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Montag, 14. April 2008

Alles wird gut

Nun wird doch noch alles gut. Bis heute hat der große Mangel an Netzwerken und staatlich geförderten Initiativen im Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut dazu geführt, dass immer mehr über rechtsradikale Untaten berichtet werden muss. Gerade in Ostdeutschland fehlten vielen rechtsextremen Jugendlichen Ansprechpartner mit gediegener linker Sozialarbeiterausbildung, die in rechten Jugendkulturen bekanntermaßen als erste Adresse für Rat und Hilfe gelten. Allein in Sachsen-Anhalt existieren bis heute gerade sieben, neun oder neunzehn Netzwerke gegen rechte Gewalt, gegen das Wegschauen, für das Hinschauen, gegen national befreite Zonen, für das Miteinander, für Opferhilfe, gegen das Vergessen, gegen das Verdrängen, für freie Jugendzentren und kostenlose Proberäume, gegen das Vermieten von Proberäumen an rechte Bands, gegen Schulhofmusik, gegen Schulhof-CDs, zuviel rechte Straftaten, vertuschte rechte Straftaten und gegen rechte Strukturen überhaupt.

Das reicht natürlich nicht, fand die Arbeiterwohlfahrt deshalb jetzt heraus und rief, steter Tropfen höhlt noch den rechtesten Stein, zu "Zivilcourage im Alltag" auf. Unter dem überraschend jugendgemäßen Motto «Demokratie und Toleranz leben» verabschiedene der Wohlfahrtsverband dazu auch noch eine "entsprechende Resolution", wie er selbst vermeldete. Der Grund dafür wird viele Awo-Freunde ganz auf dem falschen Fuß erwischen: «Wir wollen ein deutliches Zeichen für zivilgesellschaftliches Engagement setzen», gestand AWO-Landesvorsitzende Petra Grimm-Benne verblüfften Sympathisanten und Mitgliedern.

Ihre Organisation bekenne sich "ganz klar zu Toleranz und einer Gesellschaft der Vielfalt", dieses erstaunliche und mutige "Bekenntnis zu Solidarität, Toleranz und sozialer Demokratie bedeute gleichzeitig die Absage an jede Form von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus" (Grimm-Benne).

Noch was vergessen? Konkrete Maßnahmen folgen: Beim AWO Landesverband wird "eine Stelle für Demokratiebildung und Toleranz" eingerichtet, die "ein entsprechendes Netzwerk aufbauen" und "Anleitung zur demokratiefördernden Bewältigung von Streitfragen" geben solle. Anleitung zur demokratiefördernden Bewältigung von Streitfragen. Warum ist da bisher noch keiner drauf gekommen?

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