Samstag, 8. Mai 2021

Tag der Befreiung: Nichts geht mehr

Kann weg: Gedenkstein für die Sowjetsoldaten.
 
Ist es ein runder Geburtstag, so ist es Brauch, kennt das Erinnern kein Ende. Der im Osten alljährlich mit Kulthandlungen begangene "Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus" kam zu seinem 75. auch im durchdemokratisierten Teil des Vaterlandes an. Überall Elogen auf Erinnerungen, selbst Richard von Weizsäckers Festlegung, dass der 8. Mai ein Tag der Befreiung gewesen sei, erfreute sich neuerlicher Erwähnung. Müsse man nicht sowieso und überhaupt endlich einen Feiertag für alle daraus machen? Für immer? Man könne ihn ja zum  "Tag der Gleichheit" ernennen, schlug die Linken-Vorsitzende Katja Kipping vor, die schon den 1. Mai zum "Tag der Gerechtigkeit" umschmieden hatte wollen. 
 
Ganz Deutschland war Gedenken, niemand da, der nicht gerührt in Gedanken war. Das geht aber immer schnell vorüber. Schon einen Tag danach ist die Debatte verschwunden und vergessen. Und das immer gleich für fünf Jahre, denn was an Jubiläen nicht rund ist, also auf "0" oder wenigstens "5" endet, gibt es gar nicht. Kein Bundespräsident trauert in eingebildeter Erinnerung, keine Büttenreden, Gemeinsinnsenderspielfilme. Der 76. Jahrestag der Befreiung fällt entsprechend still aus. Eine Fete findet nicht statt, nicht einmal mehr der "hohle Klang deutschen Gedenkens zum Kriegsende", den die "Welt" im letzten Jahr beklagte. 
 
Das Jahr nach dem letzten Erinnerungsexzess bringt das totale Vergessen. Ein paar unbelehrbare Linke legen Kränze nieder. Überall sonst ist allenfalls Muttertag. Die Befreiten mögen nicht feiern, schon gar nicht Befreier, die im Lichte neuer Notwendigkeiten wieder Gegner sind. Nur naheliegend, dass keine Kanzlerin ihrer Heldentaten gedenkt, kein Bundespräsident ihnen Blumen schickt, kein EU-Kommissar ihren Beitrag zum anhaltenden Frieden auf dem Kontinent lobt. Ist der Gedenktag nicht rund, kann er gern ausfallen, denn so wichtig ist der 8. Mai denn doch nicht, auch wenn er am Anfang all dessen stand, was sonst so gern gefeiert wird.

Dann doch lieber Muttertag.


Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

>> Der 76. Jahrestag der Befreiung fällt entsprechend still aus.

Nicht ganz, wie ich heute am Beispiel Till Lindemanns dargestellt habe, wobei er auch nur mit leisen Tönen dabei ist.

Die Anmerkung hat gesagt…

https://snanews.de/20210508/merkel-tag-der-befreiung-2013957.html

Merkel gedenkt dem Tag der Befreiung und warnt vor Schlussstrich-Denken

... auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ...
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Da fällt mir nur einer ein.

Auch Steinmeier, Väterchen?

Auch Steinmeier. Das kommt oft vor.

Anonym hat gesagt…

Die Weimarer Republik hatte ihre Dolchstoßlegende, die Lebenslüge der BRD ist „Tag der Befreiung“. Wovon, Mondnazis? Deutschland wurde besiegt, nicht befreit. Die Alliierten gaben irgendwann den Planer der Entnazifizierung auf, weil sonst kein Staat mehr zu machen war. Die gesamte Beamtenschaft, von Finanzamt bis zu den Lehrern (Nationalsozialistischer Lehrerbund) war braun durchseucht. Selbst Wahlen hätte man nicht durchführen können; 1949 zogen deshalb lupenreine Nazi in den Bundestag ein.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_t%C3%A4tig_waren

Nicht verwunderlich ist, dass dieser Begriff von einem stammt, der seinen Vater als Nebenverteidiger bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozess verteidigte. Dieser Vater sagte frech aus, er hätte gedacht, seine Unterschrift unter Deportationslisten nach Auschwitz würde diese Menschen retten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_von_Weizs%C3%A4cker#Verurteilung_wegen_Verbrechen_gegen_die_Menschlichkeit

Und täglich grüßt das Murmeltier hat gesagt…

@Anonym Beim Weizsäcker-Link sieht man schön, wie Richard „Tag der Befreiung“ von Weizsäcker zu Daddy sagt, keine Sorge, später deklariere ich dich per Sprechakt zum Opfer und schiebe zudem die Verantwortung für die Verbrechen von der Staatselite und Beamtentum weg zu den plumpen Arbeitern. Die alte Staatselite stellt dann die neue Staatselite und der plumpen Bevölkerung erzählen wir, dass sie Staats- und Autoritätsgläubig sein muss, damit Geschichte sich nicht wiederholt.

Der lachende Mann hat gesagt…

@ Anonym 1 Wikipedia zu historischen oder politischen Themen. Ja nee, is klar.

Anonym hat gesagt…

@Der lachende Mann

Ernst von Weizsäcker wurde also nicht angeklagt und verurteilt, sein Sohn hat ihn nicht verteidigt und die NS-Mitglieder sind nicht in die Parlamente eingezogen? Bis du auch ein Anhänger von „Deutschland wurde von einer fremden Macht übernommen, in den Krieg geführt und von den Alliierten gerettet und befreit“? Deutschland ist das wahre Opfer! Dir ist doch klar, dass die Staatsapparatinhaber diese Lüge brauchen, um weiter Obrigkeitsgläubigkeit zu züchten. Was ihnen auch gelingt, Kritik an Staat und Regierung ist heute Faschismus. Kritiker, ob Oppositionspartei oder einfacher Untertan, werden Ziel des Staats-, quatsch, Verfassungsschutz und der deutsche Michel nickt. Also genau das, das die deutschen Verbrechen im 20. Jahrhundert erst möglich machte – tiefe Obrigkeitsgläubigkeit, Denunziantentum und Mobmentalität beherrschen erneut unsere Gesellschaft! Schaue genau hin, wer diese Lüge braucht, wer sie hoch und runter betet, um gesundes Misstrauen an Staat und Regierung im Keim zu ersticken.

Wikipedia ist sehr problematisch, besonders wenn die Milieumedien als Quelle dienen, aber als Themeneinstieg sehr nützlich.

Der lachende Mann hat gesagt…

@Anonym Sie schätzen mich falsch ein. Unter vier Augen und bei ausgeschalteten Abhörgeräten würde ich Ihnen das darlegen.

Anonym hat gesagt…

das die deutschen Verbrechen im 20. Jahrhundert erst möglich machte ...

Als da wäre? Katyn? Oradour? Eingeräumt, dass die NS-Führung Scheixxe genug gebaut hat - Zeitzünderbomben hat sie nicht geschmissen.