Mittwoch, 12. Mai 2021

Schriller Schrecken: Die Stimmlage der Seuche

Bezeichnend für den Sound der Zeit: Der im beruhigenden Bass sprechende Robert Habeck (l.) unterlag im grünen Kanzlerwettstreit der im spitzen Diskant redenden Annalena Baerbock (r.)

Es ist ein gestrichenes F, das da erklingt. Wie Fingernägel auf einer Schultafel, wie Zähneknirschen und Zangekneifen am männlichen Geschlechtsteil, so klingt sie, die Stimmlage der Seuche, die seit Monaten die Tonart bestimmt. Wo immer über Pandemie und Maßnahmen, Fehler und das große Glück, all das in Deutschland erleben zu dürfen, gesprochen wird, sägen dieselben drei Dutzend Gestalten am Holzschnitt vom Pandemieparadies, das sich erst spät in eine Hölle voller Kontrollverlust verwandelte. 

Karl Lauterbach, Manuela Schwesig, Ursula von der Leyen, Anne Will und eine Handvoll anderer Dauergäste im Gemeinsinnfunk, darunter selbstverständlich Malu Dreyer und eine ganze Division von Virologen und Epidemiologen - sie alle teilen nicht nur eine Meinung, sondern auch ein schlimmes Schicksal: Eine Stimme, die zwischen grell und grässlich changiert, brutal spitz und von keinem Basston abgefedert.

Zwischen grell und grässlich

In der Auralwissenschaft ist das Phänomen als "Dysphonie" oder auch "Nahlismus"* bekannt und weitgehend auserforscht. Nach jahrelangen Untersuchungen bei professionellen mongolischen Obertonsängern herrscht heute weitgehend wissenschaftlicher Konsens darüber, dass eine Überlastung der Stimme bei Menschen, die aus beruflichen Gründen viel sprechen glauben zu müssen, ihre Ursache zumeist bei den Stimmlippen hat. Die dauerhafte Überbeanspruchung des fragilen Gewebes hier, vor allem durch unausgebildete Sprecher, führt zur Bildung von sogenannten Sängerknötchen. 

Sie sitzen auf den Stimmlippen und bestehen aus Bindegewebe, das eine ganz gewöhnliche Alltagsstimmlage, wie sie Monteure, Supermarkt-Kassiererinnen oder auch Straßenbahnfahrer*-:Innen wie selbstverständlich verwenden, in eine sogenannte "Seuchenstimme" verwandeln. Die nach dem Griechischen φωνή, phōné, „Laut, Ton“ und δυς, dys „falsch, schlecht“ benannt, klingt schwach und deutlich verändert, entfaltet damit aber gerade in angespannten Situationen die Kraft, passend zu klingen.

Die hierbei erzeugten Geräusche erinnern an zerbrechendes Glas,  reißende Styroporplatten und die im Gemeinsinnsfunk früher verwendeten Sendepausentöne. Sie stehen häufig im gestrichenen F, so das führende Vertreter der Alarmbranche in Hörfunk und Fernsehen quasi harmonisch im Chor auftrumpfen können. Der Dysphoniker lebt nicht mit, sondern von dem durch die eingeschränkte Leistungsfähigkeit seiner Stimme veränderten Klang seiner Sprache, er kompensiert die die höheren Frequenz, die durch schnelle Schwingungen der strapazierten Stimmlippen ausgelöst werden, durch Aufmodulation von mehr Informationen - im Alltag würde man sagen, Dysphoniker sprechen schneller.

Nachschub für Stimmlippen

Das allerdings zwingt sie auch zu schnellerem Denken, weil die Stimmlippen beständig nach Nachschub verlangen, der bei Gastspielen in Talkshows wiederum im Handumdrehen verfüttert wird.  Andreas Nahles, die als SPD-Vorsitzende eine der ersten Dyphonikerinnen an der Spitze einer Großorganisation war, wusste ein misstönend Lied davon zu singen, als sie im Bundestag das Pippi-Langstrumpf-Lied anstimmte und für Fassungslosigkeit und Entsetzen bei Nina Scheer und Diether Dehm sorgte, den beiden Musiker:_*Innen, die im Hohen Haus die mehr als drei Millionen deutschen Musikerinnen und Musizierenden vertreten.

Was früher als großes Karrierehemmnis galt ist im Zuge der pandemiebedingten Gleichstellungsmaßnahmen aber ebenso vom Tabu der Aufstiegsbremse befreit worden wie andere Äußerlichkeiten, die Bürgerinnen und Bürger als kollektive Misswahrnehmungsanlässe oft verleitetet hatten, kleingewachsene, ältere oder auch weiße, glatzköpfige Männer für wenig charismatisch oder Anführerinnen von unbestimmter Korpulenz für undiszipliniert und damit wenig führungsgeeignet zu halten. Pionierinnen und Pioniere wie Nahles, die beinahe unvergessene Katharina Barley, auch der "Trallafitti"-Erfinder Dieter Wiefelspütz, die Klimaikone Luisa Neubauer und die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock haben das Unmögliche geschafft: Die näselnde Klangfarbe von nervenden Lehrerinnen ist der Grundton der Pandemiedebatte.

