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Donnerstag, 2. Februar 2017

Marx: Er ist wieder da

Einer geht, einer kommt: Die bürgerliche Presse macht sich immer öfter Gedanken, "was Marx uns heute noch zu sagen hat" (Junge Welt).

Ein Gespenst kehrt zurück nach Europa, das Gespenst des Kommunismus. Als gäbe es eine geheime Absprache, begräbt die - kapitalistisch organisierte - deutsche Presse die Alternative: In der "Welt" hat "der Kapitalismus seine Anziehungskraft verloren" und es klagt "dem Kapitalismus gehen die Kapitalisten aus". Der "Spiegel" entwirft ein Listicle über die "vier Krankheiten des Kapitalismus". Und bei Telepolis ist "der Albtraum vom Kapitalismus wahr geworden". Den Schlusstein setzt die "Zeit" nun mit einem Titel, der nur pro forma fragt "Hatte Marx doch recht?"


Bestimmt. Wie einst in der "Jungen Welt", die die originelle Angewohnheit hatte, die Leichen von Marx, Engels und Lenin in ausgedachten Interviews zu aktuellen Fragen der Zeit zu nehmen, analysieren Marx-Sprechpuppen nun das Phänomen Trump, sie hängen den Zeitgeist ab und graben aus den verstaubten Gesamtausgaben Neuigkeiten über die Krise der Demokratie.

Marx ist wieder da, frisch und erotisch, ein Hipster mit Rauschebart, der Post-Keynesianer, Neo-Ricardianer, feministische Ökonominnen und Postwachstumsdenker leise lächelnd dumm aussehen lässt. Kollege Friedrich Engels sah das Absterben des Staates voraus, Karl Marx sieht den Riss zwischen Kapital und Arbeit als Ursprung der Entfremdung zwischen Macht und Massen. Stegner, Oppermann und Schulz würden da keine Sekunde streiten und reflexhaft "Gerechtigkeit!" rufen.

Doch der Mensch ist ein ökonomisches Wesen, er geht, wenn er kann, genau dorthin, wo er bei geringstem eigenen Einsatz die angenehmsten Lebensbedingungen vorfindet. Marx´ Versagen lag darin, die Wirtschaft zu betrachten, den Menschen aber nur als Gruppe wahrzunehmen. Doch der Mensch ist nur Gruppe durch sein individuelles Verhalten, so wie Wassertropfen erst durch gemeinsames Fließen zur Flut werden. Dr. Marx diagnostiziert: Alles soll, alles muss gemeinsam, im Gespräch, eine große Koalition der Kumpels, die abwechselnd europäische oder gar globale Lösungen suchen für Klima, Gerechtigkeit und Handel. Die EU ist die Antwort auf das "Kapital"


Anis Amri, nach nur knapp sechs Wochen ein weitgehend vergessener Name, hielt sich daran: Er wanderte seinem Bedürfnis nach, es gut zu haben im Leben. Marx, ein früher Refugee vor deutschen Verhältnissen, hätte ihn verstanden: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen", sagte der.

Niemand darf gezwungen werden, seinen Wohlstand selbst zu erarbeiten. Denn wenn alle alles mit allen teilen, hat jedermann genug, etwas abzugeben. Konkurrenz zwischen Menschen, Ländern, Kontinenten wird von der Triebfeder der menschlichen Entwicklung zur Krankheit Kapitalismus, die geheilt werden soll durch das Handauflegen von Leuten, die nur knapp am Abitur vorbeigeschlittert sind. Alles, was war, kehrt als Farce wieder, schrieb Karl Marx im "Achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte". "Ich habe das Buch zurückgeschickt, weil es unmöglich zu lesen war", heißt es bei Amazon in einer Kritik, "es hätte für die Schule sein sollen, ich habe mich dann aber für ein leichteres entschieden".

Nie ist Marx besser bestätigt und widerlegt worden.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hans-Werner Sinn und Karl Marx - Neo-Liberalismus meets Marxismus

http://www.inwo.de/medienkommentare/hans-werner-sinn-und-karl-marx-neo-liberalismus-meets-marxismus/

Sauer hat gesagt…

Marx ist der Prototyp des Sozen: auf Kosten andere leben, in seinem Fall auf Kosten Engels, eines ausgewachsenen Kapitalisten. Nur so macht Sozialismus Spaß: als Schmarotzer die arbeitende und unternehmerische Klasse ausbeuten!

ppq hat gesagt…

ich könnte mir das gut auch für mich vorstellen. kennt jemand einen engels, der noch kapazitäten frei hat?

Bernd Engelking hat gesagt…

"Doch der Mensch ist ein ökonomisches Wesen, er geht, wenn er kann, genau dorthin, wo er bei geringstem eigenen Einsatz die angenehmsten Lebensbedingungen vorfindet"

Jeder Organismus ist eine ökonomisches Wesen, welches sich seine Ressourcen so einteilt, dass er am besten zurecht kommt. Keine einziger Organismus zerstört sich bewusst seine Lebensgrundlage, bzw. lässt deren Zerstörung zu. Der Mensch ist zusätzlich ein soziales Wesen, was sich nur in der Gemeinschaft entwickeln konnte.

Der Mensch sollte so leben, wie es seiner Natur entspricht und nicht anders. Der Mensch braucht nicht viel um zufrieden und glücklich zu sein, er braucht dafür keinen Wohlstand, keinen Luxus, keine Wegwerfgesellschaft, keinen Kapitalismus. Den weitaus größten Teil seiner Geschichte hat der Mensch ohne gelebt. Das ist also alles verzichtbar.

Anonym hat gesagt…

Er bräuchte auch keinen Sozialismus/Kommunismus.

Aber der Mensch war unzufrieden, als er ohne dies alles lebte, sonst wären weder Kapitalismus noch Kommunismus entstanden.

Sauer hat gesagt…


Was macht Kalle der Marxist,
Wenn er keinen Bonzen frißt?
Er murkselt in der Hose rum,
Doch sein Heinz bleibt stumm.
Dumm.

ppq hat gesagt…

der mensch ohne wohlstand ist dann in der regel auch sehr früh gestorben. oder tut es immer noch

Sauer hat gesagt…


@ ppq: "ich könnte mir das gut auch für mich vorstellen. kennt jemand einen engels, der noch kapazitäten frei hat?"

Schauen Sie sich mal in Engelskirchen im bergischen Land um, da könnten Sie fündig werden.

Diesen Hinweis gebe ich nur unter der Bedingung, daß Sie diesen unterhaltsamen, tiefenanalytischen, erfreulich sarkastischen Blog mit gleicher Regelmäßigkeit auch dann fortführen, wenn Sie in Engelskirchen einen mäzenatischen Engel bzw. Engels gefunden haben.

Anonym hat gesagt…

Nun, der Trierer Dienstmädchenschänder zählt(e)zu den Chaverim von Joffe, Davidele, Soros, Bärbel Lerner-Spectre, Noel Ignatiev ...

Die Anmerkung hat gesagt…

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/martin-schulz-es-geht-in-diesem-staat-nicht-gerecht-zu-a-1133014.html

Kanzlerkandidat Schulz "Es geht in diesem Staat nicht gerecht zu"

Im Zentrum stehe das Bemühen, die Bundesrepublik zu einem gerechteren Land zu machen.
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Nie ist Marx besser bestätigt worden.

Carl Gustaf hat gesagt…

"Kanzlerkandidat Schulz "Es geht in diesem Staat nicht gerecht zu"
Im Zentrum stehe das Bemühen, die Bundesrepublik zu einem gerechteren Land zu machen."

Deswegen heißt er ja auch Martin "Purple Schulz".