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Sonntag, 23. Dezember 2012

Ein deutsches Europa


Endlich, endlich! 14 Monate nach der weltexklusiven Enthüllung des perfiden Hades-Planes zur Schaffung eines „deutschen Europa“ hat die Süddeutsche Zeitung ihre Leser vor dem „Euro als deutsche Unterwerfungsmaschine“ gewarnt, als die ihn „ein Geheimplan aus den Neunzigern zur Unterjochung des Kontinents“ vorgesehen habe. Bei diesem „Schlieffenplan mit Geld statt Soldaten“ (SZ), sagen Experten, könne es sich nur um die vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und einer Handvoll Getreuer im Bonner Kanzlerbungalow entworfene Hades-Strategie handeln. Die hatte eine gemeinsame Währung für starke wie schwache Euro-Länder damals, anno 1991, scharfsichtig als sichere Möglichkeit gesehen, die wirtschaftlich potenteste Ökonomie des Kontinents in eine bessere Konkurrenzsituation zu bringen.

Nach den Vorhersagen des obersten Hades-Planers Joachim Grünewald, damals Staatssekretär im Finanzministerium, sollte der Euro wie ein Honigtopf funktionieren. „Mit der Gemeinschaftswährung simulieren wir wirtschaftliche Konvergenz, das heißt wir eröffnen den schwachen Randgebieten die Möglichkeit, sich zu niedrigeren Kosten zu verschulden“, heißt es auf einem seinerzeit von noch funktionierenden Resten der Staatssicherheit angefertigten Protokoll der geheimen Zusammenkunft. Die Marktteilnehmer, so spekulierte die Runde um Kohl, würden von Anfang an davon ausgehen, „dass die Gemeinschaft der Euro-Länder letztlich für die Schulden aller Währungsländer bürgen müssten, so dass Kredite für die Peripheriestaaten deutlich billiger werden würden.

Der hinterlistige Aspekt des Planes: Seien die Partnerländer erst einmal bis über beide Ohren verschuldet, bestimme der potenteste Partnerstaat, also Deutschland, wo es langgehe. Zu Kosten von damals geschätzten 300 Milliarden Euro bis zum finalen Szenario, „also bis zu dem Punkt, an dem Deutschland nicht nur die Musik bezahlt, sondern auch sagt, welches Lied gespielt wird“ (Zitat Protokoll Planungssitzung Hades), bekomme Deutschland Gebiete von fast vier Millionen Quadratkilometern angetragen, in denen 400 Millionen Steuerzahler lebten. Konrad Adenauer habe den Russen seinerzeit 100 Milliarden allein für die DDR geboten, die nur über 17 Millionen Steuerzahler verfügte und kaum mehr als hunderttausend Quadratkilometer groß war.

Billiger sei nicht einmal Alaska gewesen, das die USA einst von Rußland erwarb, so rechnete Grünewald damals vor. Die Süddeutsche zieht heute den Hut vor dem Ergebnis, warnt aber, dass die Deutschen in einer „Dreifachkrise aus Schulden, Wettbewerbsgefälle und schlechten Regeln dennoch mit der Gretchenfrage“ konfrontiere: „Wollt ihr die Union um jeden Preis? Wollt ihr Europa nicht nur in guten Tagen, sondern auch in schlechten? Wollt ihr es, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?“

Denn die Zeiten der Vorteilsgemeinschaft scheinen erst einmal vorbei zu sein. Nun nimmt Europa, es gibt nicht - zumindest nicht in Euro und Cent. Nur der Friedensnobelpreis sei immerhin herausgesprungen. Eine Krise berge aber eben auch den Vorteil, genau hinschauen zu können. „Zu sehen ist in diesem Moment ein gewaltiges Maß an Erosion. Zu sehen sind nationale Kleingeistigkeit und Egoismus. Zu sehen ist erschreckend wenig Gemeinsinn in der Union. Es ist die Nation, die Sicherheit verspricht“, folgert die SZ.

So nahe war Deutschland dem Ziel, Europa zu dominieren, seit dem Tag nicht mehr, als Hitlers Truppen in Paris einmarschierten, wie jetzt auch Andreas Köhler, der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, angeprangert hat.Wenn Europa seinen Bürgern die Geborgenheit und Sicherheit nicht geben kann, dann wendet sich die Maschine gegen ihre Erfinder. Schreibt die Süddeutsche. Dann entstehen Ressentiments. Schreibt die Süddeutsche. Dagegen könne man aber auch "angehen" (SZ): "mit Toleranz, Großmut, Geld, sehr viel Ehrlichkeit in der Politik" - Ehrlichkeit in der Politik. Steht da wirklich. Das Allerlustigste aber: Das ist ernst gemeint.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ein knallhartes Stück Journalismus hat Stefan Kornelius da eingeliefert, ä nein abgeliefert.
„Doch ohne die EU wäre der Kontinent wahrlich schlechter dran“ sagt er, und wahrlich, ich sage euch, wer zu biblischer, nicht zu sagen messianischer Diktion greift, der hat alle denkbaren Verläufe der Geschichte durchkalkuliert und keinen finden können, bei dem wir besser dran gewesen wäre. Sonst wäre es ja nur heiße Meinungsluft.
Dann schwafelt er weiter von der „Willkür der Märkte“ - Markt ist aber das Gegenteil von Willkür. Die gegenwärtigen Probleme resultieren aus der Willkür der Politik gegenüber den grundsätzlichsten Mechanismen der Märkte; aus dem Glauben, über den Gesetzen des Marktes zu stehen.
Macht nichts, wenn ein ganzes politisches System, das einst den halben Erdball beherrschte, auf diesem Irrtum aufbaute und unterging, dann kann das einem Niemand vom Süddeutschen Neuen Deutschland erst recht passieren.

ppq hat gesagt…

gut gesprochen. denn wahrlich, heilsversprechen lautet allezeit: keinem wird es schlechter, vielen aber besser gehen