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Montag, 17. Oktober 2011

Vernunft in der Nische

Erst sollten es die Manager gewesen sein, dann die Spekulanten, dann die Hedge Funds, dann die Märkte, nun schließlich sind die Banken dran. Alle drauf, lautet das Motto, seit dieselben Politiker, die in den Aufsichtsräten der Landesbanken jahrelang zuschauten, wenn wieder ein paar Off-Shore-Zweckgesellschaften gegründet wurden, meinen, sie könnten im Windschatten der wirren "Occupy"-Bewegung aus der Verantwortung für das in Deutschland zuallererst von eben jenen Landesbanken angerichtete Desaster segeln.

Banken, so will es die Momentanverbrauchsanzeige der veröffentlichten Empörung, sind die neue Atomindustrie, die neue Gentechnik, die neuen Nazis, die neuen Neoliberalen, das neue CO2, die neuen Islamkritiker, der neue Sarrazin, die neuen geistigen Brandstifter und die neuen, nein, historische Vergleiche kommen in Deutschland ja nie gut an.

Sigmar Gabriel, der vor elf Jahren wacker gegen die Abschaffung der Staatsgarantien für die Landesbanken gekämpft und den Instituten damit den Weg offengehalten hatte zu dem billigen Geld, das sie schließlich in Milliardenhöhe bei Lehman und Co. verloren, möchte "Banken zerschlagen", Jürgen Trittin, der die wilde Spekulation mit Zertifikaten seinerzeit euphorisch begrüsst hatte, fordert "Demut". Auf den Straßen marschiert ein Zorn, der nicht zu unterscheiden weiß und auch gar nicht mehr unterschieden will zwischen der erfundenen Wahrheit der Fernsehnachrichten und gesellschaftlichen Funktionsprinzipien, die eben nicht gegen den Willen der herrschenden Parteien, sondern nach deren Vorgaben so funktionieren, wie sie funktionieren.

Die Vernunft versteckt sich in solchen Zeiten in winzigen Nischen, aus denen sie manchmal in seltsamen Masken hervorlugt. Etwa in der des früheren Stasi-Behördenchefs Joachim Gauck, vor einem Jahr noch in allen Medien als Erlöserfigur gefeiert und zum Bundespräsidenten der Herzen ausgerufen. Gauck, ambitionslos unterdessen, hat für die "Anti-Banken-Bewegung" nur ein müdes Lächeln übrig. "Unsäglich albern" sei der "Traum von einer Welt, in der man sich der Bindung von Märkten entledigen könne", zitiert der "Spiegel" den Alt-Fastpräsidenten. Zu glauben, eine solche Welt sei möglich, sei eine romantische Vorstellung, hatte Gauck bei einer Veranstaltung der "Zeit" gesagt.

"Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren", erinnerte Gauck. Damals in der DDR taten die Banken, was die Politik verlangte. Am Ende war das Land pleite. Er bezweifle deshalb, "dass die Bankeinlagen sicherer wären, wenn die Politiker in der Finanzwirtschaft das Sagen hätten" - wobei Gauck nur ein bisschen schief liegt: Das Sagen bei den meisten deutschen Banken - von den Bundes- und Landesbanken über die Sparkassen bis hin zu den teil- oder ganz verstaatlichten HRE und Commerzbank - haben heute bereits Politiker.

Kommentare:

derherold hat gesagt…

Ich finde, man sollte statt *Banken* lieber *Geldwechsler* sagen.

Außerdem ist es unchristlich, Zinsen zu nehmen.

Zudem verstehe ich die *occupy*-Bewegung nicht so richtig. Ich dachte, DIE FORTSCHRITTLICHEN wollten ein "weniger", der Natur zuliebe.

