ab sofort Texte und Fotos, die das Kriterium erfülle, von Corona betrübte Menschen ein bisschen aufzumuntern, sie mit fluffigen, fröhlichen Inhalten zu trösten und das Gefühl zu verbreiten, dass alles gut werden wird, wenn nur alle immer mal lächeln und auf die Kanzlerin vertrauen.

Der Nachrichtengroßhändler, wie sich DPA selbst bezeichnet, wird zur Heldenfabrik und zum Stimmungsaufheller, der Trübsinn und Traurigkeit im Lande im Stil des legendären Kinderradio Knirpsenstadt wegtickert. Nun kann nichts mehr schiefgehen im Corona-Kampf, für gute Nachrichten ist gesorgt, die Virenabwehrfront aufmunitioniert mit #goodnews und die Seuche perspektivisch chancenlos.

Kommentare:

Gerry hat gesagt…

Der Mann der Stunde, der, welcher die zutreffenden Schlagzeilen liefert, ist Bernd Zeller. "Mit dieser Krise war nun wirklich nicht zu rechnen. Machen wir das Schlimmste draus"

Es kann nur Abscheu, Ekel bis hin zu Hass produzieren. Diese Euphemismen, welche für die Lockerungsumschreibungen verwendet werden, 2 Schritte vor, 3 zurück, gutmeinend, beruhigend, Wille zeigend, bemüht. Schreikrampf.

Anonym hat gesagt…

Früher im Zentralorgan der Bezirksleitung der SED gab es auch immer #gutenews, außer vom Klassenfeind.

ppq hat gesagt…

eine gute sache, vor allem sehr gut gemeint