Diese unverwechselbare Stimmlage der Seuche, sie liefert seit Monaten den schrillen Soundtrack zum Schrecken des Systemversagens. Lauterbach, Neubauer, Schwesig und Baerbock, denen ihr angeborenes Talent für mongolischen Obertongesang in normalen politischen Zeiten jede Chance verbaut hätte, in ein höheres politisches Amt zu scheitern, sind mit ihren gleich in mehreren Dimensionen hochfrequenten Auftritten heute der willkommene Gegenentwurf zu Gestalten wie der amtierenden Kanzlerin Angela Merkel, dem Unionskandidaten Armin Laschet oder einem alten, depressiven Mann wie Alexander Gauland. 

Mit diesen Stimmen zieht die neue Zeit, eine Ära der hemmungslosen Expression, in der nur noch der Schrillste, Spitzeste und Lauteste gehört wird, dann aber überall. Das gestrichene Klima-F der Luisa Neubauer, die Fingernägel, die aus Annalena Baerbocks Stimmlippen auf die Schultafel der Nation kriechen und kreischen, das Lauterbachsche Hochfrequenzheulen vor aller Ohren, auf allen Kanälen - sie markieren den Sieg der Dysphoniker über die angeborene Harmonieliebe des Menschen. 


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich bin oft erstaunt, welche kultivierten Stimmen man auch bei recht kleinen, englischsprachigen Youtube-Kanälen zu hören bekommt. Viele haben im Unterschied zu sprachbehinderten Stammlern und Nölern wie Rezo oder Floid Stimmtalent und könnten im Nebenjob als Synchronsprecher oder Sänger arbeiten. Vermutlich ist die mangelhafte Sprech- und Stimmbildung bloß eins der zahllosen Defizite unseres Bildungssystems, vielleicht geclustert bei fragwürdigen Karriereexistenzen wie LautersackÆin oder Bärbock¿in.

Stimmbruch hat gesagt…

Während der Superlativ "Schriller Schrecken" angesichts zerfetzter Leichen und verstümmelter Verletzter in Israel angebracht wäre, missbraucht man ihn hier zu einem Bild mit dem Larifariduo Märchenonkel Robert und Koboldfee Annalena vor kreativ bekackter Designertapete im bunten Revoluzzerstübchen mit verdammt viel Brauntönung.

Die zugleich Holocaustgedenk-Zelebrierer und Judenhasser im rotgrünen Merkelandistan unterstützen bis auf Bundesebene jene militanten Terror-Palästinenser, die jeden Solidaritätscent in Vernichtungswaffen investieren, während das eigene Gazavolk in Elend und Armut darbt. Wir Deutschen paktieren schon wieder mit hassgetriebenen Moslems, um Juden umzubringen.

Damit das mal klar ist: Zuerst gab es den jüdischen Tempelberg, bis die islamischen Eroberer dort provokativ ihre al-Aqsa-Moschee drauf bauten. Seitdem brennt der Nahe Osten, weil die Leute dort dieses oder jenes glauben, und jeder sich im Besitz der allein selig machenden Wahrheit fühlt. Dafür mordet man dann gern auch mal.

Anonym hat gesagt…

>Während der Superlativ "Schriller Schrecken"

Das ist kein Superlativ, und jeder Artikel hat gewissermaßen ein Thema. Hier ist nicht Israel das Thema, auch wenn Sie mit der Tapete und der Finanzierung von Judenhass und Judenmord durch Berlin Recht haben.

Anonym hat gesagt…

Ich freue mich schon auf das Gegeifer jenes Trolls, das unweigerlich kommen wird.

Stimmbruch hat gesagt…

@ Anonym 3

Wenn ich jemandem eine Freude bereiten kann, tue ich das selbstverständlich gerne.

Zuvor stellen wir uns aber erstmal janz dumm und fragen den allwissenden Google, was er zum Thema trollen zu sagen hat.

Also bitte kurz mal aufgemerkt. Dort ist nämlich zu lesen: "Jemanden zu trollen bedeutet, dass Nachrichten gesendet werden, um jemanden zu ärgern oder zu stören.

Nach dieser Definition darf man dir gratulieren, dich mit deiner offensichtlich nur diesem Zweck dienenden Nachricht selber als Troll entlarvt zu haben.

Du hast jetzt also wirklich allen Grund Dich zu freuen.

Was draußen der angebliche Nazi, ist hier drinnen der angebliche Troll: Ein 08/15-Totschlagargument von Kleingeistern ohne Argumente aber voller Bösartigkeit.

Schäbig kommt von Schabe.

Anonym hat gesagt…

Danke für das Ergötzen, das Du mir bereitet hast.

ppq hat gesagt…

könntet ihr das irgendwo im kindergarten austragen? dort seht ihr euch doch am montag wieder