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Samstag, 3. Oktober 2015

HFC: Auf dem Weg nach oben

Sören Bertram macht das entscheidende Tor in der 87. Minute.
Eine Art Einheitsfeier, die da ansteht im Kurt-Wabbel-Stadion, das mittlerweile "Erdgas-Sportpark" heißen darf. 25,5 Jahre nach der letzten Begegnung des Halleschen FC mit Wismut Aue in der letzten DDR-Oberliga-Saison stehen sich die Gastgeber von der Saale und die Violetten aus dem Erzgebirge, die mittlerweile "Erzgebirge" und nicht mehr Wismut heißen dürfen, wieder gegenüber. Damals, im April 1990, siegte der HFC wie eigentlich immer gegen die Knappen. Trotzdem trennten sich die Wege beider Vereine im vereinigten Fußballdeutschland: Der HFC versank in der 5. Liga. Aue wurde zur stabilen Zweitliga-Elf.

Auch heute kommt Aue als Zweitligaabsteiger, Tabellen-4. und Favorit zu den Rot-Weißen, die nach einem desaströsen Saisonstart auf Platz 14 stehen und erst seit Amtsantritt des des neuen Trainers Stefan Böger in die Erfolgsspur zurückgefunden haben.

Trotz der Niederlage in Mainz tritt der HFC auch von Anbeginn an wie ein Gastgeber auf. Dominant spielen die Rot-Weißen über den ehemaligen Auer Dorian Diring nach von, Bertram und Osawe ersetzen den verletzungsbedingt fehlenden Timo Furuholm bruchlos und Banovic macht die Mitte zusammen mit der inzwischen gefundenen Stammabwehr aus Rau, Kleineheismann, Engelhardt und Acquistapace dicht. Brügmann spielt wieder linksaußen, Sascha Pfeffer ersetzt den vorgerückten Bertram auf rechts.

Von Aue kommt nicht viel. Abgesehen von einem Freistoß, den Fabian Bredlos sicher hält, beschränken sich die Veilchen auf die Sicherung der Null hinten. Auer Stil in diesem Jahr, die Dotchev-Elf ist vorn sparsam im Toresschießen, bekommt im Gegenzug aber eben auch kaum Gegentreffer.

Das bekommt auch der HFC zu spüren. Denn obwohl Osawe mit einem Kopfball, Bertram mit zwei Schussversuchen aus Höhe Fünfmeterraum, Dorian Diring mit einem Fernschuss und Kleineheismann mit einem Kopfball das Torschussverhältnis deutlich zugunsten der Gastgeber gestalten, bleibt es beim 0:0 zur Pause. Einzige erwähnenswerte Auer Chance: Ein Konter, bei dem der über 30 Meter rückwärts laufende Diring die zwei auf ihn einstürmenden Erzgebirgler so entnervt, dass die ihm den Ball freiwillig in den Fuß spielen.

Nach der Pause kommt Aue, unterstützt von einem lautstarken Anhang, stärker auf. Angeführt von Christian Tiffert, der aus Halle stammt und auf seine alten Fußballtage auch gut auch in Bögers Elf gepasst hätte, wäre sein Großvater, Chef einer halleschen Fußballdynastie, nur mal auf die Idee gekommen, den HFC-Verantwortlichen einen Tipp zu geben, dass der Enkel seine Karriere noch keineswegs beendet hat, stehen die Gäste jetzt höher. Der HFC tut sich entsprechend schwer, zu Torchancen zu kommen, hat aber nach wie vor mehr davon als die Lilanen. Osawe läuft seinem Gegenspieler mehrfach davon, allerdings findet seine Flanken keinen Abnehmer. Als dann doch, steht Bertram schon weit außen und der Ball geht wieder vorbei.

Das wird ein Nullnull, da sind die 9030 Zuschauer im Stadion um die 60. Minute herum schon fast sicher. "Unter Köhler würden wir noch verlieren, unter Böger holen wir den Punkt", sagt einer. Nur dass ausgerechnet der Trainer mit einem Punkt nicht zufrieden ist. Böger wechselt offensiv. Erst ersetzt Lokalheld Toni Lindenhahn den ausnahmweisse mal unterdurchschnittlichen Florian Brügmann. Dann kommt Selim Aydemir für den unauffälligen Sascha Pfeffer.

Und dann macht Sören Bertram doch noch das Tor: Lindenhahn holt einen Einwurf auf rechts heraus, Dominic Rau, der unter Stefan Böger förmlich aufgeblüht ist, wirft auf Bertram. Der leitet weiter auf Osawe, der den Ball kurzzeitig verliert, damit aber Bertram wieder ins Spiel bringt. Mit links zieht der Blonde mit dem weißen Arm ab - ins lange Eck, wo Aues Keeper Martin Männel erst anlangt, als schon Moos auf dem Ball zu sprießen beginnt.

Es ist ein Jubel wie zuletzt beim Last-Second-Sieg gegen Rostock, einer jener Momente, wegen denen Menschen unfassbar viele Minuten unfassbar langweiliger Fußballspiele über sich ergehen lassen.

Damals, 1990, waren es die Goldene hallesche Fußballgeneration mit Jens Adler, Lutz Radtke, Giesbert Penneke, Uwe Lorenz, Volker Wawrzyniak, Dirk Wüllbier, René Tretschok, Dariusz Wosz, Jan Rziha, Uwe Machold, Lutz Schülbe, Jörg Nowotny und Karsten Neitzel, die Aue schlug. Heute, in einer veränderten Welt, sind es der Berliner Bredlow, der Westfale Acquistapace, der Thüringer Engelhardt, Kleineheismann aus Franken, Dominic Rau aus dem Erzgebirge, der Kroate Ivica Banovic, Florian Brügmann aus Hamburg, Toni Lindenhahn und Sascha Pfeffer aus Halle, der Franzose Diring, der Deutschtürke Aydemir, der Niedersachse Bertram und der Engländer Osawe, die den alten Oberliga-Rivalen abbügeln.

Stefan Böger macht dabei erneut bis zum Schluss alles richtig: In der Nachspielzeit bedankt er sich bei Sören Bertram, seinem besten Mann, indem er ihn rausnimmt. Und er bringt mit Max Barnofsky einen Ersatzmann, der noch keine Spielminute in der 3. Liga absolviert hat. So viel Selbstvertrauen. So viel breites Grinsen, als Schiri Bibiana Steinhaus nach 92 Minuten endlich abpfeift. Es folgt wie neuerdings immer der magische Böger-Kreis. Und danach die Tanzeinlage vor der Fantribüne für Platz 8 am 12. Spieltag, der besten Saisonplatzierung bis hierher.

Der traurige Sommer ist vorbei, ein goldener Herbst hat begonnen. Es geht nach oben.
Seit nach dem Spiel gekreist wird, wird im Spiel gewonnen.

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