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Montag, 2. Januar 2012

Inflation: Der Frosch mit der Maske

Steigt durch die Politik der EZB nicht das Inflationsrisiko, fragt die „Zeit“ den Ökonomen James Galbraith. Die ganze Inflationsdiskussion ist Nonsens, sagt der Experte. Diese ganze Inflation, von der immer so viel die Rede ist, die gibt es gar nicht, sagt Ulrike Herrmann von der „taz“ mitten im deutschen Fernsehen. Sie wird nicht einmal rot dabei, offenkundig weiß sie also nicht, wovon sie spricht.

1991 3,19 Mark, 2011 3,20 Euro.
2001 1,42 Mark, 2011 1,57 Euro.
1996 1,30 Mark, 2011 2,50 Euro.

Die Preise oben sind die für Brot, Benzin und Bier. Alle drei haben sich in den genannten Zeiträumen verdoppelt. Und das, bevor die EZB begann, Milliarden und Abermilliarden Euro auf den Markt zu werfen, um die Versorgung der Staaten mit frischem Geld zur Zahlung der Gehälter auszustatten. Natürlich, anderes ist billiger geworden, wie die staatlichen Stellen zum Jubiläum nicht müde werden zu betonen. Plasmafernseher. MP3-Player. Digitalfotoapparate. Telefongebühren. Oder besser. Wie Computer. Handys. Kaffeemaschinen.

Aber die Inflation ist da, immer. Um etwa fünf Prozent stiegen die Preise hierzulande seit der deutschen Einheit – man könnte auch sagen, dass die Menschen im Lande in jedem Jahr fünf Prozent ihrer Einkommen und Vermögen weggenommen wurden. Glücklicherweise völlig unbemerkt, denn die offiziellen Zahlen zur Geldentwertung liegen nicht einmal halb so hoch. Am schönsten aber sind die Illustrationen, von denen flankiert sie in die Öffentlichkeit geschickt werden: Statt anzuzeigen, um wieviel Geld an Kaufkraft verloren hat, zeigen sie regelmäßig eine auf- und niederzuckende Kurve der Höhe der Geldentwertung, die aussieht, als sei niedrigere als hohe Geldentwertung gar keine Geldentwertung.

Zusätzliche Steuern machen arm, die schleichende Auszehrung von Zahlungsmitteln dagegen macht glücklich. Es ist das Modell Frosch im Kochtopf, das Herrschende zu allen Zeiten angezogen hat wie der Honigtopf den Bären: Wirft man den Frosch ins heiße Wasser, stirbt er unter viel Geschrei. Doch in kaltem, das gaaaaaanz langsam erhitzt wird, räkelt er sich zufrieden, bis er stirbt, ohne zu wissen, warum.

Für die Finanzminister ist Inflation das Beste, was passieren kann. Denn Finanzminister haben immer Schulden, Inflation aber verringert nicht nur den Wert von Guthaben, sondern auch den aller Verbindlichkeiten: Wer sich 100 Euro borgt, wenn es für 100 Euro zehn Brote gibt, und diese 100 Euro zurückzahlt, wenn deren Gegenwert nur noch fünf Brote beträgt, hat ohne etwas zu tun fünf Brote verdient, die er selbst essen kann.

Noch besser ist das selbstverständlich für den, der zwei Billionen Schulden hat wie der deutsche Staat. Bei einer Inflationsrate von null Prozent müsste er seinen Kreditgebern das ganze Geld nach Ablauf der Leihfrist im vollen Wert zurückerstatten – plus der Zinsen genannten Prämie für die Überlassung. Liegt aber die Inflation höher als die Zinsen, wie es derzeit der Fall ist, springt beim Borgen noch etwas heraus: Kredite aufzunehmen, kostet nichts, sondern verdient Geld.

Und wie. Fünf Prozent Inflation minus 2,5 Prozent Zinsen macht 2,5 Prozent Gewinn im Jahr auf jedem geborgten Euro. Bei 2000 Milliarden macht das 50 Milliarden, von denen niemand fragt, woher sie eigentlich kommen. Denn die Anwort würde keinem gefallen: Nicht dem Frosch, der gekocht wird. Und nicht dem Koch, der sich schon aufs Essen freut.

Kommentare:

Friedrich hat gesagt…

Das ist keine Inflation. Ääähm die Sachen sind einfach nur teurer ;-(

Anonym hat gesagt…

Die Annahme die BRD könnte sich per Inflation entschulden ist falsch.

