Google+ PPQ: Das Phantom der Verfassung

Freitag, 3. Juli 2009

Das Phantom der Verfassung

Sie will es, sie will es wirklich. Seit in Berlin kurz vor Weihnachten bekannt wurde, dass bereits im Herbst vergangenen Jahres eine Finanzkrise die Welt erfasst hatte, trommelt die ehemalige Klimakanzlerin Angela Merkel nimmermüd für "eine "neue Finanzmarktverfassung". Das "Rettungspaket", mit dem die Regierung auszog, die Krise zu bekämpfen, sei "ein erster Schritt auf dem Weg zu einer neuen Finanzmarktverfassung" gewesen, ließ die ehemalige Wandzeitungsredakteurin wissen. Es gehe darum, "wie wir eine Finanzmarktverfassung weltweit so gestalten können, dass daraus Krisen, wie wir sie jetzt erlebt haben, nicht mehr entstehen können", begründete sie ihre Forderung, als habe eine bislang bestehende "alte Finanzmarktverfassung" mehrere Kapitel enthalten, die es ausdrücklich erlauben, die Weltwirtschaft an den Abgrund zu führen.

Was Merkel nicht weiß: Es gab und gibt auch im Moment keine "Finanzmarktverfassung", die durch eine neue ersetzt werden könnte.  Wie die unbestechliche Timeline von Google beweist (oben) gab es in der Menschheitsgeschichte bislang überhaupt nur einmal die Forderung nach einer "Finanzmarktverfassung" - und zwar nach dem Markteinbruch infolge der Terroranschläge vom 11. September. Damals blieb es allerdings bei der Forderung. Die ominöse "Finanzmarktverfassung", von der Angela Merkel behauptet, sie müsse durch eine "neue" ersetzt werden, wurde nie und nirgendwo von keinem verabschiedet.

Es bleibt Angela Merkel Geheimnis, warum sie eine nicht vorhandene Finanzmarktverfassung nun durch eine "neue Finanzmarktverfassung" ersetzen will. Statt einfach zu sagen, dass eine Finanzmarktverfassung überhaupt ersteinmal benötigt werde. Aber "neu" klingt immer gut. Und sie will es ja, sie will es wirklich: Gut aussehen in der Krise.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Damit verwandt: die Wirtschafts-medien - die hatten ja eine Menge mit der Finanzkrise zu tun. Es zeigen sich, wenn man genauer hinsieht, schon mal die Konsequenzen. Das beginnt mit den US Zeitungen (ohnehin die meisten im Chapter 11 Verfahren)
und genauer besehen zeigt sich ein
ähnliche Entwicklung in DE.
Stichworte: Versagen der Journalisten /Medien; Medienkrise, usw., ...
eine neue Finanzmarktverfassung kann vielleicht deswegen ohnehin aufgeschoben werden. Oder wird überflüssig wenn man die Einfluss derMedien berücksichtigt.