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Freitag, 25. Juli 2008

Friede, Freude, Eierkuchen

Die Lichtgestalt aus Illinois war da - und Deutschland fiel in einen Taumel. Im Bett mit Obama, im Fitness-Klub mit dem Kandidaten, im Fernsehen mit dem künftigen Führer der Welt, der dem Bild des Präsidenten in Kiefer Sutherlands Terror-Serie "24" erstaunlich naturgetreu nachmodelliert wurde.

Wer aber ist der Mann, der Berlin zu Jubelstürmen hinriss wie zuletzt Hitler während der Olympischen Spiele anno 1936? Wofür steht der Barack Obama und wie will er seine Versprechen von Friede, Freude und Eierkuchen für alle einlösen?

In großer Gemeinsamkeit mit Europa, natürlich. Der Zeitpunkt sei gekommen, an dem eine neue Generation der Geschichte ihren Stempel aufdrücken müsse, meint der US-Senator. Dies gelte für den Klimaschutz ebenso wie für den Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan. »Amerika schafft das nicht allein«, betonte Obama in Berlin. Beispielsweise bräuchten "die Afghanen Ihre Truppen und unsere Truppen«, sagte er Richtung Europa. Es stehe zu viel auf dem Spiel, um jetzt dort auszusteigen. Der US-Politiker forderte eine "globale Partnerschaft für den Kampf gegen den Terrorismus", bei der alle gleichberechtigt sein müssten. »Das ist der Zeitpunkt, wo wir den Terrorismus zurückschlagen müssen und den Sumpf austrocknen müssen.« Obama verlangte außerdem eine Renaissance der engen Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA. »Amerika hat keinen besseren Partner als Europa.« Zusammen müsse man das Klima heilen, die Abhängigkeit vom Öl beenden, die Entwicklungshilfe verstärken, den Sudan befrieden und den Iran auf einen friedlichen Weg bringen.

Viele Worte in rauschendem Wind, Satzwände, an denen man nicht einmal einen leeren Luftballon antackern könnte. Doch Barack Obama hat klare Vorstellungen, wie die Welt zu retten ist, wie er auf seiner Webseite bekennt. Und die zeigen den vermeintlichen Gandhi aus Honolulu als pragmatischen Machtmenschen, dessen Ansichten zu Militärpolitik, Wirtschaft und Welthandel bei einem deutschen Sozialdemokraten sofort zum Parteiausschluß führen würden.

Obama allerdings verpackt das bisschen Konkretheit, das er hat, in unendlich viel Schmuß und globalisiertes Kuscheln. Iran? Ja, Iran! Man müsse mit dem Mullah-Regime reden, schlägt er vor. Im Gespräch könne dann eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit im Tausch gegen eine Beendigung der Atompläne vorgeschlagen werden - etwa also das, was dem Iran seit 20 Jahren ergebnislos vorgeschlagen wird. Reagiere das Regime nicht wie gewünscht, hat Obama einen ganz originellen Einfall: Dann müssten Sanktionen verschärft werden, bis der Iran einlenke. Etwa also das, was von jeher jeder amerikanische Präsident als vorletztes Mittel präferierte. Über das letzte danach schweigt Obama sich lieber aus.

Was die Umsetzung seiner anderen Vorhaben betrifft, ist der Senator ähnlich einfallsreich. Die US-Wirtschaft will er in Schwung bringen, indem er, Achtung, ganz neu: Steuern senkt. "Jumpstart the Economy" heißt das Programm und es stellt jedem arbeitenden Amerikaner 500 $ Steuerrückerstattung in Aussicht. Mindeslöhne sollen außerdem erhöht, die Zahl bezahlter Krankheitstage ausgeweitet werden. Rentner sollen künftig nur noch Steuern zahlen, wenn sie mehr als 50.000 $ Rente erhalten. Gleichzeitig werde er dafür kämpfen, ausländische Märkte für amerikanische Waren zu öffnen. Dazu werde er Druck auf die internationale Handelsorganisation ausüben, um unfaire Handelsparter - damit dürfte China gemeint sein - zu zwingen, ihre Märkte zu öffnen.

Wie das alles finanziert wird, während Obama gleichzeitig die Staatsfinanzen ordnet und das Defizit senkt, dazu kein Wort. Aber die Umwelt rettet es gleich auch noch. Indem er Milliarden in erneuerbare Energie stecke, schaffe er demnächst fünf Millionen neue Jobs und bringe die USA an die Spitze der Weltklimaschutznationen. Für "nichtbevorteilte" Bevölkerungsgruppen gibt es eine Milliarde extra, mit der wird ein "Green Jobs Corps" geschaffen, in dem Jugendliche praktische Fähigkeiten lernen können, um im Umwelttechnikbereich Karriere zu machen. Nebenbei setzt Obama selbstverständlich aber auf Atomkraft und Kohleenergie, darüber redet er nur nicht so laut.

Auch Abrüstung, nach Ansicht der Deutschen Obamas zweiter Vorname, findet nach den Absichten des 46-Jährigen nur auf quantitavier Ebene, nicht aber auf qualitativer statt. Obama will US-Soldaten besser trainieren und besser ausrüsten, um sie bei Einsätzen besser zu schützen. Ganz nebenbei plant er die Erhöhung der Truppenstärke der US-Streitkräfte um knapp 100.000 Soldaten und stärkere Investitionen in die US-Luftstreitmacht. "Sie ist das Rückgrat unserer Fähigkeit, weltweit Druck auszuüben."

Druck? Auf wen? warum? Wo wir doch bald alle zusammenstehen und die Probleme gemeinsam lösen? Auch die an der Heimatfront: Sieben Jahre nach 9/11 sei Amerika nicht sicher vor terroristischen Anschlägen, vor allem chemische Fabriken, das Trinkwasser- und das Verkehrsnetz würden unter seiner Ägide gesichert werden, verspricht Obama. Ohne dass er jetzt direkt schon verraten will, wie genau.

Dafür ist der Irak-Plan des neuen Mannes klar: Mit "agrressiver Diplomatie" werde er unter Einbeziehung von Syrien und Iran Ruhe in die Region bringen, den Aufbau vorantreiben, Al Kaida zurückdrängen und ... ja, hier kann jetzt jeder eintragen, was sonst noch so schön wäre.

1 Kommentar:

panzerbummi hat gesagt…

und der "rolling stone" wählt george w. zum schlechtesten amerikanischen präsidenten der letzten 100 jahre. die hätten mal den windigsten kandidaten wählen sollen.