Diese Überlegung geht nur auf, wenn nicht nur eine Preis-, sondern auch eine Lohninflation stattfindet.

Die Löhne jedoch stagnieren seit Mitte der 90er.

Nur Verbrauchssteuern welche an die Preisinflation gekoppelt sind, bringen dem Staat nominal höhere Steuereinnahmen.

Für Lohnempfänger und Sparer bedeutet diese Entwicklung einen rasch voranschreitenden Kaufkraftverlust, die sich durch die Geldmengenausweitungen und in deren Folgen massiver Preisanstiege bei den Rohstoffen noch beschleunigen wird. Hinzu kommt der Wertverlust des Euro.

So sicher wie die beschleunigende Inflation ist jedoch auch das Desinteresse der Bevölkerung sich mit ihrem Wohlstandsverlust zu befassen.

R.A. hat gesagt…

> Die Löhne jedoch stagnieren
> seit Mitte der 90er.
Das ist deutlich falsch.

Die nominalen Bruttolöhne sind durchaus gestiegen, durchaus ordentlich sogar.

Real, also eben bei Einrechnung der Inflation, wirds dann schon weniger.

Und netto bleibt vom Zuwachs dann nicht mehr viel übrig - aber das ist ein anderes Problem.

eulenfurz hat gesagt…

Um etwa fünf Prozent stiegen die Preise hierzulande seit der deutschen Einheit ...


Pro Monat, pro Jahr? Gab es da nicht einen Warenkorbindex, um nicht auf einzelne Produkte wie Bier und Benzin zurückgreifen zu müssen?

ppq hat gesagt…

den korb gibt es, damit das alles nicht so auffällt

ppq hat gesagt…

und ich meinte natürlich pro jahr - im durchschnitt - pi-x-daumen: verdoppelt in 20 jahren

Friedrich hat gesagt…

Bei einer Verdoppelung in 20 Jahren wären das 3.6 % Inflation im Durchschnitt. Es gibt da eine klasse Regel 72 / Zins = Verdoppelung in Jahren

Beispiel:
10 % Zins
72 / 10 = 7.2 Mathematisch korrekt: 1.07^10 = 1,967

3% Zins
72 / 3 = 24
Korrekt
1.03 ** 24 = 2.033

Das klappt bis über 20 % ohne Probleme und bis auf 1 % runter auch. Wirklich "hilfreich". Nur falls es noch nicht bekannt sein sollte.

ppq hat gesagt…

wie gesagt, pi x daumen. lieber das nioch draufgeben, was die tagesschau abzieht.

und wenn mans rückwärts rechnet und alle nebengeräusche weglässt (also 100 + 5 im ersten jahr usw - bei vernachlässigung des basiseffektes), ist man nach zehn jahren bei 150 % und bei 20 bei 200.

ich habs ja gern auch mal einfach

Anonym hat gesagt…

Ein Bier für 2.50?
Ist das Lieblingsbier der Hallensern,das berühnte Sterni!jetzt so teuer?

Oels hat gesagt…

Ich habe nachgeschaut und nachgerechnet. Ich arbeite seit über 20 Jahren in der gleichen Bude und mache den gleichen Job. Deshalb läßt es sich gut vergleichen:

Jahresgehalt Brutto 2011 liegt 50% über dem des Jahres 1997.
Jahresgehalt Netto 2011 liegt 47% über dem des Jahres 1997.

Also eine durchschnittliche Steigerung von 3,57% bzw. 3.35%.

ppq hat gesagt…

@oels: beim gehalt. es ging doch aber um die preise!

Anonym hat gesagt…

Interessant dazu ist Folgendes: Politik will Inflation

Friedrich hat gesagt…

Zu Politik will Inflation:
http://fdominicus.blogspot.com/2011/12/etablierung-der-inflation.html

Man kann sagen Inflation ist das Lieblingswerkzeug der Delebets. Ist ja kein Wunder man profitiert ja mehrfach

1) Man braucht "nur" schlechteres Geld um die Schulden zu bezahlen

2) Man gewinnt durch die Progression noch höhere Einnahmen

3) Man kann alle anderen so schön als Preistreiber hinstellen

4) Man kann dann ungeniert höhere Gehälter verlangen.

Also aus Delebet-sicht alles supi