Dienstag, 25. Juli 2023

ARD-Faktenfinder: So lügt das ZDF

Der tiefe Dissens zwischen ARD-Wahrheit und ZDF-Wirklichkeit zeigt, wie schrecklich die Gesellschaft auch heute wieder gespalten ist.

Deutschland verrückt! Jetzt schwappen die angeblichen Vorfälle in Schwimmbädern auf die Sendezentralen der Gemeinsinnfunkhäuser über. Ein Krieg zwischen Hamburg und Mainz, ein Krieg um die wahre Wahrheit, ausgeführt mit Hilfe von Faktenfindern, wissenschaftlichen Zuträgern, falschen Statistiken und einer Reichweite, die es den beteiligten Truppen gestattet, seine fake news bis in jedes deutsche Wohnzimmer zu transportieren und dort für Verunsicherung zu sorgen. Was ist denn nun richtig? Was ist falsch?  Gibt es die wachsende Gewalt in Freibädern? Ist die Jugend  wirklich gewalttätiger als früher? Oder geht die Gesellschaft hier eine rechten Erzählung auf den Leim, die schon vor Jahren von engagierten Aufklärern ins Reich der Märchen verwiesen wurde?

Streit zwischen den zwei Großen

Die beiden großen Sendeanstalten im Land müssten hier eigentlich an einem Strang ziehen, um klare Kante zu zeigen. Nichts ist leichter als der Gegenbeweis zur Nazi-These, dass die Jugendgewalt in Freibädern beständig zunimmt, nichts wäre angesichts des Rechtsrucks eines großen Teils der Wählerinnen und Wähler wichtiger als mehr aufklärende Texte wie der vom ARD-Faktenfinder zusammengestellte Beweise, dass die Zahl der Straftaten zumindest "insgesamt" /Faktenfinder) nicht zugenommen habe, wenn man nur einen bestimmten, sorgfältig ausgesuchten Zeitabschnitt betrachte. 

Pascal Siggelkow und Carla Reveland haben genau das getan. Bewaffnet mit bundesweiten Zahlen, von denen sie ganz transparent einräumen, dass es sie nicht gibt, den angezeigten Straftaten in Schwimmbädern, die sich aus der Polizeikriminalstatistik (PKS) nicht zu entnehmen sind, "da sie nicht erfasst werden", und einigen vorhandenen Zufallsangaben aus zwölf Bundesländern liefern die beiden Spezialisten für mediale Wirklichkeitskonstruktion den Beleg dafür, dass sich nicht nur Äpfel und Birnen vergleichen lassen, sondern auch Zahlen, die sich nicht aufeinander beziehen, sogar aus Zeiträumen, die "sich pandemiebedingt nur schwer vergleichen lassen".

Die Botschaft muss stimmen, die Zahlen nicht

Hauptsache, die Botschaft stimmt, und das tut sie: Im Vergleich zu 2019 sei die "Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Schwimmbädern im Jahr 2022 insgesamt um knapp 15 Prozent von 7.707 Fällen auf 6.589 gesunken - zumindest in den Bundesländern, die die Zahl gesondert erfassen", teilen die Faktenfinder mit, warum der Eindruck, dass es ein Jahr nach dem betrachteten Zeitraum zu einem Anstieg solcher Straftaten gekommen sei, keineswegs zutreffend sein kann. Dass "in einigen Bundesländern mehr Gewalttaten registriert worden" seien, muss niemanden beunruhigen: "Diese Zahlen werden nur von sieben Ländern überhaupt ausgewiesen", heißt es, und "zudem gab es im Jahr 2019 auch etwa elf Prozent mehr Badegäste in den deutschen Freibädern als im Jahr 2022".

Die meisten Freibäder sind friedlich, bestätigen die Angaben des Faktenfinder ein historisches Muster, Ausschreitungen fänden überhaupt nur in "einigen wenigen der bundesweit insgesamt mehr als 2800 Freibäder statt". Völlig unklar, was Politiker wie den Grünen Wilfried Kretschmann, den CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, den bayrischen Innenminister Thomas Strobl,  aber auch progressive Medien wie die Taz von einer "krassen Welle der Gewalt" durch "Schwimmbad-Prügeleien" (Stern) die fabulieren lässt. Obwohl doch Samira El Ouassil im "Spiegel" schon längst klargestellt hat, dass all das Gequatsche um Freibad-Gewalt und Asylrecht nur eine von "Arschbomben" geführte "Pseudo-Debatte" darstellt, die angesichts der kühlen Temperaturen im Land besonders auffällt, weil sie nicht als "heiße Luft" enthält.

Wenn Freibäder mehrheitlich durchaus sichere Orte sind, kaum gefährlicher als Straßen, Plätze und Parks in einer deutschen Großstadt bei Nacht, dann muss jeder Hinweis auf ausnahmsweise geschehende "öffentlichkeitswirksame Schlägereien" (Faktenfinder) als "durchschaubares Ablenkungs­manöver von denjenigen" (Cem Özdemir) gewertet werden, die weiterhin mit Hass und Vorteilen wirtschaften wollen.

