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Mittwoch, 2. März 2016

Stau oder nicht Stau: Was uns Sprache verrät

Keine Frage. "Flüchtlinge stauen sich" (Focus) in Griechenland, seit Österreich eine Obergrenze für das Durchwinken eingeführt hat. "Flüchtlinge stauen sich" auch im Berliner "Tagesspiegel" wegen der "zunehmend blockierten Balkanroute" . Sie stauen sich in der "Welt" an der mazedonischen Grenze, in "Bild" zu Tausenden, in der "Süddeutschen" in einer "Sackgasse" (SZ) und in der "Tagesschau" an der "Ausweichstrecke über den Brenner".

25.000 sollen es inzwischen sein, die auf ihrem Weg Richtung Norden nicht weiter wissen, die sich deshalb notgedrungen in Griechenland stauen müssen. Nun bezeichnet der begriff Stau in der Strömungslehre eine Engstelle in einem Strömungsverlauf, an der die Strömungsgeschwindigkeit steigt oder aber - ist das nicht möglich - der Druck zunimmt.

Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache: In Griechenland, ein Staat mit einer Bevölkerung von rund zehn Millionen Menschen, reichen 25.000 Personen, also umgerechnet 0,25 Prozent der Bevölkerung, einen "Stau" hervorzurufen. Zum Vergleich: In Deutschland befinden sich derzeit allein 1,2 Millionen Flüchtlinge aus dem "Zustrom" (Merkel) des Jahres 2015, ein Anteil von knapp 1,5 Prozent der Bevölkerung, ohne dass medial Stau-Symptome diagnostiziert werden. Die Türkei schultert seit Jahren sogar drei Millionen Flüchtlinge - fast vier Prozent der eigenen Bevölkerung - ohne dass jemals die Rede davon war, es herrsche ein "Stau" mit dramatischen Folgen.

Vermutlich liegt es am Wohlstand. Griechenland ist bekanntlich pleite, darf nur nicht so genannt werden. Als armes Land fällt es dem todkranken EU-Partner naturgemäß schwer, zusätzliche Lasten wie die durch die Flüchtlingswanderung zu bewältigen. Es ist einfach kein Geld da, keine medizinische Versorgung, keine helfende Hand für "alleinreisende Jugendliche" (Göring-Eckhardt). Das kann Deutschland mit seiner wirtschaftlichen Kraft viel besser: Griechenland liegt im Human Development Index (HDI) nur auf Platz 29 und beim Weltwohlstandsindex auf Platz 50. Deutschland dagegen hälkt beim HDI den Platz 6 und beim Bruttoinlandsprodukt sogar Platz 4 weltweit.

Da ist doch klar, bei wem die mediale Verwendung des Begriffes Stau zur Beschreibung eines widernatürlichen Wanderungshindernisses wird. Und bei wem der stauartige Verbleib einfach den Zielpunkt einer Wohlstandswanderung beschreibt.

Wäre da nicht die Türkei, von der Bundeskanzlerin selbst als das rettende Ufer der Außen-EU im Kampf gegen den "Zustrom" (Sigmar Gabriel) auserkoren. In Griechenland sitzen 25.000 fest - eine wenigstens der Berichterstattung nach humanitäre Katastrophe. In der Türkei sind es drei Millionen, von denen nie zu hören und zu sehen ist.

Obwohl doch Griechenland nach dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf Platz 37 weltweit steht, während die Türkei nur Platz 65 erreicht. Ein Grieche erwirtschaftet im Jahr Güter und Dienstleistungen im Wert von 21.000 Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie ein Türke schafft.

Wieso also wird die Türkei für stark genug gehalten, den absehbaren Flüchtlingsstau auszuhalten, drei Millionen Flüchtlinge im Land gelten hier weder als Stau noch als überhaupt berichtenswert. Griechenland aber, doppelt so wohlhabend, wird mit nicht einmal einem Prozent der Flüchtenden, die die Türkei dauerhaft betreut, binnen Tagen zum Problemstaat.

Eine Logik, die sich jeder Logik entzieht. Griechenland leistet sich eine 132.000 Mann starke Armee, die jeden Griechen jährlich tausend Euro zehn Milliarden kostet - ein Soldat kommt so auf 74 Bürger, ein Flüchtling aber nur auf 400. In der Türkei ist es andersherum: Jeweils 26 Bürger müssen einen Flüchtling schultern, 109 dagegen kommen für jeden Soldaten auf.

Wie geht das? Woher kommt der mediale Eindruck, es sei genau anderherum? Wer kann da nicht rechnen? Oder kann er es doch?


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Griechen sind stolz auf ihre Armee, die ihre Impotenz sowohl beim Versuch, die Megali Idea 1919–1922 gegen die Türken umzusetzen, als auch bei der Landesverteidigung 1941 hinreichend bewiesen hat. Dafür zahlen sie gerne.

Anonym hat gesagt…

Liebe Leute ; die sog. "antifa" hat im Netz massive Wahlmanipulationen angekündigt – bitte unterstützt daher das Portal einprozent.de

Infos :

http://www.sezession.de/53414/wirzaehlenmit-wer-noch.html

DANKE !

Sturmbock hat gesagt…

Interessante Zahlenspiele. Die kann man weiterführen: Griechenland soll wegen der 25.000 Wanderer im Land 700 Mio. Euro von der EU kriegen. Wenn alle Mitglieder der EUdSSR gleiche Rechte hätten, müsste die BRD für 1,5 Mio. Wanderer 42 Mrd. Euro kriegen. Die kriegt sie aber nicht, sondern zahlt statt dessen den größten Teil der 700 Mio. an Griechenland obendrauf.

Wie sagte schon ein früherer Steinewerfer, heute fetter Bonze aus dem Altenteil:

"Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleissiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas sind. Das wird immer wieder zu 'Ungleichgewichten' führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal, wofür. Es kann auch radikal verschwendet werden - Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet."

Nun gut, der meinte zwar die BRD als er Deutschland sagte. Aber der hat ja nur ein abgebrochenes Abitur und einen Taxischein in der Tasche, da sollte man wegen der unpräzisen Staatsbezeichnung nicht so kleinlich sein.