Google+ PPQ: Fernstaub statt Feinstaub

Sonntag, 15. Juni 2008

Fernstaub statt Feinstaub

Mit bunten Plaketten und Fahrverboten, Tempolimits und Messstationen geht die verbotsverliebte öffentliche Verwaltung des gerade von irland gespaltenen Europa gegen gesundheitsgefährliche Feinstaubbelastungen vor. Mit wenig Erfolg, denn immer wieder weht Fernwind aus Afrika oder Rußland zehntausende Tonnen Staub ins Land, der nach EU-Gesetzen verboten ist.

Auch die gelbe Schicht, die im Frühjahr Autos in Ostdeutschland millimeterdick bedeckte, ist nun doch kein Abfallprodukt der erfolgreichen Umstellung der ostdeutschen Landwirtschaft auf die Herstellung von raps zur Erlangung von EU-Fördermitteln, sondern ganz gewöhnlicher Staub aus der Südukraine gewesen. Vom Unterlauf des Dnjepr wehte ein kräftiger Wind mit Böen bis zu 90 Kilometer pro Stunde gewaltige Staubmengen von den dank der EU-Landwirtschafstsubventionen neuerdings nicht mehr bewirtschafteten Acker- und Steppenböden auf. Dieser Staub wurde dann 1500 Kilometer weit getragen, wiesen Wissenschaftler verschiedener deutscher Institute jetzt nach.

Mal was Neues. Sonst ist es immer feiner Sand aus der Sahara, der sich als gelblicher Belag auf frisch gewaschenen Autos niederlässt. Im Frühjahr aber kamen die Spitzenkonzentrationen von sogenanntem PM10-Feinstaub zwischen 200 und 1400 Mikrogramm (millionstel Gramm) pro Kubikmeter Luft, gegen die kein Tempolimit hilft, aus der Ukraine: Um den Faktor vier bis 28 wurde der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten. Nach Schätzungen erreichten einige hunderttausend Tonnen Staub Deutschland, pro Kopf der Bevölkerung also etwa drei bis vier Kilo.

Auch wenn längst nicht alles eingeatmet wurde, müssen nun vermutlich alle Deutschen sterben. Vermutlich nicht einmal vermutlich, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Im Erzgebirge, schreibt die "Welt", hätten Menschen einen Himmel mit einem leichten Gelbschimmer bewundern können. In Halle, weiß PPQ, hätte man aus den Ferneintragungen üppige Sandburgen bauen können.

Gut für Deutschland, denn bei dem angewehten Material handelt es sich trotz der Farbe nicht um Sand, den allenfalls die auftrebende Solartechnik-Industrie hätte brauchen können. Die Wolke, von Forscher anhand einer "auffälligen Rotfärbung über dem Süden der Ukraine" identifiziert, enthielt vielmehr besten Schwarzmehr-Ackerboden. Mittlerweile drängt die ukrainische Regierung auf Entschädigungszahlungen. Frank-Walter Steinmeier, künftiger erster Kanzler einer Arbeiterregierung aus SPD, Grünen und FDP, hat Aufforderungen zu Verhandlungen allerings bisher ignoriert.

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