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Mittwoch, 28. September 2016

Wir Reaktionäre

Rauchender Reaktionär: Michel Houellebecq qualmt gegen die Verhältnisse.
Zum ersten Mal kann man Reaktionär sein, nicht weil man rechts ist, sondern weil man zu links ist. Ein Kommunist oder jeder, der sich den Gesetzen der Marktökonomie als letztem Ziel widersetzt, ist ein Reaktionär. Ein Anhänger staatlicher Souveränität oder jeder, der strikt gegen die Auflösung seines Landes in einem föderalen europäischen Raum ist, ist ein Reaktionär.

Jemand, der den Gebrauch der französischen Sprache in Frankreich verteidigt oder jenen jeder anderen Nationalsprache in ihrem jeweiligen Land und der sich der universellen Verwendung des Englischen entgegenstellt, ist ein Reaktionär.

Jemand, der der parlamentarischen Demokratie und dem Parteiensystem misstraut, jemand, der dieses System nicht als die Ultima Ratio politischer Organisation begreift, jemand, der es gerne sähe, dass der Bevölkerung öfter das Wort erteilt wird, ist ein Reaktionär.

Jemand, der dem Internet und den Smartphones wenig Sympathie entgegenbringt, ist ein Reaktionär. Jemand, der Massenvergnügungen so wenig mag wie organisierten Tourismus, ist ein Reaktionär.


Michel Houellebecq

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Opfermentalitaet auf verzweifelter Tätersuche

Schon wer nicht direkt mit einstimmt, steht unter Verdacht. Wer auf Antinomien hinweist, zweideutig oder gar dialektisch redet, ist geliefert. Ähnlichkeiten zu bestimmten trendigen Reizworten im Ausdruck werden als Ausweis reaktionaerer Gesinnung angesehen.

Carl Gustaf hat gesagt…

Die Zugabe in der NZZ von heute: http://www.nzz.ch/feuilleton/liberalismus-ohne-scheuklappen-raus-aus-den-ideologischen-echokammern-ld.119007

Anonym hat gesagt…

Die NZZ ist ein Gossenblättchen für Pseudointellektuelle und Pseudooppositionelle. So wie der frühere Speichel* oder die David-Frankfurter-Rundschschau.
*Der heutige ~ rangiert unter der Blah-Zeitung.

Halbgott in Weiß

Heidjer hat gesagt…

Als Reaktionär hat man's heute schwer, denn mich mühsam durch dieses dicht und wirr verfilzte Aktionärsgestrüpp meiner hyperaktiven Zeitgenossen zu quälen, auf das ich dann möglicherweise auch mal besserwisserisch altklug reagieren kann, ist längst eine echte Schwerstarbeit geworden.

Vielleicht sollte ich mich darum besser auf die Gartenliege lümmeln und die letzten warmen schönen Herbsttage in kreativer Faulheit genießen. Reaktionär nur im Sinne der Zen-Weisheit: Jede Tasse Tee wird dich zu einer Antwort zwingen.

Die winterliche Schneeräumpflicht kommt schließlich schneller als man denkt.