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Mittwoch, 3. Juni 2009

Danke, Krise: Gerettete Ruinen

Langsam muss man aufpassen, nicht auch noch gerettet zu werden. Seit die große Finanzkrise durchs Land spült wie ein Gewitterrregen, spannt die Politik ein Netz aus Rettungsschirmen über die Republik, unter die jeder drunter muss, selbst wenn er sich vorher gar nicht bewusst war, in Todesgefahr geschwebt zu haben. Es wird mit Geld geworfen, als entstehe das durch Wurfbewegungen, es wird "investiert", dass es kracht, ganz egal, ob es Sinn macht.

Gern bleibt dabei völlig undurchschaubar, wohin warum welche Gelder geschaufelt werden. Die hallesche Eissporthalle zum Beispiel, vor Jahren an einen privaten Pächter abgetreten, kann nicht auf Rettungsfondsgelder hoffen. Investiert werden dürfe nur, so hat die Landesregierung festgelegt, in öffentliche Bauten - die Eissporthalle aber gehört zwar der Stadt, betrieben aber wird sie privat. Den Pachtvertrag würden alle Seiten nun gern auflösen. Dazu müsste die Stadtverwaltung die Gläubiger der Pächter allerdings mit Rettungsgeldmitteln befrieden. Dazu aber sind Gelder aus dem Rettungsfonds nicht da - heißt: Die Eissporthalle muss, aber sie kann nicht gerettet werden.

Das ist etwas ganz anderes als das Tschernischewsky-Haus, eine ausladende Ruine an einem Nebenarm der Saale, das der Universität jahrzehntelang als Hörsaalgebäude diente. Bis die "Loge zu den Weltkugeln" kam, ein freimaurerischer Verein, von dem noch nie jemand etwas gehört hatte. Die Loge verlangte die Rückübertragung ihres früheren Logengebäudes. Als die vonstatten gegangen war, wurde zur Sanierung des Hauses ein großes Vorhängeschloss ans Eingangstor gehängt. Seitdem verfiel das prächtige Gebäude mit großer Geste.

Bis die Krise kam. Plötzlich stellte die Landesregierung 16 Millionen Euro für den Umbau des Gebäudes zum künftigen Sitz der Akademie Leopoldina zur Verfügung. Dass die von den Hallensern immer noch "Tscherni-Haus" genannte Logen-Ruine sich in Privatbesitz befindet und deshalb keinen Anspruch auf Rettungsfondsmittel hat, weshalb auch niemand welche beantragt hatte, spielt keine Rolle: Das Geld ist da und es muss weg. Ein teil der Millionen wird nun erst einmal dazu verwandt, der klammen "Großen National-Mutterloge", wie sie sich selbst nennt, ihren Immobilienschrott abzukaufen. Danach wird saniert.

So geht das doch, und es geht noch viel besser, wenn man die richtigen Leute kennt. Die SPD beispielsweise besitzt in Halle seit mehr als 100 Jahren einen großen, einst von Arbeitern selbstgebauten "Volkspark". Seit die parteieigene Immobiliengesellschaft Konzentration GmbH wieder Eigentümer des Hauses ist, in dem einst der betrunkene Blasmusiker Fritz Weineck erschossen wurde, hat die Partei keine zwölf Euro in den historischen Bau gesteckt, für den es leider keine Verwendung gibt. Wo früher der "kleine Trompeter" sein "lustiges Rotgardistenblut" mit Bier auffrischte, gingen die Biergärten in Serie pleite, Konzertklubs mussten mangels Publikum aufgeben, allenfalls einmal im Monat tanzt hier noch die "Ü30"-Fraktion.

Höchste Zeit für Rettungsmillionen. So verkündete der sachsen-anhaltinische Finanzminister Jens Bullerjahn, der zufällig der SPD angehört, nun prompt, demnächst werde der Volkspark saniert, zwei Millionen Euro seien dafür da. Bullerjahn nutzt für die Mitteilung ein SPD-Hoffest, guter Platz, denn so war SPD-Sozialministerin Gerlinde Kuppe gleich zugegen, ebenso der SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Fikentscher, der heute im Vorstand des Volksparkvereines sitzt.

Wer hat das Geld aus dem Konjunkturpaket überhaupt beantragt? Wieso kann ein SPD-eigenes Haus mit Rettungsmillionen saniert werden? Wird es ja nicht, wird es ja nicht: Im Zuge der Sanierung, so heißt es, komme es "möglicherweise auch zu einer Änderung der Eigentumsverhältnisse". Der SPD-Finanzminister kauft seiner Partei die unnütze Ruine ab. Gerettet.

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