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Montag, 24. Oktober 2011

Wo es qualmt, brennt es auch

Inthronisierung im Nebel einer Packung Ernte23: Vor einem neugierigen Millionenpublikum hat Altkanzler Helmut Schmidt den derzeitig als Buchautor tätigen ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück als seinen Nachfolger im Amt des Bundeskanzlers vorgestellt. Schmidt, seinerzeit vom Volk aus dem Amt gejagt, weil er die Stationierung neuer amerikanischer Atomraketen in Deutschland gegen die Bevölkerungsmehrheit durchsetzte, gilt seit seiner Neuerfindung als Weiser von der Waterkant zahllosen Wählerinnen und Wählern als eine Art politische Überinstanz ohne Eigeninteresse.

Schmidt hat nichts zu sagen und wird deshalb gern angehört, ja, das Volk, das ihn als Kanzler verabscheute, hängt geradezu an seinen Lippen, wenn er seine von allen Ämtern losgelösten Erwägungen zur Weltlage zum Besten gibt.

Diesmal empfiehlt Schmidt Steinbrück zur Wahl, denn „der kann es“, blasen die Agenturen schon lange vor Anpfiff der großen Staatsfernsehschau mit Günther Jauch in den Äther. Der echte Auftritt des elder statesman ist dann ein Skandal ohnegleichen: Nicht was Helmut Schmidt zu Griechenland und EU, zu Staatschulden und zur SPD sagt, ist bedeutsam, sondern wie er auftritt.

Der Altkanzler, an den Rollstuhl gefesselt, aber immer noch mit vollem Haar, qualmt sich durch die Sendung. In Zeiten, in denen „Tatorte“ vorsorglich rauchlos angefertigt werden, weil Produzenten und Regisseure in Erwartung künftig weiter verschärfter Gesetze nicht riskieren wollen, wegen verbotener Zigarettenwerbung eines Tages nicht mehr im Nachtprogramm nachgesendet zu werden, rebelliert der Greis als rauchendes Menetekel für die enger gewordenen Grenzen der menschlichen Individualität.

Schmidt schlotet, als lebe er allein noch vom Nikotin, Jauch und Steinbrück bemühen sich angestrengt, den dampfenden Rentner in ihrer Mitte nicht zu bemerken.

Ein schönes Beispiel dafür, wie Gleichheit funktionieren kann: Schmidt ist gleich genug, sich erlauben zu dürfen, was sonst nur Hartz4-Empfängern in den Frauentausch-Sendungen der Privatsender gestattet ist.

Schmidt zelebriert so, während er für seinen Freund Steinbrück trommelt, der vor Jahren als Ministerpräsident alle Türen weit aufriss, um der WestLB das Spekulieren an allen offshore-Märkten und mit allen Finanzinstrumenten zu gestatten, Freiheit, wie sie selten geworden ist. Akorrekt und alterstarrsinnig spricht das Idol seiner früheren Feinde wie Gott aus einer Wolke zu seinen Bewunderern. „Altkanzler Helmut Schmidt ist ein brillanter, eloquenter Gast. Einer, der sich aus dem Talkshow-Einheitsbrei abhebt“, lobt der „Stern“ am Tag danach, als sich der Rauch verzogen hat. Der „Spiegel“, der Schmidt 1982 bescheinigte, unter seiner Führung habe die SPD so viele Anhänger verloren, dass nur Klaus von Dohnanyi der Partei noch die Macht retten könne, lobt den Auftritt von „zwei klugen Männern“, die „gelassen, gelegentlich mahnend“ über die Weltlage gesprochen hätten. Weltlage. Leider werde Peer Steinbrück, schließt sich das Blatt dann einem PPQ-Vorschlag an, in Bälde Kanzler sein. Dann werde er „keine Zeit mehr für Klartext haben“.


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Kommentare:

Friedrich hat gesagt…

Ich teile Deine "Begeisterung" für Schmidt. Meine "Begeisterung" für Steinbrück kann ich mit der für "Schmidt" durchaus vergleichen.

ppq hat gesagt…

wie schmidt das fernsehen vorführt, das überzeugt mich schon, da bin ich ehrlich.

steinbrück dagegen sagt ja selbst, was er zu bieten hat: als MP gescheitert, als bankenaufseher blind, aber fast ist es ihm mal gelungen, das defizitkriterium einzuhalten. fast.

vakna hat gesagt…

In der Schweiz "freut" man sich schon auf einen Kanzler Steinbrück, der kann dann die Kavallerie richtig losschicken und nicht nur verbal, wie letztes Mal.
Positiver Nebeneffekt: Armeestärke und Ausrüstung der Schweizer Armee sind plötzlich kein Thema mehr. Die neuen Kampfflugzeuge sind praktisch schon gekauft.

Bullette hat gesagt…

...sollte Steinbrück Kanzler werden, wäre evt. die Position des Finanzministers vakant.

Ich hoffe hier inständig, dass man sich auf einen fachkundigen, jungen aber auch erfahrenen Nachwuchsfinanzpolitiker besinnt, welcher sich jedes Jahr trotz Rückschlägen (für die er nichts kann), dass Ziel stellt den Haushalt auszugleichen:

Jens Bullerjahn!
Jens kann Finanzminister!

Volker hat gesagt…

Aber bitte Bullette, DER Finanzfachmann schlecht hin ist doch unser Fips.
Der kennt keine Rückschläge. Allenfalls solche für den Staat, aber der interessiert unsere politische Klasse schon lange nicht mehr.