Google+ PPQ: Wenn der Wähler zweimal klingelt

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Wenn der Wähler zweimal klingelt

Nein, es steht kein Warnschild am Gartenzaun von Angela Merkel. "Achtung, Kanzlerbungalow, wer weitergeht, kommt in die Psychiatrie". Auch ist niemals irgendwo in Deutschland der Hinweis veröffentlicht worden, dass es Wählerinnen und Wählern grundsätzlich verboten ist, die frühere Klimakanzlerin in ihrem Wochenend-Idyll im mecklenburgischen Hohenwalde zu besuchen, sie anzurufen oder an ihrer Haustür in Berlin zu klingeln.

Christian Jax aus Zingst hat das dann einfach gemacht. Der friedensbewegte Attac-Kämpfer, zuletzt als Kandidat der Linken bei den Kreistagswahlen in Nordvorpommern gescheitert, schrieb der Kanzlerin einen Brief. Und überbrachte ihn gleich selbst, denn die Angelegenheit war dringend: Jax hatte, so berichtet das Kanzlerinnen-Hausblatt Bild, einen Plan ausgearbeitet, der den endgültigen Frieden im Nahen Osten auslösen wird, sobald ihn Angela Merkel umgesetzt hat.

Jax betrat Merkels Grundstück nach eigenen Angaben, ohne dass die nebenan Wache haltende Polizei das bemerkte. Zuvor, so erzählte er der „Berliner Zeitung“, habe auf sein Klingeln niemand geöffnet. Deshalb sei er "in den Garten gegangen, wo ich die Kanzlerin antraf, die gerade ein Telefonat führte. Ich habe ihr einen Brief übergeben und bin dann wieder gegangen.“

Nachdem die Kanzlerin seinen Plan aber weder umsetzt noch dies ankündigte oder auch nur persönlich auf seine Vorschläge antwortete, kehrte Jax zurück. Einmal klingelte er an der Haustür, als Merkel selbst zugegen war, ein andermal sei nur der Ehemann der Kanzlerin im Haus gewesen. Einen Versuch, Angela Merkel in Berlin zu treffen, verhinderte die Polizei, die ihn, so die einzige amtliche deutsche Nachrichtenagent dpa, "an der Kanzlerwohnung in Berlin-Mitte abgewies".

Bei einem erneuten Versuch in Hohenwalde wurde der Mann nun "festgesetzt", wie es die Berliner Zeitung nennt. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittle, weiß die "Bild", ohne mitzuteilen, welchen Tatvorwurf die Behörde verfolgt. Viermalige Besuchsversuche gelten laut neuester Medienrechtsprechung allerdings offenbar als „Stalking“, die Polizei hat Christian Jax deshalb in die offene psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses in Angermünde eingewiesen. Nachdem der Friedensaktivist das Krankenhaus auf eigenen Wunsch und ohne Abmeldung kurzerhand wieder verlassen hatte, wurde der gelernte Bibliothekar mit festem Wohnnsitz sogar zur Fahndung ausgeschrieben und wenig später von Spezialfahndern des LKA in Brandenburg gefasst.

Jetzt rätselt Berlin, wie es überhaupt soweit kommen konnte, schreibt die Bild. Außerhalb von Berlin rätselt der Wähler, welches Strafmaß Christian Jax für das unbemerkte Betreten des mit einem Zaun geschützten Merkel-Grundstücks in der Nähe von Templin zu gewärtigen hat. Auf Hausfriedensbruch steht nach Paragraph 123 StGB eine Freiheitsstrafe von höchstens einem Jahr, die bei einem Beschuldigten ohne Vorstrafen zur Bewährung ausgesetzt werden würde, oder die Zahlung einer Geldstrafe. Allerdings ist Hausfriedensbruch nach deutschem Recht ein Antragsdelikt, das ohne Strafantrag des Betroffenen nicht verfolgt werden kann.

Kommentare:

Michel hat gesagt…

Das is doch ne Farce, ich lass ich Zukunft auch mal meinen Briefträger in die Psychatrie einweisen, wenn er 4 mal klingelt...*kopfschüttel*
Finds aber ne Gute aktion von Jax und es sollten noch mehr Leute machen. Wenn die Frau schon von sich behauptet, für das Volk zu sprechen, dann muss sie auch mit dem Volk sprechen!

Die Anmerkung hat gesagt…

In Deutschland ist es ja Tradition, jemanden als irre zu bezeichnen und in die Klapper zu stecken.

Insofern war BILD mit dem irren Stalker auf einer Linie mit Goebbels und den NS-Ärzten, die das wohl zum ersten Male in großem Stil machten.

Gewissen hat gesagt…

Was für Peinlichkeit von einem Ex-WASG-Landesvorstand und Ex-Linke-Landesvorstand. Die Psychiatrie wird wohl doch Christian Jax Heimat werden. Überall gescheitert. Selbst an einem Gartenzaun.
Gruß von einem Ex-WASG-Landesvorstand aus MeckPom

vakna hat gesagt…

Für einen Attac-Kämpfer ist die Klapse schon der richtige Ort.

VolkerStramm hat gesagt…

Nicht ganz, Anmerkung.
Die Nazis haben nicht Gesunde in die Klapse gesteckt. Die haben Missbeliege einfach so ins KZ verfrachtet. Wozu den Aufwand mit Psychoblabla?
Auch die DDR hat´s nicht getan. Es gab mal beim Politbüro das Ansinnen. Aber als die Klinikdirektoren das zurückgewiesen haben, war das vom Tisch (auch wenn es im Ausnahmefall vorgekommen sein sollte).
Regelmäßig wird aber die Psychiatrie in der DDR 2.0 missbraucht. Das Netz ist voll mit Beispielen.
Einen Fall (Glück für das Opfer) hatte mal das Abendblatt an die große Glock gehängt, weitere finden sich bei Geier oder auf der Seite der Psychiatrieerfahrenen.

Michael hat gesagt…

Ich finde die Aktion von Herrn Jax gut, den Mut muss man erstmal haben.
@Vakna: Das alle Attac "Kämpfer" nach deiner Meinung nach in die Klapse sollen, find ich doch ziemlich vermessen!
@VolkerStramm: "DDR 2.0". Ist Deutschland nicht schon eine Weile eine vereinte Nation? Das "DDR" und "BRD" oder "Ossis" und "Wessis" noch so tief in den Köpfen steckt tststs

Anonym hat gesagt…

warst du das_

Anonym hat gesagt…

??