Man sollte sich ein Beispiel an der DDR nehmen. Ich meine die ehem. DDR. Also das, was jetzt Ostdeutschland heißt:
Seit 1990 hat die Deindus... *räusper*... hat der Umweltschutz entscheidende Fortschritte gemacht.

ppq hat gesagt…

aber wie! komischerweise ging die verbesserzung der umweltsituation einher mit einer vervielfachung der zahl der banken...

eulenfurz hat gesagt…

@Der Herold
Wer aber verleiht Geld, wenn er draus keinen Gewinn schöpft? Zinsen haben durchaus ihren Sinn und Geldwechsler muß es auch geben.

Pervers aber ist die Riesenblase von Spekulanten, die keine Werte schaffen, aber Vermögen raffen. Die werden am Ende ja doch von den Werteschaffenden ausgehalten.

ppq hat gesagt…

einspruch, euer ehren. diese angeblich "riesenblase" macht mit ihren aktivitäten nur einige promille (nicht prozent!!!) der umsätze an den börsen und alternativen handelsplattformen aus.

merke: die größten einzahler in die achso bösen hedge funds sind...

bababababa: staatliche und firmeneigene pensionsfonds, die auf die art die renten von ganz einfachen angestellen und arbeitern zu erwirtschaften versuchen.

derherold hat gesagt…

Abgesehen davon, daß mich die die raffende Wortwahl von Genossen *eulenfurz* an die allerallerschlimmste Zeit denken läßt ...

... ich sehe das wie bei einem früher in Gastkneipen häufig anzutreffenden Flipperautomaten: Oben wird eine Geldkugel eingeworfen und die soll nun *ting* *ting* *ting* Punkte machen, d.h. verschiedenen Interessengruppen ein Einkommen zukommen lassen.

So braucht der US-Staat z.B. fiat-money um große Studenten-loans auszureichen, damit horrende Studiengebühren gezahlt werden können, die dazu dienen, dem gigantischen education-Sektor zu Einkommen sichern, der damit seine Regierung der Nationalen Front und europ. sozialistische Professoren und die gefühlten 2,3 Mio. chinesischen Postdocs (allein in den Biowissenschaften !) schmiert.

Die *tea party* ist nicht so gefährlich, weil sie "right wing" wäre, sondern weil sie die Axt an den common sense legt: daß jedes mehr Geld zur Verteilung zur Verfügung steht.

Anonym hat gesagt…

Cherchez le juif...
Hildesvin

Volker hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Volker hat gesagt…

"Seit 1990 hat die Deindus... *räusper*... hat der Umweltschutz entscheidende Fortschritte gemacht."

Ganz so schlimm ist es wirklich nicht. Es gibt schon eine Menge Industrie im Osten. Wir können nicht mithalten mit BW. Aber es ist schon viel entstanden.
Und dass die Ostindustrie zerstört worden wäre, kann man auch nicht sagen. Sie ist wegen Alterschwäche in sich zusammengefallen.
In Dresden arbeitete 1989 die im Jahr 1926 (neunzehnhundertsechsundzwanzig) errichtete Telefonzentrale.
Entsprechend "viele" Haushalte waren mit so einem Wunderwerk der Technik ausgestattet.
Bei diesen Zuständen brauchts keiner kriminellen Energie. Der alte Kram hat sich selbst erledigt.

Anonym hat gesagt…

Erinnerungskeile von Schtaarschitekt Liberman ; Kapitalismuslritik ist fat antisemitisch - Doom soon red moon .

brd angreifen

VRIL

ppq hat gesagt…

ich finde vrils kommentare immer unheimlich erfrischend. bringt jede diskussion auf ein ganz anderes niwo

ppq hat gesagt…

aber ernsthaft gesprochen: ja, ich sehe das wie der herold.

weiß aber leider auch nicht, wie es anders gehen soll.

der exzess ist in dem system ebenso eingebaut wie die behauptung, er ließe sich vermeiden, wenn man nur blablabla finanztransaktionssteuer, von siggi pop festgesetzte preise, niedrigere zinsen (DGB), höhere zinsen (DIW), angebots- oder nachfrageorientiert, mehr frauen in führungpositionen und neidrigere managergehälter + mindestlöhne usw.

glaube ich alles nicht.

was uns jetzt auch nicht weiterhilft, ich weiß

derherold hat gesagt…

"In Dresden arbeitete 1989 die im Jahr 1926 (neunzehnhundertsechsundzwanzig) errichtete Telefonzentrale."