Provokation zur Profilierung

Wie es das ZDF tut, womöglich im Versuch, sich im Kampf um die künftig kaum mehr wachsenden Fleischtöpfe für den Gemeinsinnfunk lieb Kind zu machen bei denen, die am besten Deutschland aller Zeiten zweifeln. Wo die ARD ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auch ohne tragfähige Faktenbasis strikt nachkommt, indem sie aus dem, was da ist, eine frohe Botschaft strickt, versagt das Zweite Deutsche Fernsehen geradezu episch. 

Der Sender, in der Vergangenheit mehr als einmal gerühmt, weil in der Mainzer Zentrale eine der großen Meisterwerkstätten für mediale Manipulation unterhalten wird, stellte sich in diesem Fall brutal gegen die Kollegen der ARD: Wo die beruhigend mitteilten, dass die Zahl der Straftaten in Schwimmbädern nicht gesondert erhoben werde, darum aber erst recht sicher sei, dass es keinen Anstieg der Jugendgewalt, sondern "seit Jahren sinkende Fallzahlen mit einzelnen Ausnahmen" gebe, die dem Umstand geschuldet seien, dass jedes Schwimmbad ein "frei zugänglicher Raum" sei, dessen Besuch "für alle Bevölkerungsgruppen möglich" ist, heizt das Zweite die Spekulationen an, indem es das Innenministerium zitiert, das für 2023 einen "weiteren Anstieg der Gewalt- und Aggressionsdelikte" vorhersagt.

Das Konzept der Jungmännerverdünnung

Weiteren?  Ja, denn laut ZDF ist die Zahl der Fälle Rohheitsdelikte und der Straftaten gegen die persönliche Freiheit bereits im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 25,8 Prozent gestiegen. Der Gewaltforscher Dirk Baier tritt hier als Zeuge auf, der von einem "generellen Trend" spricht, "nämlich dem Anstieg der Jugendgewalt" (ZDF). Zwar handele es sich ausdrücklich nicht um die vielbehauptete  "migrantische Gewalt". Aber um die "Gewalt junger Männer", die sich "wieder verstärkt an Männlichkeitskonzepten" orientierten, "die mit Gewalt einhergehen". 

Macho sein, ein Kerl, der zurückschlägt oder auch als erster, das sei "unter jungen Menschen wieder wichtiger geworden", zumindest im ZDF. Das Phänomen, das es nach den Recherchen der ARD überhaupt nicht gibt, lasse sich auch nicht mit Polizeiwachen am Beckenrand, Grenzkontrollen am Freibadzaun und reisenden Schnellgerichten bekämpfen, die Unruhestifter abstrafen, ehe deren Badehosen getrocknet sind. Vielmehr sei die Zivilgesellschaft gefordert, sie müsse in hellen scharen in die Badeanstalten strömen, um dort "eine durchmischte Besucherschaft" herzustellen und die "Gruppen männlicher Jugendlicher", von denen die Gefahr im ZDF ausgeht, in ihrer schieren Menge zu verdünnen und damit zu befrieden. "Dann gibt es sehr viel weniger Konflikte und das Risiko, dass es zu Gewalt kommt, ist viel geringer."


5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

rotgrüne AchtsamkeitsberaterInnen sollten den hochbegabten Freibadislamisten da abholen wo er steht .

(((zdf)) / "drehscheibe" thematisiert das Problem . Achtsamkeitssprecher und Liebmenschjournalisten lösen das Problem ganz einfach durch Umdeutung und Liebsprech .

nach 10 Minuten Achtsamkeitsberichterstattung ist das Gewaltproblem weg . ach was : es war NIE da. Es ist einfach die unwoke Wahrnehmung des Internetzproleten der da irgendwie immer ein Problem sehen will.

nun aber Steckblumen und zdf Kochkurs .Tipps . usw.

Anonym hat gesagt…

Wenn wieder Randale ist, sollten die Bademeister durch's Megafon brüllen 'keine Sorge, die Zahlen sinken'.
Schätze, die sinken, weil sich die Betreiber der Brennpunktbäder auf die Bedrohung durch 'junge Männer' eingestellt haben. Oder manche eben einfach nicht mehr hingehen.

Der lachende Mann hat gesagt…

Die geilste Satire kam am 23.7. online auf FAZ "Weniger Gewalt: Freibäder sind heute sicherer als früher".

Anonym hat gesagt…

>FAZ "Weniger Gewalt: Freibäder sind heute sicherer als früher".

Definitiv sind sie jetzt bei 20 Grad sicherer als früher diesen Monat bei 30 Grad. Noch sicherer sind sie bei null Grad.

Carl Gustaf hat gesagt…

Gewalttaten in Freibädern setzt immer vorhandene und geöffnete Freibäder voraus. Wo keine Freibäder mehr sind, gibt es auch keine problematischen Zahlen mehr ..