Google+ PPQ: Geheime Kameraden

Dienstag, 17. März 2009

Geheime Kameraden

Zwei Jahrzehnte "Kampf gegen rechts" sind nicht spurlos an der deutschen Jugend vorbeigegangen. Die Millionen und aber Millionen, die in Programme zur Demokratieerziehung und für aufklärende Schautafeln zum Dritten Reich ausgegeben wurden, bringen nun reiche Frucht. Geht es nach dem scheinwerfersüchtigen niedersächsischen Kriminalprogfessor Christian Pfeiffer, dem Erfinder des Kollektivtopfens in der DDR, sind inzwischen 14 Prozent aller 15-Jährigen im Lande rechtsradikal. 4,9 Prozent von ihnen bilden sich sogar selbst ein, zu einer "rechten Kameradschaft" zu gehören.

Erstmals ist damit amtlich, dass rechte Kameradschaften in Deutschland derzeit bereits rund 33.000 Mitglieder zählen, weit mehr als sie selbst bis gestern wussten, wie auch die taz staunt. Bislang war auch der Verfassungsschutz von zirka 200 Kameradschaften mit zwischen fünf und 30 Mitgliedern ausgegangen - rund 27.000 Kameradschaftsmitglieder, die sich bisher in geheimen Kameradschaften versteckt hatten, konnte erst Christian Pfeiffer durch direkte Befragung der Täter entdecken.

Ein schöner Erfolg für die nimmermüden Bemühungen der Bundesregierung und der restlichen Zivilgesellschaft, die Jugend auf den rechten weg zu bringen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Christian Pfeiffer (mit drei "F") wollten einen Zusammenhang zwischen staatlichen Erziehungsbemühungen und Erziehungserfolgen jedoch nicht herstellen. Schäuble, der selbst schon Gesetze gebrochen, sich später aber dafür entschuldigt hat, teilte mit, er sei "erschrocken". Die Zahlen seien ihm Anlass, dasselbe zu tun, was bereits die DDR immer tat, wenn das junge Volk nicht so wollte, wie das Politbüro gern gehabt hätte: Die Erziehungsbemühungen müssten nun weiter intensiviert werden, sagte der Innenminister. Dies sei Aufgabe der ganzen Gesellschaft, zitierte der Innenminister Eberhard Aurich, ehemals Vorsitzender der DDR-Jugendbewegung FDJ, der Mitte der 80er Jahre derselben Ansicht war. Damals ging es allerdings darum, die junge Generation vor den rock- und popkulturellen Nachstellungen des Imperialismus zu bewahren.

Auch Christian Pfeiffer, der die Ergebnisse der Studie bereits seit Monaten kennt, ist entsprechend der Zielstellung immer noch erschrocken über die "erschreckenden Erkenntnisse". Trotz jahrelanger aufwendiger Förderprogramme denke unverständlicherweise ein Teil der Jugend immer noch nicht, was er denken solle. So liege die Quote der Jugendlichen, die der Aussage "In Deutschland gibt es zu viele Ausländer" uneingeschränkt zu stimmten, bei fast 29,7 Prozent. Auf antisemitische Einstellungen ließen die Antworten von 6,4 Prozent der Jungen und 2,1 Prozent der Mädchen schließen, erläuterte der Kriminologe.

Es müsse die Gesellschaft aufrütteln, dass ein hoher Anteil der jungen Leute in das Fahrwasser der Rechten geraten sei, erklärte Pfeiffer. Eine aufgerüttelte Gesellschaft könne dann zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte dafür sorgen, dass junge Leute sofort nach ihrer Geburt dieselbe Weltsicht entwickeln wie alte, dasselbe denken wie ihre Eltern und keinerlei Interesse daran zeigen, zu rebellieren, indem sie sich etwa durch extreme Kleidung, extreme Musik oder extreme Ansichten von der vorhergehenden Generation abzusetzen versuchen.

Kommentare:

Tim hat gesagt…

Es gibt überhaupt auf der ganzen Welt viel zu viele Ausländer. Die deutsche Jugend liegt also im großen und ganzen richtig. Allerdings fehlt ihr die Lebenserfahrung - ein Vorwurf, den man der Jugend immer und immer wieder machen muß.

nwr hat gesagt…

Ja, Pfeiffer war schon immer eine Koryphäe:

Im Jahre 2000 beförderte ein Gutachten Pfeiffers maßgeblich den so genannten Joseph-Fall um den Tod des achtjährigen Joseph Kantelberg-Abdullah in der sächsischen Kleinstadt Sebnitz. Pfeiffer attestierte die Glaubhaftigkeit der Aussage der Mutter, die bis zu diesem Zeitpunkt kein Gehör gefunden hatte. Nach dieser Aussage hätten über 200 Einwohner der Stadt zugesehen, als ihr Sohn von rechtsradikalen Jugendlichen im örtlichen Freibad im Rahmen einer so bezeichneten „Hinrichtung“ ertränkt worden sei. In den nächsten Tagen übernahmen zuvorderst die Bild, aber auch viele andere Tageszeitungen das Gutachten ohne weitere Prüfung und lösten eine Welle der Entrüstung aus. Erst nach einer Woche erhärtete sich die gegenteilige Annahme, dass das Kind in Wahrheit verunglückt sei. Pfeiffers Gutachten hatte bis dahin aber weltweite publizistische Resonanz gefunden, tiefe Betroffenheit über die scheinbar noch immer virulenten rechtsradikalen Aktivitäten in Deutschland hervorgerufen und zum Empfang der Mutter durch den SPD-Vorsitzenden und Bundeskanzler Schröder geführt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Pfeiffer

Garp65 hat gesagt…

gut recherchiert, sogar die taz hat´s abgeschrieben...