Mich deucht, daß im Brikettwerk Deuben heute noch die Maschine von 1936 werkelt.

1936 !
Braunkohle !

ppq hat gesagt…

es war nicht alle schlecht

Kurt hat gesagt…

Die Braunkohle ist sogar noch älter als 1936!
Duckundweg!

Die okkjupei-Bewegung ist nichts weiter als eine Möglichkeit für verschiedenste Populisten, ein aktionsbetontes Gemeinschaftsgefühl unter ihren Mitläufern zu generieren. Das ist alles.
So wie foodwatch diesen Herbst statt "acrylamid im Spekulatius" die Lebensmittelspekulation verteufelt, so sind eben im Politischen diesmal die Banken dran. Eine bessere Ablenkungsstrategie gibt es doch gar nicht. Deshalb wurden die Banken von den Politikern erst korrumpiert (Partys im Kanzleramt etc.), um sie jetzt ans Messer des Volkszorns liefern zu können, Teile und Herrsche.
Und unserer junge Generation geht es so gut, daß sie neidisch aus der warmen Stube auf die Camper auf z.B.spanischen Plätzen blickt. Vergessend, daß diese meistens keine solchen Alternativen haben, wie sie sich Sophia und Maximilian bieten. Aber egal, unsere lieben Kleinen wollen halt auch mal in der Innenstadt zelten.

Vernünftig ist das schon, wenn man akzeptiert, daß es nur darum geht, die permanente Empörtheit der Leute zu schüren. Dann kann man sich an die Spitze der Bewegung setzten und die politische Ernte bei Wahlen einfahren. Stuttgart21 hat es vorgemacht.
Sogar die Antiquitätenverkäuferin von Schalck-Golodkowski, Sarah W., darf derzeit vermehrt ihren Politstuß über Funk und Fernsehen loswerden.
Wenn das mal keine Revolution von oben wird.

@derherold
Man darf DDR sagen. Es gibt nur keine ehemalige DDR. wohingegen es sehr wohl eine ehemalige BRD gibt. Das ist die in den Grenzen von 1987.

ppq hat gesagt…

bezaubernde analyse. ich bin ganz bei dir, so sind sie wohl, die realitäten

Volker hat gesagt…

"Mich deucht, daß im Brikettwerk Deuben heute noch die Maschine von 1936 werkelt.

1936 !
Braunkohle !"


Glaube ich.
Aber was willst Du uns damit sagen?

Anonym hat gesagt…

Braunkohle - find ich gut VRIL.

( haben wir nicht Kohle für 200 Jahre in der Lausitz ? )

zdf : Negerkinder hunger weil die Deutsche Bank spekuliert .

Böse Bank ^^

ppq hat gesagt…

die deutsche bank ist an allem schuld, vielleicht können wir das mal so festhalten. man muss sie, wenn man sowas öffentlich sagt, allerdings "die banken" nennen

derherold hat gesagt…

Schön war (jahrelang), wenn Spargel Online als Beleg für die gierigen deutschen Bankster die "Boni an der Wall Street" benannte.

Ein bißchen gegrinst habe ich da schon. Da haben sich unsere Provinzlandesbankenbanker von den Großeinkommenverdiener in London und Nujork immer schön zum Essen einladen lassen, um LaSheens und Hector Rodriguez´ sub- als prime-Kredit angedreht zu erhalten ... und da mußten "sie" für "die" die Prügel einstecken. :)

ppq hat gesagt…

noch lustiger ist aber, dass der spiegel, der sich ein "manager-magazin" hält, um aus bankerboni aboeinnahmen zu machen, flexibel empört sein kann darüber, dass es a) banker gibt und dass die b) mehr boni kriegen als spiegelmitarbeiter